83
an die ^8sooistion catlloliguo pour >3 libertö religieu56 in Paris zuversenden beschloß, ist von dort unterm 9. März d. I. nachfolgende Ant«Wort erfolgt:
Hochgeehrte Herren und GlaubenSbrüder!
Wir haben mit Freude die Adresse empfangen, mit welcher Sie unsbei Ihrer jüngst in Mainz gehaltenen Generalversammlung beehrt haben,und wir hätten gewünscht, Ihnen rascher die Freude und Erkenntlichkeitausdrücken zu können, welche sie in unö erregt hat.
Geschaart um den heiligen Stuhl, welcher jederzeit das Heiligthum dersittlichen Welt, der Herd aller Wahrheit auf Erden ist, und welcher hin-überragt über den Undank und daS Unglück in der Ehrfurcht der Nationen,trösten wir den erhabenen und hochherzigen Hohenpriester, welcher ihn ziert,durch den Anblick unserer brüderlichen Einigung. Und cS sollen selbst Jene,welche die Reinheit unseres Glaubens und die Aufrichtigkeit unserer Bestre-bungen verkennen, nicht bloß von den Christen der Gegenwart sagen, wievon den Christen der Urkirche: Seht, wie sie sich lieben! sondern auch:
Inmitten der Umstürze dieses schmählichen und verhängnißvollen Jahres, Sehet, wie sie glaubenl Sehet, wie sie hoffen auf Gott , auf die Kirche,welches mit der Knechtung der katholischen Kantone der Schweiz begonnen auf die Zukunft!
und mit der Verbannung Pms IX. ge,chlofsen, stieg ein neues Licht für Genehmige» Sie, meine Herren, die Versicherung der Gefühle voll«uns auf, ein unverhoffter Trost ward unS gewährt. Die Emancipation kommener Sympathie und unwandelbarer Anhänglichkeit, mit welchen wirder katholischen Kirche in Deutschland hat wieder einmal der Well den freudig unS nennen Ihre hochachtungSvolleu Brüder im Glauben.
Beweis geliefert, daß Gott seine Gläubigen nur erniedrigt, um sie zu. Der Präsident deS Ausschusses: Eh. v. Montalembcrt. Dererhöhen, und daß menschliche Weisheit an irgend einer Stelle^Nicepräsident: Vatimesnil. Der Schriftführer: Heinrich v. Riancey.zu kurz kommt.
Die Bedrängnisse der Kirche in Ihrem Vaterlande hatten schon seit -
langer Zeit unsere Sympathieen erregt. Wir seufzten über diese tiefe
Knechtschaft, in welche der unsinnige Druck der Menschen und das Unheil Ans einem Wanberbuche.
der Zeiten sie gestoßen. Aber welche Quelle der Hoffnung finden wir nicht Bon I)e Alban Stnl,
fortan in der Bildung eines solchen Vereins, wie deö Ihrigen, in dieser i
hochherzigen Begeisterung, welche die Katholiken Deutschlands in einerZeit, wo alle staatlichen Institutionen entnervt oder. entehrt erscheinen,drängt, das Recht der VereinSbildung zu benützen, um. die Rechte, dieWürde, die Unabhängigkeit der Kirche zu fordern und um durch ihrenMuth die Widerherstellung ihrer alten Glorie vorzubereiten!
Sie haben, meine Herren, sonach eingesehen: der Irrthum hat keineanderen Kräfte, als die Frechheit seiner Stützen und die Schwäche derFreunde der Wahrheit. Wir, die wir die Wahrheit lieben, lernen ihrdienen, ohne an ihrem Triumph zu zweifeln. Die Wahrheit entbehrt nichtder Waffen, sie entbehrt nur der Krieger.
Zu Constanz ging eS auf den See. Gegen Abend erschloß sich eineganz wunderbare Schönheit der Fernsicht. Der See und der Himmelhatten die TirolerIlpen zwischen sich genommen, und hatten sie mtt HilfedeS abendländischen Septembersoiinenscheines sich selber assimilirt, daß siegebaut schienen auS weißem Wasser, blauem Himmel und lichtem Schein.ES war so schön, so unsäglich schön, wie kaum der schönste Traum dieSeele umschwärmt; cS schien der Himmel einen Augenblick sich herabgesenktzu haben, und da zu ruhen, voll Silber und Luftäther und unendlicherZartheit; die Natur schien ein süßes Kind geworden zu seyn, und hold-seligst zu lächeln. — Du schöner Gott, der Du dieß schaffst und unS zeigst,
Allerdings jollcn wir durch friedliche Bemühungen, durch eine strenge denn nicht Deine schöne Natur selbst, wie die Königin Saba, gegenEhrfurcht vor der Gesetzlichkeit, laugiam zu unserem geheiligten Ziel getan-aufstehe» und sagen: warum seyd ihr so zwieträchtig und häßlich, dagen, ohne irgend etwas von jenen aufrührerischen und anarchischen Wüh-^H ^ so schön und mild bin, und ihr dvch einen unsterblichen Geist in
lereicn zu eiulehnen, von denen minder heilige Strebungen einen Gebrauch tragt - den' ihr der Wahrheit nicht ausschließen wollet,
machen, welcher zu ihrer ttnehre ausfällt. /r-, .. Ich blieb in Landet über Nacht und fuhr morgens um 4 Uhr mit
Die Rechte der Obrigkeit, immer geheiligt in den Augen der Christen,! Stellwagen ab. Es saßen zwei Mannspersonen darin, das Gespräch
muffen eö mehr als je in unsern Tagen, in diesen Zeiten allgemeiner^^ algtzcckd angezettelt. Der eine war ein Mensch von 24 bis 20 Jah-
Verirrung und zügellosen Hochmuths seyn. Allein unsere Unterwürfigkeit welcher früher in einer Fabrik zu Innsbruck gearbeitet hatte, alsunter die Gesetze, unsere gerechte Demuth vor den von Gott geordneten HirnA oebürtig. ^ laö manche katholische Bücher, kam
Gewalten, schwächt in Nichts die kräftige Hingebung unserer Seelen an GejsUjckM in Umgang, und wurde endlich katholich. Später wurdedie Rechte der Wahrheit. Es bedarf bei der Eriinguug dieser Rechte einer ^ von Geistlichen aufgefordert und unterstützt, daß er jetzt bei den Jesui-
Ctandhaftigkeit und eines Eifers, welche der Verein Pflegt, und welcheohne ihn vergehen. Wenn jede Eiuung eine Kraft ist, so ist sie cS vorAllem dann, wenn Glaube, Liebe und Hoffnung die Einung bilden.
Sie haben es begriffen, meine Herren, indem Sie zusammentratenvon der Nordsee bis an die Alpen, von Ungarn bis an den Rhein , alöeine Legion freiwilliger Vertheidiger der Religion und der Freiheit. Sie
ten studirt, um Priester zu werden; er ist aber erst in der vierten Classe.Er redete viel von der Vortrefflichkeit der Jesuiten und wie daS arg sey,daß die Geistlichen im Badischen , wie er schon gehört habe, — langeHosen tragen. Ich erzählte ihm hernach von dem vortrefflichen StandedeS Christenthums in Westfalen, Und von der großen Verkommenheit inFrankreich , während sich Loch hier die Priester höchst orthodox tragen und
anerkennen willig, daß die Katholiken Frankreichs Ihnen den Weg gezeigt; nicht, eS müsse sonach auf die Hosen nicht ankommen. — Von Zürich
aber wir müssen unsererseits es bekennen, Laß Sie mit dem ersten Schutt. er mir, daß die Schullehrer Straußianer seyen, und selbst den
uns ganz weit hinter sich gelassen. Fortan erübrigt unS Nichts, als Sie! Schulkindern absichtlich den Unglauben an die Gottheit Christi lehren; auchnachzuahmen und zu beneiden. ' seyen die Kirchen am Sonntag fast leer.
UebrigenS wollen Sie, indem Sie unS mit Beziehungen beehren, Der andere war ein Landrichter, noch ein junger Mann, welcherLeren ganzen Werth wir erkennen, Ihre Sendung und die unsrige erwei- s^e Frau abholen wollte. Er war religiös und gläubiger Katholik, hatte
lern. Sie erkennen es, für den Glauben besteht keine Gränzmarke unddie Kirche ist daS gemeinsame Vaterland der Seelen. Sie wollen, daßIhr Verein, erwachsen unter dem Schirm der Kirche, etwas von ihrerweltumspannenden Größe annehmen soll. Wir theilen Ihre Gesinnungen.Ein Tag wird kommen — und möge es ein naher seyn — wo von allenEnden der katholischen Welt Brüder im Glauben zu einem allgemeinenCongreß zum Zweck der Vertheidigung der religiösen Freiheit zusammen-treten werten, welche in allen Landen dieselben Gefahren läuft, und sichnur durch dieselbe Wirksamkeit retten kann. Wenn dieser Tag kommenwird, dann wird es nicht mehr weit bis zu jenem noch schönern seyn, wowir werden obgesiegt haben, und wo die Religion, frei, geeinigt undverehret, ihr Segenswaltcn wird entwickeln können, wo JesuS Christus ,als ewiger Zeuge so vieler Wechsel, als ewiger Vergüter so vieler Fehle,wird angenommen seyn von allen Völkern als ihr Heil, von allen Regie-rungen als ihre Stütze, von der ganzen Welt als ihr geistiger Herrscher.Harren wir fest entgegen diesem herrlichen Tag! Die Hoffnung, vor Alleminmitten dieser Tage der Niedergeschlagenheit und Verwirrung, die Hoff-nung stehr den Christen wohl an. Sie war immer für sie die Hälftedeö Siegs.
Aber die Einigung allein kann so wünschenSwerthe Geschicke erzielen.
selbst als Vorstecknadel ein goldenes Crucifir, aber durchaus nicht bigott.ES machte ihm, wie es schien, Freude, mir recht viel von österreichischenVerhältnissen zu erzählen; ich durfte nur einen Gegenstand anfangen, sosprach er darüber ausführlich fort und ich brauchte nur zuzuhören, wieman an einer Spieluhr daS gewünschte Stück bloß durch einmaliges Drü-cken beginnen und vollenden macht. Unter andern erzählte er: In Vorarl-berg ist die gewöhnliche Nahrung der Bauern: Kaffee ohne Zucker, wozuaber kein Brod, sondern gesottene oder mehr noch geröstete Kartoffelngegessen wrrden. Da speise man im Tag einige Male. Im italienischenTirol hingegen esse man ausgelassenen Butter oder anderes Fett, nichtselten ohne Brod und AlleS; nur werde rother Wein dazu getrunken, wel-cher nähre, und wovon der Mann im Tag etwa eine Maaß trinke. Ersey dort in den Buschwirthschaften so wohlfeil, Laß man den Seidel umzwei Kreuzer, selbst um Einen trinke. Im Unterinnthal sey eS in geschlecht-licher Beziehung schlimm. Am wenigsten kämen derlei Vergehungen imitalienischen Tirol vor, die Geistlichen seyen sehr wachsam und eifrig ent-gegen; übrigens sey auch der Menschenschlag im italienischen Tirol vielunansehnlicher als im Deutschen ; dafür verführten sie beim Reden ein desto
Ursprünglich nicht für die Veröffentlichung geschrieben. D. R.