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9 (15.7.1849) 28
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geführt und mit der Macht des PriesterthumS begabt hat, gleiche Thätig-keit, gleiche Entschlossenheit entwickeln, um der Wahrheit vie Pfade zuebnen, den Irrthum zu verscheuchen, die Seele zu retten." Hier ist vorallein die Reinigkeit eines christlichen Wandels und die Kraft jenes Eiferserforderlich, welcherseinen LebenShauch aus dem Wehen heiligen Geistesschöpft."

DaS Schreiben endet mit dem Gebete, daß der Herr der Heer-schaaren einen Blick der Erbarmung aus diese Lande sende, welchen er in

Namen sie verherrlichen, dessen Willen sie vollziehen wollten; die Größedes deutschen Reiches suchten sie in Gott und durch Gott . DaS war derGrundgedanke, der daS deutsche Kaiserreich belebte und heiligte, erhielt underhöhte; ohne diese tiefreligiöse Grundlage wäre eS niemals zu jener hohenStellung gelangt, die es beinahe durch ein Jahrtausend in der Völkerge-schichte behauptete, die es dann erst verlor, als der lebendige, religiöseGeist nicht mehr in diesem Reiche herrschte. Diesen Werth der Religionerkannten wohl die deutschen Kaiser, und in der Hebung derselben sahen

Christo, seinem eingebornen Sohn, Licht und Gnade geschenkt hat, daß er sie die Hauptaufgabe ihres kaiserlichen Wirkens. Besonders ausgezeichnetsie nicht vor seine», Angesichts verwerfe, daß er den Verirrten die Engel Lurch dieses erhabene Streben ist jedoch jener Kaiser Deutschlands , dender Liebe und Demuth sende, damit sie die Last der Begierden, welche sie die Christenheit jetzt unter den seligen Himmelsfürstcn verehrt, der heiligezur Erde beugt, von sich werfen und zum Himmel aufblicken, für den sie Heinrich. Was er für die Beförderung der Religion gewirkt, daS bezeu-geschaffen sind.Dann wird auch ein Hauch Deines FriedenS zu uns gen nicht bloß die Bücher der Geschichte, daS hat Gott aufgezeichnet innieverwehen, und vereint um Deinen heiligen Altar werden wir Dich prei-seinem Buche ewiger Vergeltung.

sen, i» Glauben und Hoffnung, bis wir eingehen in daS selige Reich deöi Heinrich war selbst, was einem würdigen Fürsten vor Allem NothSchauenS. Amen." tthut, in seiner heiligen Religion festgegründet, ihre heilsamen Grundsätze

- ^ hatte er schon von Jugend auf in sein Herz aufgenommen, und dadurch

war schon eine spatere segenvolle Regierung verbürgt. Als ihn nach demUeber die Nothwendigkeit der Religion zum Gedeihen Tode des Kaisers Otto III. die Wahl der deutschen Fürsten auf den Kai-

eineS Staate-. *) ! serlhron erhob, ging ihm schon der Ruf der Frömmigkeit, der Gerechtigkeit,

I.

Wollen wir erkennen, wie nothwendig die Religion sey einem Staatezum glücklichen Bestände, Religion auf dem Throne wie beim Volke, sobrauchen wir uns nur deutlich zu machen, waö denn eigentlich Religionsey. Diese ist nichts Anderes, als das Band, welches die Geschöpfe anden Schöpfer knüpft; eS ist jene Unterordnung der Geschöpfe unter ihrenSchöpfer, mögen sie dieselbe auch nicht anerkennen, oder gar sich dagegensträuben.Gott hat unS erschaffen, sagt darum David, und er hat unsfür sich erschaffen" (Ps. 99, 3.). Während nun die übrigen Geschöpfeunbewußt und unfreiwillig ihrem Schöpfer untergeordnet bleiben, soll derMensch, mit Vernunft und Willensfreiheit begabt, seine Abhängigkeit vonGott erkennen und auS freiem Willen stets der Bestimmung treu bleiben,die ihm von seinem Schöpfer geworben ist. Er soll Gott als seinen Herrn!chem Ende Gott ihn so hoch erhoben; die Kenntniß des ganzen Umfangeserkennen, Ihn anbeten, Ihm dienen, in Allem gehorsam seinen Willen seiner Pflichten ließ er sich stets angelegen seyn, und im Gefühl der Un-

der Sanftmuth und Mäßigung voraus; groß war deßhalb das Vertrauen,welches Deutschland auf seinen neuen, weisen und frommen Beherrschersetzte, und er entsprach vollkommen dem hohen Begriffe, den man sich vonihm gemacht hatte, durch die weise Verwaltung seiner Staaten wie auchdurch jenen Glanz aller christlichen, königlichen und kriegerischen Tugenden,die man so selten vereinigt findet. Heinrich besaß die erste Tugend deSChristen, die auch den Fürsten auf dem Throne ziert: er war von Herzendemüthig; er wußte wohl, daß nur Gott ist, der dem Fürsten Ansehenund Würde, Macht und Gewalt verleihet, daß vor Ihm, dem Unendlichenund Allmächtigen, jede irdische Größe verschwindet; im Glänze kaiserlicherHerrlichkeit vergaß es Heinrich nicht, daß er einst wieder vom Thron herabinS Grab steigen und dem Weltenherrscher genaue Rechnung von seinerRegierung werbe ablegen müssen. Nie verlor er auö dem Auge, zu wel-

zulänglichkeit menschlicher Kräfte zur Erfüllung so hoher Anforderungenwendete er sich im Gebete zu Gott, und bat Ihn um Weisheit, durchwelche allein vie Fürsten mit Glück und Segen ihre Völker leiten können.

erfüllen und dadurch ewiges Heil und ewige Seligkeit finden. Dieses istder ganze Inbegriff der Religion.

Allein nicht jede Religion ist die wahre, nicht in jeder erkennt undbeobachtet der Mensch wahrhaft seine Abhängigkeit von Gott . Wie eS nur! Unablässig betrachtete er daS göttliche Gesetz, um durch daS eigene BeispielEinen Gott gibt, so gibt eS auch nur Eine wahre Religion, es ist die eines demüthigen Gehorsams gegen GotteS Gebote seinen Völkern zur Tu-Religion Jesu Christi . Er hat uns erst recht Gott, seinen unv unsern gend voranzuleuchten.

Vater, kennen gelehrt, Er hat unS den Willen unsers GotteS vollkommen! Diese aufrichtige Demuth vor Gott bewahrte unsern heiligen Kaiserund klar verkündigt, hat unS die Beobachtung desselben eindringlich anS vor jenem Fehler, dessen sich der Mensch nicht leicht erwehren kann, wennHerz gelegl und unS gezeigt, wie die gehorsame Erfüllung deS göttlichen Macht und Gewalt in seine Hände gelegt sind, nämlich vor der Willkür.

Willens unsere einzige und wahre Lebenöbestimmung jey, wie wir nur dadurch wahrhaft glücklich und selig werben können. JesuS hat uns durchsein eigenes Beispiel gelehrt, wie unser ganzes Leben Gott geweiht seyn,Ihm gehören solle, wie wir in Allem nur unsers Schöpfers Ehre in Ob-acht nehmen, stets seine Gebote vor Augen haben unv nach ihnen unser

chon von Jugend auf halte Heinrich angefangen, in der schwersten Tu-gend der christlichen Religion, in der Selbstverläugnung sich zu üben, ohnewelche es dem Menschen unmöglich ist, mit steter Treue seinem Gott zudienen. Er hatte sein Fleisch dem Geiste, seinen Geist aber Gott unter-geordnet, so daß er niemals seinen Eigenwillen, sondern stets den Willen

Leben regeln sollen. Nur der Mensch, der, wie es die Religion Jesu Gottes zu erfüllen trachtete; niemals gebrauchte er seine Macht dazu, umlehrt, stets an seinen Gott sich hält, der wird seine Bestimmung hieniedcn seine Leidenschaften zu befriedigen, und wie sehr er diese zu beherrschenerreichen und sein Ziel nicht verfehlen; wer hingegen Gott auS den Augen verstand, bezeugt unS folgende Begebenheit. Er belagerte einst im süd-verliert, wer all sein Thun und Lassen nicht auf Ihn bezieht, nicht nach lichen Italien eine aufrührerische Stadt; da dieselbe einen ungemein hart-Eeinem Willen ordnet, der fällt dem Irrthum und der Thorheit, der näckigen und erbitterten Widerstand leistete, so schwur der Kaiser in derSünde und dem Verderben anheim. Gersten Aufwallung seines Zornes, nach Einnahme der Stadt ihre Untreue

So wenig nun der einzelne Mensch ohne solche religiöse Weihe seines blutig zu rächen. Bald darnach mußten die Belagerten sich dem KaiserLebens sein Heil und Glück finden kann, eben so wenig mag ein Staatt ergeben, zitternd erwarteten sie die strengste Strafe für ihre Empörung;gedeihen, wenn nicht Haupt und Glieder desselben von wahrer Religion als sich aber die Thore öffneten und eine Schaar Kinder, das Bild deSdurchdrungen sind. Der Staat besteht ja nur auS einer größern Anzahl Gekreuzigten an der Spitze, flehend dem Kaiser entgcgenzog, da überwandvon Menschen, die sich verbunden haben, um gemeinschaftlich nach wahrem der christliche Herrscher seinen Unmuth und ließ die Empörer in keiner

Glück zu ringen. Wie aber der Mensch nur dadurch glücklich werdenkann, daß er gehorsam und eifrig seinem Gott anhängt, so kann auch einStaat nur glücklich bestehen, wenn der Regent desselben, wie der Unter-than, ihre wechselseitigen Pflichten aus Gehorsam gegen Gott erfüllenwenn Beide wahre Religion haben. Wir blicken jetzt so gerne auf daS

Weise seine Rache fühlen. So verstand eS der mächtigste Herrscher derWelt, sich selbst zu beherrschen die Religion vom Kreuze hatte ihn dießgelehrt.

Einen Thron aber, dessen Herrscher wahre Gottesfurcht im Herzenträgt, wird auch zu jeder Zeit unversehrte Gerechtigkeit umgeben. Bei

ehemalige deutsche Kaiserreich zurück, und weiden uns mit Lust an der jeder Entscheidung hatte Heinrich, der Richter eines großen Volkes, daSGröße und dem Ruhm desselben. Aber haben wir denn auch schon erkannt,! Gesetz, die Wahrheit und daS Gericht deS Herrn vor Augen; nicht diewas seine Größe und seinen Ruhm begründet hat? DaS war die Religion,! Person sah er an, sondern die Gerechtigkeit der Sache, dieser suchte ervon welcher Beide, der Kaiser wie daS Volk, auf daS Lebendigste beseelt stets den Sieg zu erleichtern, und nichts schmerzte ihn so tief, als irgendwaren; Beide strebten darnach, daS Reich GotteS auf Erden zu verbreiten Jemanden, wenn auch ohne sein Wissen, Unrecht gethan zu haben. Er

und zu erhöhen, Beide erkannten Gott als ihren höchsten Herrn, dessen

*) Kanzclrcdc auf das Fest des h. Kaisers Heinrich H. (15. Juli), aus der Phi-lothea, mit Weglaffung der Einleitung.

hatte sich gegen den heiligen Heribert, Erzbischof von Köln , aus Mangelan gehöriger Kunde einnehmen lassen, allein er hatte nicht sobald die Ur-sache desselben erfahren, als er selbst zu ihm ging, ihn um Verzeihungbat, unv nicht eher sich beruhigte, als bis ihn der Oberhirte versicherte,