Ausgabe 
9 (3.6.1849) 22
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Stütze eines veredelnden Umganges und der erhebenden Aufsicht aus an-ständige Versorgung oder Unterkunft für alle Zukunft zu gewähren, ist derZweck dieses neuen, eben im Entstehen begriffenen VercineS. Wir wün-schen ihm alles mögliche Gedeihen, Ermunterung und Unterstützung vonSeite der geistlichen und weltlichen Behörden.Den Armen wird die froheBotschaft verkündet," sprach unser Herr zu den Jüngern des Johannes,als diese ihn fragte», ob er der verheißene MesfiaS fty. Die Erfüllungdieses göitlichen Wortes bleibt fort und fort die eindringlichste Predigt deSwahren Glaubens und die sicherste Schutzwaffe gegen die Gefahren deSCommuniSmuS und jeder Revolution. Hätte man dieß nicht so sehr ver-gessen, wir stünden heute nicht da, wo wir stehen.

Kölner Dombaufest.

Köln , 22. Mai. Allgemeines Festgeläute verkündete gestern Abendder Stadt die heutige Jahresfeier der Stiftung deS Eentral-DombauvereinS,dessen Wirken für das große, heilige Werk deutschen FrommstnnS und deut-scher Kunst sein achtes Jahr beginnt. Wolle Gott, es sey ein segensrei-ches des Vaterlandes, wie dem Werke selbst, in dem wir daS hohe Symbolder Einigkeit deS deutschen Vaterlandes seiner Vollendung entgegenführen!Mit feierlichen Klängen begrüßten diesen Morgen früh die Glocken allerKirchen den Festtag. Uni acht Uhr riefen die Domglocken die Freunde undFörderer des ewigen BaueS in seine Hallen, um des Himmels Segen fürdessen Fortgang zu erflehen. Der Vorstand deS Central-DombauvereinS,die übrigen Vereine mit ihren Bannern und viele Mitglieder deS allgemeinen Dombau VereinS wohnten dem Hochamte bei, bei welchem auch derHerr Erzbischof zugegen war. Nach dem Schlüsse deS Gottesdienstes ord-nete sich der Festzug, welchen ein Musik-CorpS und alle Werkleute derDombau-Hülte mit den Jnsignicn ihrer Gewerke eröffneten. Dann folgtedaS VereinS Banner, an welches sich der Central Vorstand, die auSwär-tigcn Depulirten, ein auS hiesigen Gesang-Vereinen gebildetes Sänger-Chor, die Mitglieder deS Central-BereineS und die übrigen Vereine an-schlössen, begleitet von verschiedenen Bannern und Fahnen. Der Zugbewegte sich die Hochstraße entlang, Oben MarSpforten herunter, nachdem Gürzenich-Saale. Als sich hier die Theilnehnicr geordnet, der Vor-stand auf der westlichen Estrade Platz genommen, wurde die Feier mit demLiede:Laßt Gesanges Jubel", eröffnet. Hierauf hielt der Präsident desVereines, Hr. Justizrath Esser II., eine Ansprache an die Versammlung,mit herzlicher Wärme die heilige Wichtigkeit deö Werkes, dem unser Stre-ben gilt, hervorhebend. Der VercinS-Secretär, Hr. Pfarrverwalter Thiftsen, erstattete dann den Jahresbericht, und der Dombaumeister, Hr. Re-gierung-- und Baurath Zwirner, einen ausführlichen Baubericht, woraufzu der Wahl von den zehn nach dem Statut ausgeschiedenen MitgliederndeS Vorstandes geschritten wurde. Ein großes Vocal- und Jnstrumental-Cyncert, unter der Leitung der königl. Musik-Directoren H. Dorn undF. Weber, an dem sich alle unsere musicalischen Kräfte mit der größtenBereitwilligkeit betheiligt, wird die Feier des TageS schließen. Sey er demWerke ein segensreicher, an daS sich für daS gesammte deutsche Vaterlandso ernste Hoffnungen und Wünsche knüpfen! (Köln. Ztg.)

Jerusalem.

AuS Konstantinopel schreibt ein Correspondent deSUnivers"unterm 25. April, daß die Lage der Katholiken in Jerusalem nichts weni-ger als beneidenSwerlh sey, daß sie viel von der Unduldsamkeit und demScctenhaß der Griechen zu leiden haben, und daß dem zufolge der leiten!nische Patriarch mit dem Gedanken umgehe, seinen Sitz zu verlegen, um!wenigstens den täglichen Neckereien deS schismatischen Patriarchen, gegendie er weder bei dem Pascha noch bei dem französischen Consul hinreichen-den kräftigen Schutz finden könne, auszuweichen. Der englisch -preußischeProtestantismus daselbst hat.diese Angriffe nicht auszuhalten; dessen unge-achtet will mit ihm nicht recht voran: die Armenier haben ihre Neu-giede befriedigt und kümmern sich nicht mehr um die neue Lehre und derenVerkünder. Einen Übeln Streich hat diesen und ihrer Sache, welche sievertreten, ein Mitglied der englisch preußisch-evangelischen Mission gespieltdurch Unterschlagung einer sehr bedeutenden Summe Geldes, welche für dieKirche, für daS Hospital und die Schule bestimmt war. Der Schuldigeist vor Gericht gezogen, und hat dieser Vorfall die herzliche Eintracht zwi-schen dem preußischen und englischen Consul bedeutend abgekühlt. InKonstantinopel dagegen haben die Katholiken den Verein des heil. Vincenzvon Paul gegründet , welchem von Tag zu Tag mehr Mitglieder und

Wohlthäter beitreten, so daß dessen Wirksamkeit in Linderung des leiblichenund geistigen Elendes der Armen jetzt schon die herrlichsten Früchte bringt.

PiuSvereine.

Trier , 14. Mai. Ich beeile mich, Ihnen die erfreuliche Mitthei-lung zu machen, daß der hiesige PiuSverein, in Verbindung mit dem hierbestehenden Handwerkerverein, eine Handwerker-Bild ungöan st altgegründet, deren Protectorat der Hochwürdigste Herr mit Freuden über-nommen hat, da diese Anstalt, als eine katholische, unS einen tüchtigenHandwerkerstand heranzubilden verspricht. Auch ist der Verein des hei-ligen Vincenz von Paulo gegründet worden und hat, so viel manbis jetzt noch sagen kann, einen ziemlich günstigen Fortgang. Derselbebeabsichtiget, wie ich höre, eine Vereinigung zu bewerkstelligen mit demschon längere Zeit hier bestehenden Elisabeihen-Vereine und wird sich wohlin dieser Angelegenheit an den Mainzer Vorstand wenden, um von dortNäheres zu erfahren, was ihm vielleicht als Richtschnur bei seinem Vor-haben dienen könnte. (Katholik.)

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Augsburg , 24. Mai. In der gestrigen Versammlung deS hiesigenPiuS-Vereines erstatteten die HH. Schönchen und Dr. ZinSler Berichtüber die allgemeine Versammlung deS katholischen VereinS Deutschlands ,welche am 9., 10. und 11. d. MtS. in Breslau abgehalten worden ist.Beide Herrn sprachen wiederholt auS, daß diese Versammlung einen unbe-schreiblich tiefen Eindruck auf sie gemacht habe. Unter nicht günstigenAussichten seyen die Abgeordneten in BreSlau angekommen. Die Einenüber Leipzig und DreSden reisend hätten müssen Zeugen seyn von gewalt-samer Auflehnung gegen Gesetz und Ordnung, von Rebellion, Barricadenu. s. w.; die Andern, durch die katholischen Länder Bayern und Oester-reich ziehend, um sich an dem katholischen Leben dieser deutschen Bruder zuerbauen, hätten gefunden, daß ein sehr großer Theil katholischer Christeneben nur so lange katholisch zu seyn scheine, als er sich in der Kirchebefinde und im Gebetbuche blättere. Traurige Erscheinungen! Dazu kamdann noch der Belagerungszustand in Breslau. der eS zweifelhaft erschei-nen ließ, ob die Versammlung überhaupt in Breslau öffentlich stattfindenkönne. Dieß, so wie manches Andere sey nicht geeignet gewesen, sie infreudige Stimmung zu versetzen. Ueberreichen Ersatz dafür aber boten dieVerhandlungen selbst. Da seyen Alle nur von einem Geiste beseelt, Allevon einem Gedanken durchdrungen gewesen, und jeder habe denselben inder ihm eigenthümlichen Weise möglichst kräftig und mächtig auSzusprechengesucht und verstanden. Es wurden Berichte erstattet über die segensreicheWirksamkeit der Vereine in den verschiedenen Gauen Deutschlands . Der-selbe bestehe bereits in 30 Diöcesen (ganz Deutschland zählt mit Gnesen und Posen, Culm und Ermeland 42); in der Provinz Schlesien alleinbestehen über 100 Filial-Vereine. Besonders rührend sey die SchilderungdeS religiösen Eifers der Katholiken in der Mark Brandenburg und inPommern gewesen. Diese bekommen oft Jahre lang keinen Priester zusehen, hätten keine Kirchen, und dennoch seyen sie an Bekenntniß und That,in Leben und Sitten die treuesten Söhne der Kirche. Von den gefaßtenBeschlüssen wollen wir nur zwei erwähnen. Es wurde beschlossen, daSVerhältniß der Schule zur Kirche als eine Preisfrage aufzustellen, zu derenLösung öffentlich einzuladen mit dem Bemerken, daß die Arbeiten bis An-fangs September an den Vorort BreSlau einzusenden seyen und von einerbei der nächsten allgemeinen Versammlung zu wählenden Commission geprüftwürden. Ein anderer Beschluß lautete dahin, daß auch christliche Frauenund Jungfrauen in abgesonderten Räumen, z. B. auf Galerien, als hörende aber nicht als mitberathende und mitstimmende Mitglieder den Versamm-lungen beywohnen können. Zu diesem Beschlusse gab ein Vortrug deS Ver-einSabgeorcneten, Metzgermeister Falk auS Mainz Veranlassung. Derselbehob nämlich in kräftiger Sprache hervor, wie alles Recenhallen von Kanzelnund Bühnen herab den gewünschten Erfolg nicht haben werde, wenn nichtdie christlichen Frauen und Jungfrauen durch ihr Beispiel, durch ihren reli-giösen Sinn und Eifer in der Familie fortwährende Prediger seyen. Umsie zu diesem ihrem erhabenen Berufe zu begeistern, dürfte eS angemessenseyn, sie zum Beitritt als hörende Mitglieder cinzuladcu. Wirklich warenauch dießmal in Breölau die sehr geräumigen Galerien von Damen gedrängtbesetzt. Die beiden Berichterstatter führten noch viele Einzelnheiten an,und schloffen mit der Bemerkung, daß in BreSIau ihre Glaubensfreudigkeitgehoben, ihr katholischer Muth gestärkt worden sey. (Lechbote.)

Verantwortlicher Redacteur ; L. Schöncheu

Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.