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9 (26.8.1849) 34
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Was scherzend sie aus mir gefragt;

Da sah ich eine lichtumfloff'ne Hand. ,Auf meinen Scheilel segnend nicderschwebenUnd holder Engel LichtgestaltcnUmschwebten mich, ein Buch in Händen haltend.

Was ich verübt seit dem unsel'gen Tage,

Da ich als Kind das Gilt der Sünde

In lüsterner Begier getrunken, bis auf diese Stunde,

Da ich vor euch des ChristcngottcS LehreMit frevlem Ucbermuth gehöhnt:

Das lasen sie die tiefsten Falten meiner SeeleWie in des Spiegels Lichte frei enthüllend

Mir aus dem schwarzen Buche vor.

Dann tauchten sie es ein in dieses Wasser,

Mit dem man eben mich begossen.

Und siehe es. ward weißer als der Schnee!

Und nun crhab'ner Kaiser und ihr alle, deren LippenNoch von dem Hohn des Christengcttcs beben,

Vernehmt aus meinem Munde jetzt die Botschaft:

Es ist in keinem Andern Heil und keines Andern WinkHält mit alimächt'gcm Arm den Erdcnkrcis in seinen Angeln,

Als nur des ChristcngottcS Stärke!

Wag sind die leblosen Gebilde all der Götter,

Die stummen Zeugen irdischen Zerfalls;

Es ist nur Einer der da lebt, und Leben spendet,

Er ist der Schöpfer, kein Geschöpf, wie eure Götter!

Entstammend aus des Himmels lichten Sphären,

Die »och kein sterblich Auge je geschaut,

Hat er das Licht vom Himmel nnS gebracht,

Des Truges NäÄst, die auf der Erde lag, verscheucht.

Was sind die Lchmgchäud^urer Weisen,

Die der Natur Gesetze zu ergründen wähnen?

Ein eitel Menschenwerk >y«r in sich selbst getheilt.

Der Christengott allein erschließtDem Sterblichen den Born der Wahrheit;

Erguickt das dürstende Gemüth,

DaS auf der Pilgerfahrt sich zu erfrischen sehnt.

Darum bekenne laut mit mir, crhab'ner Kaiser,

Des einz'gen Gottes Macht und alhcS'Volk lobpreise seinen Namen!"So sprach GenesiuS. Ein tiefes SchweigenHält die erstaunte Menge lang gefesselt,

Wie von des Höhcrn Hand gehalten!

Doch war nur die dumpfe Schwüle,

Ein Bote des anstürmenden Orkans,

Der um die zorncrglühtc Stirne dcS TyrannenVerderben drohend sich zusammenzog;

Führt ihn hinweg, rief er mit wuthcntbrannter Stimme,

Der unsern Göttern Hohn zu sprechen wagt;

Laßt auf der Folterbank ihn inne,werden,

Wie ihre Rache auf der Ferse den ereilt,

Der ihrer Macht zu spotten sich erkühnt."

Umsonst sucht der Präscet PlautinusDen gottbcgeistcrtcn Bekcnncr

Schlau mit der Worte trügerischem Netze zu umgarnen.

Daß er den Göttern vor dem Volke Weihrauch zünde!

GenesiuS bleibt seiner Rede treu.

Vergebens wühlt der Folter Schmerz in seinen Eingeweiden,

Der Rache grauser Sinrm zerschellt in seinem Muth.

Ja in der Pein der ausgesuchten Qualen,

Mit denen sie den Leib des Märtyrers zerfleischt,

Ruft er mit lauter Stimme zu dem Christengctte,lind preist sich glücklich, leidend ihm zu dienen.

Wie lange, seufzt er, hing des Irrthums BindeMir um des Lasters trügerischem Bilde;

Jetzt hab' ich Ihn erkannt, dem alle CrcaturcnJ»> Himmel und auf Erden freudig dienen,

Nichts soll mich mehr von seiner Liebe scheiden,

Mein Blut fließt freudig seiner Ehre."

Und sein Gebet es ward erhört.

Plautin verzweifelte, den MuthDes Märtyrers zu beugen,

Der immer lauter Christi Namen pries.

GenesiuS, der noch vor wcu'gcn StundenMit innerin Gram des Christcngolts gefrevelt,

Beut freudig jetzt sein Haupt dem Schwerte hin,

Der Himmelslchre Wahrheit zu besiegelnUnd seines Frevels schwarze That zu sühnen.

_ Tasrathshofer.

Winke zur Hebung der katholischen Presse.

(Fortsetzung.)

II. Von der Gründung neuer Blätter.

Ueber diesen Abschnitt sind im Ganzen wenige Bemerkungen zu machen.Wir brauchen nur besonders hervorzuheben, waS schon in der Einleitungdieses Aussatzes gesagt wurde, nämlich daß man nur da, wo die Ortö-Verhältnisse dringend ein besonderes Organ erfordern, eins gründen solle.Dieß gilt eben so wohl von religiösen Blättern, als von politischen, daherwir jene Unterscheidung hier ganz fallen lassen können.

Es ist ein wahres Elend, wenn man so mit ansieht, wie so zu sagenjede unbedeutende Ortschaft ihr besonderes Blatt haben will. Dadurchwerden die arbeitenden Kräfte ungeheuer zersplittert und das ist eS, waSunsern Blättern meist ein kümmerliches Bestehen bereitet. Zwei nahe beieinander liegende Städte oder gar eine und dieselbe Stadt haben nichtzwei besondere Zeitungen nothwendig; eben so ist eS für eine und dieselbeDiöcese (allenfalls auch für zwei aneinandergränzende kleinere Diöcesen)nicht nöthig, zwei religiöse Blätter zu gründen. Eins verdirbt dem anderndie Wirksamkeit und keinS von Beiden kann recht gedeihen. Man vereinigesich dahin, nur ein Organ zu gründen und dieses dann durch Bestellun-gen und schriftliche Beiträge tüchtig in die Höhe zu bringen. Die Pressesollte nicht in den Dienst gemeiner Eitelkeit und Speculation gezogen wer-den. Muß aber irgendwo ein besonderes Blatt gegründet werden, so findfolgende Puncte zu beobachten.

1) DaS Blatt muß bei seinem Auftreten einen ökonomischen Grundund Boden haben, d. h. eS müssen Gelder zur Bestreitung oder Deckungder im Anfange nöthigen AuSlagen vorhanden seyn, auch wenn man vor-aussehen kann, daß sich vaS Blatt in kurzer Zeit heben wird. Die mög-lichst weite Verbreitung deS ProspectuS, die Anstellung eines Redacteurs,die Gewinnung von Mitarbeitern, welche nicht alle in der Lage sind, un-entgeltlich zu arbeiten, Portokosten u. s. w. erfordern Geld. Ohne allenFonds anzufangen, ist gewagt und der Nachtheil drückt in der Regel Nie-manden mehr, als den Buchdrucker, der sein baareS Geld immer nöthg hat.

2) Das Blatt muß eine bestimmte Tendenz haben und diese strengfesthalten und in allen Artikeln konsequent (jedoch nicht verletzend im Aus-drucke) durchführen. Bei religiösen Blättern gibt sick die Tendenz vonselbst; sie muß kirchlich seyn. Aber bei politischen Blättern ist man nichtan ein bestimmtes politisches Bekenntniß gebunden. Welcher Regierungs-form (die auf Ordnung und Gerechtigkeit gegründet ist) man auch daSWort rede, man kann dabei ein ganz guter Katholik seyn. Eine bestimmteRichtung muß man aber einschlagen; damit will ich sagen: man darf nichtauS sogenannter weiser Vorsicht nach Rechts und nach Links abwechselndhinflankircn; man darf nicht heute oder morgen, oder gar in einer undderselben Nummer, der neumodischen Demokratie ein Kußhändchen zuwer-fen, dann rechts wieder einen LiebeSblick auf monarchischen Absolutismusrichten, dann wieder einmal zur Abwechslung einen sympathetischen Seuf-zer nach der constilutionellen Partei abdrücken und zuletzt auch noch dierothe Republik mit zarten Fingern anfassen. Eine solche Wirthschaft heißtman nicht mehr Tendenz; es ist Pfuscherei im höchsten Grade, bettelhafteSZusammenflicken der verschiedenartigsten Principien; eS ist die deutsche Zer-rissenheit in Miniatur gemalt, ist reine Krähwinkelei, die vor über-mäßiger Zweckmäßigkeit läppisch wird, und anstatt eS nach allen Seitenhin recht zu machen, von allen Seiten Ohrfeigen bekommt; ein solchesBlatt ist wie ein Papagenokleid bunt an Gefieder, aber ohne Einheit,ohne Charaker, daher lächerlich und verächtlich; ein solches Blatt kann

z Niemand brauchen, gerade weil eS Jedermann mundgerecht seyn soll; einsolches Blatt verderbt mehr als eick heftig radicaleS Blatt, weil eine sieben-farbige Tendenz die Leute ganz wirr macht, während sie durch die kon-sequenten Rohheiten eines radicalen Blattes vielleicht schnell zur Besinnungkommen; ein solches Blatt löst sich vor übergroßer Klugheit in lauterDummheiten auf und erhält vom gesummten Publikum gar bald einentödtlichen Fußtritt. ES gibt jedoch ein Stehen über den Parteien, wel-ches keineswegs zu verwechseln ist mit jenem buntgemischten MeinungSsalat,wie ich ihn vorhin angedeutet habe. Ich meine jene Anschauung, die inder Religion ihre Wurzel und ihren Grund hat; eine Anschauung, welcheGott als den Erzieher deS Menschengeschlechts betrachtet und demgemäß dieverschiedenen Schicksale und Führungen der Menschheit als höchst weise undheilsame, wenn auch uncrforschliche Wege des Allbarmherzigen und Allmäch-tigen ansieht. Demgemäß wird eine solche Richtung sich folgendermaaßeukundgeben. Sie wird die rechtlich bestehende Obrigkeit, als eine von Gott