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und Sittenlehre." Mit Genehmigung des hochwürdigsten OrdinariatsRegenSbnrg. Sulzbach, in der I. F. v. Seidel'schen Buchhandlung. Zweiteunveränderte Auflage. 1835. 1 fl. Dieser Bonaventura ist der VerfasserdeS „betrachteten Evangeliums," und schon dieser Umstand ist hinreichend,die weitere Verbreitung dieser Parabeln zu empfehlen, die besonders zurLectürc nach dem Religionsunterrichte in der SonntagSschnle geeignet sind,um daS Leben von der ernsthaften Seite kennen zu lernen.
Rom, 1. Aug. Die Bischöfe Neapels und Siciliens haben dasErsuchen an den König beider Sicilien gestellt, er möchte möglichst balddie P. P. Jesuiten wieder in seine Staaten zurückberufen. Der König hatdas Gesuch dem heiligen Vater vorgelegt.
Vielleicht haben Sie in öffentlichen Blättern gelesen, daß letzthin derGeneral der Augustiner-Mönche im Kloster Oasü c- lUaria dahier von derMilitärregierung verhaftet, und öffentlich vom Militär durch den Corsogeführt wurde. Man erzählte die verschiedensten Dinge als Ursache, unddie Schadenfreude war sehr geschäftig dabei. Man habe Comprvmittirtedort versteckt gehabt, sagten die Einen; Andere: man habe dort Kirchen-schätze versteckt und angegeben, die Anarchisten hätten sie ihnen gestohlen;wieder Andere: französische Officiere hätten im Kloster um Wohnung nach-gesucht, und seyen dort insultirt worden; ja die Mönche seyen sogar mitDolchen ihnen zu Leibe gegangen u. dgl. m. Ich kann Ihnen aber aussicherer Quelle sagen, daß an all' diesen angeführten Gründen kein Wortwahr ist, und folgendes die Ursache der Verhaftung war: General Oudinothatte in seiner Proklamation befohlen, daß, während er mit den Truppeneinziehe, alle Kirchen offen seyn müssen, damit nicht etwa revolutionäreSchaaren in denselben sich sammeln, und aus die Truppen schießen, wieeS z. B. in Livorno gegcgen unsere Truppen geschehen. Die Kirche Oosüe Naria blieb aber zu, und es mußte um so mehr auffallen, als dieseKirche am Corso steht, und eine Treppe von mehreren Stufen zum Portalführt. Der Ordensgeneral erklärte, daß es nur auS Vergessenheit injenen Stunden der größten Bewegung und Aufregung, und nicht mit dergeringsten Absicht geschehen sey, worauf er sogleich wieder in Freiheitgesetzt wurde.
Ein Privatbrief, welchen ich letzthin aus dem Vaterlande erhalten,enthält unter Andern: auch folgende Stelle: „Wir lasen in den katholischenBlättern auS Tirol alle die Gräuelthaten, welche in Rom überhaupt, ins-besondere aber an dem Klerus, den Kirchen und Klöstern verübt wurven,mit tiefem Schmerz! Wo sind nun jene vielen mißhandelten und vertriebe-nen Mönche und Nonnen? Werden sie wohl je wieder in ihre Klöster zu-rückkehren können? u. s. w." Dieselben Fragen dürfte vielleicht mancherder Leser dieser Blätter an sich selbst und Andere stellen, daher will ich sie,so weit ich'S vermag, auch in demselben Organ beantworten. Die Jesuiten ,welche, wie in der Schweiz, in ganz Italien unv Oesterreich auch hierzuerst vertrieben wurden, sind die meisten nach Amerika, England undFrankreich gezogen. Manche sind als Weltpriester in Italien herum zer-streut. Mlt ihnen hat der Krieg gegen die Kirche begonnen. Nun seheneS viele ein, welche damals vornehm over hochgelehrt lächelten, daß manso einfältig seyn konnte, der Auflösung, Vertreibung und Verfolgung dieserOrdenSmänncr eine so große Bedeutung beizulegen. AuS andern Ordenwanderten viele von hier weg, und suchten in andern Ländern und Staatenbei ihren OrdenSbrüdcrn Unterkunft. Manche lebten als Welipriester,und als diese nun auch verfolgt wurden, weltlich gekleidet als Private beiVerwandten und Freunden. Mehrere wurden Opfer: Mancher unterMenchlerhand, Andere auf sonst gewaltsame Weise. Andere erlagen demKummer und den leiblichen Strapazen, wie Zeitungen der verschiedenstenFarben genügend berichteten. Im gestrigen Oiorimlo äi Iloma ward an-gezeigt, daß die Dominicaner in sopra lUinerva ein feierliches Requiem fürihren grausam ermordeten Pfarrer abgehalten haben. Laicnbrüder tratenin Dienste bei christlichen Familien. Nonnen drängle man auS 4 — 5Klöstern verschiedener Orden in eines zusammen. Manche zogen das welt-liche Kleid an, und suchten eine Herberge bei Verwandten und Bekannten.Manche zogen nach Neapel und nach Frankreich . Novizen wurden seit einpaar Jahren sowohl in Männer- als Fraucnordcn, wie sich unter solchenUmständen von selbst versteht, keine mehr aufgenommen. Alte, kränkelndeund gebrechliche Personen unterlagen diesen Verfolgungen, während sie inruhigern Zeiten und ungestört in ihren Ordenshäusern vielleicht noch vieleJahre gelebt haben würden. So ist denn die Zahl der geistlichen OrdenS-
mitglieder um ein Bedeutendes vermindert worden. Den Nonnen sind hierin der Hauptstadt schon wieder ein paar Klöster zurückgegeben worden; inden Provinzen wird eS wahrscheinlich im Verhältnisse auch geschehen seyn.Dasselbe ist bei den Mönchen der Fall; die Zerstreuten oder in einzelneKlöster Zusammgedrängten kehren in ihr Eigenthum zurück, und theilen dieRäume brüderlich mit den französischen Truppen. DaS NoviciathauS derJesuiten , welches nach Vertreibung derselben den alten gebrechlichen, dienicht wegziehen konnten, als Asyl gelassen ward, obgleich sie während derRepublik von einem Ort zum andern geschleppt wurden, ist den noch amLeben gebliebenen Gebrechlichen wieder zum Theil zurückgegeben worden;und, wie oben gesagt, wünschen die neapolitanischen und sicilianischen Bi-schöfe ihre Rückkunft inS Königreich Neapel . Daß aber die Zahl derOrdenspersonen beiderlei Geschlechts vermindert bleiben oder noch mehrvermindert werden wird, ist außer Zweifel; denn der Staat ist nun soverschuldet worden, daß, wenn der Papst nicht genöthigt wird Klostergüterzu verkaufen, sie doch so schwer besteuert werden, daß eS die Aufnahmevon Novizen auf viele Jahre sehr erschweren oder gar unmöglich machen,und so manche Gemeinde nach und nach völlig aussterben muß. (K. Bl. a. T.)
PirrSvereine.
Aachen , 3. Aug. Die katholischen Vereine hier und anderwärts,welche mit Ausnahme deS Trierer PiuSvereines die Betheiligung an derAbgeordnetenwahl jedem Mitgliede freigelassen, ohne sich als Verein für daSeine oder andere auSzusprechen, haben ohne Zweifel dadurch daS Richtigegetroffen, obschon sie mit der frühern thätigen Betheiligung an den Wahlendurch die Neutralität in Widerspruch geriethen. Die katholischen Vereinehaben hierin dem Grundsätze, Politisches möglichst auS ihrem Bereiche aus-zuschließen, faktisch beigestimmt und einen Weg angedeutet, der wohl inalleweg von ihnen einzuschlagen seyn dürfte. DaS Gebiet der Wirksamkeitfür die katholischen Vereine ist, auch abgesehen von der Politik, sehr aus-gedehnt; und wenn sie auf diesem reinkirchlichen Gebiete (wozu allerdingsauch die sogenannten socialen Fragen zu rechnen sind) mit Eifer und Opfer-willigkeit in ächtkatholischem Geiste arbeiten, so werden sie gerade dadurchauch auf die politischen Zustände einen größer:: Einfluß gewinnen, alsdieß anders der Fall seyn könnte. Die Pflege einer ächtkatholischcn Ge-sinnung und Gesittung ist daS kräftigste Schutzmittel gegen jede politischeEntartung und Abirrung; dieß können katholische Vereine nicht genug imAuge behalten, um eineStheilS nicht politischen Parteiführern in die Händezu fallen, und anderntheilS nicht der Sache der Kirche hemmend und hin-derlich zu werden. Die Kirche selbst aber hat unS in ihrem Organismusein sicheres Mittel in die Hand gegeben, um nicht von Dem abzuweichen,was sie will. ES ist der enge Anschluß an die kirchliche Hierarchie imAllgemeinen und die vertrauensvolle Verbinvung mit dem eigenen Ober-hirten insbesondere. Die katholischen Vereine sollen nur DaS, waS dieBischöfe wollen und erstreben, unterstützen und fördern, so weit eS inihren Kräften liegt, keineswegs aber in die bischöfliche Oberhirtenpflegeeingreifen wollen. Die Bischöfe sind vom Herrn bestellt, die Kirche GotteSzu regieren, und waS nur auf den katholischen Namen oder besser auf daSkatholische Wesen Anspruch macht, wird nimmer in daS Kirchenregimentübergreifen, noch weniger gegen dasselbe Opposition machen wollen. Manwähne nicht, daß dieß eine Beschränkung der katholischen Vereine seynkönne. Abgesehen, daß dadurch politische Fragen keineswegs ganz aus-geschlossen seyn sollen (wie ja selbst die Bischöfe oft zur Betheiligung andei: Wahlen aufgefordert), gibt die Zeit gewiß Veranlassung in Fülle zumWirken, und um so ausgedehntere Veranlassung, je freier die Kirche ge-stellt ist. Die Gründung kirchlicher Institute (versteht sich im Sinne derDiöcesan-Oberen), die Förderung katholischer Zwecke (der Missionen, derPresse, deS Cultus:c), die Mehrung und Ausbreitung katholischen Glau-bens und LebenS: dieß und anderes bietet so reiche und ausgedehnte Wir-kungskreise dar, daß eine Erschöpfung und Erledigung nicht so leicht ein-treten kann. Und in allen diesen Puncten ist eS die Aufgabe der katholi-schen Vereine, den feindseligen in der Politik oder in der bürgerlichen Ge-sellschaft liegenden Elementen kräftig entgegen zu wirken und für unsernEpiskopat eine eherne Mauer zu bilden zu Schutz und Trutz. (Kath.)
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen
Verlags-Inhaber; F. C. Krem er.