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statiung und Verbreitung eines guten Kalenders zur Aufgabe sehte. Inden einzelnen Kantonen der Schweiz haben sich schon seil Jahren die Sec-tionen der „gemeinnützigen Gesellschaft" die Herausgabe von Kalendernzur Aufgabe gesetzt und ihre Bemühungen wurden mit dem besten Erfolgegekrönt. Warum sollte daS bei uns nicht gehen? Warum sollten wirKatholiken allein nur so gewissenlos seyn, die Kalenberliteratur einem blin-den Zufall und Ungefähr oder einer glaubenslosen Speculation zu über-lassen? Laden wir unS denn dadurch nicht eine ungeheuere Verantwortlich-keit auf? Ich kann darauf nicht anders antworten, als „Ja!" Darumwolle man denn endlich auch hier einmal frisch anS Werk gehen! DaSNähere wird in einem der folgenden Puncte besprochen werden.
2) Ueber die Einrichtung eines solchen VolkSkalenvers mache ich fol-gende Vorschläge. Da daS Volk selten zu einem richtigen Verständnisseder Zeit gelangt, in welcher es lebt — wenigstens kann eS eine solcheKenntniß nicht auS den bunt durcheinander gemischten hochtrabenden, ein-ander oft widersprechenden und sehr häufig auch mit Parteihaß erfülltenArtikeln der Zeitungen schöpfen — so ist eS vor Allem wichtig, ihm diese Zeitin einem klaren, aber gedrängten Bilde vorzuführen, so zwar, daß der soeben erscheinende Kalender eine nach Monaten geordnete Uebersicht der Er-eignisse des vorigen Jahres brächte. Diese Uebersicht müßte neben ihrerKlarheit und Vollständigkeit durchweg von einem innigen christlichen Geistegetragen und durchweht seyn und in einer gefälligen, munteren und Allenverständlichen Schreibart abgefaßt werden, wobei eS sich natürlich von selbstversteht, daß vor Allem der gelehrte Fremdwörterkram, welcher der Stolzunserer Zeitungen und die Pest der deutschen Sprache ist, wegbleiben müßte.Wo es der Gegenstand zuläßt und zu erfordern scheint, da herrsche einemuntere, mit gesundem Witz und Spott gewürzte Sprache; anderwärtsaber herrsche auch wieder gewaltiger, erschütternder Ernst. Durch daS Ganzemuß sich der herrliche Gedanke hinziehen, daß Gott , als Vater der Men-schen, auch ihr Erzieher ist, und daß darnach auch alle Erlebnisse undEreignisse im Menschenleben zu beurtheilen sind; eS muß dem Volke anSHerz gelegt werden, daß eS die Erziehungspläne GotteS, wie sie in dessenFügungen und Schickungen hervortreten, verstehen lerne und darnach immermehr sein Leben einrichte. Ich weiß eS aus verschiedenen Beispielen, daßeine solche Zeilübersicht, in Einrichtung, Geist und Sprache so gehalten,von allen Ständen LeS Volks ungemein gern gelesen wird und eine tiefeWirkung hervorbringt. Ja man kann mit vollem Rechte sagen, daß einKalender, um einer so beschaffenen Zeitübersicht willen, gar nicht veraltet,immer noch nachverlangt und selbst nach zwanzig Jahren noch sehr gernegelesen wird. Der Kalender dient dann an der Stelle der alten Chronikenund wird vom Volke, wegen deS hohen göttlichen Planes, der in demsel-ben zur Anschauung vorgeführt wird, hoch in Ehren gehalten. Diese Zeit-Chronik würde also den Vordergrund einnehmen. Darauf würde danneine gute Erzählung aus der alten oder neuesten Zeit folgen, und wennsie nicht zu lang ist, würden daran noch einige kurze und merkwürdigedaher wirksame Charaklerzüge u. s. w. aus dem Leben angeschlossen. Wennüber diesem Erzählungsstoffe auch nicht die Ueberschriflen stehen: „Vaterunser" oder „viertes Gebot GotteS u. s. w.," so würde die Erzählungdoch selbstredend nur von christlichem Geiste und Leben, ermunternd oderwarnend, Kunde geben. Man würde um der schönen Hülle willen auchden heilsamen Kern der Erzählung liebgewinnen und so dürfte manche guteLehre beim Volke einen bessern Boren finden, als wenn die Sache reinkatechetisch u. s. w. angelegt worden wäre. Das dritte, was der Kalenderzu bringen hätte, wären sogenannte Nützlichkeitsartikel, Recepte u. s. w.jeder Art, aber nicht als bequeme Lückenbüßer, sondern mit großer Sorg-falt ausgewählt. Dann kämen die Jahrmärkte, Post- und Dampfschiffcurse,Zinsiabellen, und zuletzt daö Einmaleins. Ein paar ordentliche Holzschnitteoder Lithographien dürften nicht fehlen. Würde dabei der Kalender auchgegen vier Bogen stark, so daß das Eremplar auf 14 Kreuzer oder 4 Sgr.zu stehen käme, — der Kalender würde um seiner Einrichtung und Hal-tung willen gerne gekauft werden. Laßt ihn auch meinetwegen 5 Sgr.kosten; ist er gut, so macht er sein Glück. Daß vorne der eigentliche Zeit-kalender mit Monat und Datum, sammt Bauernregeln und was noch dazugehört, nicht fehlen darf, ist an sich klar.
3) Als Herausgeber eines solchen Kalenders wähle man einen Mann,dem eine populäre Schreibart und originelle Einfälle eigen, sind. Wollte ^Jemand den Kalenderstyl nach diesem oder jenem Muster 'nachahmen, so!käme dadurch nur ein arges Pfuschwerk zu Stande. An jeder Stelle würde!die Papageyennatur sichtbar werben und unbefangene Leser würden sagen:!„Man sieht wohl, daß sich der Kalendermann alle mögliche Mühe gibt,!den VolkSrednerton anzuschlagen; aber gerade weil er sich solche Gewaltanthun muß, wird seine Sache ungenießbar und wäre ihm zu rathen, sichauf etwas Anderes zu verlegen." Der Kalender müßte ganz von einemund demselben Verfasser seyn, ausgenommen die landwirthschaftlichen und
sonstigen gemeinnützigen Aufsätze, welche ohnehin einen ganz andren Cha-rakter haben, als daS Vorhergehende und daher auch einen andern Vcr-fasser zulassen, ohne daß die Einheit deS Kalenders darunter leidet; daßder Kalender vor der Herausgabe der Prüfung einiger Sachverständigenunterliegen muß, mag sich von selbst verstehen.
4) Endlich ist noch über die Ausgabezeit deS Kalenders ein Wortzu sagen. Da man einen guten Volkskalender gerne so weit als möglichwirb verbreiten wollen, um auch durch einen starken Absatz einigen Vor-theil zu ziehen, so kommt auf die Zeit der Herausgabe sehr viel an. Wennmanche Kalender erst im November versendet werden, so ist dieß offenbarzu spät, daher nachtheilig für den Absatz. Der Herausgeber muß dafürsorgen, daß der Kalender spätestens Ende August versendet wird. DerEinzelverkauf wird am besten den Buchhändlern und Buchbindern, und wokeine solchen sind, den Krämern übertragen.
Ueber die Jahrbücher oder Almanache ist kurz Folgendes zubemerken:
1) Vor Allem zeichne sich ein solches Buch durch Mannigfaltigkeitund Frische deS Stoffes auS. Ein lahmer, langwriligcr Styl ist hier ebenso wenig zulässig, als im Bauernkalender. Die Erzählungen, Bilder u. s. w.dürfen nicht gewaltsamer Weise vom kirchlichen Gebiete herbeigeschlepptwerden. Sollen eigentliche kirchliche Bilder und Scenen darin vorkomme»,so müssen sie sich naturgemäß anS der Erzählung hervorfinden und dannnicht zu sehr gehäuft. Manche Herausgeber katholischer Jahrbücher oderAlmanache meinen, sie thäten der guten Sache und den Lesern einen gro-ßen Gefallen, wenn sie bei jeder Gelegenbeit Mönche, Processionen, Kreuze,Capellcn u. s. w. aufmarschiren lassen. Darin besteht aber der katholischeGehalt einer Erzählung nicht, sondern in der treuen Auffassung der Wirk-lichkeit, die durch den religiösen Geist veredelt und auf höhere Bahnenhingewiesen wird, so daß der Leser, möchte ich sagen, mehr unbewußt denreligiösen Kern der Erzählung in sich aufnimmt und nicht durch gesuchteScenerie gewaltsam darauf hingestoßen wird, daß er eS hier mit einemkatholischen Almanach zu thun habe. Die Gedichte, wie sie seither in sol-chen Büchern geliefert wurden, dürften entweder besser und kürzer seyn oderganz weggelassen werden. Auch könnte auf die äußere Ausstattung mehrverwendet werden; eine gute Ausstattung ist nicht immer nothwendig theuer.Guter. Geschmack und Sorgfalt bringen viel zu Stande. Die Produkteder modernen Aufklärung bieten in Betreff der Ausstattung gute Musterdar. Zur Anfertigung schöner Zeichnungen für Erzählungen empfehle ichmit gutem Gewissen den talentvollen Maler G. A. Lasinöky zu Trier. *)
2) Wie sehr es zu wünschen ist, daß in solchen Almanachen AllesOriginalarbeit, nicht Nachahmerei oder gar Nachschreiberei sey, bedarf wohlseiner besondern Auseinandersetzung.
- 3) Was im vorigen über die Zeit der Herausgabe der Kalendergesagt wurde (Siehe Nr. 4.) gilt auch liier.
- Wir haben unter dem Stande der Geistlichen, Professoren und Lehrer!sehr tüchtige Talente, diese sollten sich dieser Literatur mehr annehme».'ES ist ungeheuer leicht, über schlechte Kalender loszuziehen; wäre eS nichtbesser, selbst mit anzugreifen und so daS Schlechte durch Gediegenes zuverdrängen?
I). Die UnterhaltungS- und BelehrungSliteratur. Sehen^wir unS in diesem Gebiete um, so begegnen wir in der protestantischenLiteratur einer Menge von Zeitschriften, welche viel Fleiß und Geschicklich-keit verrathen; auf katholischer Seite dagegen ist darin noch so viel wieNichts geschehen. Kein Wunder also, wenn unsere katholischen Länder! fortwährend mit solcher protestantischen Lectüre noch überschwemmt werden^ind in Folge solcher Lectüre Gleichgiltigkeit in religiösen Dingen und irrige
- Grundsätze ungestört verbreitet werden. Allerdings hat sich der BorromäuS-verein ein großes Verdienst dadurch erworben, daß er die Verbreitungguter Bücher beförderte und ein wahrhaft heilsamer Erfolg ist seitdem schonan vielen Orten sichtbar geworden. Unter den Bemühungen deS Borro-mäuövereins schätze ich auch die Gründung von OrlS-Lescbibliotheken sehrhoch; allein eS fehlt uns noch an guten Zeitschriften, die »ach der Arrder Stuttgarter Erheiterungen, der Pfennigmagazine, Spindlerö AuSland,Lewald's Europa oder nach Art der schweizerischen Unterhaltungsblättcr(z. B. die in St. Gallen und Bern ) angenehme unv nützliche Unterhaltunggewährten. Professor Dr. Moritz zu Aschaffenburg hat einen Anfang damitgemacht durch Herausgabe seines „katholischen Erzählers;"*'*) aberer wurde in jeder Beziehung zu wenig unterstützt. Man kann daher auchan die zwei biS jetzt erschienenen Bändchen keinen strengen Maaßstab an-