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Neunter Jahrgang.
S6 August 184S.
Der heilige GenefiuS, Märtyrer unter Diokletian.
-i- 26. August 286.
Schon wankt im tiefen Grunde das Gemäuer,
Am Gibcl leckt der Flamme lichte Glut;
Die Eule flattert ängstlich in den weiten Räumen,
Die schon Jahrhunderte ein Obdach ihr gewährt.
Und stimmt in ängstlichem GekrächzeWehmüthig sich die Todtenklage an.
Der Riesenbau, der als ein zweites BabelIm Uebermuth des Heideuthumes sich erhob.
Weicht aus den Fugen und die stolzen MeisterVermessen sich umsonst den wankenden zu stützen —
Der Tag des neuen Baues ist genaht!
Des Sturmes allgewaltig Brausen,
Der dort im Aufgang von den hehren ZinnenDer Sionsburg, die Welt durcheilend, sich erhoben,
Zieht siegreich durch des Reiches weite Marken,
Vernichtend der Tyrannen frevelnde Gewalt. —
Da lebte dort in der Cäsarenstadt am Tiberstrande,
Die schon so viel des Märtyrbluts getrunken,
GenefiuS — ein Mann im Schooß des LastersAuf dem Theater, dem er diente, groß erzogen.
Laut schallte ihm des Volkes Freuderuf entgegen.
Und von des Kaisers festlicher TribüneBegrüßte ihn des Beifalls hoher Wink,
Wenn er des Spottes rohe Geißel
Mit frechem Hohn über die Christen schwang.
Rom widerhallte eben von dem Jubelsange,
Mit dem das siegeSstolze HeerDen Kaiser Diokletian empfangen,
Der seines Armes ungebeugte Kraft
Bis an der Perser ferne Gränzen hingetragen.
GenesiuS, des Kaisers grimmen Haß durchschauend,
Mit dem er der verhaßten ChristensecteVernichtung längst und Untergang geschworen,
Beschließt, im Angesichtc des Tyrannen,
Umrausckt vom Beifallssturm des VolkesDer Christen heilige GebräucheAuf dem Theater zu verhöhnen. —
Er legt, ein Kranker, hin sich auf das Lager,
Das auf der Scene ihm bereitet war.
Indeß mit heuchlerischer Miene mitleidsvollDer Frevcllhat Genossen ihn umstanden.
„Ich fühle mich so schwer," seufzt er bewegt,
„Könnt ihr mir, Freunde, keine Linderung gewähren?"
„„Wie mag das seyn, fragt ihn die lose Schaar,
„„Willst du wohl auf die Hobelbank„„Wie ein Stück, Holz dich legen,
„„Das von des Tischlers Hand geglättet wird?
„„Da wirst du sicher leichter werden!""
Darob erschallt aus allen Räumen der Rotunde
Des Pöbels gellendes Gelächter
Und lauter Beifallssturm umbraust die Höhnenden —
»Ihr Thoren, ruft GenesiuS, vom Lager sich erhebend,
„Kennt ihr sie nicht, die ungläubige Secte»Der Christen, die mit leichtem Muthe„Jedweder Bürde Druck ertragen;
„Die, um die Last des Körpers zu erleichtern, selbst den Nacken„Voll freudiger Begier dem Henker bieten!
»Wohlan auch ich verlange jetzt ein Christ zu werden,
„Um mir des Christen LooS dort zu erwerbe»,
„Wenn er einst naht ihr großer Tag des Lohnes." —
Nun wurden zwei von den Gefährten,
Vertraut mit der Verstellung falschen KünstenZum Bette des GenesiuS gerufen:
Der Eine mit des ChristenpricstcrS heiligem Gewände angethan,'Der Andere als Erorcist ihm dienend.
,j„So sage denn, mein Sohn, hub heuchlerisch der Priester an,Warum hast du zu uns gesendet,
„„Was ist der Dienst, den du von uns begehrst?""—
Da plötzlich dringt — wer will dem Herrn gebieten?
Der Strahl der Gnade in des Frevlers Herz;
Des Truges Nacht entschwindet seinen Blicken,
Er schaut begeistert hoh'rer Wahrheit strahlend Licht,
Das Herz erglüht in himmlischem Entzücken,
Süß wie der Blüthe Schmelz, die aus der Knospe bricht.Erneuert von der nberird'schen Flamme,
Die plötzlich ihn, wie Paulus einst Hinflössen,
Entgegnet er voll ernster, heil'gcr Würde:
„Ich wünsche, daß die Last, die mit des Unheils Banden„Des Geistes Ange mir umschlungen,
„Gehoben werde von der Gnade Christi." —
Die Lästerer, erneuten Scherz in dieser Rede wähnend,Begoßen nun, der Christen Taufe zu vollziehen.
Des Kranken Stirn mit reinigendem Wasser,
Umhüllten ihn mit weißem TaufgewandeUnd um die Bosheit zu vollenden,
Ward er von einer Kricgerschaar geleitet,
In schallendem Gespötte vor den Kaiser hingeführt,
Um da als Märtyrer verhört zu werden. —
Doch nun erwählte sich, was innen ihn ergriffen.
Als er der Taufe Reinigung begehrte:
In HimmelSwonne leuchtete des Auges Feuer,
Entzündet von der Gnade Wunderkraft,
Und mit dem heitern Muthe eines Märtyrers,
Der kühn dem nahen Sieg entgegen schreitet,
Begann er, heiliger Begeiferung voll,
Sich zu dem Volke und dem Kaiser wendend:
„Vernimm, Gebieter, höret Alle,
„Der Rede hcil'gcn Sinn, die ich verkünde!
„Das tiefste Nachgefühl durchwühlte mir die Seele,
„Wenn nur der Name „Christ" mir in die Ohren drang,
„Und mit des Grimmes Lästerworten„Beschimpfte ich — ihr wißt es — Alle,
„Die den verhaßte» Namen trugen.
„Ihr wäret Zeuge, wie ich der verhaßten Secte,
„Die übermüthig unsers Schwertes höhnet,
„Kühn mit dem Pfeil des öffentlichen Spottes„Das Lebensmark durchbohrte;
„Seit ich der Christen heiligen Gebräuchen„Mit unverdroß'ner Mühe nachgeforscht,
„Um sie vor euch dann zu entehren:
„Nun hört und staunet!
„Sobald das Wasser mir die Stirne netzte,
»Und meine Zunge es gelobt, daß ich in Wahrheit glaube.