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moralische Reinheit das deutsche Gemüth zierten. Der römische Kaiser mußwieder erstehen, und der christliche Sinn auf's Neue erwachen, sonst siechtdas deutsche Volk dem Grabe zu, cS wird von einem kräftigeren Volkeüberflügelt und zu dessen Sclaven gemacht. Wohl ist der Römer in Frank-furt voll von den Bildnissen der römischen Kaiser, aber könnte nicht eineneue Reihe beginnen? Wohl ist das gegenwärtige Deutschland die Heimatdes AntichristianiSmuS in seiner gründlichen und vollendeten Ausbildung,aber ist nicht gerade jetzt, wo der Protestantismus in sich selber zerfällt,der katholischen Kirche die schone und große Aufgabe gestellt, die diSpara-ten Elemente zu sammeln, Lebenskraft in die Familien zu bringen, geistigeFreiheit zu fördern und brüderliche Liebe zu pflanzen, und dadurch die Integrität Deutschlands zu retten? Zunächst stimme ich der Ansicht einesCorrespondenten bei, der neulich in eine deutsche Zeitung schrieb: „Mitbangen Sorgen blicke ich hinaus in Deutschlands Zukunft. WaS wirddein LooS seyn, edle Jungfrau Germania ? Wirst du die Braut oder viel-mehr die Maitresse jener demokratischen Schwindler werden, wird von ihrenLiebkosungen deine Blüthe schwinden, deine Jugend welken, wirst du wiederzurücksinken in deine alte Stumpfheit und Schläfrigkeit, wirst du einemneuen Zauberschlafe hingegeben werden, biö ein neuer Ritter, Gott weißwann, erscheint, dich abermals zu wecken? DaS wolle Gott verbitten.Hoffen wir, daß die schönste, kräftigste und blühendste Tochter der Kirche,daß Deutschland noch gerettet werbe von dem Abgrund, an dem eS steht;hoffen wir, daß der gesunde Sinn, der tüchtige Kern der Mehrheit deödeutschen Volkes von unserm Vaterland diese Zerrissenheit im Innern, unddiese Schwäche und Ohnmacht nach Außen abwenden wird, die daS schöneItalien so töctlich getroffen haben." ....
diesen Worten schließe ich mein zweites Reisebild, dem bald dasdie Schweiz darstellend, folgen soll.
Anton Kerschbaumer.
Demokratische Vereine, diese Herde gottloser Bestrebungen, sollendaS von seinem Seligmachcr losgerissene Geschlecht beseligen? DaS heißtDrachenzähue säen, und daraus die Saal des Friedens und Glückeserwarten.
Wiederum wollen sie ein Glück ohne Arbeit, ohne Anstrengung, ohneFleiß und Ordnung, die Felder unbebaut liegen lassen und doch reicheGarbenfülle ernten?
Warum sinnen die Völker auf Eitles? Sie mühen sich inunseliger Schwärmerei, auf dürren Sand, anf windige Systeme den Tem-pel deS GlückeS zu bancn, in der trostlosen Wüste deö Unglaubens undder Sittenlosigkeit LaS Paradies einer bloß irdischen Seligkeit zu pflanzen.
dritte
Mit
und
letzte,
Ueber Völkerglück. *)
Glossen zu biblischen Terten über diesen Gegenstand.
I.
„W«rum sinnen die Völker auf Eitles."
Psalm 8, 1.
Die großen Bewegungen unserer Zeit sind eine Wanderung derVölker, ihr Glück zu suchen. Wie nach der morgenländischen SageAlexander der Große einst auSzog, die Quelle deS Lebens, der ewigenJugend zu suchen, so ziehen in wilder Aufregung Nationen aus, dasGlück der Nationalität zu erringen und so das Völkerglück zu begründen.Dem heißen Durste aber, der darnach jagte, bot sich bisher nur die tröstlose Luftspiegelung dar, die der armen, verschmachtenden Karavane inOrients Wüsten eine Sandfläche als erquickendes Wasser vormalt.
Warum sinnen die Völker auf Eitles? Warum suchen sieihr Glück, wie und wo eS nie und nimmer zu finden? „Sie habenden Herrn verlassen, die Quelle lebendigen Wasser ö."(Jerem. 17 , zZ.) „Die Quelle lebendigen Wassers haben sieverlassen, und sich Cisternen gegraben, die kein Wasserhalten können." (Jerem. 2, 13.) DaS ist die Geschichte der modernenVölker und ihres Unglücks. Sie sind zum großen Theil abgefallen vonGott, vorn wahren lebendigen Glauben an ihn; die Gottesfurcht ist zuGrabe getragen, und mit ihr die Quelle wahren Glücks versiegt. PantheiSmus und Emancipation deS Fleisches, CommuniSmuS und Revolutionfind die durchlöcherten Cysternen, in denen sie den Heiltrank der Beglü-ckung zu finden wähnten. Wo ist das Volk, daS aus diesen Cysternensein Glück geschöpft? Wo das Volk, dem der Abfall von Gott die Pforteausschloß zu wahrer Beseligung?
Wird nicht die schamloseste Lästerung gegen Gottes Wunderanstaltzur Beseligung der Völker, gegen die Religion des Sohnes GolteS, wieein Gift zur Auflösung jeder Sittlichkeit unter daS Volk auSgegossen?Schriften, wie von Daumer und Nork, unv Feuerbach und Br. Bauer,geschleudert unter die Masse, unter die unerfahrne Jugend! Daneben weitaufgerissen die Thore der Lust, nieder mit den Schranken jeder Zucht, offendie Pforten regelloser Freiheit! Und auf solche Weise soll daS Völkerglückerblühen? „Ihr Menschenkinder, warum liebet ihr die Eitelkett und suchet die Lüge." (Psalm 4, 3.) Warum wähnt ihr, bethörteund verführte Völker, glücklich zu werden durch Abfall von Gott undfeiner heiligen Offenbarung, glücklich zu werden ohne Gewissen und Sitt-lichkeit, ohne die Hoffnung auf Unsterblichkeit, ohne Hingabe an den Er-löser und sein Kreuz und die allein wahre Kirche?
Kleine Ergebnisse großer Ereignisse. *)
Die Manifestation. DaS Wort „Revolution" macht Anstalt,in PariS auS der Mode zu kommen; sollte daS nicht ein gutes Vorzeichenseyn für ganz Europa ? Denn wie ehedem daS Heil von den Juden aus-gegangen, so jetzt die Mode von den Franzosen , sammt der rothen Cra-vatte, an welcher man am 13. Juni einen „Professor deS BarrikadenbaueS"erkannt hat. Allein daS Vorzeichen will wenig bedeuten, da die Sachegeblieben und nur der Name vei ändert worden ist. Die letzte Pariser Revolution, die der große Menschenfreund Ledru-Rollin im Einverständnissemit seinen Cpicßgefährten in Rom , Debreczin, CarlSrnhe (und Gott weißwo noch) angezettelt hat, wurde und wird, um die rothe Blutfahne weißzu waschen, von den Theilnehmern eine bloße Manifestation, d. h. einefriedliche und harmlose Kundmachung des VolkSwillenS genannt. AISdiese Manifestation einer ungeheuern Volksmenge lärmend und wüthenddurch die Straßen zog, konnten die Schreier cilf Leichcnconducte zählen,die an den AuSgängen der Seitengassen stehen bleiben, und das stunden-lange Vorüberströmen der Masse abwarten mußten. DaS berühmte Wort:„lasset die Todten ihre Todten begraben" kam hier nicht zur Geltung; dievielen Tausende von geistig Todten füllten die Straßen so dicht, daß mandie leiblich Todten nicht begraben konnte. Aber diese letztem waren alsOpfer der Cholera gefallen; und wer Augen hat, um zu sehen, konnteund kann in dieser gehcimnißvollen Krankheit, gegenüber der Manifestationder Socialisten, eine Manifestation der göttlichen Vorsehung erkennen.
Eine neue Religion. Die AuSruferinnen aus den Straßen vonWien würden, nach ihrer beliebten Formel, noch zum Ueberflusie hinzu-setzen: „die wir erst gekriegt (bekommen) haben." Bei der neuen Religion,von der hier die Rede, wäre dieser Zusatz nicht bloß überflüssig, sondernauch falsch; denn eine sogenannte neue Religion besitzen wir leider schonseit langer Zeit. DaS hat jedoch den neuen Philister, seines NamcnSLeon Marie Pilatte, nicht gehindert, sich den Diener, Lehrer und Amts-walter der neuen Religion zu nennen, die vom Staate nicht besoldet sey.Angeklagt bei der Behörde, daß er öffentlich und regelmäßig wiederholteVersammlungen halte, bei welchen auch Frauen unv Kinder sich einsenden,berief er sich auf das dießsällige (im Juli 1848 erlassene) Gesetz, welchesjedem religiösen Dienste (Cultus) die freie Uebung gestatte, also auch denJüngern seiner neuen Religion nichts in den Weg legen könne. Dagegenwar zunächst wenig einzuwenden. Allein die genaue Nachforschung ergab,daß die Versammlungen dcS neuen Heilslehrers durchaus mit keiner Rcli-gionSübung sich befaßten; weder von Beten und Singen, noch von Predi-gen und begeisterten, schwärmerischen Reden wurde hier je etwas vernom-men, sondern man beschäftigte sich ausschließlich mit Verhandlungen, Beur-theilungen und wegwerfenden Kritiken über die sämmtlichen NeligionSfor-men, die dermalen in der Welt sich vorfinden. Der Meister Pilatte kammit einer Geldbuße von 200 Francs durch. Wäre er ein deutscher Pro-fessor, ein Theolog der neuesten Schule, also ein Atheolog (ein Nicht»Gott-Lehrer) gewesen, so hätte er für die Darstellung seiner neuen Reli-gion, die bloß eine Kritik und Läugnung aller Religion ist, eifrige Leserund darum auch ein ansehnliches Honorar erworben.
Neue Heilige. Der 13. Juni ist in der großen Stadt Marseille der Tag, an welchem alljährlich eine feierliche katholische Procesfion abge-halten wird. Bei der dießjährigen Procesfion erregten zwei Fahnen eingroßes und lärmendes Aufsehen. Die eine war mit dem Bilde des heiligenLudwig und den altfranzöstschen Lilien geschmückt, die andere, die von einemPavillon herabwehte, mit dem Bilde des — Ledru Rollin . Dort ein heil.König deS alten Frankreichs ; hier daS Haupt der rothen und socialistischenRepublicaner. Dort ein frommer Streiter für Christenthum und Kirche,hier der Vorfechter deS Unheils und der Unsitte, unter dem gleißendenNamen der reinen Humanität. Die städtischen Behörden, um der Aufre-
3 Aus den Hist. Blätter».
*) Au« dem österreichischen Volksfreund.