Ausgabe 
9 (10.6.1849) 23
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durch den Glauben und unser Gewissen; seine Freiheit ist also auch dieunsere, und nie kann irgend ein Theil der großen katholischen Familie,dieser durch das Opfer am Kreuze erkauften unb durch daö Blut Christizur glorreichen Freiheit der Kinder Gottes wieder gewonnenen Kirche zu-geben, daß der erhabenste Träger des göttlichen Gesetzes, der oberste Leiterder Gewissen, der Beherrscher der Seelen unwürdig gefesselt und gefangengehalten werde.

Jedes Gewissen, jede Seele müßte darunter leiden, der Glaube, dasSittcngesetz, unsere heiligsten Interessen würden zugleich mit ihm in Bandegelegt. Trefflich sagt Monialembert:Die Freiheit deS Papstes istBedingung sine g>ia noir der katholischen Religionsfreiheit, denn wenn derPapst, unser oberster Richter, das Tribunal letzter Instanz, das lebendigeOrgan des katholischen GesetzeS und Glaubens nicht frei ist, wie könnenWir eS seyn? Wir haben somit daS Recht von der öffentlichen Gewalt zuverlangen, daß sie unsere persönliche Freiheit in Bezug auf die Religion,zugleich mit der Freiheit dessen, der für unS die lebendige Religion ist,gewährleiste."

Von diesen, Gesichtspuncte aus ist die zeitliche Oberherrlichkeit deSPapstes eine nicht bloß italische Stiftung, sondern sie ist eine europäische,«ine allgemeine, mit einem Worte eine katholische. Rom ist daö gemein-schaftliche Vaterland aller Christen; alle sind Bürger NomS , jeder Katholikist Römer. Nnd nur dieser einzigen Ursache ist eS zuzuschreiben, daß gegen-wärtig die ganze Welt über die dem Papste angethane Gewalt schmerzlichbewegt ist, und daß alle katholischen Nationen in der Tiefe ihres HerzensVerletzt sind.

Damit aber die Freiheit deS Papstes eine wahre und gesicherte sey,muß sie eine ob er herrliche seyn. Der Papst kann nicht wuerthanirgend eines Monarchen seyn, er bedarf einer unabhängigen Oberherrlichkeit.Diese Wahrheit erkennen selbst jene an, welche die zeitliche Herrschaft despäpstlichen Stuhles von jeher ungünstig ansahen, und bei denen bedauernS-werthe Vorurthcile die ursprüngliche Reinheit deS Glaubens verdunkelthaben. Wie viele Geständnisse von Protestanten könnten wir hier anführen!hören wir nur Einen:Die Stellung deS Papstes muß der Stellung jenerebenbürtig seyn, welche auf der Erde herrschen; konsequent kann also keinerdas Recht haben, über ihn zn gebieten."

Gewichtige Stimmen sagten, und wir können es nur wiederholen:Die Patriarchen von Constantinopel, niedrige Spielzeuge arianischer, mono-theletischer und bilderstürmender Kaiser geben uns ein abstoßendes Bildvon dem, was in Folge der Jahrhunderte auS den Päpsten, diesen unwan-delbaren Säulen der Wabrheit, hätte werden können, wenn Gott nichtdurch ein fortwährendes Wunder sie bewahrt, oder vielmehr aus demSchatze seiner Weisheit und Macht nicht daS einfache und kräftige Mittelgenommen hätte, die Sicherheit der Kirche durch eine unabhängige Ober-herrlichkeit zu befestigen."

Und wenn auch gefangen, die Wahrheit bleibt immer Wahrheit.Der heilige Johannes ChrysostomuS, der goldene Mund deS Orientö, sagt:DaS Wort GotteS ist wie ein Sonnenstrahl, nichts kann ihn binden."Die Wahrheit wird Gebieterin bleiben im Vaiican, wie in den Mamer- tinischen Gefängnissen. Petrus ist frei auch in Fesseln, König auch in derVerbannung. Wenn ein Wunder der Kirche Noth thut, so wird Gott eSwirken; bis jetzt aber wollte er noch nicht, daß es das einzige UnterpfanddeS der Kirche und den Gläubigen verheißenen FriedenS sey.

Aber eS genügt nicht, daß der Papst vor seinem innern Forum freisey; seine Freiheit muß in die Augen fallen; er muß auch als frei erschei-nen, man muß wissen und glauben, daß er eS ist, es darf hierüber wederein Zweifel, noch ein Verdacht aufkommen. Wenn er in seinem Innern!vollkommen frei wäre, und dabei doch äußerlich irgend einem Herrscher,!z. B. dem Kaiser von Oesterreich oder Rußland untergeben wäre, so könn-!tcn wir unS darüber nur betrüben, denn er würde uns nicht hinlänglich!frei erscheinen. Ein natürliches Mißtrauen würde bei Vielen, vielleichtohne ihr Wissen, den schuldigen Gehorsam und die Achtung gegen ihn ver--!minder». Seine Handlungen, sein Wille, seine Verordnungen, fein Wort,!seine geheiligte Person müssen immer über jeden Einfluß erhaben seyn,über allen Eigennutz, über alle Leidenschaften. Diese übernatürliche, imOberhaupte der Kirche pcrsonificirle Gewalt ist zum Wohle Aller eingesetzt/sie darf somit nie erbärmlichen Privatintercssen oder verderblichen Leiden-schaften schmeicheln, sie ist der unbeugsame Feind aller selbstsüchtigen Re/Zungen. Ehre und Pflicht verlangen sonach von dem kirchlichen Ober-haupte, daß er weder verdächtig sey, noch eS scheine; denn Niemand aufher ganzen Erde soll jemals daS Ansehen, die Aufrichtigkeit und vollkom-mene Unabhängigkeit deS Papstes in Zweifel ziehen.

Einem solchen Zweifel aber wären wir leicht zugänglich, wenn erunter irgend ein Joch, unter was immer für einen Druck sich beugenmüßte, und wir dürften dann keine Anstrengung, kein Opfer scheuen, sein

Ansehen dieser Gefahr zu entreißen; zur Bestätigung deS Gesagten berufenwir uns auf daS Beispiel und das Wort des gegenwärtigen römischenOberhirten, auf dem die bangen Blicke der ganzen Welt ruhen, und derfeierlichst gegen die ihm in Nom angethane Gewalt protestirte mit den Wor-ten:Einer der Hauptbeweggründe, die Uns zur Entfernung von Rom bewogen haben, ist die Nothwendigkeit der vollen Freiheit, deren Wir inder Ausübung der höchsten Gewalt deS heiligen Stuhles bedürfen, undvon welcher Freiheit die katholische Welt mit Grund voraussetzen könnte,!daß sie zu Rom unter den gegenwärtigen Umständen nicht in Unsern Hän-den sey."

Wie sich die Kirche über alle Sonderinteressen erhebt, so auch überalle nationale Eifersucht. Nach der Auflösung des römischen Reiches zer-fiel die Christenheit in eine große Anzahl von einander unabhängigerStaaten; die einen waren klein und schwach, die andern groß und stark.Aber die kleinen und schwachen müssen eben so wie die großen und starkenver vollkommensten Unparteilichkeit des gemeinschaftlichen VaterS sicher seyn,unb daS Vertrauen haben, daß er nicht die einen auf Unkosten der andernbegünstige. Man weiß, welches traurige Ungemach und welche schmerzliche^ Folgen die allzugroße Abhängigkeit der Päpste zu Avignon von den fran-^ zösischen Königen nach' sich zog. Wir werden in einem der folgendenBlätter sehen, daß der Papst frei und unabhängig seyn muß nach Außenund von Junen, womit wir unsern Gegenstand schließen wollen.

Vorher aber dürften einige Bemerkungen hier ihren Platz finden.Wir beobachten mit nicht geringem Schmerz die traurige Leichtigkeit, mitder man den Feinden deS Katholicismus, in der eiteln Hoffnung, sie zumSchweigen zu bringen, die nützlichsten und rühmlichsten Vorrechte der Kircheals Beute überläßt. Glaube man ja nicht, daß sie die Kirche mehr ach-! ten werden, wenn wir diese vor die Welt hinstellen als ein nacktes Sym-bol, beraubt aller ihrer uralten Rechte.

Aber diese sind ja kein Dogma, sagt man. Freilich ist die zeitlicheOberherrlichkeit deS Papstes kein Dogma, aber ist sie nicht eine zeitlicheFolge seiner geistigen Herrschaft? und wenn sie auch nicht identifieirt wer-den kann mit der Wahrheit des Katholicismus, ist sie deßwegen wenigerinnig verbunden mit der Sicherheit, der Freiheit und der Größe deS Katho-licismus? Ist die Wahrheit allein Alles, und Sicherheit, Freiheit undGröße der Wahrheit, sind diese Nichts? Die Tempel, Kathedralen undHeiligthümer sind auch nicht die Religion selbst, werden wir aber darumabermals dieselben den Jconoclasten, Revolutionären und Progression preis-geben, unter dem Vorwande, daß man das heilige Opfer immerhin imSchatten der Wälder und in Felsenklüften darbringen könne? Katholiken!ist daS die Glut und der Eifer für unsern Glauben? Wir glauben, daß^ eS nur zwei Auswege gibt, die den Papst zur allein würdigen Unabhän-gigkeit führen können, die Geschichte nennt sie den Vatican und die Ma-mertinischen Gefängnisse, die Glorie deS MarterthumS, oder die freie,unabhängige und oderherrliche Herrscherwürde!

Eine merkwürdige Prophezeiung.

Im Jahre 1838 ist bei Gelegenheit der Cölnergeschichte ein Bucherschienen unter dem Titel:Stimme aus Berlin an die Rheinländer undWestfalen von Joöl Jacoby." Wer jetzt die Schrift durchlieSt, wird stau-nen über den prophetischen Geist, mit dem sie geschrieben wurde. Jacobywar damals noch Jude, im Herzen aber gewiß schon gläubiger Katholik

er ließ sich in der Folge, wie sich auS seinen Schriften deutlich ersehenläßt, in der innigsten katholischen Ueberzeugung taufen. Wenn wir denSchluß dieserStimme" lesen, so dünkt eS unS, als hörten wir einender alten heiligen Seher jenes Volkes sprechen, auö dem der Verfasserabstammt. Wir lassen denselben, weil er uns beachtenswerth genug dünkt,hier wörtlich folgen:Ein DämmrungSbild, ein ahnungsvoller Geister-traum taucht dort auf. Was webet schicksalschwer über die Nationen, wasdroht und naht so ungeheuer? Europäisch Blut, wie wirst du tränkendaS Gcfild, wie wirst du fließen bis an daS Meer. Du Heller Rhein

du hörst noch dunkle Sagen, du grüner Rhein du treibst noch rotheWellen! Ihr Mächtigen, wie werdet Ihr gebeugt, Ihr Völker, wie wer-det Ihr gemäht! DaS ist nicht eine Wetterwolke, die dort dräut andem Horizont; daS ist schon eine Ahnung von dem Weltgericht. Aufge-regt sind die Tiefen, aufgewühlt sind die Gräber, und auch die Todtensenden ihre Boten zu diesem Kampf. Seht wie sie kommen, wie sieschleichen, die Gespenster und die Schatten, die alten Heiden und die altenJuden, die bleichen Götter und Dämonen, und mischen ihren Ruf undmischen ihren Reigen in Europas Nothgeschrei, in Europas Geisterschlacht.Sie, die von der Kirche Bezwungenen, sie, die bei dem Kreuze Begrabenen,