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9 (22.7.1849) 29
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wahren eine irrige annahmen; freilich, weil eine solche Religion nicht inder Wahrheit ihren Band hatte, so konnte sie auch dem Staate, der ihrergeben war, keinen Bestand sichern. Aber glücklich und ruhmvoll wirdjeder christliche Staat bestehen, so lange Gottesfurcht und Religiosität imBolke leben.

WaS aber unser mit der Krone geschmückte Heilige zur Beförderungder Religion bei seinem Volke that, wer vermöchte dieses Alles zu erzäh-^

unwohl, und ich verließ die Diplomatenloge und sprach zu mir selber dieWorte auS dem deutschen Hiob :

Ihr großen deutschen Geister,

^ Ihr kritisirt nicht schlecht,

Ihr nennt einander Lumpenlind jeder von euch hat Recht."

TagS darauf ging ich mit Selbstverläugnung nochmal in die PaulS-

len? Er, der sein Volk, wie wir sahen, so wahrhaft liebte und glücklich z kirche hinein, aber ich wurde bis über die Ohren roth, als ich den öfter-machen wollte, wie hätte er auch DaS versäumen sollen, was allein das reichischen Deputirten Wieser (allgemein der Kirchenleerer genannt, weil,

Glück eines Volkes, das Wohl eines StaateS begründen und erhaltenkann? Oftmals hielt Heinrich Versammlungen der geistlichen nnd welt-lichen Großen seines Reiches, wo er denselben die Sorge für daS zeitliche,besonders aber aber für das ewige Heil ihrer Untergebenen nachdrücklichstaus Herz legte; die trefflichsten Anordnungen wurden da getroffen, um diekirchlichen Satzungen mit besserem Erfolg zu handhaben. Die Gründungvon sechs neuen Bisthümern war das Werk seines glühenden Eifers fürdie Beförderung der Rcligiösität im deutschen Volke. Oefter bereiste erseine ausgebreiteten Staaten in der Absicht, überall der Religion empor-zuhelfen. Der Himmel segnete sichtbar sein aufrichtiges Bemühen; imVolke befestigte sich der Glaube, hob sich die Frömmigkeit, wuchs die Ge-

wenn er zu reden beginnt, die Hälfte der Zuhörer den Saal verläßt), wieeinen bankerotten Akteur auf der Rcdnerbühne sich geberden sah, und überMetternich und Sedlitzky in einer Weise schimpfen hörte, als ob er einenArtikel von Wienerstraßenblättern von anno 18-18 konterfeit hätte. ArmeSOesterreich, so dachte ich mir, wie mußt du in den Augen reiner deut-schen Milbrüder sinken, wenn man solche Leute als deine Repräsentantenansehen muß!

Um meiner melancholischen Gedanken loS zu werden, machte ich dieRunde um die Stadt, aber der Böse trieb heute schon sein Spiel mit mir,er führte mich inS sogenannte EssighauS, wo Nonge seine Orgien feierte.Gegen die sonst in Frankfurt vorherrschende Nettigkeit und Eleganz sticht

rechtigkeit, und dadurch auch daS Glück, die Stärke und der Ruhm dcS diese Kneipe sehr ab. Durch eine stinkende Kloake führt der abseitige Ein-Reiches. Es war ein GotteSreich geworden, zur Verherrlichung deS christ-!gang in einen mit Bäumen schwach bepflanzten Hofraum, in dem hölzernelichen Namens, zur Erfüllung deS christlichen Gesetzes, groß unter allen,! Tische und Stühle ohne Ordnung herumstehen. Die Atmosphäre kam mir

geachtet von allen Völkern der damals bekannten Erde; denn er war mitGott und so war Gott mit ihm.

Diese glorreichen Zeiten des deutschen Reiches, wie gerne wünschtenwir sie unS zurück! Doch warum mit nutzloser, unthätiger Sehnsucht dieselängst entschwundenen Zeiten zurückrufen, ist ja nicht an ein gewisses Jahr-hundert das Glück eines Volkes gebunden, dieses ist durch die sittliche undreligiöse Beschaffenheit der Menschen bedingt. Wollen wir glücklichere undruhmvollere Tage schauen, dann lasset uns streben, bessere, sittlichere undfrommere Menschen zu werden. Und diese Besserung, diese Umkehr zurReligion und Tugend beginne jeder bei sich selbst! WaS nützt es, wennJeder immer nur die andern zur Besserung auffordert, wenn Keiner dieseErneuerung an sich selbst inS Werk setzen will? Da muß eS nothwendigerWeise immer beim Alten bleiben! Schließen wir unS wieder an an unserngöttlichen Heiland, von dem der Welt alles Heil, von dem allein auchunserm Baterlande Heil werden kann. Nehmen wir seine heilige Religionwieder auf in unsere Herzen, richten wir nach ihrem Glauben und Gesetzetreulich unser Leben ein. Daß auch in dem Herzen unserer Mitmenschendie Religion feste Wurzel fasse, sey der Gegenstand unsers herzlichen Fle-hens, wenn wir beten: Geheiligt werde dein Name, zukomme dein Reich,dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden! Beten wir beson-ders für unsere Regenten, Gott möge ihnen Weisheit und Gottesfurchteinflößen, auf daß sie ihren Völkern Führer zum Glücke und Heile werden.Und Gott wird auch dieses Gebet erhören, wenn wir nur solcher Fürsten nach dem Herzen Gottes werth sind. Meine Christen, wenn so die Reli-gion, wie zur Zeit des heiligen Kaisers Heinrich im deutschen Volke blüht,dann wird auch die Glorie deS deutschen Reiches wiederkehren, denn Gottselbst wird es erhöhen und verherrlichen.

Heiliger Heinrich , sprich am Throne Gottes für dein Volk, damitEr eS bald heimsuche in seiner Gnade. Amen.

Kirchliche Reisebilder.

(Schluß.)

Am trübsten war ich in Frankfurt gestimmt. Mit ungemeinen

drückend vor, und ich war froh, als ich die moralische Mistjauche hin-ter mir hatte. Es trieb mich fort von Frankfurt, und eine Droschke brachtemich in die Spielhöllen nach Homburg leer und trostlos kehrte ichzurück. Der Schlaf floh von meinen Augen, und ängstliche Gewitterschwülehatte sich auf die Brust gelagert.

Einige Tage später hatte ich das Vergnügen Herrn Rouge persön-lich kennen zu lernen, er fuhr von LudwigShafen nach Neustadt inder Pfalz in MissionSangelegenheiten (?), wozu sieben eommi8 vo^sgeursauf dem Bahnhöfe ihm ihre Glückwünsche darbrachten. Rührend! Wirfuhren längere Zeit auf demselben Train zusammen, bis die Straßen sichtrennten. Wer in Ronge etwas Apostolisches findet, muß einDeutschkatholik setzn.

Um mein Bild nicht zu überladen, will ich nur in Eile erwähnen,daß Freiburg mit dem Perlenkranz seiner theologischen Professoren mireinigermaaßen die trüben Erinnerungen vergessen machte. Männer, wieHirscher, Staudenmaier, Maier, Stolz, Büß u. s. w. muß man sprechenhören, um für kirchliche Wissenschaft entflammt zu werden. Die freundlicheAufnahme in Freiburg wird mir unvergeßlich bleiben. In gotteSdienstlichenAnordnungen erinnert hier vieles an Oesterreich , wie auch überhaupt dieBreisgauer gerne vom österreichischen Kaiserhause sprechen. UebrigeuS isteS sonderbar, daß im Großherzogthum Baden bei der sehr liberalen Ver-fassung die katholische Kirche dennoch geknechtet ist. Diese Knechtung vonSeite deS StaateS und die Nachwehen deS josephinischen JntifferentismuSscheinen die Hauptgründe zu seyn, warum im Badischen großer Priester-mangel ist, so zwar, daß an Sonntagen mehrere Geistliche biniren (zweiheil. Messen lesen) müssen, um den Bedürfnissen der Gläubigen zu genü-gen. So z. B. überhob ich im Konstanzerdom die dort angestellten Geist-lichen, indem ich daS Hochamt sang. Daß unter den badtscben Katholikenviele Lauheit, und unter den älteren Geistlichen ein großerLiberaliSmuS"herrscht, ist bekannt. Die Zeit hat die Früchte gereift. DaS Schlachtfeldim vorjährigen Freischaarenkampfe muß auf jeden Menschen einen traurigendruck machen. Wer kämpfte in selben, uud für was kämpfte man?Wahr-lich, spricht ein würdiger Kämpe der Zeit, wahrlich jeden, dem des Vater-landes Wohl am Herzen liegt, muß dieses klägliche Affenspiel im Innerstenseiner deutschen Seele mit gerechtem Zorn erfüllen. Auf eine unverant-wortlichere Weise sind nie die hungernden Völker von den politischen Quack-

Erwartungen betrat ich die alte Kaiserstadt, der eine so große Aufgabe in Kalbern und Marktschreiern mit Steinen, d. h. mit Phrasen und Formeln,neuester Zeit zu lösen beschieden war. Ich fühlte die hohe Wichtigkeit der! statt mit nährendem Brod abgespeist worden, als gerade gegenwärtig.Nationalversammlung und mein Herz schlug vernehmbarer, als ich die > Und nie haben die Deutschen sich ihrem eigenen wahren Geiste entfremdeter

Paulskirche besuchte und die Reihen der Deputirten musterte. Ich sah z und als sklavischere Nachäffer des Auslandes, und aller seiner verderblichen

Männer, vor deren Namen ick mein Haupt entblößte, und Männer, bei! Thorheiten, seiner Sünden und Verbrechen gezeigt, als in diesen unserenderen Erinnerung mich Ekel ergriff, an Einem Orte versammelt. Der Tagen, wo doch Alles von deutscher Einheit und Freiheit so voll ist."

neckische Zufall führte mich gerade in eine der stürmischesten Sitzungen seit! Gegenwärtig, wo ich in der Erinnerung mein Reisebild skizzire, ist Baden

dem Bestände des Parlamentes, in welcher über die Amnestiesragc verhan-delt wurde. Ich hörte die Reden pro und contra, ich sah den ruhigenHohn der Rechten und die funkensprühende Leidenschaft der Linken, undverzweifelte daS Erstemal ernstlich an der Einheit Deutschlands . AIS abervollends auf die renommirtc Rede Brentano's der Tumult losbrach, als dieGalerien stampften und tobten, und der Glockenschall vergebens zur Besin-nung mahnte, als die Deputirten wüthend ihre Sitze verließen, und auSdem Wonkampf ein Faustkampf sich zu entwickeln schien: da ward mir

auf's Neue von Freischaaren heimgesucht, und rohe Gewalt und gebrand-markte Verbrecher halten die Zügel des Staates. Wohin soll das nochführen? Sollen wir Deutsche wirklich die Polen deS I9len Jahrhundertswerden? Soll sich die Prophetie Heine's erfüllen, die er vor 14 JahrenauSsprach: Man wird in Deutschland ein Schauspiel aufführen, neben demdie französische Revolution nur eine unschuldige Idylle ist?

Deutschland war groß, so lange ein römischer Kaiser das Scepterführte, so lange die kirchlich fromme Treue, der Gotteöglaube und die