Ausgabe 
9 (10.6.1849) 23
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen
  

IV. Commission. (AeußereS.) Vorsitzender Domcapit. Baltzer.

Die korporative Betheiligung in rein politischen Fragen und Ten-denzen bleibt von den Vereinen ganz ausgeschlossen, und es muß jevemVereinSmitgliede überlassen bleiben, welche polnische Änsicht er zu der seinenmacht. Die Veriammlung warnt daher die Cinzelnoereme, auf unstatt-hafte Weise die politischen Fragen in den Kreis ihrer Wirksamkeit zu zie-hen, und in Bezug hierauf verweist sie auf 8 7 u. 10 der Statuten.

' CS bleibt dem Vororte überlassen, die Verbindung des katholischen Vereinö Deutschlands um außerdeut>chen Brudern ii» geeigneter Weise fort-zusetzen und zu erweitern.

Es werde eine populäre Schrift über daS katholische VereinSwesenin Deutschland bald möglichst verfaßt. Diese Schuft wirb in zwei Abhei-lungen zerfallen, deren erste Belehrung der Mitglieder, deren zweite elnSporn für außerhalb dcö Vereins Stehende seyn soll. Diese Schuft i>leine Preisfrage, die dem Vororte zur Prüfung eingesendet wird. Preisist der Preis der Ehre.

Die Versammlung spricht den Wunsch aus, daß die katholischen Ver-eine zur Wiedererweckung dcö religiösen Sinnes, der die Verherrlichungder Kirche besonders im Cult zum Zwecke hat, mitwirken sollen.

BrcSlau wirb znm zeitigen Vororie envühlt; Präsiceiu dic. Wirk, undzur Erweiterung des Vororlövvlstauces werden die Herren: Canon. Pros.Dr. Baltzer, Curat. Lic. Welz, Gymnasiallehrer Dr. Baucke uud Semmar-director Licent. Baucke ernannt.

Die Versammlung entsendet eine Deputation zum Danke an dieOberbchö-den, daß sie r», ^'laaeulngSznstanve die Abhaltung der General-versammlung gestaltet haben. , ^

Präsident Dr. Lieder wird das von ihm zu verfassende Schreiben Lll SEpiskopat auch selbst anöfertigeu.

AIS Commission zu Herausgabe der Verhandlungen werden ernannt:Can. Baltzer, Lic. Wick, Secrei. Nacbyl unv die nreslauer Mitgliederdeö Secretariatö: llr. Baucke, Sem. Dir. Baucke, Curat. Gomille.

Die Beiträge an cen Vorort werden brovi nmnu bei der General-versammlung von den Repräsentanten der Vereine mitgebracht. 6 Thlr. aufjeden Centralverein bestimmt.

Der Termin zur Abgabe der PreiSschriftcn wird in den katholischen Blättern inserirt.

Anträge zur nächsten Generalversammlung müssen einige Tage früheran den Vorort eingesendet werden. Liese Aiuräge muffen classisicirr undbereits gedruckt den ankommenden Abgeordneten überreicht werden. Dochdürfen die eingeh nten Anträge nur von den Ceiilralyereinen, schon wohl-geprüft, eingesandt werden.

Anträge, die nur Provincial- und Local-Interessen berühren, werdenvon der Debatte ausgeschlossen, und nur dann vorgebracht, wenn sie sichzur speciellen Verwendung deö katholischen Vereins Deriischlandö eignen.

In Ermanglung eines Gesammiorganö sollen die Cenlralvere>ne deneinzelnen Filialvereineu alle in den Zweck deö LereinS einschlagenden Schrif-ten und Schreiben des Vorortes treulich mittheilen.

PiuSvereive.

Schwabm ü ncken, 30. Mai. Gestern hielt der hiesige PiuSvcreineine öffentliche Generalversammlung, zu welcher sich auf ergangene Ein-ladung auch circa 24 Miiglicbcr deS Augöburger, und 12 Mnglieber deöLandSbergcr PiuSvcreineS eingesundeu hallen. Der eigeiullchen Versamm-lung voran ging ein feierlicher Gottesdienst, um den Segen deS Himmelsfür die VereinSbcstrebungen zu erflehen. In einer trefflich ausgearbeitetenKanzelredc (die auf in der Versammlung gestelltes Ansuchen dem Druckeübergeben werden wird) begründete Hr. Pfarrer Helmer sein Thema:Die Katholiken sollen und können den Bestrebungen der Feinde deSchristlichen Glaubens mi Nachdruck und Eifolg entgegenwirken." Hieraufcelebrirte Hr. Pfarrer Strichele das heilige Meßopfer, unter weichemein vollstimmigrr kräftiger VolkSgesang Ohr und Herz erfreute. In derunmittelbar darnach abgehaltenen sehr zahlreich besuchten Versammlungreferirtcn zuerst Hr. v. Brentano , dann Hr. llr. ZinSler Einigesüber die allgemeine Versammlung des katholischen LereineS in Breslau bei welcher sie alS Abgeordnete deö AugSdurger PuiSvereins zugegen waren;dann richtete Hr. llr. P. Wittmann einige herzliche Worie an die Ver-sammelten, worauf der Vorsitzende deö Lancsberger PiuSvereineS das Wertergriff, in ausführlicher Rede die Nothwendigkeit der Bildung von PiuS-vcreincn und ih.cS kräftigen Zusammenwirkens darlegte, und der Schwie»

Verantwortlicher Redacteur : L. Schönchen.

rigkeiten und Intriguen erinnerte, gegen welche man bei Gründung deSPiuSvereineS in Landsberg zu kämpfen gehabt habe. Deßungeachtet seyderselbe erstarkt und zähle sammt seinen Zweigvereinen in den benachbartenOrtschaften bereits 1140 Mitglieder. Der Redner sprach auch den Ge-danken aus, daß die katholische Kirche keine Stammesunterschiede kenne,und daß sich Altbayern und Schwaben treuherzig die Bruderhand reichen,um mit allen rechtlichen Mitteln die Freiheit der katholischen Kirche zuerringen, welchen Gedanken besonders der Vorstand des SchwabmünchenerPiuSvereineS zum Schlüsse nochmal kräftig hervorhob, nachdem zuvor nochHr. Director Birker und Hr. Lehrer Lorenz aus Augsburg einige pas-sende Bemerkungen gemacht hatten. Alles ging in größter Ruhe undschönster Ordnung ohne die mindeste Störung vor sich, und dauerte bei-nahe 6 Stunden; denn unmittelbar nach dem Gottesdienste, der um 8Uhr begann, begab man sich in das VersammlungSlocale, welches manerst um ^2 Uhr wieder verließ. (Lechbote.)

» »

«

Elsendorf , 29. Mai. Gestern war auf der ehemaligen EremitageSt. Anton große Versammlung deS PiuSvereineS. Auf den Kirchthürmen»er umliegenden Orte flatterten weißblaue Fahnen und an der Gränze deSFestplatzeS waren drei große Flaggen aufgerichtet: eine deutsche, eine baye-rische und eine Friedenssahne (weiß mit einem rothen Kreuze). Ein Altar,die Rednerbühne und der ganze Platz prangten von Blumen und frischemGrün. Schaaren von Andächtigen kamen in Processionen mit Fahnenheran. Herr Pfarrer Eberhard predigte über den Glauben. Dann warHochamt. Nach einer Pause wurde die Versammlung von dem VorstandsdeS PiuövereinS eröffnet. Es traten vier Redner auf, die über die ReichS-verfassung, Grundrechte und andere politische Tagesfragen sprachen. Derletzte war Pfarrer Eberhard, dessen Rede der Glanzpunct der Versammlungwar. Er verbreitete sich über die wahre Demokratie vorn edlen, christli-chen Standpuncte aus. Vielen standen Thränen in den Augen, viele jubel-ten und riefen Beifall zu. Die Zahl der Anwesenden wurde auf 6000geschätzt. (Bayer. VolkSbl.)

Nn die treuen Bayern im Gebirg. *)

Hinauf in Eure Berge, wo Gottes Odem weht.

Wo fest, wie seine Felsen, des Volkes Treue steht,

Dringt jetzt in Sturmes Nöthen zu Euch des Königs Wort,

Zu Euch, Ihr wackern Männer, Ihr Baycrn'S Schutz und Hort!

Die eidvergcß'nen Buben, dort unten an dem Rhein ,

Die wollen jetzt die Herrscher von uns Altbayern seyn.

Was sagt Ihr dazu, GcbirgSleut'? Faßt Euch nicht Zornes Gluth?Erwacht in Eueren Herzen jetzt nicht der Vater Muth?

Ihr Schützen von den Bergen, den Stutzen von der Wand!

DaS Aug' dem Feind entgegen, die Waffe nehmt zur Hand!

Ihr Männer aus den Thälern, jetzt heißt es Aufgeschaut!

Denn Eurer alten Treue ist Bayern'S Heil vertraut!

Ihr seyd die ächten Söhne von jener heil'gcn Schaa»,

Die einst auf ScndlingS Höhen treu bis zum Tode war.

Balv heißt's, wie Jene zu kämpfen wohl einen wackern Streit!

Für Vaterland und König! Ihr Männer seyd bereit!

Der Teufel fand wackre Gesellen wohl an der Pfälzer Brüt,

Sie schwingen die rothe Fahne und lechzen nach Mord und Blut.Blau weiß ist unser Banner, dem sind wir treu bis zum Tod!Mit uns sind Gott und die Heil'gcn! da hat es keine Noth!

Wir kämpfen für die Treue, für Könlg und Vaterland!

Drum Männer, nicht gesäumct, den Stutzen nehmt zur Hand!

Und sollten wir auch fallen im heil'gcn Ehrenstrcit,

Die Heil'gcn uns zu empfangen, sind droben dann bereit.

Schon länger als ein Jahrhundert ruhn SendlingS Helden im Grab,Und rollen auch noch Jahrtausend inS Meer der Zeiten hinab,

Ihr Name wird niemals sterben, gepriesen in Ewigkeit!

Drum zeigt, daß Ihr wie die Väter, altbaycr'sche Helden seyd!

*) Bei einer der jüngsten Volksversammlungen im bayerischen Gebirg vertheilt.

Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.