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im milden Lichte des Christenthums. Ich dürfte nur Namen nennen ausdem bayerischen Regenten-Geschlechte, wie einen Wilhelm den IV., denStandhaften, der gleichsam Blut unv Leben verpfändete für die katho-lische Kirche, oder seinen Sohn Albrecht den V., den Großmüthigen,den selbst die Vätcr dcS Concils von Trient die stärkste Schutzwehr derReligion und dcS heiligen Stuhles nannten; einen Wilhelm den V. denFrommen; den großen Churfürsten Marimilian I., der Bayern zu einerweltbedeutcnden Macht erhoben hat, und den die Geschichte den Retter degKatholicismus in Deutschland im dreißigjährigen Kriege nennt: nur solcheNamen darf ich nennen, um unS in Cnnnerung zu rufen, waS sie derKirche, und waS sie ihrem Volke waren. Auch wären wir undankbar,wollten wir vergessen, daß unter König Ludwig!. Bayern sich zum erstenkatholischen Staat in Deutschland und zum Rang einer eigentlichen Groß-macht emporgeschwungen hat, und waS er für Kirche, Schule, Kunstund Wissenschaft gethan. Auch Marimilian II, dessen Wahlspruch Frei-heit und Gesetzmäßigkeil ist, bauet sein und seines BolkeS Glück auf Reli-gion und Kirche. Bon dieser Seile her wäre demnach für die religiöseFreiheit nichts zu fürchten, wenn eS nicht Diplomaten und Staatsmänner,Rathgeber und Volksvertreter gäbe, die, vom Geiste der Verneinung be-herrscht, etwas ganz anderes wollen. Haben wir ja doch die Worte ver-nommen, die ein bayerischer CultuSmiiuster in der Nationalversammlungzu Frankfurt auözusprechen wagte, indem er behauptete, vaß die Verfassungder Kirche einer radicalen Aenderung bedürfe, und von Grund auS umge-staltet werden müsse. Aber Dr. DöUinger und Dr. Sepp, diese ritterlichenKämpfer für Kirche und ihre unantastbar heiligen Rechte, haben diesemunbefugten Reform-Projecranten eine wohlverdiente Lection gegeben, undeine totale Niederlage beigebracht.
Eine ganz andere Sprache führt der gefeierte Staatöminister vonder Pfordten, der am 24. Mai l. I. in der XII. öffentlichen Sitzung derKammer der NeichSrälhc unter andern daS große Wort gesprochen: „Ichweiß nur Cine Hilfe bei diesem Zustande der Gegenwart, aber ich binüberzeugt, daß sie genügt. Jeder Einzelne halte fest an den ewigen Prin-cipien, auf denen der Staat ruht, auf welchen die Wohlfahrt des Ganzen,wie deS Einzelnen ruhen muß, an dem Rechte und der Achtung vor demGesetze; an der Achtung vor dem Sittengesctze, welches die tiefere BasisdeS Rechtes ist, — vor der heiligen Ordnung der Dinge, die wir nichtgemacht haben, und die wir auch nicht zerbrechen können. Von öieserAchtung erfüllt thue Jeder, was seines Amtes ist, auf seinem Posten, undalle lassen sich leiten von der Liebe zum Vaterlande, von der Liebe zuunsern Brüdern, die daS höchste Gesetz ist. Wenn dieß die Gesinnung derMehrheit wird, dann ist unS geholfen. In welcher Form, auf welchemWege, das vermag ich noch nicht zu sagen, aber überzeugt bin ich, daßunS dann geholfen wird.
„Dringt aber diese Gesinnung nicht durch, so-mögen die Räthe derFürsten und die Fürsten selbst sinnen und thun waS sie wollen, und dieVertreter deS Volkes mögen rathen und beschließen waS sie wollen, eSwird Elend über Elend über das deutsche Volk hereinbrechen, und nachlangen unabsehbaren Kämpfen wird die gewaltige Hand, die über denMenschen ist, die Ordnung wieder aufrichten, welche der Uebermuth derMenschen frevelnd vernichtet hat." Dieß ist auch meine feste Ueberzeugung.
Ich schließe meine Rede mit einem Glcichniß.
Ein Seeschiff eilet Monate lang durch die Weiten dcS MecreS,unter ihm der Abgrund der Fluchen, ober ihm die Stürme deS Himmels,neben ihm Klippen und Sanvbänke, und wohlbehalten kömmt es an daSferne Ziel, weil der Schissöhauptmann und der Steuermann, der Boots-mann und der Matrose, was sie zu wissen brauchen, wissen, und mitunverdrossenem Eifer üben. Doch nehmen wir an, während die dunkel sichthürmenden Wolken schon den herannahenden Sturm verkünden, sprechendie Matrosen zum Capilän und zum Steuermann: Gleichheit ist LaS hei-ligste Menschenrecht: wir sehen nicht ein, warum eben du unS gebieten,und den strengsten Gehorsam fordern, warum eben du am Steuerruder dichbreit machen und unserm Fahrzeuge den Weg vorschreiben sollst? Unddarauf treiben sie beide von ihren Plätzen, ernennen einen Schiffsjungenzum Befehlshaber, stellen einen unwissenden Matrosen an's Steuerruder.Ohne Zweifel wird dieses Schiff daS losbrechende Ungewitter nicht beste-hen, und bald alö ein unbehilflicher Wrak auf den schäumenden Wellentreiben. Eben so geht es im StaalSIeben. Jeder freie Mann ist berufen,an seinem Orte und nach seinen Kräften für die Wohlfahrt deS Ganzenzu wirken; doch nicht Jeder vermag die verwickelten Verhältnisse zu über-blicken, von deren richtiger Beurtheilung daS Heil der Staaten abhängt,nicht Jeder ist befähigt in jeder Beziehung an der Uebung der Staats-gewalt Theil zu nehmen. Darum hat daS Volk seine Vertreter gewählt,die Hand in Hand mit der Regierung das Wohl' dcS Vaterlandes bera-then. Im Vertrauen auf sie, wollen wir einer bessern Zukunft entgegen
^chen. Es ist nun aber Zeit, den sehr geehrten Herren Rednern, die nach)»ir aufzutreten die Güte haben, den Platz einzuräumen; nur behalte ichjmir die Ehre vor, auf des KönigS von Bayern Majestät ein Hoch aus-zubringen, und ich rufe mit begeisterter Seele:i Marimilian II. König von Bayern lebe hoch!
Winke zur Hebung der katholischen Presse.
' (Schluß.)
^ III. Von der Förderung der übrigen Volksliteratur.
! Wenn man von der katholischen Presse im Allgemeinen redet, wieeS die Hauptüberschrift dieser Arbeit angibt, so müßte man eigentlich auchder Literatur der Wissenschaft gedenken; doch würde uns dieß hier zu weitführen. Dieser Gegenstand eignet sich besser für eine besondere Abhand-lung von gehörigem Umfang, als für einen Aufsatz, ver in übersichtlicherBehandlung der katholischen Presse im Allgemeinen nur Winke zur Hebungderselben ertheilen will. Daher habe ich für diesen Abschnitt „die übrigeVolksliteratur" zur Ueberschrift gewählt. Darunter verstehe ich: 1)die Kalender; 2) die UnterhaltungS- und BelehrungSliteratur, welche inHeften oder etwa in Bündchen erscheint; 3) die Flugschriften. Ueber jededieser Gattungen soll noch im Einzelnen gehandelt werten.
Die Kalender. Von dieser Gattung unterscheidet man sogleichzwei Arten: 1) die sogenannten Volkskalender, die in Quartformaterscheinen und in der Regel mit groben Holzschnitten versehen sind;— 2)die Jahrbücher oder Almanache, welche in Octav erscheinen, feinerausgestattet und mehr für die Gebildeten deS Volks bestimmt sind.
In Betreff der Volkskalender bringe ich folgende Vorschläge inAnregung und empfehle sie der Erwägung und Beherzigung aller derer,die durch Talent, Neigung, Beruf und Einfluß besondere Aufforderunghaben, sich der katholischen Volksliteratur anzunehmen.
1) Für das gesammte katholische Deutschland nur einen Kalender,etwa nach Art deS Kalenders für Zeit und Ewigkeit, aufzustellen und die-sen dann recht zu verbreiten, dazu würde ich nicht rathen. Ist so einKalender für eine gewisse Gegend oder für ein gewisses Land auch ganzvortrefflich gehalten, so paßt er doch für eine andere Gegend Deutschlands bei weitem weniger, vielleicht ganz und gar nicht. Für einen Kalender,der z. B. durch und durch nur Religionslehre enthält, wie eS namentlichdie Fortsetzungen deS Kalenders für Zeit und Ewigkeit zu beabsichtigenscheinen, könnte ich gar nicht stimmen, weil dieß unmöglich daS Volk aufdie Dauer dem Kalender wird geneigt machen. Die Leute sagen mit Recht:„Wir haben Christenlehre und Predigt und haben daheim den Katechismus,ein paar gute Gebetbücher und den Pater Gosfinö; — waS brauchen wirda noch einen Kalender, der über daS Kirchenjahr u. s. w. spricht? Wirhaben dieß Alles schon in unserer nächsten Nähe eben so gut und vielleichtnoch besser, als eS der Kalendermann abhandelt. Mit der Religion mußman auch glimpflich umgehen, darf nicht so viel Spässe, Witze und Derb-heiten darein mengen, sonst versäumt der Leser über dem Lachen die Bußeund der Kalender wird ganz seiner eigentlichen Bestimmung entfremdet."So ungefähr hört man die Leute reden und sie haben ganz recht, wennsie auS einem Kalender nicht wollen ein ReligionSbuch gemacht sehen.Folgt denn nun daraus, daß etwa die Religion auS dxn Kalendern ver-schwinden solle? O keineswegs! Die Religion soll im Kalender herrschendseyn und bleiben, nur in anderer Weise. Ueber daS „Wie?" wird spätergesprochen. Ich will hier nur geltend machen, daß eine jede Gegend ihrenbesondern Kalender haben muß. So muß z. B. die Schweiz , und in der-selben sogar mancher einzelne Kanton, einen eigenen Kalender haben; ebenso Schwaben, Altbayern, Franken, Hessen, Thüringen , Sachsen, Tirolu. s. w. Ein allgemeiner Kalender kann nicht auf die verschiedenen VolkS-Eigenthümlichkeiten und besonderen OrtSverhältnisse der einzelnen LänderRücksicht nehmen und das müßte doch geschehen, wenn der Kalender gehörigverstanden, gehörig brauchbar werden soll. Man lasse sich es also ange-legen seyn, für jeden besonderen Landstrich auch einen besonderen Kalenderaufzustellen, unv trage dann dafür Sorge, daß er so viel als möglich ver-breitet wird. Ich will besonders darauf aufmerksam machen, daß gutge-sinnte Katholiken die Herausgabe eines Kalenders nicht jedwedem Verlegerüberlassen sollen. Mancher Verleger oder Drucker sieht nur auf seinenGewinn, ohne der Religion Rechnung zu tragen, und stellt einen Kalenderauf, der zwar manche platte Erzählungen, schlechte Witze und Anekdotenund abgedroschene, unhaltbare Belebrungen über Kartoffelkrankheit, Dün-ger, Wanzenvertilgung, Baumzucht u. s. w. enthält, aber weit entfernt ist,ein ordentlicher Kalender zu seyn. ES sollte sich in jeder Gegend eineGesellschaft eifriger Katholiken bilden, welche sich die Ausarbeitung, AuS-