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9 (17.6.1849) 24
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hatte, in seiner Wohnung belagerte, nachdem sie seinen Minister ermordet,sein HauS dem Brande preiszugeben, und seine treuesten Diener niederzu-metzeln gedroht, und ihm sein Leben nur um den Preis einer erzwungenenAbbication und der Verschleuderung der unveräußerlichsten Rechte schenkenzu wollen, beschlossen hatte: in demselben Augenblicke handelte eS sich nichtbloß um die Regierung der päpstlichen Staaten, sondern um die Sicher-heit, die Würde und die Freiheit der gestimmten Kirche.

Mehr als irgendwo, muß gerade zu Rom, wie PiuS IX. eS wollte,eine wahre oberherrliche Unabhängigkeil stattfinden, vereinigt mit eineredlen und weisen Verwaltung zum Wohle und zu einer vernünftigen Frei-heit des Volkes, sie muß stattfinden nicht bloß um der erhabensten undallgemeinsten Interessen wegen, die dort vertreten werden, sondern auch umder göttlichen Beziehungen willen, die nur von Gottlosigkeit und Unver-nunft verkannt werden können; sie muß stattfinden, weil die katholischeWelt in ihrem Vater und Oberhaupte geachtet werden soll.

Hurter sagt in seiner Geschichte Jnnocenz III. *):Sicherheit des

Landes und der Stadt, von welcher auö daS Oberhaupt der Kirche diesein allen Ländern ordnen, leiten, erhalten soll, bleibt immer das erste Er-forderniß, um die vielartigen Obliegenheiten so hoher Stellung wahrneh-men zu können. Wie könnte er über den mannigfach verschlungenen Ver-hältnissen schweben, den zahllosen Angelegenheiten aller Kirchen und kirch-lichen Personen Rath, Beistanv, Entscheidung gewähren, für die Erwei-terung deS GlaubcnSreicheS sorgen, unv jede wider dasselbe sich crhebmdeArglist zu Nichte machen, frei zu Königen und Völkern sprechen, undschlichten, schirmen, warnen, strafen, wenn er in dem eigenen Hause nichtRuhe fände, und Ränke der Böswilligen, Gewalt der Frechen ihn nöthig-ten, den sonst die Welt umfassenden Blick auf jenes zu beschränken, unvErhaltung und Freiheit zu erkämpfen, oder flüchtig Schutz bei andern zusuche,,?« Und der unerschrockene, unglückliche Rosfi sagte kurz vor sei-nem Tode:Die Unabhängigkeit des Papstes als Oberherr steht unterder gemeinschaftlichen Garantie aller Katholiken. Rom mit seinen, Lurchdie Schätze der ganzen Welt erbauten Denkmälern, Rom , der Miitelpunctunv das Haupt deS Katholicismus gehört vielmehr den Christen an, alsden Römern. Seht euch wohl vor; wir werden die Christenheit nicht ihresHanpteS berauben lassen, noch auch den Papst, wenn er je Rom verließe,wieder zurückführe», daß er euch um ein Asyl bitte, welches ihr euch mitseiner Freiheit gern theuer möchtet bezahlen lassen!"

Alles dieß führt uns zu einer Bemerkung, die wir bisher nichtberührt haben, die wir aber nicht übergehen können. Der Papst mußfrei und unabhängig seyn nach Außen, wie von Innen, aber von In-nen, um eS auch nach Außen seyn zu können; er muß, um inimmerwährender Eintracht mit allen christlichen Nationen zu leben, mittenin ihren Streitigkeiten eine versöhnende Neutralität bewahren, und unterallen Umständen der wahre Friedcnöfürst seyn, wie dieß dem göttlichenCharakter, den er repräscnlirt, zukommt; er muß immer im Stande seyn,die reinen und friedlichen Hände zu erheben, um den Geist der Eintrachtund deS Friedens für die christlichen Fürsten und Völker von Oben zuerflehen.

Die Erde," sagt der heilige AugustinuS,ist oft bewegt durchKriege, wie daS Meer durch den Sturm. Auch das Menschengeschlechthat seine Stürme; der Himmel trübt sich, und alles scheint bisweilen imWirbel eines allgemeinen KriegeS dahingerissen; wenigstens eS doch wenig-stens nur Ein Volk gibt, daS sich diesem Wirbel zu entziehen weiß, nurEine Stadt, auS welcher der Friede zu kommen vermöchte."

Römer, hört diese Worte, beklagt euch nicht über daS große undrühmliche Vorrecht, daS euch der Sitz des Pontifer gibt, weil eS euchvon der traurigen Nothwendigkeit des KriegeS befreit, und eS eucheine friedliche, ehrenvolle und immer unabhängige Neutralität sichert inMitte aller christlichen Nationen.

*) Band II Buch 13.

**!Es liegt im Jnicrcffc des Menschengeschlechtes, sagt Voltaire in seinem: Ver-such einer allgemeinen Geschul te, daß es einen Zaum gebe, den die Fürsten scheuen, undder das Lebe» der Böller sichert; dieser Zügel, wir meinen die Religion, hätte durchallgemeine Uebcecinkunft i» die Hände der Päpste gelegt werden können, und diese, welchesich in wclllichc Slreiligkeilen nicht zu mischen hätten, als um den Friede» herzustellen,die Könige,i und Völkern ihre Pflichten doihaltc», ihnen Gesetzübertretungen verweisen,und für die ärgsten Verbrechen die Ercommunication in Anwendung hätten bringe» kön-nen, diese'hätte man immerhin als Stellvertreter Gottes auf Erden ansehen mögen."

Leibnitz schreibt i» einem seiner Briefe:Ich wäre der Ansicht, daß man in Rom ein Tribunal errichten solle, um die Zwistigkeitcn der Fürsten beizulegen, und daß manden Papst zu dessen Präsidenten einsetze, so wie er wirklich zu Zeiten die Stelle einesRichters unter den christlichen Fürsten einnahm. Es ist ja erlaubt, Luftschlösser zu bauen,warum sollten wir einen Einfall verwerfen, der nnS daS goldene Zeitalter zurückführenkönnte?"

Erinnern wir uns schließlich noch eines Gespräches zwischen Napoleonund dem Obern von Saint-Sulpice, dem greisen Emery, in Gegenwartder in den Tuilerien versammelten Bischöfe.Ich bestreike nicht die geist-liche Macht des Papstes," sagte Napoleon,da er sie von Christus erhal-ten hat; aber Christus hat ihm nicht auch die zeitliche gegeben; diese hater von Karl dem Großen, und ich, Nachfolger Karl deS Großen bin eS,der sie ihm wieder nehmen wird, weil er sie nicht zu gebrauchen weiß,und sie ihn verhindert, seinen geistlichen Verrichtungen nachzukommen.Was denken Sie davon, M. Emery?"ES gefällt Ihnen oft, Sire, auSBossuct zu citiren," sagte der unerschrockene Priester,ich will dasselbethun. Er sagt:Wir wissen, daß die römischen Päpste eben so recht-mäßig als irgend Jemand auf der Erde Güter, Rechte, und eine Ober-herrlichkeit besitzen. Wir wissen ferner, daß diese Besitzungen, in so fernsie Gott geweiht sind, auch geheiligt sind, und daß man, ohne ruchloS zuseyn, nicht Hand an sie legen kann. Der apostolische Stuhl besitzt dieOberherrlichkeit über die Stavt und den Staat von Rom, damit er freiund sicher und in Frieden seine geistige Macht ausüben könne. Und dießist nicht bloß ein Glück für den römischen Stuhl, sondern für die ganzeKirche, und wir wollen unsere heißesten Wünsche vereinigen, daß diesergeheiligte Prinzipal in jeder Hinsicht unangetastet und gesichert bleibe."

Die Fronleichnamsfeier in Wien.

Wien, 7. Juni. Daß Oesterreich seinen Charakter als katholischeMacht bewahre, zeigte die prachtvolle so eben abgehaltene FronleichnamS-Procession, welche in ihrem altherkömmlichen Pompe einen eben so erfreu-lichen als erbaulichen Anblick gewährte. ES war eine Huldigung, demHerrn deS Himmels und der Erde dargebracht von den Fürsten der Erde,verherrlicht durch Alles, was die Erde an Schätzen bietet znm Dienste deSAllerhöchsten. Außer allem dem, waS man anderwärts bei dieser Gele-genheit auch sieht, erschien dabei der ganze Hofstaat in seinen verschiedenenAbstufungen. Nach den Rittern deS golvenen Vließes und dem Domcapi-tel von St. Stephan folgten sodann unmittelbar vor dem höchsten Gutedie hier anwesenden Herren Erzbischöfe und Bischöfe im kirchlichen Ornate(Plnviale), zu beiden Seiten begleitet von ihren Jnfelträgern. ES warein erhebender Anblick, etwa 30 Bischöfe (einige waren durch Unpäßlich-keit verhindert) vor dem hochwürdigsten Gute cinherwandcln zu sehen.Die Reihe der Bischöfe schloß der Cardinal Fürsterzbischof von Salzburg,begleitet vom päpstlichen Nuntius. Der Fürsterzbnchof von Wien trug daShochwürdigstc Gut unter dem Baldachin. Ihm folgte zunächst Se. Majestätder Kaiser Franz Joseph , in frischer Jugendblüte alle Herzen gewinnend;sodann die Prinzen deS kaiserlichen Hauses. Diese waren: der ErzherzogFranz Karl , Vater deS regierenden Kaisers, die beiden Brüder SeinerMajestät, und der Erzherzog Joseph, Sohn deS verstorbenen Palatins.Es war ein erbaulicher Anblick, wenn beim Segen so viele Bischöfe denPlatz an der rechten Seite deS Kaisers knieend füllten, der Kaiser selbstin tiefer Ehrfurcht vor dem Altrr kniete, und mit allen Zeichen wahrerAndacht den Herrn der Heerschaaren anbetete. Gewiß, wo so viele frommeWünsche vereint zum Himmel aufsteigen, wird der Segen des Allmächtigenzu dem großen Werk der Wiederherstellung unserer vielfach zerrütteten Zu-stände nicht fehlen, und wir dürfen mit Vertrauen der Zukunft Oesterreichs cntgegenblicken, wenn auch zur Stunde noch dunkle Wolken den Horizontbedecken. Als der Kaiser nach beendigter Procession auS der Kirche vonSt. Stephan heraus trat, wurde er von dem überaus zahlreich versam-melten Volke mit ungeheurem Jubel und fast endlosem Vivatrufcn begrüßt.

Die Berathungen der hier versammelten Bischöfe werden, wie ver-lautet, noch etwa 10, höchstens 14 Tage dauern. Der Bischof von Trieftwird wegen anhaltender Uupäßlichkeit auf Andringen dcS Arztes morgennach Hause abreisen. Gestern ist der hochwürdigste Bischof von Agram,Haulik, hier angekommen; man sagt, er werbe auch an den Berathungender Bischöfe Theil nehmen, wie der hochwürdigste Bischof von Fünfkirchen ,der schon seit dem Anfang derselben den Sitzungen beiwohnt. Der letzt-genannte Bischof hat durch die gegen Oesterreich kämpfenden Magyarensehr große Verluste an zeitlichem Gute erlitten, die er mit bewunderns-werthem Gieichmuthe trägt. Sein Begleirer sagte mir gestern mit Bezugdarauf in lateinischer Sprache die schönen Worte:Der Herr hat eS gege-ben, der Herr hat es genommen: der Herr kann eS wieder geben, undwill er daS nicht, so wird es zu unserm Heile besser seyn." (K. Bl. a. T.)

Verantwortlicher Redacteur : L. Schönchen.

Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.