Ausgabe 
9 (26.8.1849) 34
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gesetzte oder doch mit Gottes Zulassung bestehende, achten und ihr in allenrechtmäßigen Forderungen die Pflicht deö Gehorsams zugestehen, bei un-rechtmäßigen Berfiigungen aber anrathen, daß sich die Unterthanen mitallen ihnen gesetzlich zu Gebote stehenden Mitteln dagegen verwahren.Die Christen der Vorzeit waren eben so gute Christen unter Nero, Domi-tian u. s. w. wie unter Konstantin dem Großen; sie waren bessere Christenwie wir eS heut zu Tage sind, wo die politische Farbe oft hoher geschätztwird, als daS eigene Seelenheil und daS Wohl der Kirche. Gelingt dieeingelegte Verwahrung nach Wunsch, so ist eS gut; beharrt die Obrigkeitauf ihrer ungerechten Bahn, so ist es besser, Unrecht leiden, als Unrechtthun. Zur Empörung wird eine solche Tendenz weder dircct noch indirecianreizen. Eine Tendenz, die auf solcher Anschauung beruht, wird sich vorAllem der zahlreichen Lebensfragen bemächtigen, welche zur Aufstellung undHandhabung einer guten Verfassung erst den Grund legen sollen; also wirdsie suchen, der geistigen und physischen Verarmung und Krankhaftigkeit ab-zuhelfen, überzeugt, daß unS auch die beste Verfassung nichts nützen kann,wenn die Leute, denen sie gegeben wird, nicht diejenigen sind, die an gehö-riger Stelle gut zu befehlen und gut zu gehorchen verstehen. Kurzum: siewird das Reich Gottes sammt seinem Tugendschmuck, ohne welchen keinewahre Freiheit, kein wahrer Friede Aller gedenkbar ist, nach allen Bezie-hungen hin aufzurichten suchen. Da aber die Besserung eines tiefgesunke-nen, von Gott vielfach abgefallenen Volkes nur sehr langsam von Stattengeht und inzwischen doch eine Verfassung gemeinsam aufgestellt werden muß,so wird sie die christliche Gerechtigkeit (nicht die lügnerische Gerechtigkeitder von Parteiwuth kochenden Factioncn) sich zum Maaßstab nehmen undnach dem Grundsätze:WaS du willst, daß dir die Menschen thun sollen,das thue ihnen auch!" Freiheit für sich und Freiheit für Andere begehren.Es versteht sich da von selbst, daß solche Frankfurter Lahmheiten, wie die,welche sowohlRedemptoristen" als auchLiguorianer" auf ewig verbanntwissen wollte, bei ihr nicht vorkommen. Die Berichte, welche pon denKriegsschauplätzen kommen und sonstige Nachrichten, werden von einemBlatte der eben vorgezeichneten Tendenz nicht durch eine gefärbte Brille,sondern sehr vorsichtig, rein objectiv so weit sich der Kern der Wahr-heit ermitteln läßt betrachtet und den Lesern vorgeführt werden. GegenLügen und sonstige Schändlichkeiten, in welchem Partei-Heerlager sie auchvorkommen mögen, wird eS ernst und entschieden zu Felde ziehen. Durcheine solche Tendenz leistet man dem Volke wahrhaft einen Dienst; derStimme eines solchen Blattes wird es ein williges Gehör leihen und selbstdie verschiedenen Parteien werden es, sofern sie nicht total verblendet sind,achten müssen, da ein solches Blatt im Dienste der höchsten Macht stehtund der Wellenschlag der empörten TagcSleidcnschaften in der That nurzu seinen Füßen plätschert und ihm nie bis an den Hals kommen kann.Natürlich kann so ein Blatt sein Daseyn nicht mit bloßer Handhabung desNothstifteS fristen; eS erfordert viel Arbeit und'muß um so eifriger unter-stützt werden. In einer Zeit, wo man auS dem allein richtigenprinoi-PÜ8 obgta" ein bornirtcs obsta" machen möchte, sind Blätter

von solchem Geiste von besonderer Wichtigkeit, aber leider noch sehr selten.

3) DaS dritte Erforderniß ist ein tüchtiger Redacteur, welcher sowohlden Willen als auch die Fähigkeit hat, eine gute Tendenz durchzuführen,und der auch obendrein in schriftlichen Arbeiten geübt ist. Dieser Redac-teur muß sich ganz und gar dem Blatte widmen können und darum einesorgenfreie Existenz erhalten. Wird eine Redaction nur nebenbei betrieben,so kommt nichts dabei heraus.

4) Um dem Blatte wo möglich gleich Anfangs eine ordentliche Exi-stenz zu schaffen, thut man gut, Subscriplionen aufzunehmen; dieser Wegist an manchen Orten noch keineswegs abgenutzt. Betheiligung durchActien dürfte auch nicht zu verwerfen seyn, zumal bei kleineren Blättern.Man wolle überhaupt nicht gleich hoch oben hinaus mit seinen Plänen;daher lasse man daS Blatt fortwährend in einem mäßigen Formate erschei-neu, nicht in einem übermäßig großen, wie eS in neuester Zeit an man-chem Ort Sitte geworden zu seyn scheint. Die Güte eines Blattes wirdnicht nach Quadratmeilen, sondern nach seinem innern Gehalt bemessen;rS ist genug, wenn es täglich erscheint. Wer kann und mag täglich soungeheuer große Blätter lesen? Ein gutes Mittel, Abonnenten anzuziehen,ist die Beigabe von gutem UnterhallungSstoff, damit auch die Frauen etwaszu lesen haben. Die Frauen haben in den Familien oft eine wichtigeStimme, wenn es sich darum handelt, eine Zeitung an- oder abzuschaffen.

Ist ein neues Blatt auf diese Weise zu Stande gekommen, so bleibt,nach dem waS im Vorhergehenden über die Förderung schon bestehenderBlätter gesagt wurde, nichts weiter zu erörtern übrig. Wir gehen alsoüber zur Besprechung derjenigen Volksliteratur, welche nicht zu den periodi-schen gehört, sondern in zwanglosen Heften oder einzelnen Bündchen erscheint.

(Schluß folgt.)

Ein vertraulicher Brief an einen «katholischen Freund.

4 Deine Hand, hochgelehrter Mann, die neulich so freigebig mir zuEhren war, gibt mit heule die Feder in die Hand, um meinen Dank Dirabzustatten, den ich Dir schuldig bin. Ich bin mit meinem Begleiter inEure Stadt gekommen, Dir unbekannt und anderer Religion, als derDeinigen. Wir bekennen unS zur Römischen, Ihr zur AugSburger. Duhast unS als Gäste in Dein HauS geführt, das sich durch Eleganz undgeschmackvolle Einrichtung auszeichnet. Nicht genug. Auch die DenkmälerEuerer Stad( und die Werkstätten der Künstler hast Du mit größter Be-reitwilligkeit den Gästen geöffnet und sogar das Honorar für uns bezahlt.Deine ganze Güte gegen die Fremdlinge war eine Dienstleistung für sie;eS ist also billig, daß sie Dir zum Heile gereiche. Um dieses habe ichfür Dich täglich am Altare gebetet und werde darum beten, so oft ich anselbem stehe. Möge die himmlische Gottheit meine Wünsche für Dich er-hören und Dich auf den Weg führen, auf dem Du sicher in die Ewigkeitwanderst. Bester Mann, verbinde mit meinen Bitten die Deinen, damitDu wünschest, waS Dir nützlich ist. Ein Gott, Ein Glaube! Wir haltenunS an den alten, Du mit den Deinigen an den neuen. Wer von unSBeiden auf dem sicherern Weg wandle, wird die gesunde Vernunft ein-geben. Alt sind unsere Gebräuche, alt unsere Gesetze, alt ist bei unSAlles, wenn Du zu forschen Dich nicht weigerst. Daß Du dieses in denGlaubensartikeln Euers Martinas nicht findest, habe ich in der letztenRede gezeigt, die ich gehalten. Gewiß, Deine Religion benimmt Dir nichtalle Furcht, die unselige kann cS nicht, weil Du sie nicht annimmst. DaSbeständige Herumdrehen im Zweifel macht Dein Leben bitter, aber »ochbitterer dessen AuSgang. Damit Du diesen vermeidest, wähle daS Sichere!Wenn Deine Glaubensregel, die Du inne hast, kein verläßiger Führer zurSeligkeit ist, so bitte um Belehrung; bist Du aber belehrt, so verwirf dieBelehrung nicht. BeideS gibt der Vater der Lichter dem, der in Wahrheitdarum bittet. Zwischen zweifelhaften Fußpfaden muß man auf dem sicherngehen, obwohl er felsig und uneben ist. Im Fortgehen wird nach undnach der Reiseweg immer mehr geebnet, so, daß es nicht nur sicher, son-dern sogar angenehm ist, Weiler zu wandern. Glaube so vielen Tausenden,welche mit Vergnügen den Weg passiren, welchen Du scheuest. Rechneunter diesen auf mich zuerst, der ^ir dieses ernstlich wünscht, weil er DeinSeelenheil will. Auf diesem, Wege würde ich wahrlich nicht gehen, wennich mich vor Irrthum fürchten müßte. Auch Du wirst daS nicht thun,da Du weise bist. Die furchtsame Hoffnung, welche Dir eine weichlichereLehre vorstellt, darf Dich nicht von der strengern Lebensweise abwendigmachen. Unumstößlich sey Dir der Grundsatz:Hier Irren ist ewig Irren."Aber Du klagst, Laß zwei Berge Dir entgegen stehen, nämlich die zeit-lichen Güter und der vertraute Umgang mit Gleichgesinnten. O Du un-glücklicher Wanderer! Du stürzest Dich mit den Deinigen in eine Grnbe,während Du sicherer mit den Uebrigen inS Vaterland gehen könntest.Nicht darauf mußt Du schauen, mit wem, sondern wohin Du gehest.Wenn Du das Ende Beider betrachtest, so richte Dein Leben nach demGesetze Jener ein, deren Ausgang Du wünschest. Die zeitlichen Güterliebst Du zärtlicher, als cS geziemend und nützlich ist. Wenn man sieentbehren muß, so ist besser, sie zu entbehren, als den Himmel zu ent-behren. Den Verlust derselben kann Dir Gottes Güte im gegenwärtigenLeben noch ersetzen, und wird es auch thun, wenn es Deinem Heile zu-träglich ist. Anders sollst Du nicht wollen. Du wirst Oben reicher seyn,wenn Du Unten genügsam bist Ein großer Gewinn ist eS, um Erden-tand sich den Himmel zu erkaufen. Aber diese höhere Wahrheit schrecktden Furchtsamen, der noch nickt fähig ist, Höheres zu kosten. Wage eSnur einmal im Vertrauen auf Gott , und Du wirst können. Vor Einemhüte Dick! Verriegle nicht Dein Ohr dem Rufenden. Günstige Sternemögen Dir leuchten, daß Du recht sehest und folgest. Dazu ruft Dich dieheilige Wahrheit und daS Gewissen: daß Du eS thuest, Deine ehrenvolleStellung, und dein gutes Herz läßt eS mich hoffen. Du weißt, besterMann, daß man einmal fortwandcrn muß auS dieser Eitelkeit. Bereitealso daS zu, waS Dich hier ruhig und dort selig macht. BeideS erfleheich Dir auS vollstem Herzensgründe von Gott und verspreche Dir meineBeihilfe im Gebete. Lebe wohl!

Bonaventura'S Parabeln.

4 Da ich einmal bei einem alten Pfarrherrn in der Seelsorge Aus-hilfe leistete, fand ich einen neuen, noch ungekannten Schatz in dem Buche:Die Parabeln deS Vaters Bonaventura; ein vortreffliches HilfSbüchleinfür Seelsorger, Lehrer und Eltern zur Versinnlichung christlicher Wahrheit