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Neunter Jahrgang.
M AA.
19. August 1849.
Hirtenbrief des ErzbischofS von Freiburg.
Freiburg. Heute Sonntag den 19. August wird in sämmtlichenPfarrkirchen deö Landes ein Hirtenbrief vorgelesen und darauf ein feier-liches Dankamt für den erfochtenen Sieg gehalten. Der Hirtenbrief ent-hält scharfe und ernste Worte bezüglich der jüngsten StaatSumwälzung,er saßt jene schweren Zeiten als Zeiten der Heimsuchung Gottes auf undschließt mit eindringlichen Ermahnungen an die Führer und Lenker deSVolkes, die von Gott gesetzt, an die Priester als Diener deS Herrn,und an die Lehrer, Eltern, Reiche und Arme, Städter undLandleute. Montags den 20. Aug. findet dann ein feierliches Seelen-opfer für die Gefallenen statt.
Folgendes die Hauptstellen deS Hirtenbriefs:
„Nachdem Gott glorreichen Sieg verliehen der gerechten Sache, dieRegierung unseres vielgeliebten Großherzogs, des milden und gütigen Va-ters deS Vaterlandes, wiederhergestellt, und die gesetzliche Obrigkeit zurBeruhigung und Friedigung deö Landes ihre Wirksamkeit begonnen, drängteS Uns, in gegenwärtigem Sendschreiben einige Hirtenworte an Euch,geliebteste BiSthumSangehörige, zu richten. Eure Gemüther werden, sohoffen Wir, hinlänglich beruhigt seyn, um ein Wort deö FriedenS Christi zu vernehmen.
„Vor Allem tritt im Hinblick auf die Noth und das Elend, welchedurch den Aufruhr und den dadurch entzündeten Bürgerkrieg über Badengekommen, das Beispiel unseres Heilandes Jesu Christi vor unsere Augen,der einstmals voll des innigsten Mitleids ausgerufen: „Mich jammert deSVolkes." Ja, Uns jammert deS Volkes, wenn Wir sehen, wie unserschönes, von Gott so reichlich gesegnetes Vaterland durch die Gräuel deSAufruhrs und eines brudermörderischen KampfeS theilweise verwüstet, ent-kräftet, geschwächt ist; uns jammert deS Volkes, wenn wir Hinblicken aufdie mit Blut gefallener Söhne des Vaterlandes getränkten Saatfelder,wenn wir gedenken der obdachlosen Familien, deren Hab und Gut undWohnung eine Beute der Flammen geworden, wenn wir gedenken derEltern, die da weinen und wehklagen über den Verlust geliebter Söhne,wenn wir gedenken der vielen Verstümmelten und Verwundeten; UnS jam-mert des Volkes, wenn wir Hinblicken auf den zerrütteten Staatshaushalt,und auf all' die Noth, und all' das Elend, das Euch, Geliebteste nurallzugut bekannt ist. Darum klagen wir: „Uns jammert deS Volkes."Um so bejammernSwerther ist aber diese Noth und dieses Elend, weil sieüber das arme Vaterland gekommen in Folge eines Umsturzes hervorgeru-fen durch falsche Freunde des Volkes, „die mit süßen Worten und Schmei-cheleien die Arglosen verführten," und die Fackel der Empörung unter diesonst so glücklichen, gewerbsfleißigen und ihres Wohlstandes sich freuendenBewohner deS gottgesegneten Landes schleuderten. Ist es nicht höchst be-jammernSwerth, wenn die sieg- und ruhmgekrönten Fahnen unseres Vater-landes verlassen werden von dessen Söhnen, getäuscht und verführt vonMenschen, die „zum Deckmantel der Bosheit die Freiheit mißbrauchen,und Freiheit verheißen, da sie doch selbst Knechte deS Verderbens sind?"Ist es nicht höchst bejammernSwerth, wenn ein Theil deS badischcn Volkessich hinreißen läßt zum Aufruhr und Empörung wider den angestammtenFürsten, der, die Güte und das Wohlwollen selbst, stets in guten wie inbösen Tagen als ein treuer Freund deS Volkes sich erwiesen, und der beiden Bestrebungen für Deutschlands Einheit, Größe und Macht so opfer-willig vorangegangen? Ist eS nicht höchst bejammernSwerth, wenn Christendie schwere Sünde der Empörung wider den rechtmäßigen Fürsten und diegesetzliche Regierung begehen, da doch daS göttliche Wort so klar und sodeutlich spricht: „Gebt dem Kaiser, waS deS Kaisers, Gott, waS GotteSist, und „Jedermann unterwerfe sich der obrigkeitlichen Gewalt, denn eSgibt keine Gewalt außer von Gott, und die, welche besteht, ist von Gott
angeordnet. Wer sich demnach der obrigkeitlichen Gewalt widersetzt, derwidersetzt sich der Anordnung Gottes, und die sich dieser widersetzen, ziehensich selbst Verdammnis; zu. Es ist eure Pflicht, Unterthan zu seyn, nichtnur um der Strafe willen, sondern um deS Gewissens willen.... GebetJedem, was ihr schuldig seyd: Steuer wem Steuer, Zoll wem Zoll, Ehr-furcht wem Ehrfurcht, Ehre wem Ehre gebührt" .... Glaubet dabcr nichtjedem Geiste, sondern prüfet die Geister, ob sie aus Gott sind; prüfet, obihre Lehren und Ansichten mit der Lehre der .Kirche des lebendigen GotteS,die eine Säule und Grundfeste der Wahrheit ist," übereinstimmen odernicht. Verkündigen sie ein anderes Evangelium als daö ist, welches Ihrempfangen, so glaubet ihnen nicht, auch wenn sie in Engelögestalt vorEuch erscheinen, und noch so sehr von Volkswohl und Volksbeglückungsprechen.
„ES ist, Geliebte, nicht schwer, zn erkennen, ob der Geist GotteS ,oder der Geist der Finsterniß die Männer, die als Volksbeglücker unteruns sich aufgeworfen, trieb und leitete. Wir dürfen unS nur erinnern andas Wort des Herrn: „der Teufel ist ein Lügner und der Vater der Lüge,"und daß Er zu den Juden, welche der Wahrheit widerstanden und dieLüge mehr liebten, gesprochen: „Ihr habt den Teufel zum Vater undwollet nach den Gelüsten eures Valerö thun." Die Lüge ist also offenbarnach dem AuSspruch der ewigen Wahrheit deS Teufels Lust und That, unddie sie lieben und sie gebrauchen, thun damit nicht GotteS Werk, sonderndeS Teufels Werk. Welcher Ansicht nun auch Einer seyn möge in Bezugauf die beste StaatSverfassung und Regierung, so viel muß er zugeben,soll sie bestehen, soll sie für ein Werk PotteS gelten, mit der Lüge darfsie nicht beginnen. Vor Aller Augen liegt aber, daß unsere jüngste Staatg-umwälzung mit der Lüge begonnen hat, in Lüge fortgesetzt und von derLüge bis zum schmählichen Ende begleitet wurde. Ja nicht bloß mit ein-facher Lüge hat sie begonnen, sondern mit der gröbsten und furchtbarstenArt von Lügen, mit Verrath und Meineid. Lüge war's sofort, daß manden Aufstand für einen Kamps zu Gunsten der deutschen NeichSverfaffungausgab, während man doch, um nur Eines anzuführen, das VaterlandFremden preisgeben wollte. Lügen waren eS, wenn unser theurer Landes-vater auf die schändlichste Art verleumdet, wenn er ein Tyrann, ein VolkS-und LandcSverräther geheißen wurde, während daS ganze Land nur vonseiner Güte und Liebe zu erzählen weiß. Lüge war'S, wenn man Freiheitverhieß, während doch auf den Trümmern der gesetzlichen Ordnung nureine Schreckensherrschaft errichtet ward, unter welcher nicht einmal einSchatten von Rede- oder Prcßfreiheit übrig blieb. Lüge war's, wennman dem Volke Wohlstand versprach, während man doch die schwerstenOpfer von ihm heischte. Lüge war'S, daß man Bildung in Aussicht stellte,während Alles an Barbarei und Verwilderung mahnte. Lügen waren dieNachrichten über den Anschluß anderer Staaten. Lügen die beständigenSicgeSberichte. Lügen wurden verkündet, bis die Wahrheit fühlbar undgreifbar vor Augen stand. Wenn eS nun gewiß ist, daß Trug, Meineid,Untreue, Verleumdung, kurz die Lüge in allen ihren Formen und Gestaltendie Hauptrollen spielte in dieser StaatSumwälzung, so ist hier nicht GotteSGeist thätig gewesen; die Sache war vom Argen. Und klar ist eS, daßvon Solchen, die vom Geiste der Lüge sich leiten ließen, kein Heil undGlück für das Volk zu hoffen. „Sammelt man denn Trauben von denDornen, oder Feigen von den Disteln?" Alle die daher getreu gebliebenihrem Fürsten, tragen ein frohes Bewußtseyn in ihrem Herzen, wenn siegleich auch verkosten müssen die Bitterkeit deS LeidenSkelcheS, welcher demganzen Lande gereicht wird. Wir alle müssen demüthig und ergeben unsbeugen unter die züchtigende Hand deS Allerhöchsten, der die Stürme zuge-lassen; wir müssen anbeten den, der schlägt und wieder aufrichtet, der ver-wundet und wieder heilet, und dessen Barmherzigkeit weithin unsere Misse-that übertrifft.