Ausgabe 
9 (2.9.1849) 35
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legen. Wie wäre eS denn, wenn der BorromäuSverein und dazu nochdie PiuSvereine Deutschlands dieses Unternehmen als ein gemeinschaftlichesaufgriffen und durch literarische Originalbeiträge, so wie durch eifrige Ver-breitung zur Blüthe zu bringen suchten? DaS könnte doch nicht so schwerhalten, wenn sich so viele und so tüchtige Kräfte daran betheiligten?! DieProtestanten haben ihrenKämpe" ihrenHarnisch" und Andere; waShaben aber die Katholiken? Ich schlage daher vor, daß man dieser Zeit-schrift, die bis jetzt in zwanglosen Heften erschien, allseitig aufhelfe in dervorhin gesagten Weise. Novellen, Erzählungen, Anekdoten, Biographien,Gedichte, Mittheilungen auS der Länder- und Völkerkunde, Reisebeschrei-bung, belehrende religiöse Aufsätze, Mittheilungen auS der Naturkundeu. s. w. würden ein recht gutes Werk bilden. Dem Hrn. Professor Moritz,der zur Herausgabe eines solchen Werkes gutes Geschick besitzt, würde mandie Redaction des Werkes überlassen und ihn nur gehörig unterstützen.ES müßten aber wenigstens vier Bändchcn jährlich erscheinen und auch aufdie Ausstattung müßte etwas mehr Sorge verwendet werden.

Ordentliche Arbeiten würden wohl zu erzielen seyn durch Ausschrei-bung von Preisen. Da ja die Erzählungen u. s. w. nicht so lang zuseyn brauchen, so wären die Kosten leicht aufzubringen durch gemeinschaft-liches Zusammenwirken. Wenn für eine Erzählung von sechs Druckbogenein Preis von etwa 60 Thaler gesetzt würde und der Verfasser auch nochein bestimmtes (von den Herausgebern festgesetztes) Honorar per Druckbogenerhielte, so meine ich, wäre daS eine Aufmunterung für manche unsererSchriftsteller, die nicht ohne Beachtung gelassen und nicht ohne gutenErfolg bleiben würde. ES brauchen übrigens auch nicht alle ArbeitenAnfangs honorirt werden, da ich nicht ohne Grund versichern kann, daßViele, auS Freude, ein solches Unternehmen endlich auf katholischem Ge-biete zu begrüßen, recht gerne freiwillig einige gute Beiträge liefern wür-den. Erstarkt nach und nach daS Werk, so daß Honorar gegeben werdenkann, so wird dieß dem Unternehmen nur förderlich seyn; denn manchesTalent hat mit Armuth zu kämpfen und dabei noch arme Eltern zu unter-stützen, so daß cS lieber den mühsamen Weg der Privalstunden wählt, umsich Etwas zu erwerben, als den Weg der Presse. Würde vorläufig jähr-lich nur ein Preis oder deren zwei ausgeschrieben in die namhaftestenkatholischen Blätter BayernS , Rheinlands u. s. w., so könnte sich die Sache,nebst dem daß auch die Verbreitung thätig betrieben würde, gehörig heben.Man muß dem guten Willen nur in der rechten, zweckmäßigen Weise ent-gegen kommen, und man wird die Erfahrung machen, daß wir nicht soarm sind, als wir aussehen.

Ein würdiger Gegenstand allgemeiner Theilnahme im gesammtenkatholischen Deutschland wäre auch die Unterhaltung eines gemeinsamenOrgans für Erziehung und Unterricht. Ich will die Sache hiemit ohnealle weitere Bemerkungen nur angedeutet haben. Sollte Ließ unsere Kräfteeinstweilen noch übersteigen, so wären gewiß unsere kirchlichen Blätter, wiez. B. derKatholik" crbötig, pädagogische Abhandlungen und Aufsätzealler Art aufzunehmen.

Wir können ferner noch brauchen eine etwa in zwei mäßige Octav-bändchen zu fassende Geschichte des deutschen Volkes, recht klar und popu-lär erzählt nach Art der Schweizergeschichte von Heinrich Zschokke ; vielleichtauch mit einigen guten Holzschnitten geziert. Eben so eine solche Kirchen-geschickte für daö Volk. Und so gäbe eS der Unternehmungen noch mehr,die nach und nach ausgeführt werken könnten zum Segen der Mit- undNachwelt; denn warum sollte nicht endlich auch daS Gute Lurch die Pressemehr um sich greifen, wenn die gottlose Aufklärung seit Jahren auf dem-selben Wege einen so ungeheuern Erfolg erzielt hat? Man denke nur anRotteck'S Weltgeschichte, Zschokke'S Stunden der Andacht und Anderes die-ser Art! Möchten diese Bemerkungen wenigstens das Gute stiften, daß dieSache angeregt und besprochen und endlich durchgeführt würde. Ich hoffe,dieß werde um so eher geschehen, als die schlimme Zeit denn doch garVielen unter unS die Augen geöffnet haben wird über daS, was Noththut und w v'S Noth thut.

U. Die Flugschriften. Diese haben die Bestimmung, in Zeiten,wo außerordentliche oder doch ungewöhnliche Ereignisse und Umstände eintreten, dem Volke schnell diejenigen Fragen, um die cS sich da eben han-delt, klar zu erörtern. Gemeinsames Handeln ist auch hier, wie in andernlitcrarischen Zweigen, sehr wichtig. Berührt in Deutschland eine Fragedie katholische Kirche, so ist daS ganze katholische Deutschland daran be-theiligt, und warum sollte da nickt auch daS Bemühen und Zusammen-wirken Aller eine und dieselbe Flugschrift, wenn sie volkSlhümlich abgefaßtist, allseitig verbreitet werden? Der Central-Vorstand dcS PiuSvcreinö,dessen Vorort jetzt BreSlau ist, ist in den letzten Tagen in dieser Beziehungmit einem guten Beispiele vorangegangen und hat damit überhaupt eine

Bahn eingeschlagen, auf welcher die katholische Presse in mehreren Hinsich-ten sehr befördert werden kann. Er hat nämlich zur Ausarbeitung vonFlugschriften zwei Preisfragen ausgeschrieben: 1) Ueber daS Rechtder ErziehungS- und Unterrichtsfreiheit für die Familie.2) Ueber das Wesen der katholischen Vereine Deutschlands; zwei sehr praktische Fragen von höchster Wichtigkeit. Ich freue mich, daßmit diesem Verfahren schon der Anfang gemacht worden ist und denke, eSwerde sich bald auch auf andere Literaturzweige erstrecken. Die Kosten zusolchen Preisaufgaben dürften um so leichter zu erschwingen seyn, alsmancher reiche Katholik, der gerne für jeglichen kirchlichen Zweck etwasNamhaftes beiträgt, eine besonders reichliche Gabe zu den EinsammlungS-geldern legen würde. Haben wir in diesem Frühling der Beispiele mehreregehabt, daß einzelne wohlhabende Katholiken für den heiligen Vater 300^ Thaler, 100 Thaler u. s. w. beisteuerten, so läßt sich hoffen, daß sie fürseinen trefflichen litcrarischen Zweck, dessen Besorgung sie in guten Händenwissen, auch etwa 30 oder 40 Thaler geben werden. Wie nützlich dieFlugschriften waren, haben wir zur Zeit der Rongeanischen Wirrsale ge-sehen und hatten nur zu beklagen, daß die Unkosten solcher Flugschriften! nur zu sehr Einzelnen zur Last fielen, weil zu einer allgemeinen Verbrei-tung derselben (namentlich zu einer unentgeltlichen) bei Weitem nicht dienöthige Unterstützung und Mitwirkung geleistet wurde. Nun, waS damals! nachlässig geschah, kann jetzt besser gemacht werden. Wir leben wiederum^in einer Zeit, die von Irrthümern und Verkehrtheiten aller Art strotzt.Jetzt gilt eS, seinen oft durch schöne Worte ausgemalten Eifer durch ent-sprechendes Handeln zur Wahrheit, zur lebenvollen Wirklichkeit zu machen.Wohlan, wenn wir im Vertrauen auf den Beistand Gotteö, mit Gebet,rüstiger Kraft und Opferwilligkeit an's Werk gehen, so wird dieß derBoden werden, auf welchen der allbarmherzige Vater im Himmel Seinenreichlichen Segen herabgicßen wird. Täuschen wir uns nur nicht; weilwir so ins Irdische versunken, weil wir in allem Guten so entsetzlich lauund träge sind, darum kommen in dieser Zeit so schwere Leiten über unS.Kehren wir wieder zurück zur wahren Liebe Gottes und zur thätigen Näch-stenliebe, so binden wir gleichsam die strafende Hand GotteS und bewegenIhn, unö wieder gnädig zu seyn und Tage des FriedenS und Glückes zuschenken.

Manche verschwenden ihre besten Geistes- und Gemüthskräfte, ja auchihre Zeit, ihr Vermögen und ihre Gesundheit an daS Abdreschen politischerFragen, von denen wir kein Heil zu erwarten haben. Unsere Wirksamkeitin Bezug auf Gestaltung staatlicher Verhältnisse ist äußerst gering; dieLeitung dieser Angelegenheiten steht völlig in GotteS Hand. Er hat unSgezeigt, daß alle unsere Weisheit, vom hochgepriesenen Professor herabbis auf den bunten ungelehrten Abschaum der Parteien lauter Dummheitist und die Verwirrung nur größer macht. ES kommt mir vor, als wärenwir mit einem Thurmbau beschäftigt und wollten auS Versehen oder auSübergroßer Pfiffigkeit zuerst die Thurmspitze bauen, ehe nur noch ein Fun-dament steht. So kann es nicht gehen. Halten wir vorläufig die Frei-heiten fest, die wir errungen haben und nehmen wir die zahllosen prakti-schen Lebensfragen in Angriff, zu welchen auch die Presse gehört, weilsie ein mächtiges Mittel ist, die zur Ausführung eines großen Werkeserforderliche Gesinnung vorzubereiten oder doch zur Reife, zur Einheitzu bringen.

W ü r z b ir r g.

AuS der Döcese Würz bürg. Die katholischen Vereine auf demLande, die im Anfange zu so glänzenden Hoffnungen berechtigten, sind demBeispiele des VercinS in Würzburg gefolgt, und haben sich theils in Folgeder fortwährenden Angriffe auf die persönliche Ehre jener Männer, die sichan die Spitze solcher Vereine stellten, theils in Folge der gewonnenenUeberzeugung, daß dieselben von Oben nicht gerne gesehen würden trotzder Billigung Sr. Heiligkeit deS Papstes und der in Würzburg versam-melten Bischöfe, großentheilS aufgelöst, wenigstens kein Lebenszeichen mehrvon sich gegeben. Einen traurigen Einfluß auf das kirchliche Leben übtendie Märzvereine und die zahlreich abgehaltenen Volksversammlungen, aufdenen als regelmäßiges Thema gemeine Schimpfereien und VerdächtigungendeS KleruS figurirte. Daher ist nicht zu verwundern, daß, wenn auch dieMehrheit des Volkes noch fest an seinem Glauben und seinen Geistlichenhält, doch Viele, welche solche Schmähungen fortwährend hören oder inZeitungen lesen, dieselben zuletzt für wahr halten, und eine gewisse Scheue,ja Abneigung gegen die Geistlichen an den Tag legen. Selten sieht mansolche Märzvereinler in der Kirche und leider haben sich bei diesen Vereinenauch Lehrer bctheiligt, die dann einen nachteiligen Einfluß auf daS Volküben und fast immer Opposition gegen die Geistlichen bilden. (Sion.)

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.