Ausgabe 
9 (24.6.1849) 25
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det worden, ist morsch, eS wird bald zusammenbrechen unter den anstür-menden Wogen der Revolution, und diese wird nicht nur das verschlingen,waS die Kirche immerhin entbehren kann, sondern auch daS innerste Heilig-thum nicht schonen, wie fie im Laufe weniger Jahrzehnte eS fast in allenLändern bewiesen. Wenn da, im Angesichle solcher fast unabwendbarenGefahren, der katholische Verein nicht den Beruf in sich fühlt, der katho-lischen Kirche und in ihr seinen bedrohten Brüvern hilfreiche Hand zu rei-chen, und zu wahren und zu retten, waS beschützt oder erhalten werdenkann, da findet er diesen Beruf auch nirgendwo. Es kaun und darf unSKatholiken Deutschlands schon um unserer selbst willen nicht gleichgiltigseyn, wie die sachlichen Verhältnisse an der untern Donau sich gestalten,denn sie hängen fast unmittelbar mit den unsrigen zusammen, und das erstso recht, wenn die politischen Gränzen fallen, welche dort gegen unS bis-her bestanden haben. Besser aber vermögen wir die Interessen der katho-lischen Kirche dort nicht zu wahren, als indem wir durch Gründung ächt-katholischer Gemeinden dem kirchlichen Leben feste Anhaltspuncte schaffen,von denen auS dasselbe am ehesten reinigend und belebend auf die älternGemeinden einwirken kann.

So würde der katholische Verein auf den drei Hauptgebieten derheutigen Gesellschaft, dem politischen, dem socialen und dem kirch-lichen sich einen Wirkungskreis schaffen, der in seiner Anlage und in sei-nem Umfange Alles überbietet, waS bisher auf dem Wege der freienAssociation erreicht worden; allein er nur in seiner, auf katholischem Bodenruhenden Grundlage und in seiner tausendfältigen, daS ganze deutsche Volkund Land umfassenden Gliederung ist einer solchen Aufgabe gewachsen.Nimmt er dieselbe auf, so reiht er sich den segensreichen Institutionen, diefast in allen Jahrhunderten dem Boden der katholischen Kirche entsprossen,würdig an und die Erfolge seines Streben« werden nicht im politischenStrudel verschwinden, sondern sich bleibend einprägen in jene Gestaltungen,die auS den gegenwärtigen Kämpfen und Bewegungen hervorgehen.

Unterliegt eS keinem Zweifel, daß die Uedersiedelung von Deutschen auS übervölkerten Distrikten in die untern Donauländer eine würdige Auf-gabe deS katholischen VereineS ist, so fragt es sich zunächst, wie dieselbeauszuführen wäre.

Daß jede Gemeinde vor Allem ein Interesse hat, sich der Mittellosenzu entledigen, ist keine Frage, und würde der Verein nothwendig gegendiese insbesondere seine Theilnahme richten, ohne gerade zu versäumen,auch Bemittelte für dle Uedersiedelung zu gewinnen. Der Umschwung inden gewerblichen Verhältnissen, in dem Gemeinde- und Armenwesen:c. istin unserer Zeit ein so gewaltiger, daß durch ihn die Zahl der UnterstützungS-bedürftigen inS Unendliche sich gesteigert und kaum auf einem andern Wege,als auf dem der Uebersiedelung, eine durchgreifende Heilung erreicht wer-den kann. DaS drückende Uebergewicht deS Geldcapitales und die über-mäßig gesteigerte Arbeiterbevölkerung sind nicht auf dem einfachen Wegeder Reform in Einklang zu bringen und muß zunächst der Arbeitskraftweiterer Raum gewonnen werden. DaS furchtbare Elend der Arbeiter-bevölkerung, daS ganze Proletariat entsteht (materiell) größtentheilS dadurch,daß der Arbeiter weder ein Stückchen Erve, noch eine Hütte besitzt, umdie nothwendigste Nahrung und daS unentbehrliche Obdach sich zu sichern,und daß sein Lohn in der Regel ein zu karger und unbeständiger ist. Dieunzureichende und verderbliche Einrichtung deS ArmenwesenS, dem brodloseArbeiter stets anheimfallen, wirft diesen alsbald in den furchtbaren SchlunddeS PauperiSmuS, auS welchem sich wenige zu nützlichen Gliedern derGesellschaft wieder erheben. Die materielle Noth überliefert den bis zurVerzweiflung Gesunkenen allzuleicht dem geistigen Verderben, und darf eSnicht wundern, daß Jrreligiösität, Siltenlosigkeit und Verderben auf eineschaudererregende Weise überhand nehmen. Diesen allgemein herrschendenUebeln der Gesellschaft ist, wie bemerkt, erst dann mir Erfolg entgegen-zuwirken, wenn für die Thätigkeit deS Einzelnen mehr Raum und wo mög-lich ein eigenes Lcsitzlhum gewonnen wird; waö wieder für uns nur durchAuswanderungen zu erreichen wäre ein Heilmittel, zu welchem gegen-wärtig sich Tausende fast instiiictarti'g hindrängen. Indem also der Vereindiesen Drang zur Besserung der gesellschaftlichen Zustände zu regeln ver-sucht, verdient er vorzüglich die kräftigste Unterstützung der Gemeinte» undaller Derer, die zum allgemeinen Wohle etwas beizutragen vermögen.Wie bei allen, in daS ganze Leben deS Volkes tiefeingrcifenden Unternehmungen, so hängt anch hier vieles von der Art und Weise ab, wie derVerein diese Angelegenheit in die Hand nimmt. DaS ganze Unternehmenist ein zu großartiges und sind die Verhältnisse weder hier noch in denDonauländern zu wenig demselben entsprechend geregelt, um alsbald das-selbe mit aller Kraft aufnehmen und durchführen zu können. Der ersteSchritt deS VereineS in dieser Unternehmurg wäre:

die Bildung eines Comitä's in jedem Vereine, der sich demkatholischen Vereine einverleibt und von dem der Verein deS Vorortes(oder eines andern durch besondere Verhältnisse dazu etwa mehr geeigneten)daS CentralcomitS bildete.

Diese Comitä's empfingen zunächst die Aufgabe: 1) in ihrem Be-reiche eine tabellarische Liste derjenigen anzufertigen, die sich zur Ueber-siedelung entschließen und in diese Liste alle Bemerkungen (besonders überVermögens- und Berufsverhältnisse) aufzunehmen, die für die Uebersiede-lung von Bedeutung sind. 2) Freiwillige Beiträge in Geld und brauch-baren Gegenständen für unbemittelte Uebeisiedeler zu erwerben.

DaS Centralcomilä würde außerdem sich mit dem österreichischenMinisterium in Verbindung setzen, um alle jene Erkundigungen einzuziehen(über die verfügbaren Landstriche, die Bedingungen ihrer Uebergabe rc. rc.),deren eS von dorther bedarf.

Nach Ablauf einer gewissen Frist senden die Vereine ihre Verzeichnisseder zur Uebersiedelung Entschlossenen an daS Centralcomilü ein, so daßdieses auS denselben eine Uebersicht der Zahl und der Verhältnisse der bisdahin angemeldeten Uebersiedler erhielte. Im Besitze dieses ersten Resul-tates der Tkätigkeit wäre das Centralcomitä in Stand gesetzt, die weitemSchritte anzuordnen und zu thun und, je nach dem ermittelten Bedürfnisse,durch sachkundige Agenten Plätze zu Niederlassungen aufzusuchen.

Die Comltü'S würden dagegen mit den Gemeindevorständen in nähereVerbindung treten und, je nach der Zahl der unbemittelten Uebersiedeler,von ihnen Kostenbeiträge erwirken. Wo diese, so wie die freiwilligen Bei-träge, nicht ausreichen für die Kosten und die Ausrüstungen der Ueber-siedelung, da müßte durch den CentralauSschuß aus Staatsfonds der ein-zelnen Länder, oder aus der ReichScaffe ein Zuschuß nachgesucht werden;wie überhaupt nichts versäumt werden darf, um möglichst reiche Beisteuernzu erzielen.

Eine weitere Aufgabe des Centralcomitä'S wäre eS nun, die aufge-zeichneten Uebersiedeler je nach ihrem Berufe rc. (mit möglichster Berück-sichtigung ihrer Wünsche) zu gruppiren, so daß jede Niederlaff ing in Zahlund Verhältniß diejenigen geistigen und materiellen Kräfte erhalte, derensie zu ihrem Gedeihen bedarf. Ist auf diesem Wege eine Niederlassungvollständig zusammengestellt und ausgerüstet, so würde sie durch Vermitte-lung deS VereineS, unter besonderer Mitwirkung der auf dem Wege lie-genden Einzelvereine, an den Ort ihrer Bestimmung gebracht und unterLeitung eines vom Centralcomitä dazu Erwählten geordnet und dann einereigenen, auS ihr gewählten Verwaltung, nach der für sie geltenden Ge-meindeverfassung, übergeben. Jede solche Niederlassung oder Gemeindebildet alsdann ein Glied deS großen katholischen VereineS und bleibt mitdiesem in der innigsten Verbindung.

Dieß wäre in den wesentlichsten Grundzügen die Art der Betheili-gung deS katholischen Vereines an der Uebersiedelung in die untern Donau- länver; eS wird genügen, um die Bedeutung und die Ausführbarkeit fürden katholischen Verein zu prüfen und bedarf eS hier dicserhalb keiner wei-ter» Ausführung. Möge die Versammlung der katholischen Vereine dieseshohe Werk mit jenem Gottverlrauen und jener E-nmüthigkeit erfassen, derendasselbe bedarf, wenn es der Kirche, dem Vaterlande, der Gemeinde undjedem Betheiligten zum Heile gereichen und dem Vereine selbst einen Ein-fluß .verschaffen soll, der in dem Herzen deS Volkes wurzelt und dasselbenach allen Richtungen hin segensreich durchdringl!

Köln, am 1. Mai 18ä9. Fr. Baudri.

Deu tschland.

Wien, 20. Juni. Vergangenen Sonntag wurde die hohe Ver-sammlung der österreichischen Bischöfe geschlossen. Sie hielten,gerade wie am Tage der Eröffnung, einen feierlichen Einzug in die Ste-phanSkirche und wohnten dem Hochamte bei, bann begaben sie sich zurSchlußsitzung in den fürsterzbischöfllchen Palast. Bereits haben die meistenderselben Wren verlassen. Am l. Juli wird fast in allen Diöccsen dieVeröffentlichung der feierlichen Ansprache an daö Volk und die Geistlichkeiterfolgen, welche die frommen Oberhirlen beschlossen haben. Auch an daSMinisterium sind ihre Anträge bereits ergangen, nun ist eS an diesem seineVersprechungen zu erfüllen und durch Genehmigung der bischöflichen Anträgeder Kirche die Freiheit in der That zu gewähren, ohne welche fie nichtgedeihen kann. (Oest. Volksfreund.)

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen,

Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.