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. . . . als wir an dir Ecke jetzt gelangt,
Beim kleinen Aren, da verhängt es Gott,
Daß solch ein grausam mörd'risch UngewitterGählingS herfürbrach aus des GotthardtS Schlündcn,Daß allen Ruderern daS Herz entsank,
Und meinten Alle, elend zu ertrinken.
Da Hort ich'S, wie der Diener einer sichZum Landvogt wendet' und die Worte sprach:
Ihr sehet eure Noth und uns're, Herr,,
Und daß wir all' am Rand des Todes schweben —
Die Freiheit des Volkes,
Ja die soll gedeih'»
Mit der Freiheit der Kirche,Der wir freudig uns weih'n.
Die Mutter, die TochterIm inn'gen Verein,
Sie müssen ja BeideUns gleich theuer seyn.
Und ob auch gewaltigDie Feinde uns dräu'n.
So dürfen wir doch nichtDie Uebermacht scheu'n;
Die Uebermacht ist jaNur nichtiger Schein,
Denn was nicht aus Gott ist,Kann nichtig nur seyn.
Die Steuerleute aber wissen sichVor großer Furcht nicht Rath und sind des Fahren«Nicht wohl berichtet — Nun aber ist der TellGin starker Mann und weiß ein Schiff zu steuern.Wie, wenn wir sei» jetzt brauchten in der Noth?
Da sprach der Vogt zu mir: Tell, wenn du dir'SGetrautest, uns zu helfen aziS dem Sturm,
So möcht' ich dich der Bande wohl entled'gen.
Ich aber sprach: Ja, Herr, mit Gottes HilfeGetrau' ich mirs und helf knS wohl hiedannen.
So ward ich meiner Bande los.
Wohlan denn zur Fahne,Ihr Brüder herbei,
Zur Fahne, ihr Männer,
Und haltet die Treue,
Wie Männer, bewährt,Dann seyd ihr in WahrheitDer Freiheit auch werth!
Allsiegreich dagegenIst jener im Streit,
Der sein Ringen und KämpfenDem Herrn hat geweiht:
Dem Herrn und der SacheDes Herrn wird der SiegUnfehlbar, und zög' auchDie Hölle zum Krieg.
Dieses Thema wußte er trefflich zu benutzen, um zu zeigen, wie auchder Kirche, dieser Nothhelferin im Sturm, die Bande während des Stur-mes gelockert worden seyen, wie aber leichtlich die alten Bande im StaatS-schiff für sie bereit liegen könnten, wenn sie nicht mit gesammelter Kraft,wie der Tell, den kühnen Sprung zur vollen Freiheit wage. Auf die dreigeistlichen Redner folgte ein Bürger aus Augsburg , Dr. P. Wittmann.In volkSthümlicher Weise redete derselbe eine Stunde lang zu der Ver-sammlung von der schimpflichen Unmacht und der herrlichen Macht deSkatholischen Volkes, von den Gründen und Bedingungen jener und dieser.Mit besonderem Nachdruck hob er hervor, daß die Macht des katholischenVolkes auch darum so groß, weil eS keine schlechten Bundesgenossen beizie-hen, keine schlechten Waffen anwenden, weil eS nicht an die Leidenschaften,nicht an die Habgier, die Genußsucht, den Haß und die Ungerechtigkeitappelliren dürfe, sondern nur mit den Waffen deS Geistes, des Friedens,der Mäßigung, der vollen Gerechtigkeit, der wahren ungeheuchelten Liebegegen Alle ohne Ausnahme, den Waffen der gesetzlichen Rechte undFreiheiten streiten müsse und allein zu streiten brauche, um den sicherenSieg zum Heile Aller zu errringen. Schließlich faßte derselbe, obwohldurchaus kein Poet, die Hauptgedanken seiner Rede in folgenden Reimenzusammen, die auf dichterische Formvollendung nicht den mindesten Anspruchmachen:
Zur Fahne, ihr Brüder! —Wir schwören aufs Neu':Wir bleiben der MutterFür immer getreu.
Wir stehen der TheurenMit Männermuth bei.
Wir wollen nicht rasten: —Wir machen sie frei!
Drum freudig zur Fahne,Ihr Brüder, herbei! —Wir schwören der Mutter:Wir bleiben ihr treu —
Im Glück und im Unglück,In Noth und in Tod: —Sie führt uns zum Siege,Zur Glorie, zu Gott.
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O folget der FahneMit männlichem Muth!ES gilt ja ein hohesEin heiliges Gut. —
Die Freiheit chcS Volkes,
Die dann nur erblüht,
Wenn'hie Seele des HerrschersFür die Himmlische glüht,
Er gilt zu erringenDie Freiheit der Braut.Die Christus, der König,Sich selber getraut,
Wenn im Geist der BeherrschtenDie Himmlische lebt,
Daß er bei'm GedankenDes Unrechts schon bebt.
Die Freiheit der Mutter,Die Er uns verlieh,
Daß sie uns auf ErdenZum Himmel erzieh'.
Die Freiheit des Volkes,
Die dann nur besteht.
Wenn das Volk auf der FelsburgUnwandelbar steht,
Die Freiheit der Kirche; —Doch sie nicht allein:
Mit ihr soll die FreiheitDeS Volkes gcdeih'n!
Die Gott ihm gegründet,
Auf daß es sey frei
Von der Knechtschaft der Hölle,
Von der Welt Tyrannei: —
Die Freiheit des VolkcSDie Gott nur verleiht,Indem er die HerzenDer Könige weiht,
Auf der FclSburg der Kirche,Deren Mahnruf zugleichFür den König und AlleGesetz ist im Reich,
Indem er die HerzenDeS Volkes befreitVon Nacht und von Schlacken,Und so sie crneu't.
Deren Glaube die SelbstsuchtIn Allen bezwingt.
Deren Liebe ein heiligesBand um sie schlingt.
Sämmtliche Reden hatten bei dem Volke vollen Anklang und lautenBeifall gefunden, so daß einer der Redner sich gedrungen fühlte, ausbewegter Brust ein dreimaliges Hoch auszubringen auf den guten Geist,die Treue, die Ausdauer deS katholischen Landvolkes. Hiemit endete unterwiederholten Böllerschüssen (gegen halb 6 Uhr) die schöne, von sonnigemHimmel begünstigte Feier, bei welcher von Anfang bis zu Ende die muster-hafteste Ordnung und Ruhe geherrscht hatte. In ähnlicher Weise, wieder Zug von der Kirche ausgegangen, bewegte er sich gegen dieselbe zurück.Auf dem Platze vor derselben trennte man sich in gehobener Gemüths-stimmung. Hatte besonders der kränzegeschmückte Zug der Schuljugend zurVerherrlichung deS Festes beigetragen, so gebührte dem hochachtbaren HerrnLehrer B. Strobel und seinem Herrn Adstanten Stockhammer dierühmende Anerkennung, daß durch ihren Eifer der gute Wille der Elternund Kinder geweckt und geleitet worden. Und war eS erfreulich, daß einwackerer Jüngling, NamenS M. Kugelmann, sich unsägliche Mühegegeben, um die vielen Kränze u. s. w. zu fertigen, zu welchen mehrereGartenbesitzer, wie Herr Mayrschhofer u. a., indem sie ihre Gärtengleichsam ausplünderten, die Blumen lieferten: so war eS eine nicht nurhocherfreuliche, sondern denkwürdige Erscheinung, daß ein, einem andernGlaubenöbekenntnlß angehörender Gutsbesitzer, Herr Particulier E. Beck,nicht nur aufs Freigebigste Blumen schenkte, sondern auch seinem sehrgeschickten Gärtner erlaubte, mehrere Tage lang an Errichtung der Pforte,Rednerbühne u. s. w. zu arbeiten, und daß er überhaupt auch bei dieserGelegenheit die freundlichste Gesinnung gegen seine katholischen Mitbürgeran den Tag legte. Ehre diesem Ehrenmanne! Mit solchen Männern wäreleicht ein unzerstörbarer FriedenSbund zu schließen, dessen Grundbestimmun-gen: die Gerechtigkeit, Billigkeit, die gegenseitige Achtungund die Alles ausgleichende Liebe! Schon diese einzige Erschei-nungwürde hinreichen, in jedem empfänglichen Gemüthe eine wohlthuendeErinnerung an die schöne Gögginger Volksversammlung zu hinterlassen.Die ganze Haltung deS Volkes aber hat aufs Neue den Beweis geliefert,daß in demselben noch immer ein guter Kern vorhanden ist, welcher unterGotteS Beistand zu segensreicher Entfaltung gebracht werden kann, wennBegeisterung, Thatkraft und Einmüthigkeit statt Gleichgiltigkeit, Lahmheitund eigenliebiger Selbstgenügsamkeit in allen Denjenigen herrschen und walten,die auf daS Volk einen heilsamen Einfluß auszuüben im Stande find.Möchten diese alle wohl bedenken, daß auch die Freiheit eine köstliche GabeGotteS , ein Pfund ist, mit dem sie wuchern müssen zur Ehre Gottes, zumHeile Seines Volkes, weil sonst der Fluch sie treffen müßte, der dem fau-len Knechte gebührt, und zwar in doppelter Weise, nicht bloß weil siefaul, sondern weil sie knechtisch, weil sie Sclaven wären!