Ausgabe 
9 (22.7.1849) 29
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Neunter Jahrgang.

M 2S.

SS. Juli L84S.

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König Max im Dome zu Negen-burg.

RegenSburg, 9. Juli. Ehe Se. Majestät unser vielgeprüfterKönig von hier abreiste, besuchte er .den altehrwürdigen Dom, um eineheilige Messe anzuhören. Beim hohen Portale angelangt, reichte ihmHerr Domvecan Mengein das Weihwasser mit den Worten:EmpfangenEw. Majestät burch dieses Zeichen Heil und Segen beim Emlritte inunsere allehrwürdige, alldeutsche Kathedrale. ES ist mir und allen Anwe-senden nicht nur ein schönes Omen, daß Ew. Majestät gerade heute, amJahrestage der Einweihung dieses erhabenen DomeS, hier erscheinen, son-dern eS ist unS eine göttliche Fügung, daß Ew. Majestät an diesem Tagein diesem von Ew. Majestät königlichem Baker restaurirten GolleShauseden christlichen Pflichten Genüge leisten. Viel wurde schon in diesem Domefür WittelSbach, für das liebe Vaterland, für Ew- Majestät, für Deutsch-land gebetet; aber heute werden alle Anwesenden in ihrem Dankgebete fürdie Wohlthaten des EhristenlhumS auch dessen gedenken, waö Ew. Majestätund Allerhöchst Ihre Ahnen dem Baterlande, der Kirche gethan. UnserHohepriester wird dort am Altare mit dem Festgebele die Orstio pro regeet psce verbinden und ich selbst werde das heilige Meßopfer nach demWunsche Ew. königl. Majestät für das Heil BayernS und Deutschlands darbringen." Bei seinem Scheiden aus dem GolleShause entließ der hoch-würdige Domdechant Se. Majestät mit den Worten:Ew. kgl. Majestäthaben den hier so zahlreich versammelten Bewohnern jedes Standes undGlaubens ein schönes Beispiel gegeben, eine große Freude gemacht. Schonviele Kirchweihsonntage sind in diesen heiligen Hallen seil ihrer Erbauungdurch Bischof Leo gefeiert worden, aber kaum noch'.'einer, wie der heutigein Gegenwart eines KönigS aus dein Hifpse der WiltelSbacher, des burg-gräflichen Geschlechtes der alten Reichsstadt, da seil dem Falle Arnulf desSchyren am Ostenlhor bis zum Jahre 1809 RegenHurg nicht mehr demengern Baterlande Bayern angehörte. Ew. MajeställHaben heute in diesemDome mit Ihrem gläubigen Volke gewiß nicht umsonst gebetet fürBayern, für Deutschlands Heil, für die Eintracht der deutschen Völker.Alle, die hier gebetet, freuen sich, Ew. Majestät als Ihrem angestammtenLandeSvater anzugehören; aber alle wissen, daß nur in Gott und seinemSohne Jesus Christus Einheit und Freiheit für Bayern, für Deutschland kommen könne." Hierauf erwiderte Se. Majestät:Ich wünsche von ganzem Herzen, daß all das so seyn und werden möchte, aber )ch fürchte fürdas Vaterland."Fürchten Ew. Majestät Nichts, entgegnete darauf derHerr Dvmdechant, Sie demüthigen sich vor Gott und beten zu Gott undmit Ew. Majestät betet ein gläubiges Volk. Es muß an Ew. Majestät,an einem Mar daS gesegnet werden, was Mar der Gute für Gott undVaterland gethan, und sollten noch schwerere Prüfungen über das Vater-land kommen, die Bayern werden mit ihrem Gebete den Himmel stürmenum Heil und Segen für Ew. Majestät, für daS treue Bayern, für dasannoch zerrissene deutsche Vaterland." (N. Sion)

Ueber die Nothwendigkeit der Religion zum Gedeihen

eines Staate-.

II.

Alles ist eitel, dessen Grund und Ziel nicht Gott ist, sagt der frommeStolberg. Nichts hat dauernden Werth, nichts gereicht dem Menschen zumwahren Heil und Nutzen, waS nicht geschieht aus Liebe zu Gott, inGottesfurcht. Gott der Schöpfer hat es einmal so eingerichtet, daß sichin seiner Schöpfung Alles auf Ihn, als sein letztes Ziel beziehen soll;wenn diese Beziehung auf Gott außer Acht gelassen wird, wo immeretwas in seinem letzten Grunde nicht wegen Gott geschieht, da ist kein

! Bestand, kein Glück, kein Segen. WaS ich so im Allgemeinen gesagtjhabe, daS gilt auch im Einzelnen, daS gilt im Besondern von, Staate.Wenn nicht Gott als höchster Herr im Staate betrachtet wird, dem sichder Fürst wie daS Volk unterordnen, wo nicht sein heiliger Wille als höch-stes Gesetz gilt, welches Beide als einzig entscheidende Norm stets vorAugen haben, wo nicht Religion, Gottesfurcht und Gctteöliebe gleichsamdie Seele jeder Thätigkeit im Staate ist, ein solcher Staat ohne Reli-gion, beim Fürsten wie beim Volke, kann nicht wahrhaft gedeihen, nichtglücklich bestehen. Er mag vielleicht eine Zeit lang durch eine» gewissenäußern Wohlstand glänzen, allein innerlich ist er faul und morsch, undwird über kurz oder lang zusammenstürzen,denn sein Ruhm und seineStärke war nicht die Gottesfurcht» (Eccli. 10, 25.). Die Erlebnisse derjüngsten Zeit überheben mich weiterer Bemerkungen.

Religion allein vermag es, den Gesetzen eines StaateS Geltung zuverschaffen. Wie sollten wobl Menschen, die der Stimme der Natur zumHohn Gott unv sein Gesetz verachten, wie sollten diese durch die Gesetzeder Völker und einzelner Staaten in Schranken gehalten werden? Daßbloße Furcht vor äußerer Gewalt oder Strafe einen Menschen zur stetenund vollständigen Erfüllung deS Gesetzes bringen können, welcher Vernünf-tige möchte so etwas behaupten? Wird ein irreligiöser Mensch, dem nochdazu ein gewisser Grad von Schlauheit zur Seite steht, nicht viele Gesetzeungestraft zu umgehen wissen? Oder wird nicht wenigstens die Hoffnung,der Strafe sich entziehen zu können, anreizen zur Gesttzesvcrletzuiig? DieReligion dagegen flößt Ehrfurcht ein gegen das Oberhaupt LeS Staates, denn sie lehrt, daß eS mit Gewalt und^Azisehen vorn Höchsten selbst beklei-det sey;ES ist keine Gewalt, als von Gott; die Obrigkeiten aber, diewirklich da sind, sind von Gott geordnet" j)Rom. 13, I.Z. Die Religiongebietet dem Menschen daS Gesetz nicht bloß deS Zornes wegen, d. h. auSFurcht vor der Strafe, sondern deS Gewissens wegen zu beobachten.Fordert aber der Staat von seinen Mitbürgern bloße» Gehorsam, muß erzu seinem gedeihlichen Bestände nicht noch mehr verlangen? Ein Staat,dessen Mitgliedern Vaterlandsliebe etwas Unbekanntes ist, ist eine Unmög-lichkeit. Entscheidet aber selbst, geliebte Christen, wessen Vaterlandsliebereiner, treuer und opferwilliger ist, Dessen, der sie nur zeigt auS eitlerRuhmbegierde, oder Deßjenigen, der hierin eine großartige Ausübung deSchristlichen GeboteS der Nächstenliebe erkennt, eine Nachahmung Deßjeni-gen, der sein Leben gelassen für seine Brüder. Wo hat die Weltgeschichteein ähnliches Beispiel von Vaterlandsliebe auszuweisen, wie jenes deSJudaö deS MacchabäerS, der voll deS religiösen Eifers für Gott und seinVolk sein Leben tausendfachem Tode aussetzte.

Zu einem glücklichen Staate ist aber nicht bloß erforderlich Gehor-sam gegen daS Oberhaupt und die Gesetze deS StaateS: eS gibt auch nochPflichten, welche die Mitbürger gegen einander zu erfüllen, Rechte, die!sie gegenseitig zu achten haben, um in Ruhe und Frieden neben einanderl zu wohnen. Auch dieses zu bewirken, ist allein möglich durch Religion.Sie befiehlt, um Gottes willen nicht bloß Jedem das Seine zu lassen undzu geben, sondern auch unsern Nebenmenschen in all ihren leiblichen undgeistigen Bedürfnissen zu Hilfe zu kommen, und so zum Gesammtwohlenach Kräften beizutragen. Sie stärkt unS durch den Hinblick auf den Tagder Vergeltung, wo die unterdrückte Unschuld ihre Rechte wieder erlangenwird, auch Unrecht, da« wir abwehren könnten, zu ertragen um deS Frie-dens willen. Wenn unS die Religion nicht beständig auf Gott unv unserGewissen zurückführte, so würden wir bald Sclaven unserer Leidenschaftenseyn, und kein Laster würde unS zu schrecklich vorkommen, so bald wirunsern Vortheil dabei fänden oder eS ungestraft begehen konnten. ES wäre^sicherer bei Löwen und Tiger leben, als mit Menschen, die jeden Zügelder Religion von sich geworfen haben. Diese Nothwendigkeit der Religionfühlten selbst heidnische Fürsten und Völker, weil sie in Ermanglung der