Ausgabe 
9 (19.8.1849) 33
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Wie ist eS aber denn gekommen, daß so viele Menschen Knechteihrer Leidenschaften und ihrer bösen Lust geworden? Höret, Geliebteste, dieAntwort! Weil viele Den verlassen, der, wie Er den Seesturm darnieder-gelegt und besänftigt, so auch allein die Stürme LeS menschlichen HerzenSstillt, allein Kraft und Stärke verleiht, der dreifachen bösen Lust im Men-schen, cer Hoffart, der Augen- und Fleischeslust siegreich zu widerstehen;weil sie Jesum Christum, den «Lohn GotteS und Heiland der Welt, ver-lassen. Der stets wachsende Abfall von JesuS Christus , Deinem HI. Evan-gelium und Seiner heil. Kirche mußte solche Erscheinungen hervorbringen,wie wir sie in den jüngsten Tagen gesehen!

WaS zunächst die Mitarbeiterschast anbelangt, so erleichtertauch hier eine Organisation der Thätigkeiten die Sache; ja sie ist geradezunothwendig.

1) Politische Blätter erfordern theils leitende Artikel, theils Korre-spondenzen. Leitende Artikel in politische Blätter zu liefern ist nicht Jeder-manns Sache, weil nicht Jeder die Kenntnisse besitzt, die dazu erforderlichsind. Wer solche Artikel liefern will, muß nicht nur tüchtige Geschichts-kenntnisse haben, sondern sich auch in nachstehenden Wissenschaften: National-ökonomie, Gewcrbewcsen, Militärwissenschaft, Jurisprudenz, Geographie(besonders Statistik). Physik, Literatur u. s. w. umgesehen haben, da sich

Wo keine Erkenntniß GotteS, da ist auch keine Liebe Gottes und kein! kaum ein leitender Artikel für ein politisches Blatt liefern läßt, ohne daßtugendhafter'"' " ' " - -------- ........ .^ ^ ^--- -

erkenntmung im .

und der durch Seine Auferstehung jeden Zweifel an dem zukünftigen Leben verrächtet, im Gegentheil Unsterblichkeit und ewiges Leben in das klarste Licht ge-stellt , abgefallen von Christus, verlieret dieS-eele so leicht den Glauben an dieUnsterblichkeit und ein ewiges Leben, und nicht mehr strebt sie durch gottgefälli-gen Wandel jene Seligkeit zu erlangen, die noch kein Auge gesehen, noch keinOhr gehört, noch in keines Menschen Herz gedrungen ist, sondern sie beschränktihre Bestimmung aus dieft-S Erdcnlebcn, auf die Theilnahme an den Genüssendesselben, hält die Lust eines TageS für Glückseligkeit, um sofort gleich demThiere der Vernichtung anheimzufallen. Gestehen wir eS, Geliebteste, gerabediese gottlose und verruchte Lehre, daß der Mensch nur für diese Erde unv ihreGenüsse geboren sey, hat in unserer Zeit vieler Gemüther auf eine schauderhafteWeise sich bemächtigt, und sie trägt am meisten bei zum Lerderbniß unseresgesellschaftlichen Zustandes, zu den Noth- und Uebelständen, unter denen dieMenschen heut zu Tage seufzen.

Geliebteste! diejenigen, Lie daS Gericht deS Herrn nicht fürchten, scheuensich nicht, um ehrgeizige Plane durchzuführen, ein ganzes Volk inS Unglück undVerderben zu stürzen. Diejenigen, die keine Hoffnung auf ein ewiges Lebenhaben, allwo der gütige Gottabwischen wird alle Thränen von den Augen,und wo nicht mehr seyn wird Trauer, noch Klage, noch Schmerz," wollen nichtim Schweiße ihres Angesichts ihr Brod verdienen, und nicht die drückende Lastder Arbeit fühlen, sondern begierig nach Sinnengenüssen, suchen sie abzuschütteln (nicht einmal vier Briefe hinter einander und dann einmal wieder ein

undeiner

Kirchenzeitung gemacht werden. Doch solche leitende Artikel sind für einpolitisches Blatt auch nicht streng erforderlich. Kommen solche nicht vonauöwärtigen Mitarbeitern, so hat der Redacteur schon einige Männer sei-nes Wohnorts an der Hand, welche sie nölhigenfallS liefern. Was aberdringend nothwendig, unerläßlich ist, daö sind Korrespondenzen aus denverschiedensten Gegenden des Vaterlandes und deS Auslandes undhieran fehlt eS unsern katholischen Zeitungen außerordentlich und zwar durchunsere eigene Schuld, weil wir nichts dafür thun. Hier muß jetzt gehol-fen werden und zwar in ganz ähnlicher Weise, wie eS vorhin bei den reli-giösen Blättern angegeben wurde, nämlich durch Organisation derThätigkeit. Wo ein kenntnißreicher Mann, der allen den erforderlichenBeziehungen genügen könnte, fehlt, da müssen mehrere Männer dieseneinen zu ersetzen und darzustellen suchen. Der Eine hat also über daSGedeihen der Feldfrüchte und des Weines nebst den darüber sich gestalten-den Preisen zu berichten, ein anderer über Vorfälle in der Stadt oder aufdem Lande, ein dritter über Veränderungen im Schulwesen, ein fünfterüber Kunstprocucte u. s. w. kann auch Einer mehrere dieser Bezie-hungen übernehmen und so wären denn zur Unterstützung einer politischenZeitung eigentlich nur wenige Personen an einem und demselben Ort erfor-derlich. Die Hauptsache ist, daß der Korrespondent regelmäßig schreibt

daS Joch, das sie in diesen stört, voll Neid und Mißgunst werfen sie lüsterneBlicke auf daS Eigenthum des Besitzenden, werden am Ende Diebstahl, Raubund Mord für erlaubte Mittel halten, um sich den Weg zu den Freuven diesesirdischen Lebens zu bahnen, außer welchem sie nichts Höheres kennen. Diejeni-gen Besitzer aber, welche keinen Richter fürchten, der Rechenschaft verlangt überdie Verwendung deS ihnen anvertrauten Gutes, werden dieses nur zu Sinnen-genüssen und Lebensfreuden, oder zur Befriedigung ihrer Habsucht anwenden,

Vierteljahr gar nichts) und daß er schnell berichtet, damit andere Blät-ter ihm nicht zuvor kommen, und daß er genau berichtet (keine Lügenoder grundlose Gerüchte) unv endlich daß er leserlich schreibt, damitder Bericht nicht wegen allzu argen Gekritzels und unverständlicher Abkür-zungen muß weggeworfen werden. Da die Correspondenzbriefe an Redac-tionen nicht frankirt werden, so erwachsen dem Korrespondenten in dieserHinsicht auch keine Kosten; bloß ein wenig Mühe kostet eS. Die Artikel

nicht aber mit demselben der Noch und dem Elende der armen Bruder und müssen niemal »»nöthiger Weise ausgedehnt werden; so kurz als möglichSchwestern steuern wollen. So wird dieser Mangel des Glaubens an die Un- sind sie zu halten. Wie oft ein Correspondent schreiben soll, das hängtstcrblichkeit oder die Glcichgiltigkeit gegen die Bestimmung deS Menschen überall von seinem Stoffe und seinem Eifer ab. ES versteht sich auch, daß einden verderblichsten Einfluß auf unsere gesellschaftlichen Zustände ausüben und) Korrespondent das Blatt, für welches er arbeitet, halten oder eS wenigstenshat sie schon ausgeübt. Für den, der die Gerichte GottcS nicht fürchtet, gibt eS durch andere Gelegenheit lesen muß, damit er sich mit seinen Arbeitern

keine Schranke, kein Maaß und kein Ziel mehr. Die Gesetze erscheinen ihm nurals lästige Fesseln seiner entfesselten Leidenschaft. Alles, waS das menschlicheHerz groß und edel macht, und was erhebt über die Trübsale dieser Welt, ver-schwindet; und dieses Streben, welches sich anfangs als Aufklärung und Bil-dung geberoct, endet mit fürchterlicher Verwilderung einer gänzlichen Barbareiund Auflösung aller Bande der menschlichen Gesellschaft.

Darum, Geliebteste, erkennet die Zeichen der Zeit und lasset die Tage derHeimsuckuing Gottes nicht spurlos an Euch vorübergehen.

Ja, erkennet Ihr Alle die Tage der Heimsuchung GotteS! Ihr vor Allen,die Ihr von Gott erwählet seyd als Führer und Lenker deS Volkes, erkennet eS

darnach richte. Was ein Correspondent schreiben soll, muß man seinerEinsicht überlassen; hoffentlich wird er sich mit gar zu unbedeutenden Din-gen nicht befassen, noch Solches melden, waS seinem Redacteur unnöthi-ger Weise Verlegenheiten bereiten könne. Da jetzt in allen bedeutendenStävcen unseres Vaterlandes katholische (Pius ) Vereine bestehen, die sichja auch die Förderung der guten Puffe angelegen seyn lassen wollen, someine ich, könnte eS bei einigem guten Willen roch gar nicht schwer wer-den, die wenigen katholischen Zeitungen Deutschlands durch Originalcorre-spondenzen zu unterstützen. WaS das Frankfurter Journal und andereichmutzblätter mit Hilfe ihrer Gesinnungsgenossen fertig bringen, daS

tief in Eurer Seele, daß Euer Amt ein durch GotteS Gnade Euch verliehenes, sollten, dächte ich, doch auch dieGutgesinnten" vollbringen können. Undund daß eS Eure heiligste Pflicht ist, eS nach dem Willen deS Herrn, dessen Stell-^ wenn noch vor wenigen Monaten die preußische Regierung den VersuchVertreter Ihr seyd, zu handhaben. . machte, durch unentgeltliche Versendung einer in Berlin gegründeten litho-

Erkennct die Tage der Heimsuchung Gottes, Ihr, Priester und Diener! graphirten Korrespondenz*) ihre Gesinnungen und Grundsätze zu verbrei-deS Herrn! Gedenket, daß Ihr seyd daS Salz der Erde, daö Licht der Welt, daß ^ ten, sollte ich meinen, müsse auch unS etwas AehnlicheS möglich seyn, vorzüglich an Euch gelegen, ob Gutes erwachse auS den gegenwärtigen Trüb-^ wenn wir mir unserer guten Gesinnung nicht als Lügner und mit unsermsalen, oder nicht, ob wieder wahrer lebendiger ChrisluSglaube und mit ihm hei- Eifer nicht als alberne Tröpfe dastehen wollen. Wir haben ja nicht eine

lige Sitte und Bürgertugcnd unter den Bewohnern unseres Landes herrschendwerden, oder nicht! Der Herr hat Euch gesetzt, daß Ihr gehet und Frucht brin-get, und Eure Frucht bleibe."

Winke zur Hebung der katholischen Presse.

(Fortsetzung.)

L. Die politischen Blätter. Wie im Vorigen, so habenwir auch die Förderung politischer Blätter in zwei Abtheilungen zu son-dern: in die Besorgung der Mitarbeiterschast-und in die Verbrei-tung deö Blattes.

Unzahl katholischer Zeitungen zu unterstützen; wenn nur die Hauptor-gane, z. B. dasMainzer Journal," dieRheinische Volkshalle" unddieAugSburger Postzeitung" u. s. w. tüchtig unterstützt werben, so kön-nen sich die kleineren Zeitungen durch Entlehnen der Artikel schon behelfen. wäre also nothwendig, daß in jeder bedeutenderen Stadt Deutschlands ,z. B. Wien, Prag, Augsburg, München, Frankfurt, Mainz, Berlin ,BreSIau, Köln u. s. w. sich ein paar schreibkundige Männer zum Zwecke

') Dieselbe wurde verschiedenen Redactionen unentgeltlich zugeschickt; allein wohl nurwenige mögen Gebrauch davon gemacht haben, da sich die Regierung leider kein Ver-trauen zu erwerben wußte. Der Verfasser.