147
o. r>»
Hermann von Lehnt«.
(Fortsetzung.)
Weissagung des Bruder Hermann von Lehnin in möglichst
genauer Uebersetzung nebst beigefügten Erklärungen derunverständlichen Stellen.
I. DaS Kloster Lehnin und seine Schicksale unter denanhaltischen Fürsten. r
1. Sorgenvoll singe ich, Lehnin! dir heute deine künftigen Schicksale,
2. Die mir gezeigt hat der Herr, der alles erschaffen hat.
3. Denn obgleich du jetzt in ausgezeichnetem Glänze strahlst, wie dieSonne,
4. Und dein ganzes Leben Gott geweiht hinbringst;
5. Und obgleich du, wie stch's gebührt, Ueberfluß hast an allen Vor-theilen eines ruhigen Lebens;
6. Wird eine Zeit kommen, die dich nicht mehr also steht
7. Ja sogar kaum noch sieht, und wenn ich eS recht sagen soll, garnicht mehr sieht.
8. DaS Geschlecht, das dich gründete, hat dich immer geliebt,
9. Mit seinem Untergänge gehst du auch unter, und wirst keine geliebteMutter mehr seyn.
10. Und jetzt ohne Verzug naht die traurige Stunde,
11. In welcher Otto'S Stamm, die Zierde unseres Landes,
12. In schwerer Schickung zu Grunde geht, und kein Sohn mehr übrigbleibt.
13. Da sinkst 1>u zurück, jedoch nicht ganz bis zum tiefsten Verfalle.
DaS Kloster Lehnin , von Otto!, aus dem Geschlechte der ASkanier
gegründet, blühte sehr, so lange dieser Stamm regierte. Es war einegeliebte Mutter, da von ihm zahlreiche Klöster ausgingen. Als aber1320 mit Heinrich III. der aSkanische Mannsstamm ausstard, geriethauch Lehnin in Verfall.
II. Die Schicksale der Mark unter den bayerischen Fürsten.
14. Unterdessen wird die Mark von schweren Uebeln geä^stigt,
15. Denn daS HauS der Ottonen wird eine Löwenhöhle.
16. AuSgestoßen wird der vom ächten Blute Entsprossene.
Die Herzöge von Pommern, von Mecklenburg, von Braunschweig , An-halt, Kursachsen und Böhmen fielen über die Mark her, und schreck-lich litt sie unter dem Streite dieser Fürsten. So wurde das LandOtto'S einer Löwengrube gleich, worin nur wilde Menschen hausten.Der Kaiser Ludwig der Bayer schloß sogar eigenmächtig die Herzögevon Sachsen, die als ächte Sprößlinge der anhaltischen Linie vonAlbrecht dem Bären abstammten, von der Erbfolge auS, und nahmdaS Land für sich.
17. Wenn Fremdlinge kommen zu den Wohnungen ChorinS,
18. Wird des Kaisers Klugheit den höllischen Hochmuth heben.
Unter den Fremdlingen sind Augustiner-Mönche zu verstehen, die ausBayern gekommen, in Chorin wohnten, oder der falsche Waldemar,der sich zum Fürsten der Mark erheben ließ, und so als Fremdlingüber das Land herrschte. Kaiser Karl IV. , der sich nachher die Markaneignete, die bayerischen Fürsten verdrängend, bändigte mit Strengedie Raublust des AdelS und dessen Hochmuth.
III. Die Schicksale der Mark unter den Fürsten aus demHause Luremburg.
19. Doch nur kurze Zeit wird sich freuen eines sichern Schildes die Mark.
20. Der königliche Löwe wendet anderswohin seinen Lauf.
Karl IV. , unter dem Ruhe und Frieden im Lande herrschte, regierte nurnoch kurze Zeit, und gab bei seinem Tode 1378 die Mark Branden-burg an seinen Sohn SigiSmund . Dieser aber bekümmerte sich, zumKönige von Ungarn erhoben, wenig um sein Erbtheil. Er ließ eSdurch Statthalter regieren, die den trotzigen Raubritter-Adel nichtbändigen konnten. Daher heißt es weiter:
21. DaS Land wird seinen wahren Herrn und Helden nicht sehen.
22. Die Statthalter werden alles verwirren und Schaden anrichten.
23. Der reiche Adel wird allweg die Bürger plagen,
24. Und wird ohne Unterschied die Geistlichkeit berauben.
25. Ja sie werden eS machen, wie eS zu Christi Zeiten geschah;
26. Gegen alle Sitte werden die Leiber verkauft.
Die Raubritter Puttlitz, Quitzow , Rochow, der eiserne Dietrich rc.plünderten die reisenden Kaufleute, die Dörfer und Städte, selbst
Kirchen und Klöster, wie auS einer alten Handschrift deS KlostersLehnin erhellt, wo ein gewisser Johannes von Quitzow die Höfe deSKlosters ausgeraubt und die Leute in die Gefangenschaft geführt hatte,die er nur gegen ein großes Lösegeld und noch dazu gelähmt wiederherausgab. Der Abt mußte für sich 100 Schock Groschen bezahlen.
IV. Die Schicksale der Mark unter den Fürsten auS demHause Hohenzollern .
Friedrichl. Burggraf vou Rürnberg.
27. Daß dir, meine Mark, nicht ganz ein Regent mangle,
28. Steigst du jetzt durch zwei Burgen berühmter auS der Niedrigkeit.
Der Kaiser SigiSmund verkaufte die Mark an Friedrich, Burggrafen
von Nürnberg, aus dem Hause Hohenzollern . Dieser dem niederenAdel angehörende Burggraf wurde nun Markgraf von Branden-burg, hatte also in seinem Titel zwei Burgen.
29. Du zündest die KriegSfackel an, während du prahlst in deinem Namenmit Frieden.
30. Während die Wölfe du mordest, schneidest du auch den Schafen zu-gleich die Brüste auf. »
Obgleich Friedrich Friede reich hieß und war, so mußte er dennochgegen den unbändigen Adel, der ihm nicht huldigen wollte, „undwenn eS ein ganzes Jahr hindurch Burggrafen regnete," einschreitenund die hungrigen „Wölfe" die Quitzow , Bredow, Jagow, Schu«lenburg, BiSmark , Holzeudorf, Knesebcck, Maltitz, Bardelcbe» rc^ zuPaaren treiben. Bei diesen Kämpfen, so wie nachher in den blutigenHussiten-Kriegen litten seine Unterthanen, „die Schafe," nicht wenig.
31. -Ich sage in Wahrheit dir, dein Stamm von langer Dauer,
32. Wird geringe Herrschaft üben'uber vaterländische Fluren,
33. Bis die niedergeworfen sind, die damals hochgeehrt
ä4. Die Städte verwüsteten, und die Herrscher zu regieren hinderten.
" Der Prophet sagt diesem Hause eine längere Dauer voraus, und deutetauf die nothwendige Unterdrückung der Raubritter hin, die Friedrichdie Herrschaft über das Land streitig machte». Er überwand sie alleund zerstörte ihre Burgen. Nach einer andern Erklärung wären dieseVerse nicht auf die damalige Zeit zu beziehen, sondern auf die jetzige.Der Prophet hätte dann vorausgesagt: HauS Hohenzollern , du wirstzwar lange regieren, aber nie über große Strecken deS deutschen Vater-landes (waS auch wirklich geschehen ist, da Preußen nur ein Drittelvon Deutschland inne hat). Dein Name wird dauern, bis die Pro-letarier und RevolutionSniänner, die Hochgeehrten, niedergeworfensind, die die Städte verwüsten und den Herrschern zu regieren ver-bieten, da sie selbst regieren wollen. Ist daS geschehen, dann ist daSHauS Hohenzollern am Ende seiner Geschichte angekommen. Auchdiese Erklärung, die ganz auf unsere Zeit paßt, rechtfertigte den FraterHermann als Propheten.
F r i e d r i ch II.
35. Der nun dem Vater folgt, raubt dem Bruder seine Rechte;
36. Er wird aber nicht machen, daß ein ungerechtes TodeSbett für gerechtgehalten wird.
Friedrich I. machte auf seinem TodeSbette nicht seinen ältesten SohnJohannes, den er wenig liebte, sondern Friedrich, seinen zweiten Sohn,zum Regenten der Mark. ES war dieß aber gegen daS ReichSgrund-gesetz der goldenen Bulle, wonach der älteste Sohn stets dem Vaterfolgen mußte. Diese Anordnung war und blieb deßhalb ungerecht.
37 . Dem durch verschiedene Kriege und Schicksalsstürme Matten
38. Folgt der tapfere Bruder um seines Todes Zeit,
39. Der zwar ein tapferer Held, doch auch zugleich sehr eitel;
40. Während er denkt den Berg zu ersteigen, kann er kaum die Brückeüberschreiten.
41. Siehe! Er schärft sein Schwert! O ihr armen Bewohner von Lehnin !
42. WaS kümmern Brüdcr den, der die Väter ausrotten will!
Friedrich II., voll Schmerz über den Verlust seines Sohnes, von Gewis-sensbissen gefoltert, unvermögend den Stürmen der Zeit Widerstandzu leisten, trat an seinen tapfern Bruder Albrecht Achilles die Regie-rung ab. Dieser war ein kriegerischer Herr; er liebte Pracht undprunkvolle Turniere, worin er seine Eitelkeit befriedigte. AIS er sichder Steuererhebung zum Türkenkriege in seinem Lande widersetzte,wurde er vom Papste Paul II. in den Bann gethan, und drohte miteinem Heere über die Alpenberge zu steigen, konnte aber nicht ein