Ausgabe 
9 (9.9.1849) 36
URN (Seite)
  
 
Einzelbild herunterladen

Vierteljähriger Abou-nemenispreis im Be-reiche von ganzBayern nur 2V krohne irgend einen wei-teren Post-Aufschlag.Auch von Nickt-Abon-nenten der Postzeitungwerden Bestellungenangenommen.

Sonntags -Peiblatt

zur

Augsburger Postzeitnng.

Auch durch den Buch-handel können dieseBlätter bezogen wer»den. Der Preis beträgt,wie bei dem Bezugdurch die Post, jährlicht st. 20 kr.

Uountcr Jahrgang.

M 8«.

N. September 184N.

Hermann von Lehnin.

Der Lic. Theol. Beikirch hat ein merkwürdiges Buch herausgegebenunter dem Titel: Prophetenstimmen mit Erklärungen. Möglichst vollstän-dige Sammlung aller Prophezeiungen aus alter und neuer Zeit, über dieGegenwart und Zukunft, mit Erklärung der dunklen Stellen. Ein Kalen-der für unsere verhängnißvolle Zeit. Mit dem Motto:Verachtet dieWeissagungen nicht. Prüfet aber alles und waS gut ist behaltet."I. Paulus an die Thess. 5, 20. 21. Paderborn bei Schöningh 1849.Das Werk enthält eine Sammlung von 35 der merkwürdigsten Propheten-stimmen älterer und neuerer Zeit, und zwar bis herab auf GörreS, dervor seinem Sterbetage am 26. Jänner 1847 noch von Ungarn sagte:Ichsehe ein großes Leichenfeld," und über den Zustand der Völker:Betetfür die Völker, die nichts mehr sind," und über die Reiche:Ich beklageden Untergang der Monarchien," und über das Verhältniß von Kirche undStaat:ES ist zum Abschluß gekommen, der Staat regiert,die Kirche protestirt." Der Verfasser hat sich angelegen seyn lassenalle die Prophezeiungen mit schlagenden, kurzgefaßten Erläuterungen undErklärungen zu versehen, und so dem in gedrängtem Raume vielumfaffen-den Buche einen eigenthümlichen Werth zu verleihen. Nachdem seit einigenJahren die berühmte Prophezeiung deS Bruders Hermann von Lchnin invielen Auflagen und Erklärungen erscheint so daß die allgemeine Auf-merksamkeit auf diese Vorsage sich wendet, so wollen wir die 100 merk-würdigen Verse, in denen sie enthalten ist, mit BeikirchS kurzer Erklärunghier folgen lassen, um einerseits jene Leser, denen der Text noch unbekanntseyn sollte, damit bekannt zu machen, oder jene, die ihn bereits kennen,in Besitz desselben zu setzen, denn eben jetzt wäre die Zeit, wo die achtSchlußverse auf ihre Erfüllung warten.

Hermann war ein im Rufe der Heiligkeit gestorbener Bruder desCistercienser-KlosterS Lehnin in der Mark Brandenburg. Er lebte um daöJahr 1270. Seine Weissagungen betreffen zuerst sein Kloster Chorin inder Uckermark. Da aber das Schicksal des Klosters aufs Innigste mit denWechselfällen der regierenden Fürsten zusammenfällt, so bildet die Geschichtedieser Regenten den Hauptinhalt dieser Prophezeiung. Hermann sagt denUntergang deö Hauses ASkanicn voraus, schildert die hohcnzollernschenRegenten ganz bezeichnend, gibt Zeit und Umstände des Einbringens desProtestantismus an, und sagt diesem eine Dauer bis zum eilften Nach-- folger deS ersten lutherisch gewordenen Hohenzollern voraus. An das Ab-treten dieses Hauses vom Schauplatze der Weltgeschichte knüpft er dieWiederherstellung deS deutschen Reiches und der allgemeinen, einigen Kirche.Dann tritt, nach dieser Prophezeiung, iil Uebereinstimmung mit Holzhäuser, eine herrliche Zeit für Staat und Kirche ein. Die Weissagung ist in 100leonischen Versen geschrieben (b. h. in Herametern, die in der Mitte undam Ende einen Reim haben). Dieselbe VerSarr findet man auch in altenInschriften des Klosters, ein Beweis, daß die Mönche von Lehnin mitdieser VerSart sehr vertraut waren. Nach einer allgemein geglaubten Sagesoll die Handschrift von Lehnin nach Berlin gekommen seyn, und dort sorg-fältig verborgen gehalten werden. (?) Sie wurde schon im Jahre 1723 vonProfessor Lilienthal in Königsberg nach einer alten Handschrift heraus-gegeben. Sie ist seit 100 Jahren oft angefochten und eben so oft verthei-digt worden. Ihre Hauptverlheidigung ist aber, daß ihre Angaben immerrichtig eintrafen, und so Hermann sich als ein wahrer Prophet bewährte.Einzelne Erklärer haben auS Unverstand oder Uukenntniß der preußischenGeschichte die wunderlichsten Auslegungen gemacht. Wir wollen daher,damit ein jeder von der Wahrheit dieser Prophezeiung sich überzeugen kann,nach genauem Studium der preußischen Geschichte, so kurz und faßlich alsmöglich, den Text erklären, ohne ihm im Geringsten Gewalt anzuthun.Der Original Teil folgt nach einer guten Ausgabe zuerst; nachher die deut-sche, möglichst wörtliche Uebersetzung mit den Erklärungen.

Vati ei nimm 1rotri8 Ilurinouni sd cd I-u I, n i n.4. Arme tibi «'um eura eono lotn lüturo,

2 . l)uou mild mcmstruvit Iluminus, ,;ui cunela cruavit.

3. Aam lieut iusigiii, siout sol, 8p!u»duo8 igi»,

4. Ut, vitou, tuton, nuiic dugo8 devolom.i

5. Almudeutcjuu rite trouijudlou eommodo vitou,

6. '1umj>U8 urit tondcm, cpmd tu nun euniut um,dem,

7. Imo vix ulloi», 8ud Iiunu dixurc», imllom.

8. Ouoo tu limdovit gec>8, Imue tu 8un>puromovit,

9. tlac puruuntu puri8, neu motur omo>,iIi8 uri.8.k!

10. Ut nune oI»8(jUu nmro, prupimpiot llul>iÜ8 hurn,

11. ()uo 8tirps Ottouiü, i,o8trou ducu8 rugiui>i8

12. Nugno ruit tät«, nullu 8upur8tituoto,

13. luiiucjuu eodu8 prinium, 8ed »cmdiim vuni.8 od imum.

14. lnterua clirm ougetur morellio »,oIi8: (miri8, minis)

15. Aon, doi»U8 Ottoiwiu liut 8peIuco luommi,

16. cle urit uxtru8U8 vuro du 8ongui,iu s8U8,

17- HtMudo purugrini vuiiiunt od eloudro (diorilii;

18- Oerl,eiec>8 1u8tci8 »>ox tollit 1'.ae8oric> 08tu.8,

19. 8ud porum tuto gouduliit moreln'o «cutc»;

20. kugoli8 rur8Ui» luo tendit od olturo uur8>i»i:

21- Aue dvmincm ver»8 Iioee turn, vidulut ut I,uro 5 .

22. Oumia turludmut reetore8, di»,»,o,;uu d-il,ui,t;

23- Aui>dit 08 divu8 vuxoln't undicpiu uivu8,

24. lioptolät elurumu!Io disuriminu rurum,

25- Lt loeiunt i8ti, cjuud loetum U8t tum>»>ru <'I>ri8ti;

26- Korpora inultorui» veiuluntur uvnlro dueonii».

27- Au punitu8 du.8it tüii <;ui, muo morcluo, proumt,

28- Lx l,ui»d>8 8>irg,'8 I,ij8 nuiiu iel)tu H>irgi8,

29. Aueui>di8<jiiu louum, joetoudo uomiiiu ;>oeum,

30- LuilttjUV >Uj,08UU08, UVÜM8 j»-0UU('diu 8UU08.

31. Ilieo ti>,i vurum: tun 8tir>>8 lungouvo diuruiu.

32- Impuri>8 jiorv,8 ;>otrii8 dnminoliitur orv>8,

33- Uuliue j,ru8troti lüurmt, <;ui tunu. Iioimroti

34. Uil »08 vo8tol,at, I)»llii,i8 rugliuru vutolmut.

35. 8nueudo»8 >mtr> tullit privilugi» lrutri,

36- Aue läeiut i,u8tun>oii ju8tui», eruduru ju8tuni.

37. llusu 880 liullis VUNI8, 80 ,ti 8 (jiiu >,roeuIIi8,

38. ^lox Irotur 1orti8 8ueeudit tumporo mort,8.

39- 1^orti8 ut >»« ljuidei», 8ud vir vun>88u»U8 idum;

40. Hum eugitot montem vix 8emiduro potu8t s-untum.

41. Ln acuit un.8U8! 11i8uri v«8, o l.u1,nii>un8U8!

42. Ouid uurut srotru8, <;ui vidt ex8uiduru potre8!

43. ^Itur ol, I,ve uwrtu», 8eit ludiliuaru pur orten,,

44. 4>U8picium notm Iiie pruuhut su!ieiti»ti8,

45. <)uod dun, 8urvotur, igun8 surtuno porotur.

46. I1uju8 urunt not, conlorini 8vrtu I,uoti.

47 . Inlurut ot tri8tu,n jiotriuu tunu suuinino p68tem.

48- l'oemina 8urputl8 tol,u eontrouto reee»ti8;

49 . Iloe u«I undunum durolut 8tumn,o vununum.

50. Ltuiiu ,8 prodit, <;ui tu o I^ulminin,i8 «dit;

51. Dividit ut uultur, otliuu8, 8eortutur, odultur!

52. LueIu8,oin vo8tot, hono ruligi »80 8ul>lu,8tot.

53. Ite mou8 populus! protuetor U8t til>> nullu8,

54. Iloro donue vuniut, <juo ru8titutio liut.

55. 17liu8 omentis prohot in8tituto porunti'8,

56. Ilmipivns totU8, tomun oudit vulgo duvotus,

57. Aue «ut 8vvuru8, irine dicitur optimu8 tluru8.