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muß ich auch den Protestanten, so weit ich sie in Bayern kennen lernte,'Volksversammlungen riß immer derjenige die Entscheidung an sich, der alsein ehrenvolles Zeugniß ausstellen; sie sind selbstständige Leute, Lie mit sich! der Freigebigste sich erwies oder dem souveränen Pöbel die glänzendsten
abgeschlossen haben, sie haben so zu sagen, elwas fireS, auf das sie bauen, j Vortheile auf fremde Kosten in Aussicht zu stellen wußte. So waren stäte
im Contraste mit den zerfahrenen Protestanten deS preußischen Norden.! Plünderungen und Bedrückungen, sowohl im Innern als nach Außen, dieBesonders sprachen mich einige der theologischen HH. Professoren auf der nothwendige Folge der Volksherrschaft, die wahre LcbcnSbedingimg jenerprotestantischen Facultät Erlangen an, deren Vorlesungen ich besuchte?gepriesenen Freistaaten des Alterthums. Die Armen plünderten die Reichen;Diese trugen daS Gepräge der Gelehrtheit, und die jungen Theologen die Reichen hielten sich schadlos aus Kosten der bezwungenen Völker deSschienen mit Interesse dem öfter tiefes Nachdenken erheischenden Vortrage! Auslandeö; blieb der Zufluß an Beute und Brandschatzungcn von derim Nachschreibe» zu folgen. Ein Professor, den wir in seiner Wohnung i Fremde auS, so zerfleischten sich die Factivncn der Armen und der Reichenbesuchten, und der vieles mit unS sprach über Günther, Veilh und Ehr^ unter einander. Die nothwendige Hinterlage des Ganzen bildete die Scia-lich, reichte unS beim Abschiede die Hand und sprach dieselbe drückend:! verei; denn nur dadurch, daß Sclaven die Felder bebauten und die Ge-»Junge Freunde, wirken wir alle zusammen, eS ist ja Ein hohes Ziel, werbe betrieben, konnten die Bürger überhaupt solche Muße gewinnen, dernach dem wir streben." Mich rührten seine Worte, und ich habe lange!Politik zu pflege», und die Reichen so viel Reichthümer aufhäufen, umüber sie nachgedacht. Ja eS ist Ein hohes Ziel, nach dem wir alle stre?der unersättlichen Begierde des allgewaltigen Pöbels stets neue Nahrungben; möchten wir es bald erreichen auf dem Wege der Sitte und Wissen- zu bieten. Daß auf diesem Wege Athen und Rom, nachdem einmal die
schaft, und einander verzeihend und vergessend brüderlich die Hände reichen! Demokratie zur vollen Geltung gelangt war, schnell und unrettbar in eine
Eine andere Eigenthümlichkeit des bayerischen Volkes ist auch die, daß eS gräßliche Sittcnlosigkeit und Verwirrung gcriethen, wird Jeder begreifen,seine Landeöfarbe sehr in Ehren hält, so deutsch es auch gesinnt ist. Bei Wären nicht die beständigen Kriege gewesen, und hätte nicht die Disciplinder vorwiegend deutschthümlichen HuldigungSfeier deS Erzherzog Rcichsver- im Heere der Korruption der bürgerlichen Gesellschaft einigermaaßen dietveserS, der ich in Wurzburg beiwohnte, waren unter den Standarten Wagschaale gehalten, sie hätten nicht drei Menschcnalter lang den verhce-und Fähnleins, welche ausnehmend schön die Häuser zierten, mehr blau- renden Leidenschaften widerstehen können, die sich unablässig durchwüblten.
weiße, als schwarz-roth-goldene. Nicht minder gefiel mir die religiöseDeutung der Landeöfarbe», welche ganz dem bayerischen Volkscharakterentspricht: „Blau — gern zum Himmel schau'! Weiß — der Tugend
dich befleiß'!"Oesterreich? ?
Welche 'Deutung hatte gleichzeitig daS Schwarzgelb in(Fortsetzung folgt.)
Der Krieg der Armen gegen die Reichen. *)
Der Krieg der Armen gegen die Reichen war der eigentliche Krebs-schaden aller sogenannten freien Staaten der vorchristlichen Zeit. DieReichen hängten den Armen den Drodkorb möglichst hoch, forderten fürgeringen Lohn erdrückende Dienste, für unentbehrliche Vorschüsse oder Dar-lehen unerschwingliche Zinsen, und drängten ihre Schuldner mit unerbitt-licher Strenge, nicht nur in Gefangenschaft und Knechtschaft, sondern imeigentlichsten Sinne deö Wortes bis auf'S Blut. Die Armen dagegen ver-schworen sich wider die Reichen, ertrotzten durch ihre Ueberzahl erzwungene
VolkSver-
Nachlässe oder völlige Tilgung der Schuldtitel, rissen in densammlungen die Entscheidung der Staatsangelegenheiten gewaltsam an sichund gebrauchten die Macht der Gesetzgebung und der Aemterverthcilung,! Reichen allen anderen bereitet wurde, aber hier geschah eS durch so furchtdie auf diese Weise in ihren Händen lag, um bald neue Vcrtheilungen von! bar gewaltsame und naturwidrige Mittel, daß man fast sagen möchte, daS
Ein einziger von den freien Staaten des Alterthums machte von diesemunseligen Zustande, in welchem Reiche und Arme sich wechselseitig baldverfolgten, bald corrumpirten und stets nur auf Kosten unschuldiger Drittensich mit einander vertrugen, eine Ausnahme, und das war der mosaischcStaat der Juden. Doch auch hier konnte nur durch eine gewaltsameUnterbrechung deS natürlichen Laufes der Dinge dem gefährlichen Gegen-satze, in welchen die heidnische Gesellschaft auseinander ging, vorgebeugtwerden. DaS hiezu dienende Institut war daS Jubeljahr d. h. die imdritten Buche MosiS Kap. 25 enthaltene Vorschrift, daß jedesmal nachVerlauf von 7 mal 7 Jahren ein Jahr der Ruhe und der Wiederherstel-lung gefeiert werde, wo alles mittlerweile von den rechtmäßigen Erbenveräußerte Grundeigenthum wieder an seinen ursprünglichen Besitzer undjeder Jsraelit, der unter seinen Brudern in Knechtschaft gerathen war, wie-der zur Freiheit zurückkehren solle. Alle in der Zwischenzeit vorfallendenVerkäufe von Grundstücken und Menschen sollten rücksichtlich deS PreiseSnach Verhältniß der bis zum nächsten Jubeljahr zu erwartenden Nutzungenbemessen werden. Diese Bestimmung konnte jedoch, was wenigstens dieGrundstücke anbelangt, »ach den Zeiten deS EsdraS oder der Rückkehr ausder babylonischen Gefangenschaft nicht mehr in Ausübung gebracht werden.Unter den heidnischen Staaten hat zwar auch einer, nämlich Sparta , demVerderben zu entgehen gesucht, das durch den Gegensatz von Armen und
Grund und Boden, bald ergiebige Geldspenden aus dem Säckel der Rei-chen zu erzwingen oder irgend andere Gaben und Vortheile von diesen zuerpressen. Vergebens setzte die Faction der Reichen diesem Vordringenihrer Gegner bald List und bald Gewalt entgegen. Sie mußte fort und
Heilmittel sey ärger als daS Uebel selbst gewesen. Denn die Spartanerwurden dadurch zum herzlosesten und selbstsüchtigsten aller griechische» Völ-ker und daS Elend der Heloten, die ihnen als Knechte daS Land bauenund alle Dienste verrichten mußten, ist sprüchwörtlich geworden zur Bezeich-
fort capituliren und der Gegenpartei fast überall das Feld räumen. Um nung der härtesten und entwürdigendsten Knechtschaft,sich die Gunst des Volkes, d. h. des besitzlosen Hausens zu sichern, muß-^ Stellen wir aber diese Erfahrungen der alten Zeit zusammen mitten die Reichen sich in allerlei kostspieligen Erfindungen erschöpfen, den denen der neuesten, wie sie unS geworden sind, seitdem die RegierungenArmen nicht bloß Nahrung, sondern auch Vergnügungen und Genüsse aller! von den Grundsätzen des Christenthums sich entfernt und den Lehren derArt zu verschaffen. So entstanden Theater, öffentliche Bäder und Spa-! Nationalökonomen mehr geglaubt und vertraut haben, als den Vorschriftenzicrgängc, prachtvolle Bauten für die öffentlichen Versammlungen, rcgel-'der katholischen Kirche; so werden wir unausweichlich zu dem Schlüssemäßige Vertheilungen von Brod und Wein u. dgl. zum Besten deS Volkes, geführt, daß der Gegensatz und-der Krieg zwischen Armen und Reichen,Erlahmte darin der Eifer der Reichen, so gab es Aufstände, blutige Scenen, in der Natur der Dinge gegründet, und unvermeidlich, uns, wofern wirkanem et Liroonses (Brod und Spiele) schrie daS Volk in Rom und um! nicht das praktische Christenthum wieder zur Grundlagediesen Preis, aber auch nur um diesen war von ihm Alles zu erlangen.! unserer Politik und unseres ganzen socialen Lebens machen,In Athen brachte das Volk d. h. der freie Pöbel der Stadt cs so weit, nur die Wahl läßt zwischen einem starren, eisernen DespotiSmuö oder einer,
daß eS, für seine Stimmgebung in den Volks- und Gerichtsversammlungenbezahlt, förmlich von der Ausübung seiner staatsbürgerlichen Rechte ohnealle andere Arbeit leben konnte. Jeder Bürger, der einer Volksversamm-lung beiwohnte, oder einen Tag zu Gericht saß, erhielt dafür drei Obolen,!ungefähr dreizehn Kreuzer, und um die Gelegenheiten zu so bequemem Er-!werd möglichst zu vervielfältigen, waren zehn verschiedene Gerichte, jedes!mit einer anderen Competenz und mit 500 Bürgern.besetzt, in Athen ein-geführt. So schlenderte der freie Athenienser als privilegirter Faullenzer jvon der Bürgerversammlung ins Gericht, von diesem wieder in die Ver->sammlung, um nichts anderes bekümmert, als an beiden Orten seine Stimmemöglichst rheuer zu verwerthen. Denn daß der freie Mann nicht mit dembescheidenen Lohne von 13 kr. in der Länge sich begnügen konnte, leuchtetein, daher waren bei den Gerichten alle Sachen käuflich, und in den
') Aus dem Tiroler Wochenblatt.
in ihren Folgen ärger, als jeder DespotiSmuS verheerenden und den Men-schen herabwürdigenden Zuchtlosigkeit und Korruption.
Der katholische Schullehrerverein in Bayern an denAugSburger Piusverein.
Katholische Männer deS AugSburger PiuSvereinS!
Christliche Freunde und Brüder!
Entschuldiget vorerst, daß wir unS erlauben, in vertraulicher Sprachezu Euch zu reden. Da wir insgesammt katholische Männer sind, undals solche in brüderlichem Verhältnisse zu einander stehen, so glaubten wir! der Euch schuldigen Hochachtung und Verehrung, die wir Euch vollkom--
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