Ausgabe 
9 (10.6.1849) 23
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Neunter Jahrgang.

M 23

Juni 184S.

Bischof Marilley vor dem heiligen Vater.

DaSSonntagSblatt von Münster" enthält über die Reise deöBischofs von Lausanne nach Gaöta und seinen dortigen Empfang beimheiligen Vater folgende interessante Nachrichten:

Der Bischof Marilley hatte aus seiner Wanderung zum heil. Vateram 23. April den Hafen von Civitavecchia verlassen, um sich von dortnach Neapel und weiter nach dem 18 LieueS entfernten Gaöta, dem Zieleseiner Reise zu begeben. Weil in Gaöta Niemand' Ausnahme findet, dernicht gewisse Beglaubigungsschreiben vorzeigen kann, mußte er den 24. zuNeapel wegen Beisckaffung derselben zubringen, und eilte dann am folgen-den Tage auf der Eisenbahn bis Capua und von da mit einem Privat-gefähr nach dem Städtchen Mola, das nur anderthalb LieueS von Gaötaselbst entfernt ist. Er suchte sich hier ein Unterkommen, weil es wegender Menge von Fremden äußerst schwer hält zu Gaöta ein solches zu fin-den. Sp nahe seinem Ziele er konnte Gaöta und den königl. Palast,der die Zufluchtsstätte deS verbannten Statthalters Christi ist, deutlichsehen vergaß er alle seine frühern Leiden, und wurde nach der Aus-sage seines Begleiters in eine heitere, freudige Stimmung versetzt. Amnächsten Morgen setzte er mittelst eines Fahrzeuges über die äußerste Spitzedeö Meerbusens, der Mola von Gaöta trennt, begab sich sogleich nachder Landung zu dem königlichen, nunmehr päpstlichen Palast, und ließdurch den französischen Gesandten Herrn Harcourt um Audienz bei «einerHeiligkeit bitten, die ihm auch sofort gewährt wurde.

Nach der üblichen Sitte geht in solchen Fällen dem Fußkuß ein drei-maliger Kniefall vorher. Dem Bischof Marilley blieb keine Zeit dieserSitte nachzukommen; denn als er kaum eingetreten und niedergekniet war,eilte der heilige Vater von der Estrade, wo er die Fremden empfängt, ihmentgegen, hob ihn freundlich auf, und verlangte, daß er neben ihm Platznehme. Die Unterhaltung drehte sich natürlich zunächst um die Ereignisse,welche den Papst und Bischof von ihren Sitzen verbannt haben. Bei derErwähnung der Bedrängnisse, die der heilige Vater ausgestanden, undder mannigfachen Leiden, die ihn auch jetzt noch umgeben, zeigte derselbeeine wahrhaft himmlische Ruhe und Heiterkeit. Verläugnung, Selbstauf-opferung und Gottvertrauen ist in allen seinen Zügen ausgeprägt. Als dieMaaßregeln zur Sprache kamen, welche gegenwärtig die katholischen Mächtezu seiner Wiedereinsetzung auf den Stuhl Petri ergriffen haben, konnte erseine Befürchtung nicht unterdrücken, daß Rom ehestens der Schauplatzgräßlicher Ereignisse seyn werde, und sprach bei dieser Gelegenheit ein Wortaus, welches so ganz die edle Gesinnung seines großen Herzens kund gibt.O könnte ich doch," so sprach er,nach Rom hinüberfliegen, um wenig-stens Blutvergießen zu verhindern."

Der Papst, in. gewisser Hinsicht unempfindlich gegen seine eigenenBedrängnisse, fühlt um so lebhafter die Leiben aller Katholiken, seinerKinder. Das zeigte sich auch in der großen Theilnahme, die er demBischof von Lausanne bewies. Als dieser ihm nach Erzählung seinerKämpfe und Verfolgungen die Gründe seines Verfahrens darlegen wollte,unterbrach er ihn mit den Worten:Nein, mein Lieber (mio csro), Siebedürfen keiner Rechtfertigung; denn ich habe an der Reinheit Ihrer Ab-sichten und der Gerechtigkeit Ihrer Maaßregeln niemals gezweifelt." DerPapst hatte später die Gewogenheit selbst dem Bischof eine zweite Audienzauf den folgenden Tag anzubieten, damit er alSdann, so lange er wollte,fich mit ihm unterhalten könnte. Diese Audienz, bei welcher der Papst sichgleichfalls voll Güte und Theilnahme gegen den Bischof bewies, fand am27. April Statt, und war für den Letzten, eine neue Quelle der Tröstungund Ermuthigung. Auf den Bischof, so wie auf seinen Begleiter machtedie äußere Erscheinung deö Papstes den tiefen Eindruck, von dem Allereden, die je in seine Nähe kommen. Alle Porträrö des Papstes, schreibt

! dieser Begleiter, sind mehr oder weniger ungetreu, und geben nur dendeinen oder andern seiner Züge wieder. Seine Gestalt ist, abgesehen vonihrer natürlichen Anmuth und Schönheit, der lebendige AuSdruck der Got-tesfurcht, Milde, Güte und Würde, und seine Physiognomie läßt unwill-kürlich auf den hohen Adel einer noch schönern Seele schließen.

Am Mittag »ach der zweiten Audienz besuchte der Bischof einigeCardinälc, die in Gaöta und Umgegend einen Zufluchtsort gesucht haben.AIS er in Begleitung eines dieser Cardinäle nach Mola zu seinem Gasi-hause heimkehrte, fand er die Straßen des Städtchens, welche wie die vonGaöta sehr eng sind, mit neapolitanischen Truppe» angefüllt, die nachRom zogen, um an der Intervention zu Gunsten deS Papstes Theil zunehmen. Ohne daß er sich dessen versah, stand er mit einem Mal, nurum zwei Schritte entfernt, beim König und der Königin von Neapel, dievon zahlreichen Soldaten umgeben waren. Der Cardinal stellte ohne Um-stände den Bischof dem KönigSpaar vor; der König richtete an den Bischofeinige wohlwollende Worte, und dieser wünschte dem König im Namen derSchweizer Katholiken Glück zu seinem Unternehmen für den gemeinschaft-lichen Vater der Gläubigen. In diesem Augenblicke ging ein Priester mitdem heiligen Sakrament vorüber, der einem Kranke» die hl. Wegzehrunggebracht hatte. Eine fromme zu Rom herrschende Sitte verlangt, daß i,reinem solchen Falle die Cardinäle selbst den Baldachin tragen und da-heilige Sakrament bis zu der Kirche begleiten. Der Cardinal kam sofortdiesem frommen Gebrauche nach. Der Priester gab dem König und derKönigin beim Vorübergehen den Segen mit dem hochwürd. Gute; Beideempfingen ihn auf den Knien liegend mit einer Ehrfurcht, die nur einlebendiger Glaube einflößen kann, begleiteten den Priester bis zur Kirche,und empfingen dort, demüihig auf dem Pflaster sich niederkniend, eine zweiteBcdiction. Das Volk aus den Straßen erbauete bei dieser Gelegenheitden deutschen Bischof durch die Beweise seines lebendigen Glaubens undseiner »«geheuchelten Frömmigkeit.

Ueber die zeitliche Herrschaft deS Papste-.

II.

Ist unser Glaube an die Versprechungen, die Gott seiner Kirchegemacht hat, ein aufrichtiger und lebendiger, so wird er auch durch keineirdischen Ereignisse wankend gemacht werden können. Unser Vertiauen aufdas Schifflein Petri wird nicht beirrt werden durch die Fluchen, die eShin- und Herwerfen. Und wenn auch der unsichtbare Steuermann bisweilenwährend deö Sturmes zu schlafen scheint, fest steht der Glaube der demü-thigen Waller in dem geheimnißvvllen Schiffe. Der Hinblick auf die heiligerömische Kirche, diese theure und verehrungSwürdige, Jahrhunderte hin-durch mit den schrecklichsten Stürmen kämpfende Mutter lehrt unS mitlauter Stimme die Macht preisen, von der sie allein ihre wahre Krafterhält. Augenblickliche Drangsale dienen nur dazu, die göttliche Stütze,auf welche die Kirche ihre ewige Dauer gründet, um so deutlicher vorunsere Blicke hinzustellen. Wir sagten früher, daß die Gewissensfreiheitund die Unabhängigkeit der katholischen Wahrheit in der dargelegten Ab-sicht GotteS vorsorglich mit der Freiheit und zeitlichen Unabhängigkeit deSpäpstlichen Stuhles vereinigt seyen. Sowohl die Sicherheit der Kirche,als unsere eigene fordert, daß der Papst frei und unabhängig sey.Diese Unabhängigkeit muß eine ober herrliche seyn; der Papst muß freiseyn, und auch als solcher erscheinen, der Papst muß frei und unab-hängig seyn von Innen wie nach Außen. Dieses edle Haupt,gekrönt mit der geheiligten Tiara, darf nie und nimmer sich beugen unterdas Joch einer fremden Herrschaft. Der Papst ist unser Vater und König