Ausgabe 
9 (23.9.1849) 38
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Neuntel' Jahrgang.

^ A8.

TL September L84S.

Blume» auS dem Schriftgarten de- heiligen Bernardus^

Eingang.

t Nicht anziehend, sondern vielmehr abstoßend sind die Blumen undKräuter, welche der kalte Unglaube und die Sinnenlust, der ungebändigteStolz und die kecke Absprechung über alles Göttliche und Heilige hervor-bringen. Schon ihre Namen deuten ihre Eigenschaften an. Der Klauen-baum verwundet das Erdreich des Familienlebens, die Adams nadelritzt schon die zarte Kindheit, und die Bärenklau klammert sich an frem-dem Eigenthume fest. Auf den rauhen und wilden Distel beeten derIrreligiosität und des JndifferentiSmu- wachsen der Nachtschatten oderdie Sünden nächtlicher Finsterniß und der Wermuth bitterer Armuth,baS Schlangenkraut der Verführung und die Spitzkletten schlechterGewohnheiten. Der Stachelmohn schläfert die Gewissensbisse der Sün-der ein, und der Rattenfraß der Habsucht und des Neides frißt zuletztsich selbst. Stechäpfel und ScorpionengraS vergiften alle Verhält-Nisse der menschlichen Gesellschaft, und die Nesselblumen nebst Gift-lilien, Unform und Kämpfer eien umgarnen die unvorsichtige Jugend.Der SchwcinSrüssel thierischer Lust und daö TeufelSauge der fleisch-lichen Lüsternheit richtet großes Verderben im Garten der Unschuld an,und die Hausech el mit ihrem bocköartigen Geruch nebst dem weit ver-breiteten Steinbrech brechen sich die Bahn überallhin. Endlich treffenwir noch im Höllengarten des SündenrevierS das Egel kraut und dieSauerwurz, die Zottenblume und den Hundszahn. Wer solltegerne in einem solchen Garten lustwandeln? Aeußerst lieblich und tröstlichist es daher, einen andern Garten zu haben, in dem der Bräutigam dcSHohenliedes unter den Veilchen der Demuth, unter den Lilien derReinigkeit und unter den Rosen der göttlichen Liebe die menschliche Seeleweidet, wenn sie seinem Hirtenstabe folgt. In diesem Garten himmlischerSchönheit und Lust treffen wir auch eine emsige Biene an, welche anf denKaiserkronen, Tulpen und Anemonen, auf den Königskerzen,Sammetblumen und Amaranth, auf dem Lack und Leberbalsamund auf den Glycinen honigsüße Früchte einsammelt. Diese Biene istder heilige BernarduS, den Garten stellen seine Schriften vor, aus denenich mit GotteS Gnadenbeistand in alphabetischer Ordnung eine kleine Blu-menlese vornehmen will, die dem freundlichen Leser freundlich dargeboten,nicht aufgedrungen wird.

1. Absicht.

ES ist gewiß, daß unser innerer Mensch durch die Uebungen derTugenden von Tag zu Tag erneuert werde, da auch die Absicht, diezuerst von Erdensorgen gekrümmt war, allmälig von Unten nach Obensteigt: und die Neigung, weiche vorher vom fleischlichen Verlangen krän-kelte, nach und nach zur geistigen Liebe erstarkt, und das Gedächtniß,vorher durch die Schändlichkeit der alten Werke beschmutzt, durch neue undgute Handlungen täglich weiß und heiter wird. In diesen Dreien bestehtnämlich die innere Erneuerung, in der rechten Richtung der Absicht, inder Reinigkeit der Neigung und in der Erinnerung an die gute Handlungs-weise, wodurch daS Gedächtniß in gutem Bewußtseyn glänzend wird.

2. A b t ö d t u n g.

Bisweilen enthalte ich mich, aber meine Enthaltsamkeit ist eine Ge-nugthuung für die Sünden, nicht ein Aberglaube für die Gottlosigkeit.Ich enthalte mich vom Weine, weil im Weine Geilheit ist: aber wennich krank bin, trinke ich ein wenig, nach dem Rathe Pauli. Ich enthaltemich von Fleischspeisen, damit sie nicht als zu nahrhaft zugleich dcSFleisches Laster nähren. DaS Brod selbst will ich mit Mäßigkeit gerne.

ßen, damit nicht cS den Leib beschwere, und er zum Gebete nicht aufstehenmag: und damit nicht auch mir der Prophet den Vorwurf mache:daßich mein Brod mit Sättigung gegessen." Aber auch mit einfachem Wasserwerde ich nicht für gewöhnlich mick) anfüllen, damit nicht die AusdehnungdeS Leibeö bis zur Anreizung der*Prollust fortschreite.

Wer kiug und nüchtern wandelt, dem ist Salz mit Hunger ein hin-reichendes Gewürz.

Wie zum Kreuze, so gehe zum Essen, d. i. nicht auS Gaumenlust,sondern aus Nothwendigkeit: der Hunger, nicht der Geschmack rufe denAppetit hervor.

3. A d v o c a t e n.

Die Streitreden und Wortkämpfe der Advocaten tragen mehr zurUnterdrückung, als zur Auffindung der Wahrheit bei. Diese sind eS,welche ihre Zungen Lügen reden gelehrt haben: beredt gegen die Gerechtig-keit, erfahren in der Falschheit, weise, BöseS zu thun, mundfertig gegendie Wahrheit. Sie geben Unterricht denen, von denen sie unterrichtetwerden sollten. Sie behaupten nicht daS Erfahrene, sondern daS Ihrige:sie untergraben die Einfachheit der Wahrheit und verbauen die Wege zumGerichte. Nichts wird also ohne besondere Mühe die Wahrheit offenbarmachen, als die kurze und unverfälschte Erzählung derselben.

4. Aergerniß.

SauluS, SauluS, warum verfolgst du mich?" Oder verfolgte derChristum nicht, der Christi Glieder auf Erden töttcte? Verfolgt habenChristum Jene, die seinen heiligsten Leib an daS Holz deS Kreuzes hefteten:und der sollte ihn nicht verfolgt haben, der gegen seinen Leib, der dieKirche ist, voll ungerechten Hasses wüthete? Wenn er endlich sein eigenesBlut als ErlösungSpreiS der Seelen hingegeben hat, scheint eS dir nicht,daß er von jenem eine schwerere Verfolgung ausstehe, der durch boshafteAnreizung, durch verderbliches Beispiel, durch die Gelegenheit deS Aerger-nisses Seelen von ihm abwendet, die er erlöSt hat, als von einem Juden,der jenes Blut vergossen hat? Erkennet, Gelicbtcste, und verabscheuet dieGesellschaften Jener, welche daS Heil der Seelen verhindern. ES ist einfürchterlicher GotteSraub, der sogar die Uebelthat Jener zu übertreffenscheint, die an dem Herrn der Majestät ihre gotteSräuberischen Hände an-legten. ES schien die Zeit der Verfolgung aufgehört zu haben, aber, wieeS offenbar ist, hört die Verfolgung niemals auf für den Christen undauch für Christus. Und was noch schwerer ist, selbst jene verfolgen Chri-stum, welche von ihm Christen genannt werden. Gott , deine Freunde unddeine Nächsten sind gegen dich aufgestanden! Die Gesammtheit deS christ-lichen Volkes scheint sich verschworen zu haben gegen dich vom Kleinstenbis zum Größten; von der Fußsohle bis zum Scheitel ist keine Gesundheit:Gottlosigkeit ist ausgegangen von den Aeltesten uud Richtern, deinen Stell-vertretern, welche dein Volk zu regieren scheinen. Jetzt kann man nichtmehr sagen:Wie daS Volk, so cher Priester," weil auch das Volk nichtso ist wie der Priester. Ach, ach, Herr und Gott! Die Ersten in deinerVerfolgung sind jene, die in deiner Kirche die ersten Plätze einnehmen unddie Herrschaft führen. Ihr bedauernSweriher Lebenswandel ist der Unter-gang deines bemitleidenSwürdigen Volkes.

5. Andacht.

Wer den Samen guter Werke ausgestreut hat, der suche die Gnadeder Andacht, damit die guten Werke durch den Eifer der Andacht unddurch die Süßigkeit der GeisteSgnade gewürzt werden. Nämlich die Büß-werke und die Mühen der Enthaltsamkeit müssen durch die Gnade der An-dacht fett gemacht werden. Denn wir sollen vorzüglich AlleS mit Freudig-keit thun. Wir beklagen uns, daß unö die Gnade fehle, aber vielleicht