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mal die Fallbrücke überschreiten, die ihm die Mönche von Lehnin ,als er in ihre Kirche wollte, vor der Nase in die Höhe zogen. Erwarb darob sehr böse und hätte die Klosterbrüder gewiß eben so, wiedie Väter (den Papst und die Bischöfe) bedroht, wenn sie nichtnachgegeben und ihn eingelassen hätten.
(Fortsetzung folgt.)
Brief eines Benedictiner-Bruders aus Amerika. *)
St. Vincenz, 14. Mai 1848.
Liebe Eltern, Bruder und Freunde!
Gott zum Gruß!
Mit der allergrößten Freude und herzlichsten Liebe, welche ich zuEuch trage, empfing ich nach abgesungener Vesper aus den Händen mei-nes Hochwürdigften Herrn Pater Superiors Euern Brief und lese mitgrößter Begierde, waS Ihr mir schreibet. Aber ein Erstaunen entsetztemich, als ich las, daß unsere liebe Schwester gestorben sey. Doch derTod ist bei unS nicht so etwas Seltsames, weil bei uns weder Tag nochStunde vergeht, ohne an denselben zu denken. Durch solche Beispiele kannman die Hinfälligkeit des menschlichen Lebens betrachten, unv Ihr sehet,daß daS Stützen auf Menschen nichts sey, als nur ein Band, daS derTod zertrennt. Liebe Eltern und Brüver, lasset Euch diesen Tod nicht zuschwer fallen; denn die Urtheile Gottes sind ganz anders, als die derMenschen. Der Herr hat sie aufgelöst von den Banden des Leibes. Esfreut mich doch, daß sie der Herr nicht so schnell, sondern durch eine langeKrankheit und durch den Empfang der heiligen Sterbsacramente von dieserWell abgerufen habe. Sobalo wir ihren Todfall gelesen, ist im Conventebefohlen worden, für sie zu beten. Auch die Priester schließen sie ein undgedenken ihrer im heiligen Meßopfer. Denn auch sie und Ihr alle seyvAnverwandte zum Orden des heiligen Vaters BenedictuS. Darum ist eSin diesen Fällen gut, wenn eS angezeigt wird, damit man für sie betenkönne.
Liebe Eltern, waS mich anbetrifft, bin ich gesund und erfreut inGott und meinem Heilande Jesus Christus , dessen Diener ich gewordenbin durch die heilige OrdenSprofeß, welche ich am Tage des heiligenMathias bei einem feierlichen Amte vor der Gegenwart GolteS und Reli-quien vieler Heiligen und in Gegenwart meiner Mitbrüder, 48 an derZahl, mit 15 Brüdern abgelegt habe, um mich ganz Gott zu weihen.WaS ich von meinem Noviciat sagen kann, ist eine Zufriedenheit, die ichnicht genug auszudrücken vermag; denn die väterliche Liebe, welche meinHochwürdiger Pater Superior zu mir und meinen lieben Mitbrüdern trägt,zeigte sich besonders darin, daß er mir während meiner NoviciatSzeit nichteinmal ein rauhes Wort gegeben, aber nicht wegen meines Gehorsamsoder guten Betragens, sondern wegen seiner großen Nachsicht, die er gegenmich und meine Mitbrüder hat. DaS Gleiche kann ich von meinem Hoch-würdigen Pater Prior sagen, welcher im vergangenen Sommer mit 16Brüdern vorn Kloster Scheyern hier in unserm Kloster St. Vincenz ange-kommen ist, und der uns während der Zeit des NoviciatS als Novicen-meister den geistlichen Unterricht ertheilte. Ich kann in Wahrheit sagen,daß sein Wandel nicht irdisch, sondern im Himmel ist. Ich kann überalles Dieses meine Freude nicht genug ausdrücken. Auch heute haben wireine besondere Freude gehabt; denn es ist eine erwachsene Methodistin getauftworden, wobei viele Protestanten und PreSbyterianer gegenwärtig gewesensind, welche heilige Handlung unser gegenwärtiger Pater Superior mitaller Feierlichkeit vorgenommen hat. Auch ihre Eltern, wiewohl ihr anfangsder Vater den Tod gedroht, sind zu diesem Zwecke bereit. Bekehrungensind, seil wir da sind, schon recht viele erfolgt. Ich kann es nicht unter-lassen, Euch von unserer Kirche etwas zu sagen. Unsere Kirche ist ziem-lich groß; sie hat zwei Hauptthore und inwendig zwei Gänge und 4 ReihenStühle, wovon jede Reihe zwanzig an der Zahl hat, und jeder Stuhlfaßt sechs bis sieben Menschen. ES befinden sich darin drei Altäre. Aufbeiden Seiten hat sie sechs große Fensterstöcke und zwischen den zwei großenThoren einen doppelten Fensterstock, welcher zugleich in die Kirche und aufden Chor leuchtet. Auf dem Chor haben wir unsere Plätze, wo auch dieOrgel mit 8 Registern steht. Drei Brüdcr können die Violin spielen, dreidie Orgel, zwei Klarinette blasen und Viele singen. Auch ich bin daran,
*) Wir geben diesen uns freundlichst mitgetheilten Brief eines schlichten Bauern-sohnes aus der Gegend von Eichstädt in seiner ursprünglichen Einfachheit. Die Red.
ein Instrument zu lernen. Bis auf daS heilige Pfingstfest bekommen wirHorn, Trompeten und Paucken. Der Gottesdienst an den Festtagen wirdbei unS gar schön gehalten. ES wird allzeit levitirt. Im vorigen Jahrehaben wir am Fronleichnamsfeste die Procession in der Kirche gehalten,wobei wir Brüder daS Hochwürdigste Gut mit brennenden Wachskerzenbegleitet haben, eben so in der Auferstehung unter schöner Chormustk.Am heiligen Ostertage sind so viele Protestanten in der Kirche gewesen,daß man sagen kann, sie haben den dritten Theil vom Volke ausgemacht.WaS die Protestanten betrifft, ist eS hier wie in Deutschland . Denn siewissen nichts, als über die Katholiken zu schimpfen, und haben noch Nie-manden bekehrt von den Ungläubigen, wohl aber viele Katholiken verkehrt.Die schlimmsten sind die PreSbyterianer, welche vor Kurzem eine schändlicheSchrift in die Zeitung drucken ließen über die Klöster, worin das unseligegenau bezeichnet ist; aber sie wurden sogar von einem Protestanten wider-legt. Die Preacher oder Prediger der Secten machen ihren Zuhörern vor,die katholischen Priester hätten alle Hörner auf, und man glaubt es ihnen,weil sie nichts Besseres hören, als über Katholiken zu lügen. Viele abervon ihnen überzeugten sich selbst, daß sie keine Wahrheit reden, und kamenvom Irr- zum Unglauben. Liebe Freunde, das Einzige, waS fehlt, ist,daß eS zu wenige katholische Missionäre gibt, welche ihnen die Wahrheitverkünden könnten.
Wenden wir unS wieder nach St. Vincenz, um zu sehen, waS dieMönche thun. Um 3^ Uhr stehen wir auf und gehen in die Kirche zumLobe GotteS, wozu uns der Gesang der Vögel und die holde Morgenluftaufmuntert. Nach dem Chorgebet werden die Zellen ausgekehrt und dieBetten gemacht. Von 5 bis 6 Uhr ist Betrachtung, um 6 bis 6'/, Uhrdie heilige Conventmesse. Dann geht man an die bestimmten Arbeiten.Um 10'/z Uhr wird mit der großen Glocke daS Zeichen gegeben, um bisin die Kirche zu kommen zum Capitel. Um 11 Uhr Mittagessen, nachdemselben Anbetung in der Kirche. Von 1l^ bis 12^ Uhr ist Freizeit,zu welcher geredet werden darf, und die zum Singen lernen verwendetwird. Um 12^ Uhr wird der heilige Rosenkranz gebetet, nach welchemJeder wieder an seine Geschäfte geht bis 5'/z Uhr, zu welcher Zeit geist-liche Lesung gehalten wird. Um 6 Uhr ist daS Abendessen. Von 6'/z bis7'/2 Uhr ist Freizeit, zu welcher wir meistens englische Stunde haben. Um7'/z Uhr wird daS Ave Maria geläutet, dann geht man wieder in denChor bis 8'/z Uhr. Um 9 Uhr geht man schlafen. Von 7'/2 Uhr Abendsbis 6 Uhr Morgens muß das strengste Stillschweigen beobachtet werden.Auch unter der Arbeit darf nur daS Nothwendigste geredet werden. DaSist unsere Tagöordnung. Wir machen eS wie die alten Mönche. Wirbauen die Felder und auch unser Kloster selbst. Im heurigen Jahre werdenwir eine neue Scheuer bauen und auch einen Theil an unserm Hause.Wir haben schon Ziegel zu machen angefangen, auch die Hölzer sind schongeschlagen. WaS meine Geschäfte sind, habe ich die Ehre, nicht mehrBäcker, sondern Wäscher zu seyn. Da werden wohl meine liebe Mutterund meine Schwägerin lachen, und werden sagen: „O gar waschen!"Ja, meine lieben Freunde, ich wasche vor Allem das, waS man zumOpfer der heil. Messe braucht, nämlich Altartücher, Alben, Corporalien,auch Chorröcke und Handtücher. Auch bereite ich noch daS Brod zum hl»Meßopfer. Daraus könnet Ihr schließen, daß wir nicht durch faullenzen,sondern durch Gebet und Arbeit unS den Himmel zu verdienen suchen.Nach den amerikanischen Gesetzen werden Sonn- und Festtage strengegefeiert. ES darf an denselben weder gekauft noch verkauft werden. InAmerika ist jeder Gewissenhafte frei. Nur Diebe und Todtschlä-ger werden an den nächsten besten Baum aufgehenkt. Auch die Unzüch-tigen werden für etwas Schlechtes angesehen. Seit unserer Ankunft.findin unserer Kirche gegen 80 Kinder getauft worden, unter denen kein unehe-liches war. Die katholischen Prediger dürfen mit der nämlichen Freiheitwie die andern Secten predigen. Der Sonntag wird von den Katholikenmeistens in der Kirche zugebracht. ES ist nicht wie in Deutschland, daßman inS BierhauS oder zum Kartenspiel geht. Dergleichen ist verboten.
Mit amerikanischen Werkzeugen kann man noch so viel als mit deut-schen arbeiten. Mit einer Dreschmaschine, die 4 Pferde ziehen, haben wiran Einem Tage 36 Schüssel Waizen gedroschen.
Ich habe mich in diesem Schreiben viel zerstreut. Doch mit derGnade GotteS werde ich mich wieder sammeln.
Frater Franz.
Verantwortlicher Redacteur: 8. Schönchen
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