meist den schriftlichen Arbeiten im Verhältniß zu ihrer Wichtigkeit nurallzu wenig Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt, so daß Mancher die Prima-Classe verläßt, ohne sich eine genügende Fertigkeit im schriftlichen Gedan-kenauSdrucke erworben zu haben. Auch die Gegenstände zu Aufsäßen wer-den dort häufig unglücklich gewählt, so daß ein Abiturient in seinen Auf-satzheftcn wohl Allerlei über Perserkriege, römische Feldherren u. dgl. stehenhat, jedoch bei Behandlung von Fragen, die jedem Menschen sehr naheliegen, ungemein ungeschickt sich zeigt. Und das Gymnasium sollte dochwohl eine Vorschule für das Leben seyn und nicht für die abgeschlosseneWelt einer Gelehrtenstube! Was aber am meisten zu beklagen, daS ist derschauerlich indifferentistische Geist, der an den meisten Gymnasien Deutsch-lands herrscht. An gewissen Gymnasien wollte ich'ö, falls die Wahl deSStoffes frei gegeben wird, keinem Schüler rathen, etwas über die Aus-breitung deS Christenthums oder die segensreiche Wirksamkeit der geistlichenOrden oder gar über eine Glaubenslehre u. s. w. zu schreiben. SeineArbeit würde gewiß mit großer Mißbilligung aufgenommen und meistzurückgewiesen werden. So arg hat sich daS Heicenlhum bei uns einge-fressen, daß unsere Philologen das Christenthum fast nicht mehr ausstehenkönnen. Mancher Professor der alten Sprachen ist im Stande, bei derErklärung der Zerstörung von Troja (nach Virgil ) oder deS AbschiedesHectorS von Andromache (nach Homer ) vor tiefer Rührung eine Thränezu vergießen, während er für die Leiden des Gekreuzigten kein Gefühl hat,der Kirche abgeneigt ist und durch Wort und Beispiel, statt ein Erzieherder Jugend zu seyn, ihr Verderber wird. Die vielen jungen Leute, dieauf Universitäten zu Grunde gehen, verdanken ihr Verderben meist denindiffercntistischen und oft sogar mit kirchenfeindlichen Lehrern besetzten Ge-lehrtenschulen. Ach, ihr armen Eltern in Landstävtchen und auf Dörfern— wie schändlich werdet ihr oft um eure schönsten Hoffnungen betrogen,wenn ihr euere Kinder gut und fromm auf die Gymnasien schickt und sieals entartete Jünglinge, als ReligionSspöttcr wieder zurückerhaltet, da ihrdoch in dem Glauben standet, euere Kinder seyen guten Händen anver-traut gewesen! Ist auch ein tüchtiger katholischer Religionölehrer am Gym-nasium, so kann der nicht Alles gut erhalten und gut machen, wenn dieandern Lehrer nichts taugen und ihm entgegenarbeiten. Ihr werdet euchauch nicht trösten können, wenn euer Sohn gute Zeugnisse seines Fleißesund seiner Geschicklichkeit mit nack Hause bringt, aber den heiligen Glau-ben dort verloren hat; den ihr wißt, waö eS heißen will: „WaS hülfe eSdem Menschen, wenn er auch die ganze Welt gewänne, aber Schaden anseiner Seele litte?"
Da eS an gar vielen Gymnasien so bestellt ist, wie ich eben gesagthabe, so darf man sich nicht wundern, wenn der akademischen Jugendund auch Solchen, die bereits im Amte stehen, daS Verfertigen schriftlicherAufsätze in der angegebenen Richtung so ungeheuer schwer wird, und daßnachher nur wenige Lust haben, religiöse Gegenstände zu bearbeiten odergar sich dem geistlichen Stande zu widmen. O Gott, wie viele schöneHoffnungen gehen da zu Grunde! Und doch ist die Ernte so groß und derArbeiter sind so wenige! Ich möchte daher sowohl den Gymnasiasten derobern Classen, als auch der akademischen Jugend dringend rathen, kleineVersammlungen oder Vereine zur Uebung in Aufsätzen über religiöse Ge-genstände zu stiften und ihre Arbeiten von einem tüchtigen Manne, der inreligiöser Beziehung Zutrauen verdient, etwa von einem Geistlichen, prüfenzu lassen. Da daS Ausarbeiten schriftlicher Aufgaben ein so wesentlichesBildungsmittel für Geist und Gemüth ist, so wird es, wenn es in denDienst der Religion tritt, auch sehr viel dazu beitragen, dem Geiste undGemüthe eine fromme Richtung zu geben und die Erinnerungen an so einenVerein werden immer zu den schönsten deS Lebens gehören. WaS ich soeben vorgeschlagen, ist wiederum auS dem Leben gegriffen, d. h. eS hatsich durch die Erfahrung als sehr heilsam bestätigt. Beherzigen wir eSnur, daß die Feder eine gewaltige Waffe ist und daß daS Reich Gottesauch sehr vieler solcher Streiter bedarf. Hat eine Unzahl unsittlicherund gottloser Menschen durch die Presse so viel Elend angerichtet, so müssenwir uns wahrhaftig zahlreich und wüthig aufmachen, auf diesem Gebieteden Feind zu verdränge».
Wir haben nunmehr über die Verbreitung der religiösenBlätter zu sprechen. WaS darüber zu sagen ist, läßt sich in wenigeWorte zusammenfassen.
1) Da religiöse Zeitschriften von wissenschaftlicher Haltung nicht dieBestimmung haben, unter allen Ständen verbreitet zu werden, so hat manauch nicht dahin zu streben. Aber darauf muß von nun an die Aufmerk-samkeit Aller, welche die Macht der Presse zu würdigen wissen, gerichtetseyn, daß solche Zeitschriften künftighin mehr unter den Fachgenossen ver-breitet werden. Man findet an manchen Orten einen Leseverein von zwan-
zig bis dreißig Geistlichen und Laien, die mehrere Zeitschriften halten, vonjeder aber nur ein Eremplar. Dieses hat zwei Uebelstände. Erstensdauert die Circulation der Blätter zu lange, so daß Manches schon ver-altet ist, wenn daS Heft einem der letzten Leser zu Handen kömmt.Zweitens können auf diese Weise die größeren Zeitschriften gar nicht beste-hen. Eine größere Zeitschrift sollte nicht von zwanzig bis dreißig Män-nern, sondern nur von drei oder höchstens vier Lesern gemeinschaftlichgehalten werden. Die Kosten kommen dabei doch nicht zu hoch im Jahr,und für die eigene Weiterbildung so wie für die Förderung der guten Sachemuß doch Etwas geschehen, wenn die vielen schönen Worte gewisser Leute,die eine gute Gesinnung bekunden, nicht bloßer Schein und Flimmer, son-dern Aechtheit seyn sollen. Diesen Punct bitte ich, recht sehr zu beherzi-gen. Wir müssen unS durchaus und nöthigenfalls selbst mit Aufopfe-rung dieser guten Sache annehmen, wenn Gott ihr Gedeihen geben soll.Will eS sich nicht von selbst machen, daß eine größere Zeitschrift nur vondrei ober vier Theilhabern (statt von zwanzig bis dreißig) gehalten wird,so sollte eS ein eifriger Geistlicher, dem daS Aufblühen der katholischenPresse besonders am Herzen liegt, unternehmen, persönlich dahin zu wirken,sey eS durch Besuche bei seinen Mitbrüdern, sey eS durch Briefe, für denFall, daß sie in einiger Entfernung auseinander wohnen, oder aber: eSkönnte auch in den Capitels- oder Pastoral-Conferenzen u. s. w. förmlichein deßfallsiger Antrag gestellt und Beschluß werden. Besser werden mußeö in dieser Beziehung und zwar bald, sonst steht zu befürchten, daß daSliterarische Leben, um welches es ohnehin bei unS schlecht genug bestelltist, in kurzer Zeit vollends entschlummern und wir, eines geistigen Weckersberaubt, der so nöthigen geistigen Anregung dann um so mehr entbehrenmüssen.
2) Religiöse Zeitschriften für das Volk (Sonntagsblätter), welchesich christliche Unterhaltung, Belehrung, Erbauung und Warnung zur Auf-gabe gesetzt haben, müssen so stark verbreitet werden als nur möglich.Offenbar ist dafür an den meisten Orten viel zu wenig geschehen; manließ den Zufall walten oder begnügte sich damit, eins oder zwei Exemplareanzubringen. Wenn ich bedenke, wie sehr solche SoninagSblätter oderreligiöse VolkSblätter geeignet sind, einem Geistlichen sein Wirken in derGemeinde zu erleichtern, daS göttliche Lehrwort zu vervielfältigen u. s. w.,so muß ich erstaunen über die auffallende Gleichgiltigkeit und Nachlässigkeit,die hierin bei Vielen sich kunv gibt. Sollen solche VolkSblätter ordentlichwirken, so müssen sie in gehöriger Zahl verbreitet werden; dieses ist umso nothwendiger, als die im Lande zahlreich verbreiteten Zeitungen sichgenug Mühe geben, daS Gift des Unglaubens und der Lasterhaftigkeitauszubreiten. Und mit welchem Rechte donnert denn wohl ein Geistlichergegen die schlechten Blätter loS, wenn er nicht sich Mühe gibt und selbst,wenn nothwendig, kleine Opfer bringt, um ein besseres Blatt in der Ge-meinde einzuführen? Ein solcher Eiferer könnte mir beinahe lächerlich vor-kommen. Nein, hier muß ein regeres Leben erwachen, wenn die Verant-wortlichkeit nicht noch größer werden soll. Die Zeiten sind vorüber, wodas Volk bloß seinen rechtgläubigen Kalender laS und sonst nichts; mitder Verbesserung der Schulen und der Beförderung der Lesekunst wuchsauch die Leselust, und wenn diese von der Zeit selbst herbeigeführt wordenist, so ist eS eine arge Gewissenlosigkeit, wenn dieser Leselust im Volkenicht die rechte Nahrung gegeben wird. Der Geistliche sollte also, mitHilfe des Lehrers oder sonst eines gutgesinnten Laien seines OrtS, eS sichsehr ernst angelegen seyn lassen, ein solches SonntagSblatr recht zu ver-breiten; er dürfte selbst-in Begleitung eines der vorhin Genannten imOrte umhergehen und für die Verbreitung deS BlatteS' wirken. Damitschadet er sich weder an seiner Würde, noch am guten Einvernehmen mitden Pfarrkindern; diese werden seinen guten Eifer vielmehr dankbar undfreudig, wenn nicht sogleich, so doch später, anerkennen und werden sichvon seinem Ansinnen nicht beschwert fühlen, wenn der Geistliche sagt, daßes Jeder nach seinen Kräften damit halten möge; so daß, wenn Einerallein daS Blatt nicht halten könnte, doch zwei, drei, vier oder fünf eSmiteinander halten. Den Redactionen solcher Blätter aber ist bei dieserGelegenheit nicht dringlich genug ans Herz zu legen, wie sie allen gelehr-ten Kram, Alles dem Volke Fernliegende, Unverständliche und alles Lang-weilige aus solchen Sonntagsblättern fernhalten müssen. Manche dieserBlätter nehmen noch gar keine Rücksicht oder doch viel zu wenig Rück-sicht auf gute, christliche Erzählungen. Möchte doch dieser wichtige Zweig,der beliebter ist als alles Andere im Blatte, von jetzt an die verdienteBeachtung erhalten!
(Fortsetzung folgt.)
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.