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9 (8.7.1849) 27
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^ 27 .

8. Juli 184S.

De.r Hirtenbrief der österreichischen Bischöfe.

Am 1. Juli wurde der Hirtenbrief verkündet, welchen die in Wien versammelten hochwürdigsten Bischöfe an die Gläubigen ihrer Diäresenerlassen haben. Nach dem österreichischen Volksfreuud ist folgendes derwesemliche Inhalt:

Der Hirtenbrief schildert, wie die Bischöfe, ihr wichtiges Werk mitGott beginnend, am 30. April, am Feste der heiligen Katharina, in deraltehrwürdigen St. Stephanskirche um den Altar des Herrn sich geschaart,den Leib deS Herrn empfangen, im Vereine mit den Gläubigen den Bei-stand dcS heiligen Geistes herabgefleht und als Zeugniß ihrer kirchlichenGesinnung so wie alö Leitstern ihrer Berathungen das katholische Glau-benSbekenntniß einmüthig und feierlich vor Gott und der Welt abgelegthaben. Sie haben sich dann an den apostolischen Stuhl gewandt, um demheiligen Vater, Christi geistlichem Stellvertreter, ihren Gehorsam, ihreinnige Ehrerbietung unv treue Ergebenheit zu bezeugen und seinen Segenfür ihr Werk zu erbitten, und auch dem Kaiser haben sie den Zoll ihrerEhrerbietung und den Dank für ihre Zusammenberufung dargebracht,in dieser ein Zeugniß seiner redlichen Absicht, der Kirche gerecht zu wer-den, erblickend.

Bei ihren Berathungen gingen sie nicht davon auS, nach der thörich-ten Anmaaßung unserer Tage eine neue Kirche zu gründen, sondern wassie wollten war, die von Christo gestiftete, durch sein Blut erworbene,vom heiligen Geist durchwehet« und bis anS Ende der Tage geleitete Kirchevon den Hindernissen ihrer freien Entwicklung zu befreien. Daö Ergebnißder Berathungen wird, sobald eS zur Reife gediehen, in den einzelnenDiöcesen anf dem kirchlich vorgezeichncten Wege inS Leben eingeführt wer-den, aber vorläufig ergeht an die Gläubigen und an die Priester ein Wortder Ermahnung, der Belehrung und des Trostes.

Der Hirtenbrief zählt die Gräuel unserer Zeit auf. Nicht bloßestnnenberauschte Gottvergefsenheit und stumpfe Gottlosigkeit, die zu allenZeiten in der Welt geherrscht, sondern die sich selbstbewußte Feind-schaft gegen Gott und Krieg gegen ihn und seine Gesalbten, ist jetztdie Losung. Der Grund deS Uebels ist aber auch jetzt die alte Fünfsinnen-Weisheit, die sich ein Paradies auf Erden träumt, ohne auf Krankheit,Elend, Noth, den Tod und das Gericht, die Allmacht und die Gerechtig-keit GotteS zu denken.

ES gibt aber auch feinere Verlockungen, unter diesen steht die Natio-nalität oben an. Man vergißt, daß nur die Gliederung der Menschheit in Nationen das Werk GotteS ist; ihre Zerfallen heil und Trennungund die Verschiedenheit ihrer Sprachen sind nur in Folge deS AbfalleS vonGott, deS Heiventhums entstanden. Das Christenthum hat die Einheitwieder hergestellt. Nach ihm sind wir Eines göttlichen Geschlechtes, geei-nigt durch Liebe. Die Liebe aber kennt keine Gränzen, ihre Beschränkungauf einige wenige Stammverwandte wäre heidnische Selbstsucht.

Auch von Trennung der Schule von der Kirche wird ge-sprochen. Das wäre aber ein Auseinanderreißen deS LeibeS und der Seele,der Erde und deS Himmels, deS ErlöserS und der Kleinen, die er zu sichkommen hieß. Man glaube dem Geschrei nicht, daß die Kirche die Wissen-schaft nicht ehre. Nein, sie achtet LaS wahre, daS ächte Wissen, denn sieweiß, es gebe nur Einen Urquell der Wahrheit; der Gott der Offenbarungist auch der Schöpfer der Geister- und Körperwelt. Sie kann getrost zurWissenschaft sprechen:Du forschest in der Natur, im Geist und in derGeschichte, weil du glaubst, die Räthsel deS Lebens darin zu finden; for-sche recht und forsche tief, und du wirst seine ewige Kraft und Gottheitdarin erkennen, den Einklang zwischen dem geoffenbarten Worte unv demgeschaffenen Werke. Ich aber darf daS mir anvertraute heilige Pfand nicht

modeln lassen nach deinen noch täglich wechselnden Funden; schreite durüstig und besonnen fort, ich erwarte dich freudig am Ziele, so du eSerreichst." '

Die mächtigste Lvckstimme der Verführung ist aber der Ruf nachFreiheit. Ein edleS Gut in ächtem Sinne und der Kirche GotteS vonjeher theuer, denn wer hat schmerzlicher als sie im Verlaufe ihres 1800-jährigcn Bestandes den Druck ungerechter Tyrannei empfunden. Mandenke aber gerade an die 300jährigen Christenversolgungen, und wie dieKirche sich während derselben benommen. Sie hat gesiegt, weil sie, Got-teS heiliger Weltregierung vertrauend, nicht sich selbst mit Gewalt Rechtverschafft, sondern Art und Stunde der Befreiung Gott überlassen hat.In diesem Glauben, daß Gott die Welt regiere, wurzelt die Grundlehreder katholischen Kirche vom Gehorsam deS Christen gegen die von Gott gesetzte Obrigkeit. Die Kirche bat unter ihren Heiligen Märtyrer und nichtEmpörer. Sie beginnt das BesreiungSwerk von innen, denn sie weiß,daß ein Knecht der Sünd'e kein wahrhaft freier Mann seyn kann. Darumgilt in diesem, wie in so vielem anderen der Spruch: Suchet zuerst darReich GotteS und seine Gerechtigkeit, und eS wird euch dieses alles hinzu-gegeben werden.

Darum weg mit der Gleich giltigkeit in religiösen Dingen!Wer bürgt dafür, daß der Herr nicht den undankbaren Acker, auf demsein Wort kaum mehr eine fruchtbare Stelle findet und der Distel undDornen trägt, brach liegen lasse und sein Reich vckn unS nehme, um eSeinem fernen Volke zu geben, das die Früchte desselben hervorbringt; stehtdoch daS fürchterliche Strafgericht warnend vor unö, daS der Herr überdaS christliche Asien verhängt hat. DaS Himmelreich leidet Gewalt, nurdie Starken und Entschiedenen ziehen eS an sich und lassen eS sich nichtentreißen. Und was man im Einzelnen nicht vermag, daö er-strebe man im heiligen Bunde mit Gleichgesinnten, damit,wenn die Bösen sich schaaren zum Angriff und Umsturz, auchdie Guten zur Abwehr, zur Vertheidigung der Wahrheit,deS Rechts und der Ordnung zusammenstehen.

Nun wendet sich die Rede an die einzelnen Stände und Volksclassen,an die Höchstgestellten, die Gewalthaber und Volksvertreter, an die Eltern,HauSväter, Lehrer und Vorsteher, an die Angesehenern und Reichen, andie Landbewohner, daß sie daS allkatholische Brodkorn, welches ihre Väterin guten und bösen Tagen gespeiset hat zum ewigen Leben, nickt für denWindhafer einer ungläubigen Lehre hingeben, an die Armen, daß sie Gottvertrauen und ihm die Strafe für die Härte oder Unbilde, die sie etwaerleiden, anheimstellen, an die Krieger deS Heeres, die in einer wildauf-gährenden Zeit daS eiserne Richtscheit LeS GesetzeS und der Ordnung mit^ starker Faust handhaben, Laß sie ihr Gewissen blank wie ihre Waffen er-halten, an die christlichen Mütter, auf deren Schooß die Hoffnung derZukunft ruht, daß sie daS junge Geschlecht mit der Milch deS Christen-thums auS frommem gläubigem Herzen tränken. Für jeden Stand habenhie frommen Hirten ein besonderes, freundliches, tiefergreifendes Wort der! Lehre und Ermahnung. Den Priestern ist eine eigene Ansprache verheißen.

^ Endlich verkünden die Bischöfe, daß sie unter sich ein Bündniß katho-lischer Liebe, Eintracht, Treue ausgerichtet haben, um vereint für Gott undlein Reich und die ihnen anvertrauten Völker zu wirken, zu beten, zu leben>und zu sterben, wie Gott eS will, zur Erfüllung dieses Vorsatzes werdeihnen das Gebet und daS Vertrauen der Gläubigen, um daS sie bitten,behilflich seyn. DaS Schreiben schließt mit den Worten: Die Gnadeunseres Herrn Jesu Christi sey mit euch allen. Amen!