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Christus, auch ein Marschall „Vorwärts" für die rückwärts gegangene-Menschheit seyn und die Menschen wieder hinauf und zurück tragen sollteüber die Stufen, über die sie, im Rückschritte nach abwäuö, hinab gcra-
Der Papst an den Fürstbischof von BreSlan.
BrcSlau, 30. Juli. Unser hochwürdigster Herr Fürstbischof hat
then waren, der wird eS als ein bedeutungsvolles Zeichen, uno gleichsam schon vor längerer Zeit die erste Sendung der in unserer Diöcese fürals einen Reflex jener einen Ursprache erkennen, daß die Kirche, alS^Se. Heiligkeit Papst Pius IX. gcsaniniellen Liebesgaben im Werthe vonzugleich die Paralyse deS Sündenfalis und seiner Folgen, wieder nur von! 12,500 Gulden österreichisch an den heiligen Vater von Wien auS nacheiner Sprache für Alle im Reiche GolleS wisse. > Gaoia abgehen lassen. Sc. Heiligkeit haben diese Summe sammt dem Be-
Und dennoch, — merken Sie wohl auf, gibt cS noch einen andern gleiischreiben unseres hochwichtigsten Herrn Fürstbischof« erhallen und dar-Grund, der allein stark genug wäre, — die Einheit der golteödienft-! auf nachstehendes Dankschreiben an den hochwürdigsten Herrn Fürstbischof
liehen Sprache für die ganze Kirche zu rechtfertigen:
eingesendet.
Da zeige ich denn hin auf unseren Reichstag. — Dort sitzen Mäu-> Papst Pius IX. Ehrwürdiger Bruder! Heil und ap »flo-rier von verschiedenen Volksstämmen, zu berathen das Wohl des Vater- lischen Segen! Keine geringe Tröstung hat UnS Dein unter dem 5.
landeS. WaS mußten sie aber zu allererst berathen? Nun wohl, eSwar die Frage: welche Sprache ist ReichStagSsprache? Und welcher
des jüngst verflossenen Monats Juni von Wien anS datirtcS Schreiben,das Wir neulich empfangen haben, bereitet. In allen Theilen offenbart
Mäßigung und Vereinbarung bedurfte und bedarf es nicht in diesem Puncte nämlich dasselbe Deine ganz besondere Ergebenheit, Liebe und Ehrerbietungfort und fort? und wie ist das gesonderte Sprachoermögen nicht dennoch! gegen UnS, und den so herben Schmerz, von welchem Du, ehrwürdigerhie und da mindestens eine Schwierigkeit? Aber was ist die Völkernuschung ^ Bruder, sammt Deinem Klerus und dem gläubigen Volke ergriffen wurdest,der Monarchie gegen die der katholischen Kirche mit ihren eilfhunvert Bl> sobald nur der in so hohem Grade traurige Wechsel Unserer Verhältnisseschüfen und zweihundert Millionen Seelen? mit ihren Kirchktndern aller § dort kund geworden war. Die liebevolle Gabe aber, für deren Darbrin-Sprachen und aller Farben? !gung NamenS der Gläubigen Deiner Diöcese Du Sorge getragen, hat
Wie soll dieses bunte Gemisch der Sprachen und Farben und Ratio-! Unser väterliches Herz mit nicht geringer Besorgnis, erfüllt, da in diesernalitäten Grund für eine Kirchensprache seyn? Ich antworte: weil die!so großen Bediängniß der Welt- und Zeitereignisse die Gläubigen ihrerkatholische eine ccntrale ist; well in ihr daS Princip der Einheit Liebe gegen UnS sich gar zu sehr überlassnd, dieß selbst nur mit einem
Lebensprincip ist; wie nur ein Oberhaupt, so nur ein Glaube, ein!eigenen empfindlichen Nachtheil haben thun wolle». Indem Wir nun Dir
Opfer, ein Gottesdienst in ihr; andererseits ist sie aber und will und solliund Jenen den größten Dank sagen, erwarten Wir von Deiner Frömmig-
sie seyn für Alle; nicht für ein Landstädtchen, nicht für einen Club, nicht check, daß Du sammt ihnen es niemals unterlassen weidest, Ehrwürdiger
für Winkel und Tischecken ist sie bestimmt, sie ist nicht die Kirche der Son-derung und Spaltung, nicht die Kirche nationaler Rivalitäten, auch nichtdie Kirche von zwei oder drei Aufklärungöcommissären und „Compagnie,"die da Actien auf den gesunden Menschenverstand ausgeben; auch mehr dieKirche von: „Meine Herren, was meinen Sie? Bleibt Artikel Einsstehen? Dulden wir unsern Herrgott noch eine Weile? Lassen wir unserLicht leuchten?" oder „WaS ist'S mit dem „„Gott "" und „„Vater,""oder installiren wir den „„Weltgeist?"" Und was machen wir mit derunphilosophischen Canaille, die von „„Weltgeist"" und CvmmumSmuSnichts versteht?" Sie ist auch keine Kirche von und für Offenbach , keineDuodez-Sevez-Kirche, keine Kirche einiger weniger auSerwählter Frommen,oder Seher oder Besessener, die zu jeder Stunde eine Frage an den Welt-geist frei haben. Die Kirche ist eben die katholische, d. i. die Welt- undUniversalkirche; und was ihr Oberhaupt an der Tiber spricht, muß derPriester in Wien und der an der Lina und der am Ohio verstehen;i,nd-der katholische Matrose muß die Messe, oder das Weihnachten, oderden Ostern- Gottesdienst, der in Bombay, oder am „gelben Meere," oderam „stillen Ocean" gefeiert wird, eben so gut verstehen und als den sei-nigen erkennen, wie den, Verba gefeiert wird in Hamburg oder Mar-seille ; und wenn die Kirche ihren Reichstag, ihre allgemeine Kirchen-versammlung feiern will, so muß sie ihre ReichötagSjp-achc haben, diealle Abgeordneten der Kirche, auch die auS der Mandschurei verstehen.
Sie sehen, es gibt mehr als einen guten Grund abzulehnen LaöAnsinnen: so vielerlei gottesdienstliche Sprachen in der Kirche einzuführen,als eS vielerlei Nationen Latin gibt. Und gleichwohl müßte man vielleichtin der Behandlung dieser Frage nicht allzu ängstlich seyn.
Ich scheue mich nicht eS auSzusprcchen, daß es auch etwas werth ist,wenn der Priester und das gläubige Volk sich nicht nur einander verstehen,sondern dieses Verständniß bei solchen Momenten deS Gottesdienstes, dieals Ansprache des Einen zu dem Anderen, oder als Wechselsprache erschei-nen, auch wirklich ausgesprochen vorliegt; mit einem Worte: wenn,wie es in der Natur jedes anderen Gespräches liegt, das Kirchengesprächmit dem Gläubigen ein, beiden Theilen verständliches ist, also in der
Seliger ist Gebe» als Empfangen.
Zur Zeit, da der ehemalige Pair von Frankreich, Victor Hugo ,noch ein berühmter Dichter war, redete er von der Tugend der Wohl-thätigkeit eben so schwülstig und bilberhaft, wie von allen übrigen Gin-gen; er nannte sie eine Schwester LeS Gebetes und des Glaubens, errühmte ihre süßcn Augen, als ob der Glaube, das Gebet, die Wohlthä-tigkeit lebendige Personen wären, die irgend einmal, da er eben beim Früh-stück saß, ihm ihre Aufwartung gemacht hätten, um sich seiner Gunst zuempfehlen. Wir Anderen, die wir nichts als einfältige Christen sind, wissenebenfalls von süßen und barmherzigen Augen zu reden; doch schreiben wirsie nicht der Wohlthätigkeit zu, sondern einer gütigen und erlauchtenWohlthärer in, die wir auch unsere Fürsprecherin nennen. BlumigeReden bringen keine Frucht, und leere Reden haben keinen Halt. Darumist eS nicht befremdlich, Laß der geschraubte Dichter jetzt, wo er bei derSprache der Gläubigen geführt wird. Ich meine also: das, waS Gesetzgebung mitreden soll, den Socialisten zu Gefallen seine Lobsprücheder Priester mit den Gläubigen oder zu den Gläubigen in der kirchlichen zurück nimmt, und von Wohlthätigkeit und milden Spende» nichts mehrHandlung spricht, möchte vielleicht in Gottes Namen in der Landessprache wissen will. Ihm liegt vor allem daran, alle Menschen recht selbstbewußt,gesprochen werden können; nie und nimmer aber Las, waS heilige Hand-,v. h. nach seinem verkehrten Verständniß, recht stolz zu machen. Darumlung und Sprache zwischen ihm und Gott allein ist. Und ich habe gesagt: erklärte er sich öffentlich gegen jede Art von Almosen; denn, so rief er:„vielleicht," weil daS eine Privatansicht ist, die ich wohl haben darf, in daS Almosen entwürdigt, es setzt den Menschen herab, eS erniedrigtder ich mich aber möglicher Weise irren könnte; weil ich ferner mir nicht ihn. Wen? den Geber oder den Empfänger? Darüber sprach cr sich nichtanmaaßcn darf, derlei anders als unmaaßgeblich zu meinen, da die Kirche jauS. ES ward ihm aber von Montalembert erwidert: „DaS Almosenso organisirt ist, daß jede Reform als solche, auch die kleinste, nicht gereicht sowohl dem zur Ehre, der cS gibt, als dem, der eS empfängN"anders als im verfassungsmäßigen Wege, d. i. im Wege der, der Kirche Wer versteht Liesen AuSspruch? Wer die Worte LeS Heilands begriffen
Bruder, dem großen und allgüligcn Gott unaufhörliche und heiße Gebetedarzubringen, damit Er seine heilige Kirche auS den so großen Stürmen,von denen sie gegenwärtig umhcrgeschlcudert wird, mit seiner allmächtigenKraft herausreiße und sie mit den Siegen und Triumphen seiner Kinderausschmücke und erhöhe. Wir sicher werben eö nie vergessen, in der De-muth Unseres Herzens von dem allbarmherzigen Gott zu erflehen, Laß Erdie reichsten Gaben seiner Güte gnädig über Dich jederzeit ausschütte undDeine hirtcnamtlichen Sorgen segne, auf daß die Dir anvertrauten Gläu-bigen von Tag zu Tag sich mehr von der Sünde abwenden, daö Gutethun und auf dem Wege vorschreiten, der zum Leben führt. Endlich be-kräftigen Wir Unser vorzüglichstes Wohlwollen gegen Dich durch den apo-stolischen Segen, welchen Wir auS dem Grunde deS Herzens Dir selbst,Ehrwürdiger Bruder, und allen Deiner Obsorge anvertrauten Geistlichenund gläubigen Laien liebreichst ertheilen. Gegeben zu Gcttcka den 5. Juli1849. Unseres Oberhirtenamtcö im vierten Jahre, (gez.) PiuS PP. IX.An den ehrwürdigen Bruder Melchior, Bischof von BrcSlau, nach Wien .
eigenthümlichen socialen Berathung von oben herab, — also auch nichtvom Bischof allein, unternommen werden darf.
hat: daß Geben seliger sey, als Empfangen. Aber um Liese erhabe-nen Worte zu begreifen, ist nicht so sehr ein scharfsinniger Verstand erfor-derlich, als ein großmüthiges Herz. (Oesterr. Volköfrd.)