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deS CorrcspondirenS vereinigten. Da Einer nicht Alles zu thun braucht,sondern die Arbeit sich nach Fächern vertheilt, so wäre auch die Mühenicht so groß, und der Zeitaufwand nicht bedeutend. Eine solche Bethe!-ligung an der Tagespresse muß jetzt aber endlich zu Stande kommen, wennunsere zahllosen Gegner nicht ganz und gar die Oberhand erhalten sollen.Möchte dieser Aufsatz doch im Stande seyn, solche kleine Cvrrespondenz-Wereine überall inS Leben zu rufen! So viel in Betreff des Inlandes.
2) Was das Ausland betrifft, so haben manche katholische Handels-häuser ihre regelmäßige Korrespondenz mit Paris , Lyon, Brüssel, derSchweiz, London, Mailand, Livorno, Rom u. s. w., da wäre eS ja leichtzu machen, daß solche Herren die etwanigen Neuigkeiten ihres Briefwech-sels den katholischen Zeitungen mittheilten und ihre Korrespondenten nochbesonders ersuchten, ihnen jedesmal auch Etwas über die neuesten Ereig-nisse und Gestaltungen ihrer Länder und Aufemhaltorte zu berichten. Ist«S nicht eine Schmach, daß katholische Blätter z. B. ihre Nachrichten auSRom meist der charakterlosen „Allgemeinen Zeitung" entnehmen müssen!*)Dieß muß und kann und soll aber anders werden. Unsere Redactionenmüßten sich mit solchen Handelshäusern auf freundschafilbchen Fuß setzen.ES gibt aber auch sonstige Privatpersonen, welche Briefwechsel mit bedeu-tenden Städten deS Auslandes unterhalten oder doch Gelegenheit hätten,sich mit einem Freunde in diesen Städten in brieflichen Verkehr zu setzen.Diese sollten es thun; dieß käme unsern Zeitungen trefflich zu Statten,und was die Vermehrung deg Porto's betrifft, so würde die Redactionsolche gewiß gern erstatten, da ja durch vermehrte Original Korresponden-zen das Blatt sich auch hebt. Genug deS guten Raths über die Mitar-beiterschaft an katholischen Zeitungen; wenn derselbe nur auch williges Ge-hör und bereitwillige Ausführung findet!
WaS die Verbreitung katholischer Zeitungen betrifft, so bitte ichdie Leser, nachfolgende Puncte in ruhige und ernste Erwägung zu ziehen.
1) Durch Nichts wird eine Zeitung so sehr gehoben und verbreitet,als durch viele Inserate. Man hätte schon manches schlechte Blatt stür-zen können, wenn eS nicht so viele Anzeigen hätte. Gar häufig hörteman von guten Katholiken sagen: „Wir verabscheuen die Tendenz diesesoder jenes BlatteS; aber wir müssen es der Anzeigen wegen beibehalten."Und so lebt die schlechte, gemeine Tagespresse großentheils vom Gelde derKatholiken! Kann man sich einen größer» Unsinn, eine schmählichere Matt-herzigkeit denken, als dieses Treiben? Doch statt unserm gerechten Unwillenvollen Lauf zu lassen, wollen wir Vorschläge machen, wie diesem Uebel-stande abzuhelfen sey. Die gewöhnlichen, ordentlichen Mittel gegen dieschlechte Presse sind längst erschöpft. Die Pfarrgcistlichkeit hat an allenOrten dagegen ihre Stimme erhoben — vergebens! die Bischöfe haben inihren Hirrenbriesen dagegen gemahnt und selbst von der Kanzel herab ge-warnt — vergebens! Die katholischen (Pius-) Vereine haben die Bekäm-pfung der schlechten Presse für nothwendig erklärt — waS ist aber gesche-hen? Man zeige mir eine einzige mannhafte und beharrliche That gegendas schmutzige Gewürm der falschen Aufklärung und der schlechten Presse,und ich will die Anklage der Maltherzigkeit und tiefste» Erbärmlichkeit zu-rücknehmen. Alle ordentlichen Mittel sind erschöpft. WaS ist zu thun?Man muß zu außerordentlichen Mitteln schreiten. Haben Ermah-nungen nichts gefruchtet, so müssen jetzt Thaten helfen. Ich schlage folgen-des Verfahren vor: Nehmen wir an, in einer Stadt von 16,000 katholi-schen Einwohnern beständen zwei Zeitungen, eine schlechte, welche aberalle oder doch die meisten Anzeigen hat, und eine katholische, welchekeine oder nur sehr wenige Anzeigen hat und auch keine bekommt. Manwird hoffentlich annehmen dürfen, daß unter 16,000 katholischen Bürgernwenigstens 200 sich befinden, welche Eifer genug besitzen, zur Vertilgungeines gotteslästerlichen Blattes Hand zu bieten. Diese 200 Bürger (meistKaufleute und Handwerker) verpflichten sich durch ihre Unterschrist: 1) daßsie keine einzige Anzeige mehr in die kirchenfeindliche Zeitung schicken wer-den; 2) daß sie ihre Anzeigen ausschließlich nur in die auf gleichem Platzbestehende katholische Zeitung senden und daß sie monatlich wenigstenseine Anzeige von beliebiger Länge in die katholische Zeitung einrücken lassenwollen; 3) daß sie von vierzehn Tagen zu vierzehn Tagen bei ihren Freun-den und Bekannten in der Stadt und Umgegend dahin eifrigst wirken wol-len, daß Jene ein Gleiches thun wie sie. 4) Die eingegangene Verpflich-tung gilt für die Dauer eines JahreS. Ein solches Bündniß gegen dieschlechte Presse wird seine guten Früchte tragen; eS werden jährlich alleindurch die Mitglieder dieses Bündnisses 2400 bezahlte Anzeigen in daskatholische Blatt kommen, ohne diejenigen Anzeigen zu rechnen, welchedurch die Freunde der Mitglieder und durch Solche noch hinzukommen, diezwar der katholischen Zeitung nicht geneigt sind, aber einsehen, daß sie,um ihre Anzeigen genugsam zu verbreiten, dieselben doch auch in die karho--
') Die Postzcitung hat seit längerer Zeit einen zuverlässigen Correfiondcntrn in Rcm.
lische Zeitung einrücken lassen müssen. Kostspielig ist dieß Verfahren fürdie Mitglieder deS Bündnisses durchaus nicht. Nimmt man an, daß Einermonatlich für Anzeigen (die Zeile zu 1 '/^ Kreuzer oder 6 Pfennige gerech-net) 8 Kreuzer oder ungefähr zwei Silbergroschcn ausgibt, so macht daSim Jahr einen Gulden und 36 Kreuzer oder 24 Silbergroschcn — wahr-lich ein sehr geringes Opfer, wenn eS die Vernichtung der Presse gilt.Ich würde mir diese kleine Beisteuer zu Gunsten der katholischen Pressegewiß gerne am Munde abiparen, wenn cö nicht anders ginge. Ja ja,ihr Freunde der guten Presse, ihr Gutgesinnten Alle, nur durch Opferkonnt ihr die -Lchandpresse stürzen! Nehmt diesen Vorschlag nur nicht mitAchselzucken oder Kvpfschütteln auf; dieser Vorschlag, so seltsam er euchjetzt auch noch vorkommen mag, ist durch und durch praktisch und wirdsich alö wirksam bewähren. Sollte eS den Mitgliedern eines solchen Bünd-nisses an Stoff zu Anzeigen fehlen? Keineswegs. In einem Geschäftekommt Allerlei vor, WaS sich zn Anzeigen eignet, und selbst der Privat-mann dürfte mancherlei einzurücken haben, wenn er sich darnach umsehenwill. Um die nöthige Anzahl von Mitgliedern zu einem solchen Bündnissezusammen zu bringe», würden die katholischen (PiuS-) Vereine am bestensich verwenden; eine Aufgabe, die eines solchen VercincS würdig ist undihm ein großes Verdienst erwerben wird. DaS Verfahren hierzu wärehöchst einfach. Etwa 20 bis 30 Mitglieder des PiuSvereinS würden sichversammeln und ausmachen, wo Jeder seine Unterschriften zu sammeln hat,Jeder übernimmt eine Straße, in welcher er Theilnehmer wirbt. Wärendann, nachdem dieses geschehen, noch Straßen übrig, so würden sich die20 bis 30 PiusvereinSmitglieder von Neuem versammeln und die nochübrigen Straßen und Plätze zur Einsammlung von Unterschriften unter sichvertheilen. Gut wäre eS wohl, wenn nach vorläufiger Schließung derUnterschriftenliste sogleich eine Generalversammlung sämmtlicher Theil-nehmer an dem gegen die schlechte Presse gerichteten Bündnisse gehaltenwürde. Bei dieser Gelegenheit könnte man ihnen die Nothwendigkeit undZweckmäßigkeit dieses Verfahrens dringend an'ö Herz legen, sie zu destogrößerem Eifer anfeuern und ihnen auch manchen Wink ertheilen, wie hier-bei am besten zu verfahren sey u. s. w. Gleichermaaßen müßte man auchdie Gutsbesitzer und Geschäftsleute der umliegenden Ortschaften und Land-schaft zur Betheiligung an diesem Unternehmen zu gewinnen suchen. Wirkönnen nicht annehmen, daß es nicht noch genug gut katholische Geschäfts-leute n. s. w. gebe, die einem solchen Vereine beitreten würden; aber diealte Gewohnheit, ihre Anzeigen in der schlechten Zeitung deS OrtS ein-rücken zu lassen, legt sich nicht sogleich ab, zumal wenn eS an einem Ein-heitspunct zu einem hier nothwendigen gemeinschaftlichen Handeln fehlt.Dieser EinheilSpunct würde durch einen solchen Verein gegeben werden.Ehe man diese Vorschläge als fromme Wünsche belächelt, führe man sieaus! Wenn nicht drei gescheiterte Versuche hinter unS liegen, haben wirnicht Ursache, davon abzustehen! So viel in Betreff der Anzeigen; eS istbei einem politischen Blatte offenbar der wichtigste Punct.
2) Hat man bewerkstelligt, waS im Vorhergehenden angegeben wurde,so kann der PiuSverein deS OrtS noch ein Weiteres thun und durch seineMitglieder allenthalben zur Abschaffung der schlechten Zeitungen ermähnen.Die Abschaffung wird dann leicht von Statten gehen, weil ein angeneh-mes und zugleich nach allen Seiten hin nützliches Organ aufgestellt wor-den ist. Er kann weiterhin auch dringend anempfehlen, diejenigen Wirths-häuser rc. nicht zu besuchen, wo nur Zeitungen von schlechter Gesinnungaufgelegt sind; er kann auch ein eigenes katholisches Casino gründen, in^welches keiner aufgenommen wird, dessen kirchliche Gesinnung zweifelhaft ist.Wenn die Freimaurer , Lichlsreunde und Nongcancr sich das Vereiusrcchtfin besagter Weise so eifrig zu Nutze machen, so dürfen wir wahrhaftignicht zurückbleiben. Von unserm Thun wird es abhängen, ob die nachuns kommende Generation Segen oder Fluch über unS ausspricht, nochmehr: wie wir einst vor dem Richterstuhle GvtleS bestehen werden. ImSchweiße unseres Angesichts müssen wir nun einmal unser Brod essen,und so wollen wir uns denn auch keinen Schweiß verdrießen lassen, wo eSGottes Ehre, unser eigenes Heil und das Heil unserer Mitmenschen in derMitwelt und Nachwelt gibt. DaS Himmelreich leidet Gewalt und wer!cS gewinnen will, muß eS an sich reißen. DaS gilt nicht bloß vom innern! Kampfe deS Menschen, eS gilt ganz gewiß auch vom Kampfe mit äußerenHindernissen, und wenn GotleS reichster Segen sich noch nicht an unsern, katholischen Zeitungen gezeigt hat, so kommt eS wobl nur daher, weil wirEinser Werk so wenig zu Seiner Ehre und in Seinem heiligen Namen^ beginnen und weil wir eS unS (als Gesammtheit genommen) so wenigI Anstrengung kosten lassen. Also hinweg mit dem armseligen Seufzen überj die Verwüstungen der schlechten Presse! Legen wir in GotleS Namen Handan, und eS wird sicherlich gnr gehen; Gott wird sein eigenes Werk nichtverlassen, billig aber entzieht Er Seinen Segen allem verzagten, nachHalbheit aussehenden Beginnen. In Anbetracht unserer gewaltigen geifti-