Ausgabe 
9 (9.9.1849) 36
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Volksversammlung in Pfaffenhausen .

Von der oberen Mindel, 30. Aug. Ihrem Wunsche gemäßfolgt hiemit, wenn auch etwas spät, ein schlichter Bericht über die am19. v. M. in Pfaffenhausen gehaltene Volksversammlung, welche vomdortigen PiuSverein veranstaltet wurde, und ein würdiges Seitenstückzu den in der Postzeitung bereits besprochenen bildete.

Schon bei der am 15. v. M. in Pfaffenhausen gehaltenen consti-tutionell'monarchischen Volksversammlung hatte ein Mitglied desAugSburgcr PiuövereineS (Dr. P. Wittmann) nicht nur im konstitutionell-monarchischen, sondern vornemlich im kirchlichen Geiste zu den Schaarendes Volkes geredet, und die Gemüther für die große Sache des Pius-vereineS zu gewinnen und zu begeistern gesucht. So bildete die Versamm-lung am 15. gleichsam eine Vorbereitung für die auf den 19. anberaumte.Letztere schien übrigens von der Witterung nicht begünstigt. Denn in derFrühe um 5 Uhr war der ganze Himmel umwölkt, und eS regnete sogareine Zeit lang heftig. Doch aUmälig heiterte sich der LuftkrciS auf, undin Bälde beglückte unS die Ankunft der Vorstandschaft deS PiusvereincSvon Ottobeuren, und nach und nach die erfreuliche Theilnahme von 40 frem-den geistlichen Herren von Nahe und Ferne. Um ^ auf 9 Uhr versam-melte» sich die Mitglieder deS hiesigen PiuSvereincs auf dem Rathhause,die Geistlichen in der Pfarrwohnung. Nach 9 Uhr zogen dann beide Ab-theilungen an einander geschlossen in die prächtige, außergewöhnlich große,festlich gezierte, von einer Menge Volkes angefüllte Pfarrkirche.

Die Feier des Gottesdienstes begann mit einem andacht- und kraft-vollen, von der Orgel begleiteten VolkSgesange:Komm heiliger Geist rc."Herr Pfarrer Al. Klein Hans von Ober-Aurbach behandelte sofortin einer trefflichen Predigt den Zweck der PiuSvereine und die Mittel den-selben zu erreichen, dann hielt der OrtSpsarrer Rott ein feierliches Amtmit einer sehr schönen Musik in ächt kirchlichem Style begleitet, und schloßmit l'o Ilouin Daucinmus.

Nun sammelte sich daSVolk außer der Kirche auf dem großen Platzeum und in dem innern Gottesacker, auf dessen Ringmauer eine Redner-bühne mit dem Bilde unsers schwer geprüften Heil-gen VaterS Pius IX.angebracht war. Dieselbe bestieg zuerst Pfarrer Rott, und sprach vomStaat und Kirche, ihren verschiedene», von Gott angewiesenen Zwecken,von Gott ihnen gegebenen Gewalten, wie jede für sich zur Erreichung ihresEndzweckes eine gesetzgebende, richterliche, für sich bestehende, unabhängige,von einander ganz verschiedene, in sich höchste Macht sey, die schwesterlichmit einander ihre von Gott angewiesenen Wege zur Förderung deö Woh-les der Menschheit gehen sollen, ohne einander in ihren Rechten und An-ordnungen zu beeinträchtigen.

Nach ihm sprach Hr. Pfarrer Bach von Ried von der großenGefahr in dieser unheilvollen Zeit unsern kaiholischcn Glauben zu verlie-ren, von der Nothwendigkeit deS ZusammenhaltenS in Gesinnung, Wortund That zum Besten unserer heiligen Küche, daß sie frei von weltlicherKnechtung ihre hohe Aufgabe erfüllen möge.

Endlich trat noch Hr. Lehrer Hindelang auf, setzte die Statutendes PiuövereineS auseinander, dankte feierlich für die ruhige, schöne Hal-tung der zahlreichen Theilnchmenden und schloß mit einem allgemeinenGebete für die Erhaltung und recht baldige Einsetzung unsers heil. VaterSjn all Seine Rechte und Besitzungen, ohne Vorbehalt.

Getrost, gestärkt, wahrhaftging nun daS Volk nach Hause.

Das Pensionat zu Piehlenhofen.

s RegcnSburg, 28. Aug. Der 23. August war einer jener Tage,der meinem Geiste Ecbeiterung und meinem Herzen süße Erquickung ge-währte, er war der PrüfungSlag der Zöglinge in dem nur zwei Stundenvon hier entfernten weiblichen ErziehungSinflilute der Salestancrinnen zuPiehlenhofen. Vor mehreren Jahren wohnte ich auf Zureden eines Freun-des zum ersten Male dieser Prüfung bei, und ich konnte eS seit jener Zeitin keinem Jahre mehr unterlassen, an diesem Tage mich dort einzufinven.Wie angenehm ist nicht schon die Fahrt dahin! Morgens sechs Uhr ver-läßt man RegcnSburg, eilr durch daS herrlich an der Donau gelegeneWinzer gegen Kneinng, fährt dann im Nabihale neben hohen Felsenwän-den nach dem schattigen Elterzhausen, verläßt da die Hauptstraße, um auf

einem etwas vernachlässigten Vicinalwege zwischen waldbedcckten Felsen-gebirgen, durch welche der ruhige Nabfluß sich windet, eine ziemlich weiteStrecke durchzumachen. Doch plötzlich erweitert sich das Thal, und balderblickt man von ferne die von der Morgensonne vergoldeten schönen ThürmePiehlenhofenS mit der hohen Kirche und den stattlichen Klostergebäuden;nur noch eine kleine halbe Stunde, und man steht an der Pforte! Eineherrliche Lage fürwahr, hat dieses Kloster! Am Nabflusse gelegen, in einemwiesenreichen Thale , gegen Nord und Süd von Fels- und Waldgebirgbegränzt, bietet es dem Freunde der Natur die schönsten Partien,, undscheint so ganz dazu gemacht zu seyn, jungen Mädchen Gesundheit undfrohen Sinn zu bewahren. Doch eS schlägt acht Uhr; die Klosterpsorteöffnet sich; die zahlreichen Gäste von Nah und Fern werden von den freund-lichen Nonnen bewillkommt, und über die breiten, reinlichen und hellenGänge in den schönen und geräumigen Prüfungssaal geleitet. Ein ange-nehm überraschender Anblick! Die Zöglinge sind hier aufgestellt, in einfachenweißen Kleidern, mit blauer Schärpe und weißblauem Halsbande, an demein silbernes Kreuz befestiget ist, alle blühenden Rosen°gleich, unbefangenund voll bescheidener, sittsamer Freundlichkeit; nichts Kopfhängerisches,nichts Finsteres ist an ihnen zu bemerken. Mit einem schönen, heiterenund mehrstimmigen Gesänge beginnen sie die Prüfung; diese umfaßt alleGegenstände, welche Mädchen eine wahre und edle Bildung verschaffenkönnen, nämlich: Religion, deutsche, französische und italienische Sprache,Mathematik, Geschichte und Geographie, Musik, Schönschreiben, weiblicheHandarbeiten und Zeichnen. Die Schönschriften, Handarbeiten und Zeich-nungen liegen zur Einsicht vor, und erregen ihrer Schönheit wegen denungetheilten Beifall der Kenner. Bei der Prüfung selbst zeigt sich nurWahrheit, nichts ist einstudirt, um bloß zu glänzen und Aufsehen zu machen.Ohne Buch, ganz frei stellen Lehrer und Lehrerinnen ihre Fragen, unddie Zöglinge beantworten sie mit liebenswürdiger Unbefangenheit undKlarheit. Man ersucht einen der PrüfungSgäste um ein Thema zu einemAufsätze für die größeren Zöglinge; man gewährt diesen eine Stunde zurAusarbeitung, und ich gestehe, nie schönere und gediegenere Aufsätze alsdiese gelesen zu haben. Angenehme Ruhepuncte gewähren den Anwesendendie Zwischenprüfungen im Gesänge und auf dem Clavier, welche gleichfallsbeweisen, daß auch in der Musik sehr viel geleistet wird. Zum Schlüsselohnen schöne Preisebücher den Fleiß und daS gute Betragen der Zöglinge.Nun besucht man die Räume des Pensionats, die Lehr- und Arbeitszimmer,die Schlaffäle und den Speisesaal. AUeS großartig, geräumig und helltDie breiten und langen Gänge geben den Zöglingen Gelegenheit zur kör-perlichen Bewegung, wenn ungünstige Witterung den Aufenthalt im Gar-ten oder im Freien nicht gestattet. Doch die sinkende Sonne mahnt zurHeimkehr. Welch' ein rührendes Schauspiel jetzt! Die Zöglinge nun daran,inö Vaterhaus zurückzukehren, können sich von ihren geliebten Lehrerinnenkaum trennen; jene wie diese zerfließen in Thränen; die kindliche Dank-barkeit der Einen liegt gleichsam mit der mütterlichen Liebe der Andern imKampfe; die herzlichsten Ermahnungen von dieser, die besten Vorsätze vonder anderen Seite! Endlich schließt sich die Pforte, und nach allen Rich-tungen eilen die Wagen mit den lieben Kindern dahin. Ich stehe mitPiehlenhofen in keiner nähern Verbindung; allein ich habe hier viele Ge-legenheit, daS Leben solcher Mädchen zu beobachten, welche in jenem In-stitute ihre Bildung erhallen haben, und ich überzeuge mich immer mehrvon den segensreichen Früchten derselben, so daß ich den Wunsch nichtbergen kann, eS möchten alle Eltern, die ihren Töchtern eine höhere christ-liche und wissenschaftliche Bildung verschaffen wollen, dieselben jenem In-staute anvertrauen; sie sind da gewiß gut besorgt und aufgeboben. DieKosten sind billig; so viel ich in Erfahrung gebracht habe, werden für die^Verpflegung eines Zöglings 136 fl. berechnet nebst einigen Ersatzkosten füriBetl j^wenn dieses vom Institut gegeben wird), Wasch, Schreib- und! Arbeitsmaterial und Clavierunterricht. Die Kost, bestehend in Frühstück,Mrtlagsefsen, Nachmillagöerfrischung und Abendtisch, ist gut, hinreichendund dem kindlichen Alter ganz anpassend. Für äußere Bildung und An-stand sorgt ein Tanzlehrer; ein geschickter Arzt für die Gesundheit der Zög-linge. Kurz: dieses Institut, dessen Wirksamkeit selbst die Königliche Re-gierung der Oberpfalz und Regensburg bereits ehrend anerkannt hat, darfmit Wahrheit allenthalben empfohlen werden.

Ein Prüfungsgast.

ergriffen für die gute Sache der Kirche,!

Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.

Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.