11)6
Der Dorort
deS katholischen VereineS Deutschlands a n
die sämmtlichen Einzelvereine.
Seine Fürstbischöflicken Gnaden, der Hvchwürdigste Fürst-Bischofv. Lavant haben höchst ihre Billigung deS katholischen VereineS Deutsch-lands in folgendem Schreiben ausgesprochen, welches wir zur Kenntnißbringen.
Der Vorsitzende: Lic. Wick.
Der Schriftführer: Dr. Dinier.
*
Hochgeehrter Borstand
deS lobwürdigen katholischen VereineS!
Mit vielen Freuden ergreife ich die Gelegenheit meiner Anwesenheitam altehrwürdigcn Sitze deS heiligen RnpcrluS zu Salzburg, um dem zurEhre Gottes und zum Glänze der heiligen katholischen Küche erwachtenkatholischen PiuSvcreine meinen aufrichtigen Gruß zu senden und meineFreude auszudrücken über den frischen edlen Zweig, der aus dem kraft-vollen Baume unserer heiligen Kirche eben zu einer Zeit entsprossen, inwelcher der gewaltige Sturm so viele dürrgewordene Zweige hinwcggewehthat. Wir haben Ursache Gott dafür zu preisen und sind verpflichtet fürden Verein den Segen von Oben zu erflehen, nachdem ja alles Gute vomVater deS Lichtes kommt, und von seinem Sohne, der auch dem katholi-schen Vereine die trostreiche Verheißung gab: „Sind zwei oder drei inmeinem Namen versammelt, so bin ich mitten unter ihnen."
Ich habe die Satzungen deS VereineS geprüft, und die in sehrwerther Zuschrift vom 6. Oktober 1848 dargelegte Gesinnung erprobt, undkann nur den Geist der Erleuchtung, der Stärke und deS guten Rathesbitten, daß er mit seiner Gnade den Verein beseele und leite, damit dieserkatholische Verein immer eine feste Schutzmauer gegen die Stürme einerunö feindlichen Zeit — nie aber ein Stein deS Anstoßes für die KircheGotteS werde.
Obgleich nur ein kleiner Theil meiner Heerde deutsche Zunge spricht,so darf ich es doch nicht unterlassen, meinen theuern Schäflein ohne Unter-schied der Nation eine katholische Association anzuempfehlen, die sich deSBeifalls unseres allgemeinen heiligen VaterS PiuS IX. erfreuet, und nichtnur dessen hochgeehrten Namen trägt, sondern, wie zu hoffen, auch immerin seinem apostolischen Geiste wirken wird.
Lasset uns also, Hochverehrte, desto enger an einander schließen, jehäufiger die Lücken werden, die ein feindlicher Zeitgeist in unsern Reihenmacht; lasset unS aber auch nie vergessen, daß dieser Verein nur an derMutterbrust unserer heiligen katholischen Kirche gedeihen und sich deSSegens von Oben erfreuen kann.
Genehmigen auch, Hochgeehrter VercinS Vorstand, meinen Dank fürdie freundliche Begrüßung, mit der Versicherung, daß die Förderung diesesVereineS, in so lange sich derselbe auf kirchlichem Boden bewegt, im Geisteder heiligen katholischen Lehre handelt, ein besonderer Gegenstand meineroberhirtlichen Sorge seyn werde, der ich mit Achtung und Liebe bin
deS lobwürdigen katholischen VereineS
treuer Diener in Christo
Anton Martin,Fürst-Bischof von Lavant .
I. B. Hirscher über die Freiheit.
In dem badischcn Lande, wo jüngst im Namen der Freiheit und derVolkösouveränctät ein Haufen wilder Abenteurer die Herrschaft führte undGut und Blut deS Volkes in einem ziel- und hoffnungslosen Kampfe ver-geudete, ist im Anfange dieses Jahres eine kleine Schrift von dem bekann-ten und vielfach verkannten Professor Hirscher „über die socialen Zuständeder Gegenwart und die Kirche" erschienen, aus der wir folgende beherzi-genswerte Stellen auSheben zu sollen glauben.
Die Masse denkt sich unter Freiheit die Entledigung von Allem, washemmt und drückt; also Emancipation von Gott, von Gewissen, von Kirche,von Polizei, von oncrosen Verpflichtungen. Aber ist das Freiheit? WennJeder thun mag, waö ihn gelüstet, waS schützt dann den Schwächerenvor dem Gelüsten deS Stärkeren? Ist dann nicht das Belieben deS Mäch-tigeren für den Geringeren Gesetz? Mag der gewaltige nicht jeden Mit-
menschen seiner Raubsucht, seinem Hasse, seiner Fleischeslust, seiner Herrsch»sucht rc. opfern? ES ist also die Freiheit, wie sie in den Köpfen der Massenspuckt, in ihrer Verwirklichung nichts anderes, als die schrecklichste Tyran-nei und wildeste Willkürherrschaft. Gott ! wie müßte eS in der Welt aus-sehen, wenn alle Leidenschaften des Menschen Freiheit hätten. Den rich-tigen Begriff von der Freiheit gibt das Christenthum. Es versteht unterderselben die Herrschaft deS Geistes über Fleisch und Welt. Ihm zu Folgeist nur der Sünder ein Unfreier, weil geknechtet von seinen Leidenschaften.Wer frei ist in dem Sinne, daß er außer dem Bereich der bürgerlichenGesetze steht, dabei aber von seinen Leidenschaften beherrscht wird, der istfrei, aber frei zur vollsten Unfreiheit, d. h. zur ungebundenen, von keinemäußeren Gesetze gezügelten Hingegebenheit in die Sklaverei seiner Gelüste.Dasselbe Christenthum, welches unS den wahren Begriff der Freiheit gibt,lehrt uns auch den wahren und einzigen Weg zur äußern oder bürgerlichenFreiheit. Die wahre und gesunde äußere Freiheit ist, nach seiner Anschau-ungsweise, die Frucht der inneren. In dem Maaße, in welchem der! Mensch innerlich frei, d. h. seiner Selbstsucht Herr wird, kann und soll!ihn LaS äußere Gesetz frei geben, denn in dem Maaße ist er sich selbstGesetz, und bedarf der äußeren Bindung nicht. DaS bürgerliche ZwangS-!gesetz ist lediglich für die sittlich Unfreien, für die Thiere, die den recht-ilichen Bestand der Gesellschaft in ihrer Selbstsucht zerfleischen würden,!wenn sie nicht durch daS äußere Gesetz gezügelt wären. Je wilder daSThier nach Freiheit schreit, d. h. sich entfesselt sehen will, desto wenigerist eS der Freiheit fähig. Ja, gelänge eS ihm, die Schranken des zügeln-!den GesetzeS auf kurze Zeit zu brechen, so würde eine solche Herrschaftder Brutalität entstehen, daß Alles nach einem Tyrannen schrie, welcher!daS Thier wieder in Bande lege. Würde daher begriffen, wie alle bürger-liche Freiheit die sittliche Freiheit voraussetzt, und ohne innere, d. i. sitt-liche Freiheit die äußere nichts seyn könne, als Entfesselung der brutalenWillkür, so würde man sich von dem derzeitigen FreiheilSgeschrei mit Ent-setzen abwenden, und alle Gutgesinnten würden zusammenhalten, daß daSMenschen-Thier nicht entfesselt werde. ES liegt darum Alles daran, diechristliche Ansicht von der Freiheit und dem Wege zu ihr wieder allgemeinzur Geltung zu bringen und damit die Prediger der Afterfreiheit in deröffentlichen Meinung zu vernichten. WaS verheißen die Männer deS Um-sturzes dem Volke? WaS erwartet dieses von ihnen? Bekanntlich: Freiheitfür Alle; Wohlstand für Alle; Bildung für Alle. Laßt unS diese Ver-heißungen und Erwartungen näher inS Auge fassen!
! „Freiheit für Alle." — ES ist hiermit die äußere oder bürgerlicheFreiheit gemeint. — Wer ist bürgerlich frei? Der, welcher Herr ist seines! Thuns und LassenS, mit der einzigen Beschränkung, die StaatSgesellschaft,!die Gemeinde, die Familie und den Einzelnen nicht widerrechtlich zu ver-letzen. Man kann auch sagen: frei ist Der, welcher in Entwicklung, Thä-tigkeit, Besitz und Genuß keiner andern, als der rechtlichen d. h. aus der! Gleichberechtigung aller Anderen fließenden Beschränkung unterworfen ist.^Nun, waren wir bisher nicht frei, v. h. waren wir in der Entwickelungund dem Gebrauch unserer Kräfte, im Erwerb und Genusse willkürlichenoder widerrechtlichen d. i. solchen Beschränkungen unterworfen, welche wederdurch die Rechtsansprüche der Gesammtheit oder der Einzelnen geboten,noch durch die Rücksicht auf die Wohlfahrt der einen und andern gerecht-fertigt sind? ES ist nicht zu läugnen, daß der sogenannte Polizeistaat seinePräventivmaaßregeln vielfach über Gebühr, wohl selbst willkürlich ausge-dehnt, überhaupt daS öffentliche Leben und seine Bewegung in einer Weisebevermundet hat, welche jedem Volke, welches zu einer gewissen Stufe!der Entwickelung gelangt ist, gerade so unerträglich wird, als dem zumJüngling oder Mann herangewachsenen Sohne die Behandlung deS VaterS,welcher ihn noch immer wie einen Knaben gängelt. Im Ganzen aber hateS doch keineswegs an Freiheit gemangelt. Der junge Mann z. B., nach-dem er die allgemeine Schulbildung erhalten, wandte sich dem Berufe, z. B.!dcm Handwerke zu, zu welchem er eben Lust hatte; er wählte sich jenenMeister, der ihm gefiel; er ging in der Folge auf die Wanderschaft, »vo-rhin er wollte; er nahm Arbeit und zog wieder weiter, wo und wann eSihm gut dünkte; er kehrte in seine Heimath zurück und gründete ein eigene-^ Hauswesen, wie eS ihm an der Zeit schien; er handthierte und gewerbte,und Niemand durste ihn verletzen. So jeder Andere. Aber auch aus demGebiete der geistigen Thätigkeit fehlte eS nicht an Freiheit. Wie wenig derPolizeistaat die Bewegung dcr Geister, ob er auch theilweise Versuche machte,zu bannen vermochte, beweisen deutlich genug die Ideen, welche trotz allerernstlichen oder scheinbaren Hemmnisse ein Gemeinbekenntniß unserer Nationgeworden sind. Ja die Hemmnisse sind, wenigstens hier und dort, offen-bar Reizmittel dcr Bewegung unter den Geistern geworden: wie dennüberhaupt Hemmnisse sehr oft nicht sowohl Beeinträchtigungen, als viel-mehr Anregungen der Selbständigkeit find. Da nun aber zur Zeit derPolizeistaat und seine Bevormundung aufgehört hat, sonach nicht bloß die