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sie schweben auf, sie schweben nieder, zu rächen ihre Schmach, zu brechendas Kreuz, zu beugen die Kirche. ES hat der Abgrund geöffnet sein Re-vier, und waS vermodert, was bewältigt war nach langen Kämpfen, —hervor auS der schauerlichen Tiefe schleppt eS körperlos den Schatten undruft und grinset: Nieder mit dem Kreuz! Nieder mit der Kirche! — Unddie Todten hüllen sich in neue, bunte Kleiver, setzen die rothe Mütze anfdas verweste Heidenhaupt, singen in jungen, frechen Liedern den altenJudengrimm, schwingen mit der Knochenhand die scharfe Lanze, und überden Markt und über die geschäftige Gasse, heulend, höhnend, fratzenamg.wälzt sich nach dem Heiligthum der Gespensterspuck. Sinnverwirrend kosenseine Lieder, und eS locken seine Fahnen, locken geistbethörend unsre Jugend.Da erfaßt die Lebenden der Taumel, und toll, mit bacchantisch-wüstemSchauder, stürzen sie sich in den Todtenreigen, und eS tönt der Chor:Nieder mit dem Kreuz! — Nieder mit der Kirche! —
Eine weite, weite Wüste von Gräbern allüberall. Blut, Blut undWieder Blut. Zerbrochen, zertreten wird jegliches Werk und jegliche Ge-walt.— Auch du, Weltsacrament der Kirche, du unwandelbares, du vonAnfang an znadenvoll vorbereitetes? — Kraft deS geoffenbarten Wortesüberragst, überwältigst, verklärest du die nahende Zerstörung, und mitMutterarmen umfängst, erhebst du wieder das gesühnte, das reuevolle,daS im geläuterten Glauben gereinigte Geschlecht. — Ihr aber, edleGeister, edle Fürsten, schützet, schirmet das Kleinod; mit todeömuthigemEifer bewahret, bewachet daS einzige Pfand einer glorreichen Zukunft.Und wer da rüttelt den Kirchenbau, ver hat verfehmt die frevelhafte Hand.Der Bau soll bleiben trotzig und unwandelbar, da alles Irdische ver-sinkt und stürzt. Und ist des Baumes Krone auch entblättert und ver-welkt: — die Wurzel sollen Frevler nicht betasten mit dem mörderischenArm. Den Wipfel magst du peitschen, wüthiger Sturm: und beugst duihn, — der neue Frühling bringt uns neues Laubgewind. Denn eS welktund stirbt und verjünget sich wieder das zeitliche, wechselnde, wandelndeGrün. Jedoch — hat des GifteS leisester Hauch die Wurzel erst erfaßt,da bricht, da siecht, da stürzt der ganze Stamm. Bei der Wurzel halteternste GeisteSwacht, die Wurzel schirme treu der GlaubenSernst. O großerKampf — zu streiten für des Lebens Kern und Stern; o süßer Tod, zusterben für deS Lebens Herrlichkeit! Du Schlange dieser Welt, du schänd-lich Jakobinerhaupt — glaubst du, weil du benaget hast manch morschenKnabenbau. manch zeitlich Regiment — so sey der Kirche ewiger Dom,so sey der Kirche felsenstarke Säule auch preisgegeben deinem giftigen Zahnund dem verfluchten Wesen? Komm' an, du Ungethüm! — Die Völkerstehen da mit nackter Brust, zu schirmen ihres HeiligthumS Asyl, zu wah-ren ihrer Kirche Sacrament . TodeSmuthig soll ein Wald von Schwerterndich empfangen. — Die Stein chen hast du leicht zermalmt: — beimFelsen wirst du bersten!" —
Beschlüsse der zweiten Generalversammlung der katholi-schen Vereine Deutschlands .
-j- BreSlau , 30. Mai. Unter dem Vorsitz deS LegationS-RathesDr. Lieber wurden von der zweiten in BreSlau zusammengetretenen Generalversammlung deS katholischen Vereins Deutschlands folgende Beschlüssegefaßt:
I. Commission (Formales) unter dem Vorsitz v. Secr. Nadbyl,nebst 6 Mitgliedern.
Zwischen §. 3 und 4 der Geschäftsordnung (s. die amtlich heraus-gegebenen Verhandlungen der ersten Generalversammlung) wird eingeschaltet:die Generalversammlung wird durch eine Vorversammlung der schon anwe-senden Deputirten eingeleitet.
In 8- 7 der Geschäftsordnung wird anstatt „die Legitimationen leitetder Vorsitzende rc." heißen: „der Vorstand des Versammlungsortes prüftdie Legitimationen der Abgeordneten."
Ferner: der Vorstand und AuSschuß deS Versammlungsortes wähltaus sich höchstens 25 Abgeordnete dieses Vereins. Jeder Abgeordnete hatvolles Stimmrecht. In materiellen Fragen sind ?/z der abstimmenden Ab-geordneten nöthig, bei formalen Fragen entscheidet die absolute Majorität.
Die Veränderungen in der Geschäftsordnung sind nur provisorisch.
ES wird von nun an nur Eine Generalversammlung deS Jahresgehalten, und zwar im September, welche auch in diesem Jahre noch statt-finden soll. Dagegen soll jede Provinz gehalten seyn, wenigstens eineProvinzialversammlung jährlich zu halten, und davon vier Wochen vorherdem Vororte Kenntniß geben.
Ferner: die Besorgung der geistlichen Bedürfnisse der nach Amerika
auswandernden Katholiken wird dem Ludwigs- und Leopold-Vereine drin-gend empfohlen.
Gründung eines Vereinsorgans bleibt offene Frage.
Ferner: die Provinzialvereüie restiluiren dem Vororte die gehabtenAuSlagen, jedoch so, daß von einer Cnilralcass.' keine Rede.
Ein Memorandum an alle Kaiholiken Deutschlands über die wahreFreiheit und die Stellung der Katholiken zu ihr wird entworfen.
Alle Einzelnvereine mit genauester Zahl der Mitglieder werden zu-sammengestellt, und dann als Anhang den Verhandlungen beigefügt.
Frauen werden als hörende Mitglieder in den Verein ausgenommen.
Die heilige Mutter GolleS wird als Schutzpalronin des Vereinöerwählt.
Nur über Hauptfragen wird Discussion gestattet, über die übrigenwird stillschweigend hinweggegangen.
II. Commission (Inneres.) Vorsitzender Härtung. Rcf. Pell-
dram (Ps. u. Erzpr. in Warmbronn ). Corref. Pf. Hin,ioben.
Der katholische Verein Deutschlands , in Anerkennung des Grund-satzes der Unterrichts- und ErziehungS - Freiheit, erklärt, sich anschließendan den Ausspruch der hochwürdigsten Episkopalversamnilung in Würzburg :die katholische Familie hat die Pflicht, ihre Kinder katholisch zu erziehen.Die Erfüllung dieser Pflicht nicht zu verkümmern ist der Staat vermögeder Unterrichts- und Religionsfreiheit verbunden. Hierauf sich stützendspricht der katholische Verein Deutschlands auü: mit allen rechtlichen Mit-teln, durch häufige Besprechungen der UnterrichtSsrage in den Versamm-lungen und durch Verbreitung zweckmäßiger Schriften dahin wirken zuwollen, daß daS Recht der Familie auf die Erziehung ihrer Kinder zurAnerkennung gebracht werde, so wie durch alle rechtlichen Mittel dahin zustreben, daß die katholischen Schulen in ihrer Reinheit erhalten, da, woeS nöthig, neue gegründet, und daß die katholischen Schulstiftungcn ihremZweck nicht entzogen und die vielleicht ihrem Stiftungszwccke entfremdetenwieder zurückgegeben werden müssen. Ferner fordern die Katholiken vomStaat und den bürgerlichen Gemeinden, daß aus den Steuern, welchesie zahlen helfen, resp. aus dem StaatS- und Gemeinde-Vermögen nichtbloß «katholische, sondern auch katholische Schulen für sie nach Verhältnißund Bedürfniß dotirt und errichtet werden.
Der Präsident wird eine Adresse an daS hochw. Episkopat fertigen,die die Anerkennung für die Auösprüche der Schulangelcgcnheit u. s. w.enthalten soll.
ES wird eine Preisfrage gestellt: die möglichst beste Broschüre überUnterrichtsfreiheit, deren Beurtheilung eine Commission in nächster Gene-ralversammlung vornehmen wird. Der Preis ist der Preis der Ehre.
Die Versammlung wird daS Episkopat Deutschlands in den von ihmzu treffenden Maaßregeln zur Herstellung einer katholischen Universität kräf-tigst unterstützen.
Von Schriften, welche Lebensfragen der katholische» Sache in ent-schieden zweckmäßiger Weise behandeln, wird eine entsprechende Quantitätaeguirirt und verbreitet, zugleich wird der Vorort die Ccntralvereine auf-fordern, Flugschriften u. s. w. möglichst zahlreich im Sinne der Kirche unddeS Vereins zu verfassen und möglichst wohlfeil zu verbreiten.
Durch Verzeichnisse guter katholischer Bücher werde allmälig ein voll-ständiger Catalog der populären katholischen Literatur zu Stande gebracht,deren strenge Prüfung der Vorort übernimmt.
III. Commission (sociale Frage). Vorsitzender Lor. v. Ketteler.
Zur Wiederherstellung und Förderung einer christlichen Armenpflege
hat das Wirken des VincenzvereinS in neuester Zeit sich als daS verdienst-lichste Mittel bewährt. Daher wird den katholischen Vereinen die Errich-tung von Vincenz v. Paul Vereinen dringend empfohlen. Auf Grund undAnweisung der Statuten deS genannten Vereinö soll zunächst die Linderungder leiblichen und geistigen Noth der Armen erzielt werken. Außerdemsollen nach Bedürfniß und Möglichkeit errichtet werden: ») Kleinkindcr-bewahranstalten, b) geeignete Unterrichtsanstalten für Lehrlinge und Ge-sellen, o) Lehr- und Sprechlocale für Lehrlinge, Gesellen und Meister anSonntagen und Feierabenden, cl) Volksbibliotheken, e) Frauenvereine zurPflege der Kranken Armen.
Der Anschluß an den Pariser Verein unmittelbar wird denEinzelnvereinen frei gegeben.
Der Verein solle sich bei der Errichtung eines Denkmals für Josephv. GörreS bctheiligen.
Die Vereinsmitglieder mögen sich nach Kräften bei den Missionö-vereinen bctheiligen.
Ort der nächsten Generalversammlung im September ist Wien , imBehinderungsfalle eventuell RegenSburg .