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Neunter Jahrgang.
s. September 1848.
Rede
gehalten bei der Eröffnung der Volksversammlung inMering von A. Lindenbaur, Pfarrer und Kämmerer inMering, H. Vorstand des Vereins für constitutionelleMonarchie und religiöse Freiheit, am 15. Aug. 1849.
VerehrungSwürdige Versammlung I
Wir vollendeten so eben in den heiligen Räumen deS hiesigen Pfarr-gotteshauseS das Hauptfest eines religiösen VereinS — einer Bruderschaft,die sich eines 200jährigen Bestandes zu erfreuen hat. Nun sind wir hie-her gekommen, einen Verein für gleichfalls wichtige Zwecke durch Abhal-tung einer Volksversammlung feierlich in sein Daseyn einzuführen.
Mir ist die ehrenvolle Aufgabe zugefallen, die geehrte Versammlungzu begrüßen und willkommen zu heißen, dann ein einleitendes Wort zusprechen über die Bedeutung und den Zweck deS VereinS. Um aber mei-ner Aufgabe genügend entsprechen zu können, möge es mir erlaubt seyn,etwas weiter auszuholen.
In welchem Zeitmomente findet unsere Versammlung statt? In einemMomente, wie sie nur nach Jahrhunderten wiederzukehren pflegen; aneinem Wendepuncte der Geschichte, wo die alte Ordnung in.Trümmernuntergeht, und eine neue Weltperiode sich gebären will; in einer Zeit derEntscheidung, des Gerichtes, deS Schreckens, der Hoffnung, wo Alles,was nicht ewig ist, in Frage steht, wo wir, wie sonst fast niemals, inder allmächtigen Hand GotteS unS fühlen. Wer könnte dieß läugnen?
Als im vorigen Jahre der Winter zu weichen und der FrühIingS-hauch zu wehen begann, wurde Europa von den SturmeSwehen einerBewegung ergriffen, welche alle Stützen der gesellschaftlichen Ordnungerzittern machte. Alle Wünsche, gute wie böse, ungerechte wie gerechte,drangen ungestümm hervor gleich dem Gießbache, welchen der thauendeSchnee geschwellt hat; alle Entwürfe, ausführbare wie unausführbare,verderbliche wie heilsame, glaubten ein Recht zu haben, in der SchnelledeS Augenblickes befriedigt zu werden. Ueber dem verworrenen Drängenund Treiben lächelte ein Stern der Hoffnung: denn manches Vermodertesank in den Staub, dem es angehörte, nicht wenige Mißbräuche wurdenabgestellt.
Aber daS Glück wollte nicht kommen, und die Gerechtigkeit entfloh.Leidenschaft und Eigennutz traten mit verwegenem Trotz in den Vorder-grund: die Freunde der Ordnung und des Friedens schmiegten trotz ihrerungeheuern Mehrzahl sich schüchtern zur Seite. Frömmigkeit und Gottes-furcht wurden gehöhnt, Kirche und Geistlichkeit gelösten; die Zartheit deSPflichtgefühls wurde als Sklavensinn und Albernheit ausgedeutet; Revolu-tion, d. h. gewaltsame Umwälzung alles Bestehenden, ward als ein Rechtder Menschheit gepriesen. Jeder Versuch, zu beschwichtigen und zu däm-men, wurde Tyrannei, Reaction, Verrath an der Freiheit gescholten, undden Herrschern, die Gott zu Schirmherren der Gerechtigkeit bestellt hat,sollte keine andere Rolle bleiben, als durch immer neue Zugeständnisse ihreeigenen Throne zu stürzen. Die Sturmglocken heulten, die Barricadenerhoben sich, der Meuchelmord schritt an sein finsteres Werk. Sachsen,Baden, Oesterreich im Kampfe mit Ungarn, Italien, die Weltstadt derChristenheit — Rom haben Mord und Brand, Leichenhügel und Trüm-merhaufen der Verwüstung gesehen. Von unserm Vaterland Bayern wardnur die aufständische Pfalz mit diesen Gräueln heimgesucht.
Betrachtungen dieser Art waren eS ohne Zweifel, die in unsermdeutschen Vaterland Vereine zum Schutze der bestehenden Ordnung und zuihrer gesetzlichen Fortbildung gegen gewaltsamen Umsturz hervorriefen.Auch in unserm Vaterland Bayern hat diese Betrachtung längst Jedem dasGefühl aufgedrungen, daß eS der Vereinigung aller guten und gesundenKräfte, und der Verständigung und des Zusammenwirkens aller Edlen und
Tüchtigen der Nation bedarf, um die heiligsten Güter der Menschheit durchdie Sündfluth der Revolutionen in die neue Zeit zu retten; nnv diese Ge-sinnung war eS auch, welche die Männer beseelte, die in München imMonat Mai deS voriges Jahres zusammentraten, um den „Verein fürconstitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit" zu gründen.
Dieser Baum, der in der Residenzstadt BavernS so viele Wurzelngegraben, hat mittlerweile in allen Provinzen vielversprechende Zweigegetrieben. Ein solcher Zweig beginnt auch aufzublühen in unserm Land-capitel Bayrmünching, daS seine Dorfschaften in drei Landgerichte» hat:Friedberg, Bruck und LandSberg. Gemäß ihrer organischen Verbindunghat der Zweig gleiche Bestimmung wie der Baum, und gleichen Zweck.
Der Zweck aber, den der Verein für constitutionelle Monarchie undreligiöse Freiheit zu erreichen strebt, ist: Mit gemcinschastlichen Kräftendahin zu wirken, daß die Freiheiten, welche durch die königliche Proclama-tion vom 6. März vorigen Jahres bewilligt worden sind, einerseitsnicht zum Umstürze mißbraucht, andererseits nicht zum Rückschrittbeeinträchtiget werden.
Der Verein wird daher streben, die Anhänglichkeit an daS ange-stammte KönigShauS zu befestigen, und daS gegenseitige Vertrauenzwischen Regierung und Volk in jeder Weise zu beleben und zukräjffgen, und zu diesem Behufe an der Lösung der wichtigsten Fragen,von denen die Gegenwart bewegt wird, mitwirken.
Wir sind seit lange im Besitze einer Verfassung, die alle Keime zujeder heilsamen Verbesserung und Entwicklung auf friedlichem, gesetzlichemWege enthält, wenn nur Jeder aus unserer Mitte mit Muth, mit Festig-keit und Thätigkeit seine Pflicht erfüllt. Ober soll unS etwa unsere Ver-fassung darum minder theuer seyn, weil wir sie nicht den Barricaden undvergossenem Bürgerblute, sondern dem freien Willen unsers KönigS Maxi-milian I. verdanken?
Zwar glaubte der Hochmuth der ehemaligen Nationalversammlungvon Frankfurt alle bestehenden Regierungen Deutschlands durch den Hauchihres Mundes zerbrechen zu können, und befeindete auch unsere Verfassung.Aber die Weisheit und umsichtSvoll berechnende Klugheit unserer Regierunghat die Gefahren abgewendet. Am Frankfurter Parlament ist aber wahrgeworden, was daS Sprüchwort sagt: „Hochmuth kommt vor dem Falle."Auch sollte die Welt inne werden, daß der Bestand und das Heil dermenschlichen Gesellschaft nicht beruhe auf äußeren Gesetzen und StaatSfor-men, nicht auf einem künstlichen Mechanismus, nicht auf Künsten derPolitik, nicht auf den Combinationen deS Handels und der Industrie, nichtauf materiellen Mitteln, nicht auf dem Gewebe egoistischer Interessen, auchnicht auf glänzender Intelligenz und umfassender Verstandesschärfe — son-dern ganz und gar auf der Gesittung und dem Gewissen des Volkes, aufinnerlicher Gerechtigkeit, auf versöhnender und helfender Liebe. Und dieseGesittung, dieses Gewissen, diese Gerechtigkeit, diese Versöhnung und Liebe,— ohne welche auf die Dauer auch die irdische Wohlfahrt nicht bestehenkann, — diese wurzelt allein in dem Christenthume, und schöpft nur auSibm Wahrheit, Kraft und Leben.
Wir haben deßwegen noch eine andere Verfassung, die in ihrenwesentlichen Zügen göttlichen Rechtes ist, also unabänderlich, unwandelbar,über alle Zeitenstürme erhaben. Dieß ist die Verfassung der katholischenKirche, die nach ihren Principien die festeste Stütze aller geselligen Ord-nung ist.
ES ist daher auch Hauptaufgabe deS VereinS, die derselben gebüh-renden Rechte zu wahren, die religiöse Freiheit der Kirche zu verlangen,zu behaupten, zu vertheidigen. Vom bayerischen Volke wissen wir zwarnach AuSweiS einer tausendjährigen Geschichte, daß eS mit seinen Fürsten Glück und Wohlstand genoß, so lange und weil beide der Kirche getreugeblieben, und daß ihre bürgerliche Freiheit segensvoll blühte und gedieh