Ausgabe 
9 (16.9.1849) 37
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Neunter Jahrgang.

sU- 37.

L 6 September L84N.

Der Papst an den Bischof von Münster.

Münster, 14. Aug. DaS Schreiben deS Papstes an unsern hoch.würdigsten Herrn Bischof, worin Se. Heiligkeit für die Liebesgaben dankt,vie ihm aus unserer Diöcese so bereitwillig und freigebig dargebracht wor-den sind, lautet:

PiuS P. P. IX. Ehrwürdiger Bruder! Heil und Apostolischen Segen!AuS Deinem sehr freundlichen Schreiben vom 14. Mai entnehmen Wir,mit welch' tiefer Betrübniß Du, Ehrwürdiger Bruder, zugleich mit DeinemKlerus und dem gläubigen Bolle erfüllt worden bist wegen des sehr trau-rigen Umschwunges Unserer Angelegenheiten, und mit welchem Eifer dortohne Unterlaß inbrünstige Gebete dem gütigen Gott für Unsere Erhaltungdargebracht werden. In Wahrheit, keinen geringen Trost haben Uns dieseAeußerungen der Tbeilnahme gewährt, da aus denselben klar hervorgeht,wie Du, ehrwürdiger Bruder, Dich durch Treue gegen die Kirche unddurch kindliche Ehrfurcht und Liebe gegen Un« auszeichnest, und wie jeneGeistlichkeit und daS gläubige Volk von dem Geiste der Religion und vonkindlicher Ehrerbietung und Hochachtung gegen den Stellvertreter Christidurchdrungen sind. In der That kann bei der so großen Berdorbenhetl derZeit und bei der Herrschaft ruchloser Menschen zur Beseitigung der Bitter-keit Unserer Schmerzen Nichts kräftiger wirken, als die Erkenntniß, wiegar Viele eS noch allenthalben gibt, welche unter Gottes Beistand denschlechten Rathschlägen feindseliger Menschen ihre Ohren verschließen, dentrügerischen Irrlehren gegenüber in dem Bekenntnisse der katholischen Wahr-heit standhaft beharren, dem Stuhle Petri fest anhangen und ihren Ruhmdarin finden, dem Nachfolger deS Apostelfürsten, dem römischen Papste,Gehorsam und Ehrfurcht zu erweisen. Obschon Wir nun aber sehr dank-bar sind für daS reichliche, fromme Geschenk, welches Du, EhrwürdigerBruder, und die Dir anvertrauten Gläubigen UnS zu senden bemüht waren;so können Wir UnS dennoch nicht verheimlichen, daß jene FreigebigkeitUnserm väterlichen Herzen zu nicht geringer Beängstigung gewesen ist, dawir nämlich fürchten, daß Ihr, indem Ihr Eurer Liebe gegen UnS zu vielnachgegeben, dieses nur zu Eurem großen Nachtheile gethan habt. IndemWir nun sowohl Dir als den Dir anvertrauten Gläubigen den größtenDank sagen, zweifeln Wir nicht im Geringsten, daß Du zugleich mit denGläubigen fortfahrest, Gott, der reich ist in seinen Erbarmungen, zu bittenund zu beschwören, daß er seine heilige Kirche aus den Stürmen, vonwelchen sie jetzt umhergetrieben wird, errette und sie durch die Siege seinerSöhne vermehre und verherrliche. Wir unterlassen nicht, den gütigstenHerrn demüthig zu bitten, daß er mit dem Retchthume seiner göttlichenGnade Dir immer gnädig beistehen möge und daß er Deine Hirlensorgenund Arbeiten segne, damit die Deiner Wachsamkeit anvertrauten Gläubigenmit immer freudigerem Muthe auf dem Wege deS Herrn wandeln. Undals den Vorläufer dieses Schutzes von Oben und als Unterpfand Unseresbesonderen Wohlwollens gegen Dich ertheilen Wir mit der innigsten Zu-neigung deS Herzens Dir, Ehrwürdiger Bruder, und allen Geistlichen undweltlichen Gläubigen Deiner Kirche sehr gerne den Apostolischen Segen.Gegeben zu Gaöta, den 28. Juni im Jahre 1849. Im Dritten UnseresPontificateS.

Volksversammlung in Göggingen.

Augsburg, 10. Sept. Die gestern in Göggingen durchden dortigen Piusverein veranstaltete Volksversammlung war in der Thateinefeierliche", wie sie in der Ankündigung bezeichnet worden.

Die ganze Gemeinde wetteiferte gleichsam, der Versammlung den

Charakter eines Volksfestes zu verleihen. Nach der musikalischcn VeSpersetzte sich gegen 3 Uhr der Zug deS zahlreich versammelten Volkes von demKirchhofe aus in Bewegung.

Die Spitze des Zuges bildete in langer Reihe die festlich gekleideteSonn- und Werktags-Schuljugend, die Knaben mit blau-weißen Fähnchen,die Mädchen sämmtlich blumengeschmückt, ein Theil derselben (gegen 30)mit weißen Kleidern und blauen Bändern geziert, prächtige Blumenkränzeund Blumenkörbchen - mit gutgewählten Sinnbildern paarweise tragend.Hierauf folgte das wohlgeübte Musikcorps der Gögginger freiwilligen Wehr-männerschaar, welches muntere Weisen spielte; sofort die vom rühmlichstenEifer beseelten Vorstände deS Gögginger PiuSvereinS, WagnermeisterEschenloher , Privatmann Maprschhofcr, Bauerngutsbesitzer Jägermit ihrem geistlichen Führer dem unermüdlich thätigen Herrn Caplan AlopSSchurr, dem Stellvertreter deS leider durch Gebrechlichkeit zu seinem Leid-wesen verhinderten hochwürbigen Herrn Pfarrers und ProdecanS Mayer.An der Seite dieser wackern Männer, denen sich der OrtSvorsteher undandere Mitglieder der Gemeindeverwaltung anreihten, gingen die freundlichgeladenen Redner und die geistlichen Vorstände benachbarter PiuSvereine.An diese schlössen sich die Schaaren deS Volkes, welche von allen Seitenherbeigeströmt waren. Als der Zug die Stelle erreicht hatte, wo von derLandstraße rechts ein Seitenweg nach Wöllcnburg sich hinzieht, bog der-selbe auf letzteren ein, und gelangte bald zu einer mit frischen Tannen-zweigen und Blumengewinden reichverzierten Ehrenpforte, in deren vonSäulen getragenem Giebelfeld Denksprüche aus der hl. Schrift (II. Mos.32, 26; Matlh. 16, 16 18; Offenb. Joh. 21, 6 7.) angebrachtwaren, und auf deren Spitze das Zeichen deS heiligen Kreuzes prangte.Die Pforte führte in einen, vom Besitzer anf'S Bereitwilligste überlassenen,sehr ausgedehnten Grasgarten, in dessen Hintergründe eine prächtige undgeschmackvolle, mehr als zwanzig Schuh hohe Nednerbühnc errichtet war,die wie ihre Tragsäulen und ihr pyramidenförmiges Dach auS lautergrünen Tannenzweigen und Blumen zu bestehen schien, und von derenGipfel herab ein hohes Kreuz mit der Inschrift:In diesem Zeichenwirst du siegen" dem Volke entgegenwinkte, und gleichsam in dieSeele redete. Der große Raum deS Gartens füllte sich nicht ganz; aberin weiten, dichtgedrängten Bogen sammelten sich, während Böllerschüsseden Beginn deö Festes verkündeten, bald etwa Drei Tausend Menschenum die Rednerbühne. Nach kurzer Pause ließ sich ein schönes Musikstü xxvernehmen. Sobald dieses beendet war, bestieg der obengenannte hochw.Herr Caplan die Bühne, und hielt eine treffliche Einleitungsrede mit besonderer Rücksicht auf den herrschenden Unglauben und die Sittenlosigkeit,diese Grundübel der Zeit, diese Quellen ihres Elends, deren kräftige Be-kämpfung und Verstopfung heilige Aufgabe aller Wohlgesinnten, vornemlichauch Aufgabe deS PiuS Vereines. Die Lcbehochrufe für PiuS IX. und Maximilian II. , mit welchen der hochw. Redner seinen Vortragangemessen beendete, wurden von dem Volke mit Begeisterung neunmalerwidert, während Trompeten schmetterten und Böller auf'S Neue krachten.Nachdem sofort wieder ein Musikstück gespielt war, hielt der hochw. HerrPfarrer F. S. He im er von Kleinaitingen einen sehr ansprechenden Vor-trag, in welchem er, mit sinniger Anknüpfung an daS FestMariä Namen",dieses Fest der himmlischen Patronin deS PiuSvereineS, und gleichsam derGeburtstag deS VereineS im Gögginger Bezirk, in beredten Worten dar-legte, von welch' günstiger Vorbedeutung für den Verein daS Gestirn deSTageS, Maria, der Stern deS MeereS, sey, der mit seinem milden,segensreichen Licht unS Leitstern seyn werde auf dem rechten Weg zumschönen Ziele. Musik füllte abermals die kleine Pause zwischen dieser undder folgenden Rede, welche letztere der hochw. Herr Caplan I. Geigervon Augsburg in sehr lebendiger Weise vortrug. Derselbe hatte ein sinn-reiches Thema gewählt, die Worte Tell'Sr