Ausgabe 
9 (29.7.1849) 30
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um Andern Hilfe zu schaffen, welche die zartesten weiblichen Wesen zur^Pflege der ekelhaftesten Kranken bewog, welche ihre Märtyrer hin in dieKerker der Verbrecher, die Schlupfwinkel des Lasters und in die «Lklaven-behälter der Türken, wie in jene der amerikanischen Pflanzer sandte, unftzu helfen, wo nur irgenv zu helfen war. Sie ist immer jung, immer >stark, unerschöpflich in ihren Erfindungen, unermüdlich in Opfern und!Anstrengungen. Ihr sind aller Orten jene großen Anstalten zu danken, die!zum Troste und zum Heile der Menschheit vom Sturme der Zeiten unge-jbrachen bis jetzt sich erhalten haben; Männer wie Benedict von NurpaZKarl der Große , Leopold IV., Franciscus von Assist,. Johann von Malha,!Johann von Gott, Vincenz von Paul, und Frauen wie Elisabeth vonUngarn , FranciSca von Chantal, Eleonore von Oesterreich rc. haben durchdie Kraft dieser heiligen Liebe sie inS Leben gerufen.

Diese opsermüthige Liebe, sie ist auch jetzt in der Zeit der Gleich-giltigkeit unv Zerstörung nicht erstorbe». Wie einst der Geist GolteS schaf-fend schwebte über den Wassern, so daß in sechs Zeitfolgen die Welt insDaseyn trat: also schwebt auch heute die himmlische Liebe zeugend undbelebend über den verwirrten Wogen der m sich selbst zerfallenen christlichenWelt. Nicht das naturwüchsige JüngligSgefühl im Dichlerwort:DiesenKuß der ganzen Well!" ist eS, das den Fieberkranken Heil und Segen ver-bürgt, sondern der im gläubigen Herzen erstandene LiebeSruf der katho-lischen Vereine, der den Mann zum Manne, die Frau zu Frauendrängt, um mit vereinten Kräften die schönen Zwecke zu erreichen, zu denendie Kraft des Einzelnen nicht ausreicht.

DaS ist der Ursprung, daS Wesen und das Ziel der in unserer Zeitso zahlreich und so kräftig ins Leben getretenen weltlichen katholischen Vereine, die in anderer Form dasselbe zu erreichen suchen, was in frühererZeit die klösterlichen Vereine geleistet haben: Eigene Veredlung unv Heili-gung Anderer in Liebeswerkcn.

Vor allen geist. und fruchtreich wirkt auf diesem Felde der seit bei-läufig einem Jahrzehend bestehende Vincentius-Verein, dessen Haupt-sitz in PariS ist. Im Jahre 1833 führte die geheimnißvolle Kraft derheiligen Liebe acht Pariser Studenten zusammen, anfangs um wissenschaft-liche Zwecke zu verfolgen, dann aber um ihren gefährdeten Glauben zustärken und zu vertheidigen; und diese waren der Same jenes nun überfast ganz Europa, Frankreich, Großbritannien, Italien, Belgien, Deutsch-land, die Türkei, sich verzweigenden, ja selbst nach Algier unv nach Mericosich erstreckenden Vereins. Dieser Vincentius-Verein sorgt in einzelnen Ab-theilungen für Nahrung, Pflege unv Kleidung der Armen und Kranken.Die Mitglieder besuchen die Armen selbst, trösten und helfen liebevoll.Eine andere VereinSabtheilung sammelt verwahrloste Kinder zum sittlichreligiösen Unterricht; bringt andere in die Lehre tüchtiger Meister, undtritt ihnen als leitender und berathender Beschützer bleibend zur Seite.Wieder eine andere Classe hat es sich zur Ausgabe gemacht, bereits inSLaster versunkene junge Leute in den Gefängnissen zu besuchen, zu unter-richten und zu bessern. Andere bemühen sich, arbeitslose Gesellen unter-zubringen, und armen GewerbSIeuten Gcldvorschüffe zu machen und Werk-zeuge zu verschaffen. Auch besondere kleine Privat-Sparcassen werten errich-tet für Arme, welche nur wenige Pfennige zurücklegen können. Für Sol-daten werben Lesezimmer und Büchersaminlungen angelegt, um für ihrenützliche, vorzüglich religiöse Bildung zu sorgen. Selbst jener Unglücklichenwirb nicht vergessen, welche in sogenanntenwilden Ehen" (Concubinaten)sich selbst unv ihre Kinder um Ehre, Vermögen, Frieden unv Seligkeitbetrügen, und von einzelnen Abtheilungen deS Vereins wird eS ihnen mög-lich gemacht, in christliche Ehe zu treten, und ihre Kinder dergestalt alseheliche zu erklären (zu legitimirm). Seine Hingeschiedenen Pfleglinge be-gleitet der Verein noch zum Grabe und besorgt die Opfer des Gebers fürsie. Und die Mittel zu so außerordentlichen Liebesgaben? Sie fließen ausvielen tausend Händen in freiwilligen Beiträgen und Geschenken, so daßsich im letzten Nechnungs-AuöweiS deS französischen Vereins von 1847 eineausgelegte Summe von mehr als 300,000 fl. nachweist. Der Vereinerstnckl sich über alle Stände, und zwar waren im Jahre 1842 unter4000 Mitgliedern in 86 Abtheilungen, auS dem Abvocatenstande 676;Aerzte 157 ; Geijtliche 117; Militärpersonen 89; auS dem Lehrstande 153;auS dem Beamtenstand 127; Künstler 37; Kaufleute 223; von ihrenRenten lebende Mitglieder 26 l; Schriftsteller 20, und sein Wirken ist sosegensreich, daß Papst Gregor XVI. mit dankbarer Freude die reichstenSegnungen der Kirche über ihn ausgesprochen und PiuS IX. ihn neuer-lichst mit den ermunterndsten Schreiben bestätiget hat.

Auch bei unS in Oesterreich, in Wien, ist mitten unter den bösenGeistern, die uns verlockten und verwirrten, kaum daß die ersten RegungendeS freien VereinsrechteS sich zeigten, die heil. Charilaö sichtbar erschienen.ES entstand der Verein für Glauben, Freiheit und Gesittung, um diese >heiligsten Güter der Menschheit mitten auö dem Kampfe unserer Tage un-s

versehn zu erretten. Belebung deS Glaubens durch die Freiheit deS geisti-gen Wirkens und Lebens, und Erneuerung der christliche» Liebe in allenWerken der Wohlthätigkeit daS ist sein erhabenes Ziel. Bereits ist dereine Zweck möglichst erfüllt. Die bürgerliche Freiheit ist gewährt in derVerfassung, die uns der großmüthige Kaiser verliehen, und auch dieFreiheit der Kirche ist verbürgt. Die edelste Aufgabe des KatholikenvereinSbleibt nur noch, nebst der Bewahrung und Förderung deS ächten Glau-bens und der christlichen Wissenschaft, die Werke der heiligen Liebe.Und Erfreuliches hat er bis jetzt, wenn auch mit schwachen Kräften undunter mancherlei äußeren Hindernissen geleistet. Er hat gleich beim Ent-stehen im verflossenen Jahre durch seine mächtige Stimme viele Tausendevom Abfall zurückgerufen, viele Andere im Glauben befestiget. Er hatdurch Gründung von Lese-Gesellschaften und Verbreitung von guten Schrif-ten kräftig mitgewirkt zur bürgerlichen, wie zur religiös-sittlichen Aufklä-rung, und eS ist nur zu bedauern, daß er mißverständlich ebenfalls in denBann deS Belagerungszustandes gethan wurde, und sein wohlthätiges Wirkenplötzlich auf die Herausgabe deS österr. VolkSsreundcS sich beschränken mußte.

Doch die Liebe, die da stärker ist als der Tod, war auch starkgenug den Belagerungsstand zu überwinden; und so wurde auS dem SchovßdeS gefesselten Katholckenvereinö seine lebenskräftige Tochter, der wohl-thätige Fraucnverein geboren. Wie der VmcentiuSverein anderwärts,so hat unser Fraucnverein in bereits vierzehn Abtheilungen oder Bezirken inkaum sechs Monaten reichen Segen über die Hauptstadt ergossen. Tausen-den hat er den nagenden Hunger gestillt, Tausenden ihre Blöße bedeckt.Wie viele Kranke hat er getröstet, gestärkt und erquickt! Wie vielen Kin-dern hat er den nothwendigen Unterricht möglich gemacht, und sie demVerderben deS GasscnlebcnS entzogen. Wie viele Leidende hat er vor Ver-zweiflung gerettet und ihnen Glauben und Vertrauen auf Gott und dieMenschheit wiedergegeben! Die hierüber erschienenen MonatSauSwcise gebennur ein schwaches Bild seines bisherigen Wirkens. Und ein Blick auf dieuns verschwisterten Vereine, namentlich auf jene in so kurzer Zeit erstark-ten und unS weit überholenden in Linz und Brünn , welchen Trost bieteter uns nicht! Im brausenden Sturm geboren, haben sie ihn zu überdauernverstanden, haben unterrichtende Journale inS Leben gerufen, Armenschulengegründet, verschiedenewohlthätige Sammlungen eingeleitet, den Grund zumVincenliuSverein gelegt, FrauenwohlthäligkeitSvereine gebildet und sich lebens-kräftig in zahlreichen Zweigvereincn über Oberösterreich und Mährcuverbreitet.

Daß in diesen und andern katholischen Vereinen vorzüglich der gei-stige und geistliche Gewinn erstrebt wird, liegt auf der Hand, und kannman auch diesen geistigen Gewinn nicht mit Zahlen nachweisen, eben weiler geistig ist, so ist er doch unläugbar, und wird sich in nächster Zeit inden gebesserten Sitten, dem regeren Glauben, den würdigeren Wahlenherausstellen. Die Mitglieder selbst wissen eS wohl am besten, wie sehrdas kurze katholische VcreinSIeben sie gehoben unv gestärkt hat. AuS demfranzösischen VincentiuSvcreiii sind im Jahre 1846 allein 60 Mitglieder inden geistlichen Stand getreten, und 12 in daS Ordensleben übergegangen.Es ist überhaupt beachtenöwerlh, daß so viele OrdenSgenosscnschaftenursprünglich Laienvereine gewesen sind, die das Bedürfniß der Zeit nachund nach in die höhern Kreise deS christlichen Lebens erhoben hat. Fallsüberhaupt daS Ordensleben Bedürfniß unserer Zeit ist, so werden gewißauch aus den Vereinen der Jetztzeit die den Bedürfnissen der letzteren ent-sprechenden Orden hervorgehen.

Doch waS auch immer in den Beschlüssen der Vorsehung liege, jetztheißt eS sammeln, einigen, wirken, durch und für die Liebe. Darum auf,ihr Männer deS Volkes, zeigt euch als wahrhaft frei und gleichberechtigt,wetteifert mir Jedem im Glauben und in der Liebe! Ihr Mächtigen,Angesehenen, Reichen, ihr Männer der Wissenschaft, legt ab die falscheScheu, vereinigt euch mit dem Geringen und Armen zum Bunde der Treuefür Gott und seine Kirche! Ihr Seelsorger, niedrig und hoch, tretet voranin die ersten Reihen, wirket und leitet, Laß stets die rechten Bahnen ein-gehalten werten, und daß euch dasselbe Lob werde, LaS der VinccntiuS-Vcrein in dem Bericht für das Jahr 1842 der französischen Geistlichkeitausgesprochen hat:DaS innige Wohlwollen der ehrwürdigen Seelsorger,innerhalb deren Pfarrsprengel unsere Genossenschaften ihre Sitze haben,hat unserem unscheinbaren Werke nicht gefehlt, und deren wohlwollendeMitwirkung hat unsere geringen Kräfte crmuthigl, und unsere bescheideneBetheiligung am Apoftolat der Liebe gesegnet, als dessen Vorbilderund Lehrer jene Seelsorger selbst uns immer vorgeleuchtet haben." Aberin allem und jedem lebe die himmlische Eharitaö, die heilige Liebe. S.

B r e

l a u.

Au« Scklesicn. Sie werden auS den Zeitungen erfahren haben,daß Professor Regenbrecht, erst Katholik, dann Rongeaner, dann keiner