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9 (5.8.1849) 31
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Wisse und sieh, daß es übel und bitter ist,daß du den Herrn deinen Gott »erlassen unddie Furcht vor ihm nimmer bei dir ist!

Irrem. 2 , 19.

Hätte ich eine Donnerstimme und stünde auf einer Anhöhe, untenan ihrem Fuße vor mir ein Volk versammelt, zerrissen von alten den Leidender Zeit, goltcnlfremdct durch antichristliche Grundsätze, jedes Trostes bar,bar jeder Aussicht auf Besserung seiner Zustände, geknechtet von radicalenDespoten, der Armuth preisgegeben und dem Hunger; ich riefe mit weit-lönender Kraft und tiefem Mitleid und heiligzürnendem Eifer dem armen,unter der Uebel Last gebeugten Volke zu:Wisse und steh, daß es übelund bitter ist u, s. w.! Du träumtest, wie dir erst recht die Sonnedes Glückes aufgehen werde, wenn Glaube und Gottesfurcht, die dermoderne Unglaube als düstere Nebel vormalte, auS deinem Leben schwindenwürden. Sieh nun, wie bitter du dich täuschtest, wie unglücklich dugeworden! Kann eS auch anders seyn? Frage nur die Geschichte! WurdedaS französische Volk dadurch glücklich, daß cS bei seiner ersten RevolutionGott vom Throne zu stürzen sich vermaß? Sind die Schweiz und Jialienjetzt glücklich, da sie vom gottlosen LiberaliSmuS sich zur Knechtung derkatholischen Kirche und zur Revolution verleiten ließen? Und ist Deutsch-lands Zerrissenheit nicht größtcntheilS die bittere Frucht der Aussaat, welcheder Unglaube und die Gotteslästerung mit vollen Händen ausgestreut?"

Wie ist eS auch anders möglich, alö daß die Fluth des Unglückseinbricht, wenn die Dämme der Gottesfurcht gefallen? Kein Glück desVolkes ohne Barmherzigkeit von Seite der Besitzenden, ohne Arbeit undGeduld von Seite der Armen, ohne Achtung vor Gesetz und Sitte vonbeiden Seiten. Wo aber der Glaube an Gott und Christus, unsernErlöser, wo der Glaube an eine ewige Vergeltung, wo der Glaube anGottes allein wahre Heilanstalt, die katholische Kirche, zu Grabe getra-gen ist: da erheben sich Egoismus und Genußsucht bei den Besitzenden;daß sie der Armen im Volke vergessen; die Proletarier aber, der trösten-den Religion beraubt und fast nur mehr animalische Triebe kennend, müssenzu Neid und Haß und Raub erwachen. So stürmt dann ein Heer vonUebeln und bittern Leibern über daS unselige Volk ohne Gott und Ge-wissen, Wunden schlagend auf Wunden, und eS ist kein Arzt, der tröstenund heilen könnte, weil daS verblendete den allein wahren Arzt von sichgestoßen, den einzig rechten Balsam deS Trostes, die himmlische Religionüber Bord geworfen. War es ja schon bei den heidnischen Völkern so,daß mit dem Sinken der Religion, der Furcht auch vor nichtigen Göt-tern, daS Verderben einriß und die Sterne des GlückeS untergingen. Umwie viel mehr muß Verderben und Jammer einreißen, wenn das Licht deSGlaubens an den wahren Gott dem Dunkel deS Unglaubens gewichen!

Weh also dem Volke, das den Herrn seinen Gott verlassen und beidem keine Furcht mehr ist vor Ihm! ES wird eine Beute sich bekämpfen-der Leidenschaften und Laster, und stürzt ohne Halt in die Tiefe jeglichenElends.

Winke zur Hebung -er katholischen Presse.

(Fortsetzung.)

Die Hauptcinwendungen, die man gegen eine möglichst allgemeineMitwirkung zur Förderung der katholischen Presse vorbringen könnte, möch-ten wohl in dem bereits Gesagten ihre Erledigung gefunden haben. Den-noch wollen wir übersichtlich in einigen Puncten noch den Nutzen nachwei-sen, den eine solche Mitwirkung bringt.

1) Bei dem heutigen Stande der Volksbildung ist das Lesen guterSchriften ein wesentliches, bei Vielen ein unerläßliches Bildungsmittelgeworden. Daraus folgt, daß Diejenigen, welchen durch die Gnade Got-tes Bildung zu Theil geworden ist, diese anwenden müssen, um nicht nurim engen Bezirke ihres Wirkungskreises, sondern auch in der Diöcese, imVaterlande, ja in der ganzen Kirche in mancherlei Form und Fassung diegöttliche Wahrheit immer mehr zur Geltung zu bringen, indem sie nachKräften durch Lieferung von Aufsätzen über wichtige Gegenstände daSIhrige dazu beitragen. Geschieht dieß, so werden jederzeit die wichtigstenLebensfragen und Streitpuncte vom kirchlichen Standpuncte auS beleuchtetwerden und das Volk (ich fasse eS hier in seiner Gesammtheit) wird derVerblendung nicht so gewissenlos überantwortet werden, als eS bisher anmanchen Orten geschehen ist, wo man, trotz der vorhandenen Möglichkeit,ein kirchliches Blatt zu gründen oder ein schon bestehendes zu unterstützenund zu verbreiten, nicht dazu kam, weil philisterhafte Kleinigkeitskrämerei,lächerliche Eitelkeit und schlecht verhehlte Bequemlichkeit davon abhielt.Wie lange hat man katholischerseits unterlassen, die sociale Frage, dievon den jetzt offen hervorgetretenen Umsturzmännern stets so stark ausge-beutet und wirklich geistreich bearbeitet wurde, in Behandlung zu nehmen?

Es ist eine Schmach, daß man so lange müßig zugeschaut hat, daß manträge die Hände in den Schooß legte, bis die giftige Saat unS über denKopf gewachsen ist. Will man sich mit der Censur entschuldigen? Gut,wir geben daS zu. Aber wie viel ist denn geschehen, seitdem die Preßfrei-heit kam? An manchen Orten hat man noch wenig Regsamkeit für die guteSache auf dem Wege der Presse bemerkt. Die katholischen Blätter findengar oft nur eine sehr schwache Verbreitung, und von schriftlichen Beiträgenist eS kaum der Mühe werth zu reden.

2) Wie die rege Theilnahme an der kirchlichen Presse die rechte Er-kenntniß in den Gläubigen vermehrt (eine Erkenntniß, die ihren besonderenBeziehungen nach oft nur durch die Presse und nicht durch das Lehrwortauf der Kanzel und im Religionsunterrichte befördert werden kann), alsoAndern nützt, so nützt sie dem Verfasser selbst sehr viel, indem durch solcheTheilnahme LaS Gebiet seiner Erkenntnisse und Erfahrungen erweitert undsein Gemüth stets mehr und mehr von Eifer für Alles, was der Kirchefrommt, erwärmt wird. Denn die Presse wirkt ja auf den Geist wie aufdas Gemüth. Sich von der guten Presse gänzlich zurückziehen, heißt nichtsAnderes, als sich vieler heilsamen Erfahrungen, vieler Belehrungen Ande-rer und Erbauung durch Andere berauben. Wer aber weiß, wie sehr demMenschen die geistige Anregung Noth thut, der wird sich davon nickt zu-rückziehen, vielmehr dafür thun, waS ihm irgend möglich ist. Also: sowohlan Kenntnissen und Erfahrungen wird ein solcher Mitwirkender reicher, alsauch reicher an innerem Leben.

3) Auch die formelle Bildung der Mitarbeiter an solchen Blätternwird durch die Mitwirkung befördert. Durch fortgesetztes Arbeiten erwirbtsich der Mitarbeiter allmälig eine solche Gewandtheit und Leichtigkeit derDarstellung und eine solche Genauigkeit und Schönheit des Ausdrucks, einesolche Umsicht und Sicherheit deS Entwurfs, daß man kaum weiß, werhiebe! mehr gewinnt: der Verfasser solcher Aufsätze oder der Leser, für dener schreibt.

4) Ist der Mitarbeiter ein Geistlicher, so stiftet er, man kann sagen,einen doppelten Nutzen. Nicht nur für die katholische Lesewelt im Allge-meinen schreibt er; er kann seine Aufsätze über wichtige Zeitfragen u. s. w.auch sehr gut in seiner eigenen Pfarrei gebrauchen, indem er sie dem Einenoder Andern, dem damit ein Dienst zu leisten wäre, zum Lesen zukommenläßt. Beiläufig bemerkt, wirkt eine solche indirecte Belehrung bei Man-chen nachhaltiger, als eine mündliche Unterredung, die nur gar zu leichtauf Nebenwege geleitet oder in Persönlichkeiten verstrickt wird.

5) Durch ein reges Zusammenwirken aller tüchtigen Kräfte in derKirche erhalten wir nach und nach einen ganzen Reichthum guter Lectürejeglicher Art, und die nachfolgende Generation wird sich dieses ScgenSnoch zu erfreuen haben, nachdem bereits die Zeitgenossen der Verfasser einenwesentlichen Nutzen daraus gezogen haben. Die Beispiele sind nicht selten,wo ein in seinem Glauben wankend gewordener Katholik durch einen gutenAufsatz oder ein gutes Buch wiederum im Glauben befestigt ober ein derKirche schon ziemlich fernstehender derselben wieder gewonnen wurde. GottesGeist wirket, wo und wann er will, und so knüpft Er auch oft an solcheArbeiten einen unendlich reichen Segen für das Seelenheil Anderer. Mit-hin liegt hierin eine mächtige Aufforderung, seine Mußestunden zum Heilder Mitbrüder hinsichtlich des angegebenen Zweckes wohl zu benutzen.

6) Werden also die guten Blätter und Zeitschriften reichlicher unter-stützt, so werden sie auch nützlicher und angenehmer und erwerben sichimmer größere Leserkreise. Ist dieß der Fall, so wird auch eine solcheRedaction in Stand gesetzt, Honorare zu geben, die der Verfasser zu sei-nem und Anderer Nutzen sehr wohl gebrauchen kann. ' Es gibt ja derUnlerstützungSzwecke so viele; sollte man denn nicht auch dahin wirken, daßdie Erwerbsquellen der Unterstützungsmittel vermehrt würden? DaS möchtewohl Niemand verneinen. Während eines JahreS könnte Einer bei Be-nutzung einiger Mußestunden, also ohne daß sein Amt oder seine Gesund-heit darunter litte, mehr erwerben, als eS aus den ersten Hinblick denAnschein haben möchte. Die Redactionen der jetzt bestehenden katholischen Blätter können in der Regel, weil ihr Unternehmen eben nicht genugsamgefördert wird, gar keine oder nur sehr geringe Honorare auswerfen.

Ueberblickt man die so eben aufgeführten sechs Puncte, so liegt derzu erzielende Nutzen so klar am Tage, daß hoffentlich zu einer fernernAusrede nach Art der im Anfang angedeuteten kein Weg mehr übrig bleibt.Wir kehren nun zu unserm engeren Thema zurück und stellen die Puncteauf, nach welchen die bestehenden religiösen Blätter gefördert werden kön-nen und sollen. Die Förderung solcher Blätter zerfällt naturgemäß inzwei Abtheilungen: in die Mitarbeiterschaft und in die Verbrei-tung deS Blattes, dem man seine Kräfte widmet. Zunächst also vonder Mitarbeiterschast.

Um Stoff zum Mitarbeiten an religiösen Blättern zu gewin-nen, beachte man folgende Puncte: