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gung zu steuern, befahlen sofort die Beseitigung beider Fahnen. Der Be-sitzer dcS Hauses, vor welchem die Fahne des heiligen Ludwig flalterie,gehorchte ohne Widerrede, wiewohl dieselbe seit vielen Jahren, bei jedemfestlichen Zuge, diese Stelle einnahm, und von vielen Fahnen umgebenwar, welche die Abbildungen anderer Heiligen zur Schau trugen. DieJünger des Ledru Rollln ließen sich nicht stören. Der Baldachin, der baSAUerheiligste bedeckie, zog unter der Fahne des socialistischen Heiligen hin,der alles Roth im Kalender für sich allein in Anspruch nehmen möchte,und in demselben Augenblicke wurde unten im Hause neben dem ?sng6lingua die Marseillaise angestimmt, dieses bekaniue revolutionäre Volksliedder Franzosen , das voriges Jahr auch bei uns die Runde gemacht har.Diese Demonstration (Gesinnungöäußerung) brachte übrigens keine weitereStörung hervor; die Procession ward friedlich zu Ende geführt, und dieß-mal wenigstens hat der Kampf des Socialismus gegen den Katholicismusdem letztem kein Haar gekrümmt. B.
Einige Bemerkungen -es hvchw. P. Bonifaz Wimmer über das Concil in Baltimore am 8. Mai.
„Ich war beim Concil, weil ich gua 1>rovineislis Lenaclielinorumeinberufen wurde. ES war eine imposante Demonstration und Repräsen-tation. Anwesend waren 24 Bischöfe, 3 Generalvicare, die Snperiorender Sulpitianer, Lazaristen, Liguorianer, Benediktiner , Dominicaner, Au-gustiner, Jesuiten (3 Provinciale), 60 Priester aus allen Theilen der Union.Bei den Sessionen (am Morgen für die Bischöfe allein, Nachmittags fürBischöfe und Priester) ward nur englisch gesprochen, außer von uns Deut-schen, die in lateinischer Sprache Lebaltirten. Es wurden 3 neue ErzbiS.thümer und sechs neue BlSthümer errichtet, darunter in Neumeriko midKalifornien, im nördlichen Wisconsin Vermont. Die immaeulata eoueeptioward von den meisten Rednern tapfer vertheidiget, obwohl auch einige diej)ia opiuio patrocinirten, und zuletzt die Bitte um Erklärung derselben alsDogma beschlossen, wenigstens in der gemischten Session begutachtet.Verschiedene DiSciplinarpuncte, kirchliche und politische Fragen wurdenerörtert. ES war ungemein interessant, dieses zu hören und diese Bekannt-schaften zu machen rc." Ferner berichtet P. Bonifaz, daß er bereits 3Plätze übernommen habe, nämlich außer Sr. Vincent, HartS-sleeping placeund Newark, welche immer mit 2 Religiösen besetzt sind. Bereits hat er13 arme deutsche Knaben zur Erziehung angenommen und bis Herbst wer-den noch 20 andere dazu kommen.
So löset dieser rüstige Kämpfer für das Reich GotteS auf Erdenseine Ausgabe, die er sich gesetzt hat. Mit welch unzähligen Hindernissen,Schwierigkeiten, Bedrängnissen rc. dieser Mann zu kämpfen, das laßt sichnur begreifen, wenn man die Verhältnisse kennt. Nur ein so felsenfesterkein Hinderniß scheuender Religiös, wie P. Bonifaz, konnte mit der GnadeGotteS ein solches Resultat erzielen. Er ging mir 15 Lrüdern und Stu-denten allein nach Nordamerika , ohne noch gewiß zu wissen, wo er sichniederlassen sollte. Jetzt besitzt er ein neues Kloster, 8 Priester, 4 Theo-logen, 13 Studenten im Seminar, und 30 — 36 Brüver. DaS Allesernährt er durch seiner Leute Arbeit, und hat dadurch den Benedictiner-Orcen ganz auf seinen Uranfang zurückversetzt, wo die Mönche und Blüder durch ihrer Hände Arbeit Wildnisse cultivirten, und ihr Brod selbstverdienten, dabei die Wissenschaften nicht vergaßen. So auch im KlosterSt. Vincent in Pensylvanien. (N. Sion.)
Wie die Religion allein im Stande ist, in den schweren Leiten, dieGott bisweilen zur Strafe und Besserung über unS kommen läßt, Hilfe,Linderung und Trost zu bringen, dazu liefert nachfolgende Schilderungeinen neuen höchst erfreulichen Beitrag. In dem Departemente der Oisewar es vorzugsweise eine Dorfgemeinde, in welcher die Cholera mit solcherHeftigkeit auslrat, baß mehr als die Hälfte der Einwohner davon ergriffenund bei hundertundsünfjlg Opfer durch den Tod weggerafft wurden. DerAnblick deS ungeheueren Elendes gab den Geistlichen und Laien den edlenMuth, mit Gefahr deS eigenen Lebens den Unglücklichen in jeglicher Weisebeizuspringen. Selbst der hochwürdigste Bischof von BeauvaiS eilte herbei,um in dem Herzen des Volkes das Gottvertrauen und die kindliche Erge-bung zu wecken und zu befestigen; der unermüdliche Pfarrer der Gemeindewurde durch mehrere andere Priester, darunter namentlich durch den Su°perior des großen Seminars von BeauvaiS und durch zwei OrcenSgeist-liche kräftigst unterstützt, so daß mit Ausnahme von zweien, welche inwenigen Augenblicken der Heftigkeit der Seuche unterlagen, alle Sterben-den mit den heiligen Sakramenten versehen werden konnten; auch Mitglie-
der verschiedener religiösen Genossenschaften, wie namentlich „vom heiligenJoseph," „von der guten Hilfe" u. s. w. wetteiferten mit dem heldenmü-thigen Maire der Gemeinde, mit dem Präfecten, dem Unterpräsecten undden Aerzten rastlos Tag und Nacht in Anwendung der zweckmäßigstenMittel zur Verpflegung der Kranken, zur Linderung der unbeschreiblichenNoth und, wenn möglich, zur kräftigen Abwehr deS Uebels. BesondersAusgezeichnetes leisteten auch hier wie allerwärts Mitglieder deS Vereinsvom heiligen Vincenz von Paul , indem sie auf die traurige Nachricht vonden Verheerungen der Cholera in Pariö Alles zurückließen, um ihrenunglücklichen leidenden Brüden, beizuspringen. Nachdem nun die Seuchefast gänzlich aufgehört, sind dann jene edlen Männer, welche den GeistdcS heiligen Vincenz in sich aufgenommen, unter ihnen der berühmte ArztBelleti, nach Acy-en-Mulcien abgereist, um daselbst den gleichen Dienstj der christlichen Liebe zu versehen. Nach so schweren Heimsuchungen bedurfte!die Gemeinde Montataire eines solchen Trostes, den die Welt nicht gebenkann, den wir nur bei Gott und in der Religion finden: eS fand einemehrtägige allgemeine VolkSmission (rsti-aits göiwrals) statt, die mit einemfeierlichen Todtenamte für alle Verstorbene eröffnet wurde. Jeden Tagfeierte ein Priester in der gleichen Absicht das heilige Meßopfer, wobeibesonders jene Familien, welche am schwersten und meisten gelitten hatten,mit einer wahrhaft ergreifenden Innigkeit und Andacht um den Altar sichdrängten, auf welchem daö unblutige Opfer für die Ihrigen dargebrachtwurde. An dem täglich zu verschiedenen Stunden ertheilten Unterrichtenahm die ganze Gemeinde Antheil und als Sonntags daraus die Feiergeschlossen wurde, empfingen bei dreihundert Personen die heilige Commu-nion, welche auch an etwa zwanzig noch in der Genesung Begriffene inihrer Wohnung gereicht wurde.. Am Abende desselben TageS begab sichdie ganze Gemeinde in feierlicher Procession auf den Kirchhof, um nocheinmal fromme Gebete für die Ruhe der Abgestorbenen zum Throne deSAllbarmherzigen hinaufzusenden. Wie mächtig der Eindruck gewesen, dennamentlich die aufopfernde Liebe des Vincenz-Vereines auf die Gemeindehervorgebracht, zeigt sich noch besonders darin, daß alsbald ein Zweig-verein in der Gemeinde Montataire sich gebildet hat, der schon dreißigMitglieder zählt unter dem Vorsitze deS würdigen Maire'S.
Der heilige Vater, von Irlands Leiden gerührt, hat eine Summevon 40.000 Fr. dorthin geschickt, welche sofort unter die drei von derHungerönoih am meisten betroffenen Grafschaften vertheilt wurde. DerErzbischof von Tuam erhielt 20,000 Fr. für die Grafschaft Mayo; dieBischöfe von Cork und Galway jeder 10,000 Fr. für die Armen seinerDiöcese. Diese beiden Grafschaften sind die ärmsten ganz JrlandS.
Pinsvereine.
Fulda, 3. Jul. Am Schlüsse deS Jahres 1848 wurde in Kassel eine Oberschulcommission. gebildet und dieselbe mit der Leitung deSSchulwesens im ganzen Lande betraut. Die Katholiken KurhessenS fühltensich lief gekränkt, als sie sahen, daß jene neue Behörde auch nicht einenKatholiken unter ihren Mitgliedern zählte. Es war dieß wieder einer jenerStaatsstreiche, wie sie die kurhessische Regierung, die früher wenigstens anKatheltkenhaß der preußischen nichts nachgab, gegen einen so ansehnlichenTheil der Bevölkerung ihres Landes auszuführen pflegte. Der hiesige PiuS-verein erhob Protest gegen die oben erwähnte, höchst intolerante Maaß-regel der Regierung und mit ihm protestirten unser Volksrath, der Stavt-raih zu Naumburg, zu Fritzlar und zu Neustadt in Oberhessen. Bis jetztist trotz dieser Protestalion keine Veränderung in dem Personale der Ober-schuicvmmission eingetreten, indessen haben hochgestellte Beamte versichert,der zeitige Pfarrer der katholischen Gemeinde zu Kassel werde in dieselbeeintreten. Aber, wie eS scheint, haben jene energischen Protestationen dochbereits ihre Wirkung gethan, indem zum Schulrefercnten bei der hiesigenBezirksdireclion der Domcapitular und Stadtpfarrer Hohmann ernanntworden ist, und somit bet Besetzung einer höchst wichtigen Stelle, für diebereits mehrere Candidaten levioris notse bezeichnet wurden, den gerechtenWünschen der Katholiken Rechnung getragen worden zu seyn scheint.Ueberhaupt entfaltet der hiesige PiuSverein eine segensreiche Wirksamkeitund arbeitet besonders dem Einflüsse der schlechten Tagespreise nach Kräf-ten entgegen. Deßhalb hat er auch eine Volksbibliothek zur Verbreitungguter Schriften und zu Förderung deS SiuneS für gute Lektüre begründet,die aus Geschenken von Vereinömitgliedern an Büchern, Broschüren undZeitschriften ihren ersten erfreulichen Anfang nahm. (Sion.)
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen,
Verlags-Inhaber: F. C. Krem er.