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Munter Jahrgang.
M 30
LS. Juli L84S.
Winke zur Hebung der katholischen Presse. *)
Insbesondere den katholischen (PiuS-) Vereinen Deutsch-lands zur Beachtung empfohlen.
DaS Beste, was man in dieser sturmbewegten, unheilvollen Zeitthun kann, ist, daß man, unbekümmert um die Wirren ringsumher, rastloS an einer bessern Zukunft baue. Damit sind wohl Alle einverstanden;nicht aber in Absicht auf die Mittel und Wege, die zu einer bessern Zu-kunft führen sollen. ES ist indessen unnölhig, in die babylonische Begriffs-verwirrung dieser Zeit näher einzugehen; alle Katholiken, welche es treumit der Kirche meinen, wissen, daß für die Zukunft kein Heil, kein Friede,keine Freiheit, kein Glück zu erwarten ist, wenn der Aufbau einer vonJedermann so genannten bessern Zeit ohne Gott angefangen und ohneGott fortgesetzt wird. In so fern wir jetzt an einem Wendepunct der Ge-schichte stehen und auf die abgelaufenen drei Jahrzehnte, als auf einen insich abgeschlossenen Zeitabschnitt zurückblicken können, müssen wir hinsicht-lich der Ereignisse, die uns fast jeder Tag vorführt, sagen: dieß sind dieFrüchte der bis dahin ausgestreuten Saat. Und welche Früchte sind es,die jetzt anS Tageslicht treten?' ES sind solche, von denen man kurzwegund füglich sagen kann: „Man hört nichts Gutes mehr!" Wenn diesesWort auch nicht ausschließliche Geltung hat, indem zwischen den trostlosenwüsten Steppen doch auch manche Hoffnung verheißenden Keime empor-sprossen, so lehrt doch ein prüfender Blick auf die gegenwärtigen Verhält-nisse Italiens, Frankreichs, Oesterreichs und Deutschlands, daß obigesWort im Allgemeinen wahr ist. Das aufkeimende Gute erscheint den Bli-cken des Beobachters in einem auffallend kleinen Verhältnisse im Vergleichzu den vielen Umsturzbcstrebungcn und Gottlosigkeiten jeder Art, von denenunser armeS Vaterland fortwährend erschüttert und beängstiget wird. Wieganz anders war es im Mittelalter! Vollkommen war freilich auch da nichtAlles, wie denn überhaupt kein menschliches Wirken und Zusammenwirkenjemals einer ungetrübten Entwickelung, einer reinen Vollkommenheit sicherfreuen kann; aber eö war denn Loch im Allgemeinen genommen eineweit glücklichere Zeit. Da und weil daS Reich GotteS dem deutschenReiche zu Grunde gelegt war, herrschten doch geordnete Verhältnisse; Rechtund Gesetz, Treue und Manneswort standen in heiligem Ansehen; Ein-fachheit und Genügsamkeit lebte im Volke und die schweren Wundender damaligen Zeit heilte schnell und milde die liebevolle Mutter Kirche,welche ihr herrliches, segensreiches Leben frei entfalten konnte zum Heiledes Volkes, und welche gar manchen Großen der damaligen Zeit, der eineZeit seines Lebens hindurch der Rohheit und Genußsucht verfallen gewesenwar, als reuigen Sohn in ihre Arme zu schließen das Glück hatte. Heutzu Tage will man von Buße, von Rückkehr zu Gott nichts wissen, wieman überhaupt von der Religion wenig mehr wissen mag. „Die Zeit desBetens ist vorbei," sagen die, welche sich unberufener Weise zu FührerndeS deutschen Volkes auswerfen, und mit dem schlecht verstandenen Sprüch-worte: „Hilf dir selbst, so hilft dir Gott!" glaubt man jede höhere Rich-tung, jedes auf das Göttliche hinzielende Bestreben todt zu schlagen. Mansieht aber, wie weit es mit dieser von Gott entfremdeten Selbsthilfegekommen ist; ich werde daher hier nicht vorzuführen haben, waS in AllerMunde lebt, waS zu Jedermanns Kunde gelangt ist und was man täg-lich sehen kann.
Wenden wir uns also hinweg von den trüben Erscheinungen derGegenwart, um unsere Blicke zu lenken auf Das, waS wahrhaft frommt,waS heilbringend in das Volk eindringt, was die verdorbenen Gesinnungenreinigt und erneuert und die Schwachen mit begeistertem Muthe zu erfüllenvermag. Unserer Aufgabe gemäß, die wir in der Uebrrschnft uns gestellt
*) Aus dem Katholik.
haben, wollen wir unsere Blicke jetzt einzig auf die Verhältnisse der Presse,näher: der katholischen Presse richten. Auch die Presse ist, neben andernwichtigen Anstalten zur Erziehung der Menschen, eine bedeutende Macht.Sie umfaßt alle Gebiete des Lebens und Wissens, und je nachdem einguter oder schlechter Geist in ihr weht, wirkt sie segensreich oder sie ver-tilgt aus den Gemüthern die Keime der Gottesfurcht und Tugend undflößt ihnen, zumal wenn eS fein darauf angelegt ist, ganz allmälig daSGift des Unglaubens und der Unsittlichkeit ein. Wer weiß cS nicht, welchunsägliches Unheil die aller Vernunft und Offenbarung spottenden Erzeug-nisse der sogenannten freien Forschung im Volke angerichtet haben? Werkennt nicht die gräuelvollcn Wirkungen der schändlichen Romane, der vonaller Ruchlosigkeit erfüllten Zeitungen, Volkskalender und Flugblätter?Wir setzen mit gutem Rechte von denen, an die wir diese Worte richten,eine nähere Kenntniß der abscheulichen Zustände der deutschen Presse vor-aus, eine Kenntniß, die ihnen das nämliche Urtheil darüber abnöthigenwird, welches wir so eben ausgesprochen haben. WaS ist nun zu thun,um dem verderblichen Treiben der gottlosen und schmutzigen Presse entgegen-zuwirken? Nichts Anderes ist zu thun, als daß man die katholische Presseda, wo sie schon ihre Organe hat, eifrigst fördert, und daß man da, wonoch kein Localorgan besteht, die OrtSverhältnisse aber ein solches dringenderheischen, ungesäumt ein solches gründet. Ich fasse also zunächst dtcperiodisch erscheinenden Zeitungen, pplitischen wie religiösen, inS Auge;von der Beförderung einer gesunden Volksliteratur, überhaupt solcher litera-rischcn Probucte, welche in zwanglosen Heften oder Bändchen erscheinen,wird besonders noch gesprochen werden.
I. Von der Förderung schon bestehender Blätter.
.4. Die religiösen Blätter. — Man kann von den jetzt beste-henden religiösen Blättern wohl getrost behaupten, daß sie sich in gutenHänden befinden, daS heißt: daß die Herausgeber derselben eben so wohleine gute katholische Gesinnung haben, als auch die für die HerausgabedeS Blattes nöthige Geschicklichkeit besitzen. Allein auch der talentvollsteund geschickteste Redacteur kann ein Blatt nicht allein schreiben, er bedarfder Unterstützung gleichgestnnter Freunde und Gönner. Und daS ist'S,woran eS fast überall fehlt. Die Herausgeber plagen sich um der gutenSache willen fast über ihre Kräfte*), geben sich alle mögliche Mühe,laden sich bedeutende Unkosten durch Porto und Anschaffung von HilfSblät-tcrn auf und arbeiten selbst sehr thätig an dem guten Unternehmen, wäh-rend eine große Zahl von Geistlichen und gutgesinnten Laien müßig bleibt,einen ganz brauchbaren, oft recht schönen Stoff zur Verfügnng hat, aberauch nicht von fern daran denkt, durch Bearbeitung desselben ein so gemein-nütziges Werk zu unterstützen. Wie viele Geistliche und wissenschaftlichgebildete Laien gibt eS nicht, die entweder für daS reiche Gebiet der Zeit-fragen, oder für wissenschaftliche Abhandlungen, oder für Kunstavfsätze(z> B. über Kirchenmusik, alterthümliche Malerei, Bildhauerei und Bau-kunst) oder für Reisebeschreibung oder Gegenwände deS innern Lebens(z> B. Erercitien), für literärhistorische Berichte, oder für das ErziehungS-und Unterrichtswesen u. s. w. nicht nur guten Stoff, sondern auch daSGeschick besitzen, solche Gegenstände klar und umfassend zum Nutzen vielerMitmenschen darzustellen!
So macht der Eine eine Reise nach Tyrol oder Italien oder England oder wohin eS nur immer seyn mag; er sammelt sich dabei Notizen, welche
*) Daß sie es nicht auS Eigennutz, sondern wirklich um der guten Sache willenthun, beweist der Umstand, daß die Herausgeber solcher Blätter theils gar kein Honorarfür ihre Bemühungen haben, theils ein so geringes, daß sie die Herausgabe des Blattesnicktt ausschließlich und allein zu ihrer Lebensaufgabe machen könne», sondern eS auch als! Ncbengeschäft betrachten muffen. Es muß aber endlich einmal dahin kommen, daß unserei Redactoren sich ganz ungestört ihren Blättern widmen können. Der Verf.