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Sonntags-Beiblatt
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Munter Jahrgang. M A2.
LS August L84S.
Entscheidung des heiligen Vaters über die Diöcesan-
synoden.
Auf die Anzeige von der Versammlung der deutschen Bischöfe inWürzburg ist auS Gaöta vom 17. Mai eine Antwort des heiligen VaterSerfolgt: Wie zu erwarten stand, spricht sich der heil. Vater sehr befriedigtüber diese Versammlung (welche er co-reentuL //e>'brzioken§r'»' nennt) ausund legt die Ursache der so lange verzögerten Erwiderung darin, Laß erden versprochenen ausführlicheren Bericht über diese Versammlung erst habeabwarten wollen. Da dieser aber annoch nicht angelangt sey, so habe erdie Antwort nicht länger hinausschieben wollen. „Nicht geringe Freude,"so lautet daS Breve weiter, „habe sein Herz empfunden, da in jenem Schrei-ben (von der Abhaltung der Versammlung) wundervoll hervorleuchte der ver-sammelten Bischöfe vortrefflicher Glaube und ihre Ergebenheit und Anhäng-lichkeit an die römische Kirche und an die Person des Nachfolgers Petri.Mit derselben Freude habe er sich von der aus den Verhandlungen her-vorgehenden großen Sorgfalt und BcrufStreue überzeugt, womit die bischöf-liche Versammlung Rath gepflogen, waS in so argen und bewegten Zeit-verhältnissen für das Wohl der Gläubigen zu thun sey." Darauf geht derheilige Vater auf einzelne der gefaßten Beschlüsse ein. WaS in dem besag-ten Breve indessen von besonderer Wichtigkeit und von großem Interessekür uns ist, daS ist die Erklärung des hl. VaterS bezüglich der Abhaltungder Diöcesansynoden, welche der Bischofstag zu Würzburg beschlossen hatte.Der heil. Vater äußert sich darüber folgenvermaaßen: „Die Zeilumständeseyen in manchen Diöcesen der Art, daß man allerdings fürchten müsse, dieBerufung von Diöcesansynoden könne nicht ohne Gefahr statt haben. Vor-dersamft sey es ja den Bischöfen nicht unbekannt, Laß einige Geistliche indiesen bewegten Zeiten auS Neuerungssucht und um die bischöfliche Gewaltzu verkürzen, die Kirchenzucht zu untergraben und eine ungebundene Lebens-weise für sich zu gewinnen, auf daö allerheftigste nach Diöcesansynoden ver-langten, wodurch dann verderblichen Lehren Eingang verschafft, Entzweiungenhervorgerufen oder der Kirche verderbenbringende Neuerungen eingeführt undbegünstigt werden sollten. Auch sey es eben so wenig unbekannt, daß eS inDeutschland nicht an Geistlichen fehle, welche, einer verderblichen und vom apo-stolischen Stuhle verdammten Lehrmeinung zugethan, auf den Diöcesansynodensich eine entscheidende Stimme zuzuschreiben die Anmaaßung hätten, und welchediese Synoden längst nur in der Absicht wünschten, damit sie, nach Unterdrückungder dem eigenen Bischof zustehenden oberhirtlichen Gewalt, um so leichter sich dieWege dahin anbahnen und befestigen könnten, um die Rechte der kirchlichen Hier-archie zu vernichten, daö Gesetz des priesterlichen CölibatS aufzuheben, und umnoch andere Dinge durchzusetzen, welche den heiligsten Grundsätzen der katholi-schen Religion und den Vorschriften der Kirchengesetze auf daS ärgerlichste wider-streiten. Der apostolische Stuhl habe es deßhalb nicht unterlassen, diesem verkehr-ten Treiben mit aller Sorgfalt entgegenzutreten, und darum an einzelne Bischöfeauch schon Zuschriften erlassen. Bei so gestalteter Sachlage erachteten eS Se.Heiligkeit für weit zweckmäßiger und heilsamer, daß die Erzbischöfe zuerst Pro-vincialjynodcn abhielten und mit den übrigen Bischöfen Rath pflegten und dasfestsetzten, waS sie zur Erhaltung der katholischen Religion und der Kirchenzucht,so wie zur Förderung des geistigen Wohles der Völker und der Diöcese, im Herrnmehr vortheilhaft finden möchten. ES würde Sr. Heiligkeit in der That sehr er-freulich seyn, die Verhandlungen solcher Provincialsynoden einzusehen, um alleSorge und Macht darauf verwenden zu können, daß der Bischöfe Bemühungenund Beschlußnahme zur größern Ehre Gottes und zur Zierde und Wohlfahrt derbetreffenden Kirchen und zum Heile der Seelen gereichen. Darnach aber würdenDiöcesansynoden in weit nützlicherer Weise berufen werden können, indem jederBischof alsdann dasjenige mit seinem Klerus in Ausführung bringen könne, waSdurch die Berathung mit den andern Bischöfen festgesetzt und durch daS Ansehendes apostolischen Stuhles bekräftigt worden sey."
Kirchliche Reisebilber.
(Schluß.)
Die Sonne hatte viel zu streiten mit dem eigensinnigen Nebelmccre,und eS ließ sich nicht entscheiden, wer von beiden die Oberhand gewinnenwürde. Wir zogen es deßhalb vor, längs den Ufern des Vierwaldstäeicr-sees, der mit ruhigem Stolze unS sein dunkles Grün hcraufwieS, den Wegnach Küßnacht einzuschlagen, um dem weltberühmten Rigi näher zuseyn. Allein bei der Unstättigkeit des Wetters wäre eS mehr als gewagtgewesen, die Expedition auf denselben zu unternehmen. Wir brachten- aüSZcitersparniß daS Opfer, und entschlossen unS zu einer Wallfahrt nachMaria Einsiedeln. Durch die Tellschlucht und an der TellScapelle vorbei,führte unS der Weg in daS Gebiet des KantonS Zug hinüber. AIS ichauf dem Felsen stand, von dem, wie die Sage erzählt, Teil sein sicheresGeschoß auf Geßler gesendet, erinnerte ich mich an die Worte, die Tellgegen Ende der Schillcr'schen Dichtung ausruft: „Und die Schweiz istfrei." Ich versuchte einige Variationen über dieses Thema, aber eS wolltenicht gelingen, so disharmonisch klangen die Töne, ja zum vollen Miß--skkorde schlugen sie um, und endigten mit der Molcadenz: „Und die Schweiz ist nicht frei."
Die eigentliche Wallfahrt begann. Ein stark betretener Fußsteige^l-aubt dem Fremdling ohne Führer die Expedition zu wagen. Durch einanmuthigeS Thal hinauf schlängelt sich ver Pfad immer höher und höher,bald an lieblichen Baumgruppen, bald wieder an herabgerollten Felsen-trümmern vorüber, über Bächlein und stehende Wässer. Die Sonne standnun im Zcnith, und sendete ihre heißen Strahlen auf unS herab. Jeweiter wir gingen, desto mehr Leute begegneten unS, die alle, Heiterkeitauf dem Antlitze, mit dem schönen Gruße u»S grüßten: „Gelobt sey JesuSChristus!" Wir ließen unS mit den Meisten in ein kurzes Gespräch ein,und erfuhren, daß sie eben von Maria Einsiedeln zurückkehrten, wo eSheute, dem heiligen BariholomäuS zu Ehren, gar schön gewesen war.Alle gaben unS Grüße an die Mutter Gottes auf, und als wir ihnendieselben getreulich zu entrichten versprachen, dankten sie doppelt freundlich,und einige sagten im Stillen zu einander: „DaS sind gewiß auch Sondcr--bündler." AIS wir die höchste Spitze erklimmt hatten, sollten wir nochdaS großartige Schauspiel eines Gewitters im Hochgebirge genießen.Schnell und unvermuthet war eS da. Wir saßen eben, etwas ausruhend,im Gasthause beisammen, als ferner Donner sich Vernehmen ließ. Als wirerstaunt zu den Fenstern eilten, sahen wir bereits in Sturmkolonnen dieWassermasse heranrücken mit einer Schnelligkeit, welche die deS Dampfe- weit übersteigt. Schon war die Hälfte des Rigi wie abgeschnitten, undauch von der gegenüberliegenden Bergstätte erhob sich ein langer Streifendes dichten WolkenkolosseS, der immer näher und näher rückte, bis endlichbeide den Hintergrund deckten, und mit furchtbarem Gekrachc sich entluden.Groß ist der Herr und furchtbar, wenn er spricht im Rollen des Donner-und im Leuchten der Blitze! So schnell das Gewitter gekommen, so schnellwar eS vorüber, und der Regenbogen, der die zwei riesigen Berge, diekurz vorher aufeinander so böse waren, friedlich umspannte, gab unS Muthund Zuversicht, daS Ziel unserer Wallfahrt noch heute zu erreichen. DieLuft war kühler geworden, und auch die Wege schlechter, um so fataler,als von nun an die Gegend immer öder pnd der Moorgrund immer wei-cher und schlüpfriger wurde. Auch der Tag begann sich bereits zu neigen,und wir waren noch einige Wegstunden vom Ziele. Allein so nahe demGnadenorte, verliert sich die Angst und Bangigkeit, und kräftig schrittenwir fürbaß, so oft wir auch strauchelten aus dem mehr und mehr zumeigentlichen Bußwege sich gestaltenden Fußpfad. Es war finster, und fingzur Abwechslung wieder zu regnen an, kein HauS als Unterstand, keineSeele als Wegweiser zu erspähen, kaum daß man den Halbschimmer deSausgetretenen Fußsteige- merkte. Doch gingS nochmal aufwärts, und auf