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Neunter Jahrgang
M 31.
5. August L84S.
Der Censor in Nola.
-j- Der römische Censor kam einmal nach Nola, einer Stadt Campa-nienS, um nach seinem 'Amte jene Gegend zu vifitiren. Weil eS aberSommer und in jener Gegend sehr heiß war, ließ sich Niemand auf demöffentlichen Platze sehen. Er sagte also seinem Gastfreunde, bei dem ereingekehrt war: „Freund, ich bin als Censor vom römischen Senate zurVisitation dieser Gegend abgeschickt; gehe also eilends hin und rufe alleGuten im Volke zusammen; denn ich habe ihnen im Namen der geheilig-ten Obrigkeit etwas zu sagen." Der Gastwirth ging zu den Gräbern derTodten, welche dort begraben lagen, und rief mit lauter Stimme: „Auf,ihr guten Männer, kommet mit mir; denn cS ruft euch der römischeCensor." AIS der Censor Niemanden kommen sah, befahl er dem Gast-wirthe, sie noch einmal herbeizurufen. Dieser kehrt wieder zu den Grä-bern zurück und ruft: „Stellet euch ein, ihr guten Männer; denn eS rufteuch der römische Censor." Auf gleiche Weise und mit gleichen Wortenwurden sie zum dritten Male gerufen. Als sie aber auch dieses Mal nichterschienen, wurde der Censor unwillig und sprach: „Weil die guten Män-ner auf meinen Befehl nicht zu mir kommen wollen, so will ich zu ihnenkommen. Gehe also mit mir und zeige mir dieselben. Denn der verdientschwere Ahndung, welcher nicht hört auf den Befehl des Senales." Derarme Gastwirth nahm den Censor bei der Hand, führte ihn zu den Grä-bern und rief: „Sehet, ihr guten Männer, der römische Censor ist da undwill mit euch reden." Der Censor glühte auf vor Zorn und sprach: „WaSmachst du da? Ich habe dich geschickt, die Lebendigen zu rufen, du aberrufest die Todten." Ihm enlgegnete der Gastfreund: „Wenn du klug bist,römischer Censor, so darf es dich nicht wundern, waS ich gethan habe;denn alle guten Männer dieser Gegend sind gestorben und unter diesenMonumenten begraben; denn durch ein gerechtes Urtheil Gottes ist eSgeschehen, daß Diejenigen im Schooße der Erde ruhen, deren Umgang dieStadt nicht mehr werth war."
Machen wir von dieser alten Erzählung eine Anwendung auf dieneuen und neuesten Vorfälle unsers deutschen Vaterlandes, das bei allemGeschrei von Einigung niemals zerrissener war, so müssen wir mit trau-riger Gemüthsstimmung sagen: „Ach, die Guten sind todt; denn sonsthätten die Bösen keine solche mächtige Oberhand!" Man hat mit demUngeheuer der Revolution geliebäugelt und dessen Blicke auf einen andernGegenstand hingelenkt, vergessend, daß der Altar die Stütze deS Thronesist. Jetzt scheint eS freilich, als sey man zu dieser Erkenntniß gekommen,allein so lange man die Kirche nicht völlig frei macht von dem Schnürleibeengherziger Bureaukratie und argwöhnischer Ueberwachung, so, daß sieungehindert ihren göttlichen Beruf erfüllen und ihre Heilmittel anwendenkann, wird auch keine Hilfe ausreichend seyn gegen die sechs Hauptübelunserer Zeit, nämlich mißverstandenes Eigentumsrecht, falschausgelegte Freiheit, verirrte Bestimmung, Entheiligungder Ehe, Verwerfung jeder Autorität von Außen und endlichgegen den Lucifers-Stolz, der eine fürchterliche Demüthigung erfahrenwird. Wer noch gutmüthig schläft im Grabe seiner Gleichgiltigkeit gegendiese sechs anrückenden Höllengeister, der wird von dem Posaunenschalledes Gerichtes aufgeweckt werden, daS jetzt über Deutschland hinschreitet.Darum sollen wir unS gegenseitig aufmuntern zum gemeinsamen Wider-stände in Wort, Schrift und That gegen die Mächte der Finsterniß. Vieleder Guten sind entschlafen im Herrn, ehe die Revolution ihre blutigenFittige über Deutschland ausbreitete, und wir müssen sie deßhalb glücklichpreisen. Aber eS schlafen auch jetzt noch nicht alle Guten, die es redlichmeinen mit Gott und mit ihrer heiligen Kirche, mit dem Könige und mitdem Vaterlande. Wenn also ein höherer Censor kömmt, als der römische,und er seine Treuen prüfen will, so wollen wir denselben nicht auf die
Gräber der Todten, sondern auf die Häuser der Lebendigen hinweisen, indenen noch nicht deutsches RcchtSgefühl, deutsche Zucht und Sitte völligabgestorben ist.
Ueber Völkerglück. *)
Glossen zu biblischen Terten über diesen Gegenstand.
II.
„Von Babylons Wein tranken alle Völker,und darum taumelten sie."
Irrem. 51, 7.
ES ist eine Syrene, eine Hetäre, welche die Völker verführt undberauscht hat; ihr Bild die vom Propheten und später vom Seher aufPathmoS gezeichnete Babylon: sie ist daS moderne Heiden thum, imBunde mit der Revolution. „Keine Unsterblichkeit, kein Jenseits, keinGott, daS Christenthum weg, und dann werdet ihr glücklich seyn, freieurer Lüste genießend", rief sie den Nationen zu, und reichte ihnen denTaumelkelch, und es tranken Massen daraus, um im Traume des Glückessich zu wiegen. Trunkenheit also, sinnloser Taumel, LoSkettung der Bestienim Menschen, Zügellosigkeit und Unrecht sollen die Bande seyn, welchezum-Heil und Segen um die Völker sich schlingen? Diese sotten glücklichseyn auf dem Felde, worauf kein Tropfen Thau vom Himmel, kein Strahlhöher» Lichtes und Trostes fällt, keine göttliche Stimme beruhigend oberden aufgeregten Wassern schwebt, sondern es wogt nur der Strom bestiali-scher Gelüste hindurch, siedend, verpestend, um seine Ufer der wüste Lärmsich wüthig bekämpfender Leidenschaften, daS tolle Geschrei zahlloser Tau-melnder?
Kann Trunkenheit und Taumel wahrhaft beglücken? Die verzehrendeGlut nach Besitz und Genuß, daS Herumschwärmen im Rausche der Lust,die ewigen Erschütterungen revolutionärer Wühlereien, die wilde Jagd vonLeidenschaften gehetzter Massen sollen Ruhe und Frieden gewähren, ohnedie kein Glück je möglich?
Wahnsinn und Raserei können nie glücklich machen.
Von den Völkern, die also berauscht hintaumeln, gelten die Wortedes PsalmS: „Ihr Weg wird finster und schlüpfrig seyn, undder Engel deS Herrn sie verfolgen." (Psalm 34, 6.)
Von Babylons Weine, vom Becher der Lust, tranken und berausch-ten sich die alten Völker. Ihre Schriften und die Geschichte zeigen, wiewenig sie dadurch ihr Glück gefunden. Weht denn nicht durch die Werkeder geistvollen Griechen und Römer eiu Hauch der Wehmuth, eine hoff-nungslose Klage, eine stets unbefriedigte Sehnsucht, Furcht und Angstvor dem Tode ohne Etwas, daS seine Schrecken milderte? Nein, glücklichist kein Volk, daS verblendet in ausgelassener Freude um einen Abgrundherumtanzt, der es zum ewigen Jammer aufnimmt.
„Lasset uns essen und trinken; denn morgen sterbenwir": diese Worte sind nicht die Aufschrift eines Thores, das zu wahrerSeligkeit einführt.
So ist eS denn daS Unglück der Völker, daß sie trunken sind vomWeine Babylons, daß sie Gott und seine Lehre vergaßen, daß sie Christum lästern, daß sie emancipirt von jedem Gesetze taumeln, und immer dahin-taumeln möchten. ES ist daS Unglück der Völker, daß sie im Rauschedie Wege GotteS , und der Tugend und deS Rechtes verlassen haben!Sie taumeln dem Verderben zu.
') Aus den Hiß. polit. Blätter«.