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Neunter' Jahr-gang.
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1. Juli 184».
Erwiderung der hohen Versammlung der österreichischenBischöse auf die Vertrauensadresse des Wiener Katholikenvereins.
An den Wiener Katholikenverein für Glauben, Freiheit
und Gesittung.
Die versammelten Bischöfe haben in der Zuschrift deS Wiener Katho-likenvereins mit Freuden den Ausdruck des frommen Muthes und dertreuen kirchlichen Gesinnung gefunden, welche den Verein beseelen, undeinen Beweis deS Vertrauens und der Theilnahme, die derselbe der Ver-sammlung widmet.
Sie erkennen in den katholischen Vereinen ein sehr wichtiges undheilsames Mittel zur Förderung und Befestigung deö religiösen und kirch-lichen Sinnes in einer Zeit, welche die Vereine mit dem wirksamstenErfolge für andere oft entgegensetzte Zwecke benützt, und sie erwarten vondiesen Vereinen die gesegnetesten Erfolge, wenn sich dieselben innerhalbder Schranken halten, welche durch die Lehre und Verfassung der katholi-schen Kirche für jede Bewegung auf kirchlichem Gebiete gesetzt sind, undwenn sie auch die Bethätigung der katholischen Liebe im wirklichen Leben(durch Ausbildung der Wohlthätigkeitsvereine) anstreben.
Mögen die katholischen Vereine in Oesterreich in diesem Geiste zahl-reich und kräftig emporblühen! Der bischöfliche Beistand wird ihnen nichtfehlen.
Wir müssen auch mit Rührung der frommen Gebete gedenken, welchefür den gesegneten Erfolg unserer Berathungen, nach den Versicherungender Adresse, von vielen Gläubigen täglich dargebracht wurden. Wir habeneinen hohen Werth darauf gelegt, und wir selbst erflehen von dem Gottealles Trostes, daß er den Segen erfülle und bekräftige, den wir hiemitüber alle Mitglieder des VereineS aus der Fülle des Herzens auSsprechen.
Im Namen der versammelten Bischöfe:
Friedrich,
Cardinal und Fürsterzbischof.
ES thut Noth, diesen hochwichtigen Gegenstand immer wieder aufsNeue zur Sprache zu bringen, da die VereinSsache noch nicht so allgemeinund mit jener Energie betrieben wird, wie sie eS verdient und wie unsereZeitverhällniffe eS erheischen.
Den kirchlich Gesinnten kann über die Zweckmäßigkeit der katholischen Vereine auch nicht mehr der leiseste Zweifel entstehen, nachdem das Ober-haupt der heiligen Kirche, unser glorreicher Papst Pius IX., dieselben gut-geheißen, nachdem die in Würzburg versammelt gewesenen Erzbischöfe undBischöfe Deutschlands sie gebilliget und von da an die allermeisten Ober-hirten in besondern Ausschreiben oder in ihren Pastoralbriefen sie dringendempfohlen haben. Für die Vereine stehet und spricht also die höchsteAutorität. Die Ansicht der Indifferenten, der Gleichgiltigen ist von keinemBelange; denn wie sie vor der neuen Zeit, die mit dem letzten Jahreangebrochen ist, um daS Wohl und Wehe der Kirche sich blutwenig geküm-mert, ja, wie sie gerade durch ihre Theilnahmlosigkeit einen guten Theildieses Wehes, der unerquicklichen, traurigen Zustände mit herbeigeführtund dauernd gemacht haben, so liegt ihnen auch jetzt daS Schicksal derKirche, ob sie mit Wunden bedeckt, ob sie sieggekrönt aus dem Kampfehervorgehen wird, wenig am Herzen; sie haben höhere und andere Sor-gen — wie sie ihre materiellen Interessen sichern und ihren irdischen Besitz
.) Aus dem Katholik.
sich unvermindert erhalten. Die Bitterkeit aber, womit die Feinde desChristenthums, der Kirche und aller socialen Ordnung die katholischen Vereine angreifen, der Höhn, der bei dem unscheinbaren Entstehen dersel-ben um ihre Lippen spielte, der Aerger über daS unvermuthet schnelleWachsthum, die grundlose Verdächtigung, daß durch sie der Reaction indie Hände gearbeitet werde — all dieß sind bündige Zeugnisse dafür, daßdie Vereine ihre Aufgabe erfüllen, daß durch sie manche und viele Elementegerettet worden sind, die auf eine andere Weise den Gefahren, dem Ver-derben nicht entrissen werden konnten.
Der Wunsch und daS Streben, die Freiheit der Kirche, deS Unter-richtes und der Erziehung mit vereinten Kräften zu erringen, hat zunächstdie katholischen Vereine inS Leben gerufen; die Stimme von vielen Mil«lionen Katholiken Deutschlands konnte, durfte nicht überhört werden; ihrenForderungen wurde, wenn auch nicht im größtmöglichen Maaße, Rechnunggetragen, die Freiheiten und Rechte der Kirche sind anerkannt — aber vonda bis zur wirklichen Durchführung im Leben ist noch ein großer, einmühevoller Schritt. Wohl haben diesen zunächst die Bischöfe zu thun,wie sie denn auch nach gemeinsamer Berathung schon jetzt, mit Vorsichtzwar, aber auch mit Entschiedenheit die neue Bahn betreten haben; ihnenvor Allem liegt ob, strenge Wache zu halten, daß von den anerkanntenRechten und Freiheiten der Kirche nicht die eine oder daS andere unter derHand wieder entzogen oder durch allerlei Wendungen und Maaßnahmenwirkungslos oder gar unnütz gemacht werde; aber in Diesem Wächte.ramtewerden sie um so unermüdlicher, in dem Voranschreiten um so entschiedenerseyn, wenn sie wissen, daß die glaubenStreuen, die eisrigen und begeister-ten Katholiken geschaart hinter und neben ihnen stehen, bereit, jede recht-mäßige Forderung mit ihrem ganzen Gewichte zu unterstützen und durchpflichttreue Ausübung der als Staatsbürger ihnen zustehenden Rechte undBefugnisse, wie z. B. durch Petitionen, deren Gewährung oder Zugeständ-niß zu erwirken. Ohne Vereine werden großartige Adressen, denen Regie-rungen und Kammern Beachtung schenken müssen, nie zu Stande kommen,durch sie aber aus die schnellste und leichteste Weise.
DaS Schul- und UnterrichtSwesen, von der geringsten Dorfschulebis hinauf zu den „Burgen der Wissenschaft," den Universitäten, liegt,wie viel auch seit Jahren darüber geredet, geschrieben, Vorschläge gemachtund Beschlüsse gefaßt worden, noch gar sehr im Argen; nicht die geringsteAbhilfe der schreiendsten Mißstände, denen wir vielleicht den größten Theilder Verwirrung, der entzügelten Leidenschaften, der Frivolität, der sittlichenund religiösen Verkommenheit, verbunden mit einer entsetzlichen Anmaaßungunter der Jugend verdanken, hat bis jetzt stattgefunden; wie die Unter-richtSfreiheit erlangt, durch welche Mittel sie geschützt und gehandhabtwerde, welcher Antheil an den Schulen dem Staate, welcher der Kirchezufallen soll, darüber sind sich noch die Allerwenigsten klar; der Gedankean Schulbrüder und Schulschwestern, überhaupt an religiöse Genossen-schaften, ohne welche die Freiheit deS Unterrichtes und der Erziehung niezur vollen und lebenskräftigen Ausführung gelangen kann, liegt zur Zeitnoch den Allermeisten so fern, daß selbst viele der Besseren darin eine schwereVersündigung an dem Geiste der Zeit und an seinen Forderungen erblicken.Unterdessen gehet daS Streben und Bemühen, die Schule noch mehr zuentchristlichen, als dieß wirklich schon mit ihr der Fall ist, unaufhaltsamseinen Gang; die verderblichen Ansichten und Grundsätze greifen immertiefer und weiter um sich, und zuletzt wird der Boden so vollständig unter-wühlt, daß nur mit vieler Mühe und nach hartem Kampfe ein einiger-maaßen wohnlicher Bau darauf errichtet werden kann. Denn daß der seit-herige vom Grunde, vom Fundamente bis zur Spitze hinaus ein schlechterund dem Einstürze naher sey, darin stimmen Freunde wie Feinde deS Chri-stenthums miteinander überein, wie sie auch in der Ansicht nicht vonein-ander abweichen, daß jener Partei, der deS Umsturzes oder der der gesetz-