Ausgabe 
9 (3.6.1849) 22
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Neunter Jahrgang.

IV? 22.

L. Juni L84S.

Ueber die zeitliche Herrschaft -es Papstes.

Von I. Czerrn ak.

I.

Frechheit, Unwissenheit und Gedankenlosigkeit machen sich bereits seitgeraumer Zeit auf daS Glänzendste breit in Bekämpfung der weltlichenOberhoheit deS Papstes. Selbst sonst aufrichtige Katholiken betrüben sichdarüber, ohne weiter viel Aergerniß zu nehmen an den verschrobensten,gang und gäbe gewordenen Aeußerungen. Andererseits gibt eS wiederLeute, die alles, waS geschehen ist, vorausgesehen haben wollen, und sichsofort über nichts, waS eben geschieht, wundern; diese nun meinen, daßdaS Unglück und die gegenwärtige Erniedrigung deS päpstlichen Stuhlesnur der Vordergrund einer herrlichen Perspektive sey,in welcher die socia-len Umwandlungen Eurcpa'S, ja der ganzen Welt sich entwickeln dürften,"und wenn auch diese Neuerungen scheinbar der Kirche Gefahr drohen, sowissen sie doch, oder glauben sie vielmehr zu wissen, daß dieser Fortschritt (!)unfehlbar zur Ehre GotteS und zum Heile aller Seelen führen werde.Die verhängnißvolle Verwirrung der Geister erstreckt sich also auf obigenPunct, der uns zur Vorlage dient. Wie Sturmwinde die Wipfel derBäume hin- und herschütteln und endlich knicken, so erschüttern Revolutio-nen den Geist deö Menschen; die Stärksten vermögen oft dem heftigen.Andrängen derselben nicht Stand zu hallen, und die Folge deS gewaltigenZusammenstoßenS ist eine seltsame Verwirrung aller Begriffe und jederauch auf den besten Grund gebauten Ueberzeugung.

ES wird daher nicht unnütz seyn, wenn wir daS Wesen und diewahre Grundlage der weltlichen Herrschaft deS Papstes inS Gedächtnißrufen, und ungeachtet der religiösen und politischen Aufregung der Gegenwart, die Absichten der Vorsehung in der zeitlichen Oberherrlichkeit deSPapstes nach Möglichkeit zu ergründen suchen.

Alle Werke Gottes tragen daS Gepräge der Größe, und zugleich derstaunenswerthesten Einfachheit an sich, unv unstreitig vollführte der SohnGotteS ein solches einfaches, und dabei doch so großes Werk, als Er einenarmen Sterblichen zum obersten Haupte seiner unversehrbaren Kirche ein-setzte. ES war dieß eine der wunderbarsten Darlegungen der Macht Christi, als Er zu diesem geringen Menschen, zu diesem am galiläischcn Meereaufgelesenen Sandkorn sagte:Du bist Petrus, d. i. ein Fels, und aufdiesen Fels werde ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Höllewerden sie nicht überwältigen." Welches Eingehen in die menschlichenBedürfnisse, welche ergreifende Vertraulichkeit liegt in diesen Worten, undzugleich welch' eine Aeußerung der göttlichen Vorsorge? Unwillkürlich erin-nern wir unS hier an den AuSfpruch Fenelon'S: DaS Wort eines auf-richtigen Menschen sagt, wie etwas ist; aber das allmächtige Wort desSohneS GotteS erfüllt, waS er sagt."

Und gestehen wir es nur, dieser Mann, den Gott gesetzt, und indem Er eine seiner größten Ideen in der Zeit verwirklicht hat, dieser Mannist nicht bloß Gegenstand unsers Glaubens und unserer Liebe, er ist auchGegenstand der unerschöpflichsten Bewunderung unsers Geistes.Nie undnimmer," sagt ein neuerer katholischer Schriftsteller,werde ich den Ein-druck vergessen, den ich empfand, als ich daS erste Mal zu Rom, unterder prunkenden Dachung von S. Maggiore den Statthalter Jesu Christi vor meinen Augen erscheinen sah! Dieser also der Papst? sagte ich mir;dieser der Nachfolger Petri, das Oberhaupt der ganzen Kirche! dieser derMittelpunct LeS Glaubens und der katholischen Einheit! dieser die FackeldeS Lichtes und der Wahrheit, angezündet'um die Welt zu erleuchten!dieser gebrechliche Mensch die unverrückbare Grundlage deS göttlichen Bau-werkes, an dem die Mächte der Finsterniß umsonst ihre Stärke erproben!dieser der Eckstein, welcher der Stadt GotteS hier auf Erden Halt und Dauergibt? dieses daS Haupt, aus dem die glorwüroigen Erinnerungen der Ver-

gangenheit, alle Hoffnungen der Gegenwart und einer fortdauernden Zu-kunft ruhen! dieser der Fürst unter den Priestern, der Vater der Vätcr,der Erbe der Apostel, größer als Abraham durch sein Patriarchat, größerals Melchisedek in seiner Priesterwürbe, größer als MvseS in all' seinerMacht, größer als Samuel mit all' seiner Richlergewalt, mit einemWorte, dieser der Hirt der Hirten, der Führer der Führer, der Schlüsselder katholischen Kirche! die unzerstörbare Festung der Gemeinschaft derKinder GotteS!"

Und dieses Wunder dauert nun durch mehr als 18 Jahrhunderte,ein sprechender Beweis, daß cS daS Werk einer unendlichen Macht, daSWerk GotteS sey, von Ihm zu einem ewigen Zwecke gesetzt, und bestimmtzu dauern für alle Zeiten!

Fragen wir unS nun, welcher Mittel, welcher Werkzeuge sich Gottzur Vollfübrung seines Werkes und zur Erhaltung desselben auf alle Jahr-hunderte hindurch bediene? Die Antwort ist kurz und bündig: Er erhältund beschützt eS und führt cS zu seinem Endzwecke, wie Er alles Uebrigevon Ihm Geschaffene erhält und schützt, durch die Kraft deS Menschen,unter seinem (GotteS) mächtigen Beistand. Die Idee, daS Werk ist vonGott das Werkzeug ist genommen von der Erde dieß das Geheimnißder göttlichen Oekonomie.

Zwei große, unmittelbar von Gott kommende Werke treten vor unserAuge, die Schöpfung und die Erlösung; beide gehen von Ihm aus, aberdie Geschöpfe sind cS, durch die Er sie fortführt. In der Familie, dergesetzmäßigen und geheiligten Gemeinschaft Eines Mannes und Einer Frau.vollendet er die Schöpfung. Im christlichen Priesterthume mit seinem Ober-haupte, dem römischen Papste, alö Lehrer, Bewahrer und AuSspender derwahren Lehre, der Sittlichkeit und des evangelischen Cultus verewigt erdie Lehre, das Opfer und die Wohlthaten der Erlösung. Menschen abersind cS, und nicht überirdische Geister, die Gott mit diesem Priesterthumeund mit dieser Macht bekleidet hat. Menschliche, einfache, dem Anscheinenach gemeine und natürliche Mittel sind eS, nicht aber Wunder, wodurchEr dieses sein Werk vollführt. Denn nicht immer und überall bedient sichdie Vorsehung der Wunder; sondern sie hat das Gesetz gegeben, und die-ses bringt die Wirkungen hervor, die eS hervorbringen soll. Wollte Gott seine Thätigkeit nicht anders äußern, als durch stete AuSnahmhandlungenvon seinen eigenen Gesetzen, dann würden wir schwerlich dieses Gleich-gewicht und diese schöne Ruhe in der Weltordnung bemerken, welcheAugustinusden Frieden der Werke GotteS, den Frieden der Welt" nennt.Und betrachten wir die geringfügigen, ganz gemeinen Mittel, diese intirnm,stulta, eontemptibilig, wie PauluS schreibt, und deren sich die Vorsehungbedient, so haben wir ohnedem ein immerwährendes Wunder vor Augen.In diesem Sinne ist die Kirche durch ein blutiges Wunder, daS durchdrei Jahrhunderte gedauert hat, befestigt worden. Im Gegensatze zu allenmenschlichen Gewohnheiten sollte sie ihr Königthum mit dem Martyrlhumebeginnen. Durch drei Jahrhunderte nun, schwebend gleichsam zwischenHimmel und Erde, ohne menschliche Stütze, gekrönt mit der Tiara deSApostolatS, der Bruderliebe und deS OpsergeisteS sandte die römische Kircheihre ersten Päpste hin zum blutigen Bekenntnisse, und nicht Einer weigertesich, seinem Amte und der Würde seines Stuhles dieses Zeugniß zu bringen.Nachdem aber Gott Lurch diese lange und schreckliche Erfahrung der Weltgezeigt hat, daß seine Kirche weder Furcht kenne, noch menschliche Stützebedarf, führte er diese auf einen andern Weg, und wollte, daß sie ausseinen Händen die Herrschaft empfange, und zwar eine irdische Oberherr-lichkeit, gleichsam als eine zeitliche Bürgschaft ihrer äußern Sicherheit mittenin den Stürmen der Erde. Er wollte, daß dieses menschliche Mittel zur! Vollendung und Verewigung seines göttlichen Werkes diene, und zwar.nicht erst seil der Zeit Karls deS Großen, sondern gewissermassen schon seit!Constantin. Unstreitig bedürfen wir als Schüler des Evangeliums und