. > i
-, c
W
108
aus, wie eS zeigt, was Sie dem Volke ist, eine wahre Ludmilla,d> h. eine Geliebte des Volkes.
Der KriegSzustand wirkte auch auf den Katholikenverein hemmendein; daher unterblieb die Versammlung am JohanniSfest, bei welcher manauch Mitglieder fremder Vereine erwartete. (Kath. Bl. a. T.)
PiuSvereine.
Mainz , 21. Juni. Die auf den 20. d. M. in AuSstcht genom-mene, in Wiesbaden abzuhaltende Versammlung der katholischen (PiuS-)Vereine aus der oberrheinischen Kirchenprvvinz konnte der Zeitverhältnissewegen, namentlich da Baden und Württemberg Abgeordnete zu sendenaußer Stand waren, nicht in der Weise stallfinden, wie die BreSlauerallgemeine Versammlung über die allenthalben zu veranstalteten Provin-ziell-Versammlungen Beschluß gefaßt har. Da aber doch wegen der am19. d. M. vollzogenen feierlichen Einweihung der neuen Kirche in Wies-baden eine so ansehnliche Zahl von Mitgliedern katholischer Vereine ausder Diöcese Mainz und Limburg versammelt waren, daß man mit Nutzenvon Dingen reden konnte, die für die katholische Vereine im Allgemeinenvon Wichtigkeit sind, so wurde, nach einigen einleitenden Worten der Vor-sitzenden des Wiesbadener BonifaciuS- und des Mainzer PiuS-VereinS,der Geheime LegationS-Rath Lieber, bekannter noch inner dem Namen:„der praklische Jurist" durch Acclamation auf den Präsidentenstuhl berufen,und sprach derselbe, nachdem er für die Ehre und Auszeichnung, die er,wie er bemerkte, gerne einem Andern, einem Würdigern, zugewendet hätte,unter Anderm: „ES ist ein überwältigendes Gefühl, in dem wir Alle hierversammelt sind. Versammelt hat uns daö Fest der Einweihung der katho-liichen Kirche Wiesbadens. Fragen wir unö: Wer baut katholische Kir-chen? Wer hat die katholische Kirche WieöbadenS, ein in allen Beziehun-gen gelungenes Werk, gebaut? so ist die Antwort hierauf: Es ist der Geistder Kirche. Um unS her sehen wir die Gebäude der Menschen zerfallen,und in uns Allen lebt wohl die Ueberzeugung, daß die der europäischenMenschheit nöthige Restauration, die wiederaufbauende, nur von der Kircheausgehen kann. Soll die Gesellschaft regenerirt werden, ich weiß, in jederBrust von Ihnen lebt die Ueberzeugung: eg kann nur geschehen durch denschöpferischen LebenSquell, den unsere Kirche auch zu andern Zeiten schonüber die Welt ausgeströmt hat. Dieß ist die Aufgabe der Kirche; sie hatibr zu allen Zeiten entsprochen, sie wird ihr auch jetzt noch entsprechen.Alle anderen Arzneien, nehme man sie, woher man wolle, und wärensie die bestgemeinten, meine treuen lieben Genossen, sie würden nicktShelfen, — daS haben wir erfahren; sie könnten nur unzureichende Pal-liative seyn. Die Königreiche, die sich noch einer Macht bewußt sind,sie können die Revolutionäre züchtigen, und besitzen sie neben der Machtauch etwas Großmuth, so können sie ihnen großmüthig verzeihen; abersie läutern, verklären, versöhnen, daS ist der irdischen Macht nicht gege-ben. (Bravo! ) Diese Aufgabe, eS ist die Aufgabe der Kircke^ Aberauch wohlverstanden, wenn die Kirche in dieser Zeit die Hand bietenmöchte auch nur zu einem Schatten von Concessionen weiter, sie würdehingeworfen werden zu den bereits zerriebenen Institutionen, die früherdem Liberalismus und der Revolution Concessionen in Beziehung auf dasPrincip gemacht haben. Deßhalb ertönt jetzt von allen Seiten, vomAufgang bis zum Niedergang, der gewaltige Ruf nach Freiheit, Unab-hängigkeit, Selbstständigkeit der Kirche. Dieser Ruf, meine treuen Ge-nossen, dieser Ruf ist es ja, der so viele wackere Männer in allen GauenDeutschlands in den katholischen Vereinen zusammen geführt hat. Ichkönnte und möchte mich gerne eine Weile darüber verbreiten, wie wir dieFreiheit der Kirche zu verstehen haben, und wie wir sie verwirklicht zusehen wünschen mögen, aber heute langt unsere Zeit nicht dazu. Ichmöchte nur an Eins erinnern, daß wenn, wie ich in BreSlau mich deSAusdrucks bediente, die katholischen Vereine die von dem Herrn berufenenHeeressäulen des Glaubens im Laienstande in dieser Zeit sind, daß wirdann Alle von der Ueberzeugung durchdrungen setzn müssen, daß, so wieein Heer nichts taugt, so lange nicht jeder einzelne Recrut ein Lurcherer-cirter ist, so auch wir es im Verein, ehe wir mit andern Dingen uns mehrbeschäftigen, erst zur allgemeinen Ueberzeugung in jedem einzelnen VercinS-gliede zu bringen haben, daß jeder an sich anfange vorerst daS EbenbildGottcS in sich herzustellen, wenigstens zu erstreben und so durch Fortbil-dung auf diesem Fundamente sorge, daß er ein tüchtiger Soldat in diesemHeere werde. Wir baben auch deßhalb in BreSlau vorzugsweise unsdamit beschäftigt, was in den Vereinen zu geschehen habe, welche Wirk-
samkeit die Vereine zu ergreifen haben, um eben die Wirkung des katholi-schen Bewußtseyns im Volke zu Pflegen und zu hegen. Diese Aufgabe istund bleibt die nächste der katholischen Vereine."
Gerne möchte ich den Lesern Ihres Blattes Näheres mittheilen überden ausführlichen Bericht, welchen Dr. Heinrich aus Mainz von demabgestattet, waS in BreSlau verhandelt und beschlossen wurde, über denVertrag des Herrn Dr. Colombel aus Hadamar, der besonders ausein-andersetzte, wie die katholischen Vereine die wahren Bedürfnisse des Vol-kes ins Auge zu fassen haben, über die herzliche Ansprache des HerrnHosrathS Leyendecker, welche die christliche Erziehung und Bildung derKinder vom zartesten Alter an zum Gegenstände hatte, so wie überhauptüber alle Reben und Vortrüge, welche in dieser Versammlung gehaltenund mit allgemeinem Beifalle aufgenommen worden sind, wohl daS sichersteZeichen, daß sie auch ihre Wirkung nicht verfehlen werden; aber ich be-schränke mich, mit Rücksicht auf den Raum ihres Blattes, auf diese kurzeMittheilung, der ich nur noch beifüge, daß auch der Hochwürdigste Bischofvon Limburg vor seiner Abreise nach Eltville der Versammlung über eineStunde beigewohnt und sie bei seinem Weggehen dringend ermähnt hat,treu und eifrig auf der seither verfolgten Bahn fortzuwandeln. (Kath.)
«
Vom RHeine, 29. Juni. ES möchte in der That fast den An-schein gewinnen, als wollte der Katholik für die Unwandelbarkeit undStetigkeit im Glauben sich gleichsam in nichtkirchlichen Dingen durch destogrößere Wandelbarkeit unv Entzweiung entschädigen. Wenigstens suchenwir unter uns Katholiken in Letzterem vergebens jene Einigkeit und Festig-keit, welche in dem Festhalten an unserer Religion und Kirche unS aus-zeichnet. ES ist allerdings der alte Wahlspruch: Einigkeit im Noth-wendigen, Freiheit im Unwesentlichen und Zweifelhaften, aber Liebein Allem. Dieses freie AuSeinandergehen in zweifelhaften oder nichtkirchlich festgesetzten Meinungen zeigte sich lebhaft auf der in Mitte deSMonatS April in Köln zusammengetretenen Provincial - Versammlung der'PiuSvereine, wo besonders die Frage: „ob und wie weit diese Vereine anpolitischen Fragen sich betheiligen sollten" erörtert wurde unv die ausge-zeichnetsten Persönlichkeiten katholischer Gesinnung verschiedene Behauptun-gen vertraten. Wer die betreffenden Verhandlungen gelesen, wird sichüberzeugt haben, daß dabei im Nothwendigen Einheit, im Unwesentlichen^volle Freiheit, in Allem aber Liede vorgewaltet. Das Ergebniß warauch ein Resultat voller Freiheit: daß es den. einzelnen Vereinen freistehe,auch mit rein politischen Fragen sich zu beschäftigen. Die historisch-politi-sehen Blätter haben sich in gewohnter einsichtiger Art über diese Verhand-lungen ausgesprochen und den ausgezeichneten Vortrügen der verschiedenenParteien volle Gerechtigkeit wieverfahren lassen. Angesichts dieser Sach-lage macht nun einen höchst unangenehmen Eindruck daS Verfahren desjetzigen VorortS BreSlau dem Kölner oder Rheinischen PiuSvereine gegen-über. Der Kölner Piusverein (und mit ihm mehrere der bedeutendsten imRheinland und Westfalen ) hatten dem edlen Reichsverweser eine Dankadressevotirt für sein festes Auftreten und Ausharren in der Sache Deutschlands .Daß der NeichSverweser diesen Dank von leiten aller Vaterlandsfreundeverdient, wird keiner bezweifeln; ob eS aber zeitgemäß, ob es im Ganzenförderlich für die Sache der Kirche gewesen, daß katholische Vereine einensolchen Dank votirten, ist eine Frage, die wenigstens noch für und gegenbesprochen werden kann. Und obschon wir eS unsererseits gewünscht hät-ten, daß in dieser ohnehin aufgeregten, durch Brudcrkümpfe so unglücklichenZeit diese Adresse unterblieben wäre, so hatten doch die PiuSvereine daSRecht, darüber zu verhandeln und diesen Beschluß zu fassen, und, wie sichnicht läugnen läßt, dafür eben so gute Gründe, wie früher für den belob-ten DankeSauSspruch an unsern König, daß er die papierne Kaiserkronenicht angenommen. Daß der katholische Vorort eine andere Ansicht hat,dazu hat derselbe ebenfalls daS Recht. Ader anstatt diese abweichende An-sicht dem Rheinischen Piusverein in brüderlicher Liebe mitzutheilen, gibtderselbe eine öffentliche mißbilligende Erklärung ab, welche sich aufeine Eiklärung teö heiligen Vaterö stützt, der übrigens nur vor politischenUmtrieben (motus civiles) warnt, legt also offen vor aller Welt in scho-nungsloser Weise einen unerquicklichen Zwiespalt bloß! Und waS in derganzen Sache das Schlimmste war, was der Mißbilligung deS Vororts,wohl ohne dessen Absicht, den Stachel feindseliger Opposition verlieh, warder Umstand, daß diese Erklärung durch die „Kölner Zeitung, " durch daSBlatt also dem Publicum bekannt gemacht wurde, welches im ganzenRheinland und Westfalen als kirchenfeindlich und katholischer Gesinnung undGesittung höchst gefährlich bekannt ist, während die „Rheinische Volkshalle"als Organ der Katholiken auf dem PiuStage in Köln und in BreSlau selbst warm empfohlen wurde. (Katholik.)
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.