Ausgabe 
9 (24.6.1849) 25
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deS und Alters er war, zu seinen Pflichten an, und durch die willigeErfüllung der Pflichten des Einen waren die Rechte des Andern, undin der Gesetzmäßigkeil Aller die Freiheit Aller sicher und geborgen. DieFeinde deS Christenthums begriffen dieses Wechselverhältniß nicht, oderWollten es nicht begreifen. In Frankreich , ihr wißt eS, wurde im vorigenJahrhundert das Christenthum in großen Massen deS Volkes nach undnach aufgelöst; in der ersten französischen Revolution wurde es zu Grabegetragen; selbst der liebe Gott wurde abgesetzt, und die befreite menschlicheVernunft in einem sauberen sehr handgreiflichen Abbilde als Göttin auf denAltar gehoben. Die Freiheit aber, für welche sich die Massen erhoben hatten,die Freiheit, ihr wißt es auch, wurde eine furchtbar grausame Hyäne, welchesich in dem Blutstrome von hunderltausenden unschuldig erwürgter Scklacht-opfer gütlich that. Wie war daS gekommen? So war es gekommen: manhatte die Freiheit losgerissen von der christliche» Gesetzmäßigkeit; da stürz-ten Thron und Altar, und auf ihren Trümmern erhob sich die Schreckens?Herrschaft schrankenloser Willkür zur erbarmungslosen Knechtung Aller. Undschauen wir etwas weiter herüber in die Begebnisse unserer Tage! Hatdie Befeindung deö Christenthums und der Kirche in der Schweiz die Sacheder Freiheit gefördert? Unsinn oder Lüge, oder beides zugleich wäre cS,solches zu behaupten: Zwingherrschaft des RadicaliSmuS, UnterdrückungdeS eigentlichen Volkes durch die rohe Gewalt der augenblicklichen Macht.Haber, Raub, Gewaltthat an Leib und Seele, allgemeine Unsicherheit,das sind die Zustände der Schweiz . Ist das Freiheit? Und was wirvon den Feinden der Pfaffen und Jesuiten, wie jetzt der Sprachgebrauchist, in Wien, in Turin, in Florenz, in Rom, in Frankfurt, und nochhier und dort erfahren haben, wie sie LichnowSky, Auerswald, Latour undRossi ermordeten, wie sie die armen Schildwachen auf ihren Posten mitverrätherischer Schießbaumwolle unversehendS und unbemerkt niederstreckten,wie sie sengten und brennten, und gewaltig thaten in allem UebermuthedeS frechen Wortes und ihres ruchlosen Werkes: ich frage euch, liebeFreunde, ist das Freiheit? Und wenn im Namen der Freiheit die Prie-ster und die.christliche Geistlichkeit aus der Schule ausgewiesen werden,wenn freisinnige Schullehrer, wie sie in Hünseld und noch hier und dazu Rathe saßen, LoSreißung der Schule von der Kirche verlangten, unddadurch euern armen Kindern Schulen ohne Religion und Erziehung, ohneChristenthum, zu euer Aller Schrecken in Aussicht gestellt wurden; so frageich abermals: Ist das Freiheit? Und wenn Julius Fröbel , einer derAbgeordneten zur Nationalversammlung in Frankfurt , den Glauben andas Daseyn Gottes und an die Unsterblichkeit der Seele und die Fortdauernach diesem Leben abgeschafft wissen will, wenn nach seinem Willen dieEhe aufgehoben und freier, gemischter und durchaus unbeschränkter Verkehrder Geschlechter eingeführt, dabei auch kein Eigenthum deö Einzelnen undbesonders kein Erbrecht gestattet seyn soll; so frage ich, um euch nichtweiter zu ermüden, zum letzten Male, ist daS Freiheit?

Und nun, liebe Freunde, überlasse ich es euch selbst, die zehn Ge-bote Gottes der Reihe nach durchzugehen, und dann werdet ihr, ohnesonderliche Mühe und Anstrengung eueres Verstandes, erkennen und begrei-fen, daß jegliches Gebot, wenn es gehalten wird, mittels der Gesetzmäßig-keit die wahre Freiheit fördert, und daß jegliche Uebertrctung irgend einesder Gebote, vermöge der Nngesetzmäßigkeit, die Freiheit bedrohet, und inletzter Folge zerstören muß. Oder meinet ihr, wenn das erste und daSzweite Gebot aufgehoben wären, und wir nicht mehr an Einen Gott glaub-ten, auf Ihn hofften, Ihn über Alles lieben und anbeten, und SeinenNamen über Alles heilig halten müßten, glaubt ihr, dann würde Freiheitseyn, oder seyn können in der Welt? Schaut nach Rom , wo im Jahr.1527 daS gegen die sogenannte heilige Liga und gegen die beklagenswerthePolitik des Papstes Clemens VII. siegende bourbonische Kriegsherr sichnach der Erstürmung Roms in wildem Uebermuthe überstürzte, und diechristlichen Heiligthümer entweihte, und GotteS und Seines heiligen Na-menS vergessen, hatte in schrankenloser sogenannter Freiheit; schauet nur,welch eine furchtbare Schreckensherrschaft dort von der entfesselten Ruch-losigkeit sieben Monate lang geführt wurde. Und in HildeSheim , wo imJahre 1513 zuerst die Schneider, und sodann, deren Beispiel folgend, dieübrigen Handwerker das Bild des Kreuztragenden Heilandes der Reihenach auf die verschiedenen Zunflhäuser brachten, und unter den entsetzlich-sten Gotteslästerungen verhöhnten, und den betrübten Heiland spottend zurTheilnahme an ihrer wilden Ausschweifung einluden; Freunde, wir wissenes, zu jener Zeit war in Hildesheim Niemand frei, als nur die schmutzige,verliederlichte Rotte der Gottlosen. Und als zu Münster in Westfalen ,jener altkatholischen, getreuen Stadt, jenem köstlichen Edelsteine in demGeschmeide der Braut des Herrn, der Vaterstadt der erlauchten BrüderClemens August und Caspar Mar Droste zu Vischering , alsin Münster i. I. 1535 der König der Wiedertäufer Johann Bockhold,der Schneider von Leiden, mit seinen vierzehn Weibern, seine ruchlose

königliche Herrschaft über sein himmlisches Reich bis auf die äußerste Spitzetrüb, wir wissen eS, wie da in dem Reiche der Freiheit daS Blut vonFreund und Feind je nach des Befreiers königlichem Willen in Srrömcnfloß. Ich schweige von Frankreich und von den Dlutgräueln, welche imNamen der von den drei ersten Geboten GolteS enthobenen Freiheit verübtwurden. Und wie, mein Freund, der du, wie ich, und wie wir allearbeiten mußt, ist nicht daS drille Gebot von der geheiliglen Ruhe deSSabbateS ein Gesetz zum Schutze deiner Freiheit? Erreiche das dritte Ge-bet aus, so knechtest du Jahr auS Jahr ein, und du bist der elendesteSclave, magst du für dich, oder für andere arbeite», und deine eigeneverblendete Selbstsucht, oder die Härte erbarmungelvser Dienst-, ArbettS«und Fabrikherren wird dich nie mehr von deiner Sclavenketle loslassen.Und streiche daS vierte Gebot, so werden dich deine Kinder, wen» du ihnerrim Wege stehst, auS dem Hause werfen, und dich sehr praktisch belehren,waS die Freiheit ohne GolteS Gebot ist Und in dem fünften, dem sechs-ten und dem siebenten Gebote, da findest, du deinen Schutz und deine Sicher-heit gegen Gefährdung deS Lebens und der Gesundheit des LeibeS wie derSeele, gegen Entwürdigung deiner selbst und deS Abbildes Gottes in dirdurch das Häßlichste, daS dick zum Thiere erniedrigen würbe: ja auchdein Eigensinn ist dir gesichert gegen die Gewaltthat derer, die dazu eiirungerechtes Gelüste verspüren möchten. Und damit selbst nicht böse Lustgehegt werde nach Dingen, die zu thun oder zu besitzen verboten sind, unddie wachsende Lust nicht unversehendS zur That überspringe, darum ist imneunten und zehnten Gebote selbst jegliche ungerechte Lust verboten, aufdaß du ganz sicher und frei seyn könntest unter dem Schirme einer treuenGesetzmäßigkeit. Endlich, damit nicht daS Gift der Verleumdung und dieKunst der Hölle, d. i. die Lüge, dir schade, so verbleiet daS achte GebotdaS falsche Zeugniß, und mit demselben jegliche Lüge und ungerechte, un-wahre Rede wider den Nächsten. Kurz, lösche die zehn Gebote aus undvernichte ihre, zu strenger Gesetzmäßigkeit verbindende Kraft, so bist augen-blicklich mit zehnmal zehn Sklavenketten gebunden, und jeglicher Freiheitbar und ledig.

Wohlan, liebe Freunde und Brüder, so stehet bei den GebotenGotteS , bei Christo und Seiner Kirche, wo diese Gebote, und i» denselbendie christliche Gesetzmäßigkeit, die.Grundlage so wie die Richtschnur füralle zeitlichen Verhältnisse sind. So bleiben wir treu vereint in der Ge-sinnung, in welcher wir heute zusammen gekommen sind, und wirken alsomit vereinter Kraft, und stehen, leben und sterben mit Gott, für unsernlieben König, und für unser theureS Vaterland!

Die AuswanLerungsfrage, eine Angelegenheit derkatholischen Vereine Deutschlands .

(Schluß.)

Sind die Gründe, welche auf politischem und socialem Gebietedem Vereine die Uebersiedclungen nach den untern Donaugegenden als eineseiner lohnendsten Aufgaben nahe legen, sehr in die Augen springend, sosind eS die religiösen Interessen nicht minder, welche einerseits die vollsteBerücksichtigung verdienen. Der Verein ist zwar kein kirchlicher, d. h. keinVerein, der sich die Belebung LeS kirchlichen Sinnes hauptsächlich zurAufgabe gestellt, oder für die Kirche einen wettern Boden zu gewinnen den«Beruf hat; allein er ist ein katholischer, d. h. seine Mitglieder gehören^ in jeder Beziehung der katholischen Kirche an und sagt deßhalb daS Statutj 8- 12 cl:Der Verein fühlt sich als Glied deö gesammten Körpers der! Kirche und empfindet die Freude und den Schmerz jedes andern Gliedes.

! Er wird deßhalb bei großen, die Kirche und ihre Anliegen ergreifendeni Ereignissen, in welchem Theile der Erde sie stattfinden, seine Sympathien« an den Tag legen und die gerechte Sache mit Rath und That in brüder-licher Liebe unterstützen."

'ÄZenn daher irgendwo die Interessen der katholischen Kirche die Auf-merksamkeit deS VercineS auf sich ziehen, so ist eS vorzugsweise Ungarn ,

^ wohin derselbe sieb durch Rath und That zu wenden hat. Nicht nur , daß«dieses Land ein seltenes Gemisch von Religionen und Konfessionen in sichbirgt, ist dort auch, wie fast in keinem andern Lande, durch den Jndiffe-rentiSmuS unter dem Adel und dem Bürgerstande und durch die furchtbarematerielle und geistige Knechtschaft deS Bauernstandes, verbunden mit einerVerkommenheit des Klerus, der erst in jüngster Zeit durch würdige BischöfeEinhalt gethan worden, das katholische Leben entsetzlich untergraben undder wohlthätige Einfluß der Kirche fast ganz vernichtet worden. Nochsteht zwar äußerlich dort die katholische Kirche auf der alten politischenGrundlage, und ist dieselbe im Besitze von unermeßlichen Gütern und! Stiftungen; allein daS politische Gebäude, auf welches ihr Besitz gegrün--