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kann sich die Gnade mit mehr Recht beklagen, daß ihr einige mangeln;denn die Gnade der Andacht, welche wir suchen, ist Herzenssache, so, daßsich derjenige dieses Geschenkes selbst beraubt, der eS verschmäht, demsel-ben einen innern Wohnplatz anzuweisen.
(Fortsetzung.)
43. Der nach diesem folgt, weiß den KriegSgolt durch Kunst zu täuschen.
44. Seinen Söhnen bereitet er eine glückliche AuSstcht in die Zukunft.
45. So lange dieß bewahrt wird, wird großes Glück erworben.
46. Seine Söhne werden durch gleiches Loos beglückt.
Aus Albrecht Achilles folgte sein friedliebender Sohn Johann , der durchseine Beredsamkeit drei streitende Könige, Mathias von Ungarn,Kasimir von Polen und LadiSlauS von Böhmen , zum Frieden beredete,und so den KriegSgolt täuschte. Auch wußte er sonst durch seineRedefcrtigkeit seine Geldwünsche Hon den Landständen zu erreichen,und bekam daher den Namen Cicero . Durch seine Sparsamkeit, seineFriedensliebe, und dadurch, daß er seine Staaten sehr vergrößerte,eröffnete er seinen Nachkommen eine gute AuSstcht in die Zukunft.Seine beiden Söhne wurden Kurfürsten, hatten also ein gleich ehren-volles LooS. Joachim ward Kurfürst von Brandenburg und AlbertKurfürst von Mainz .
Joachim l. Nestor, der letzte katholische Fürst.
47. Jedoch eS wird ein Weib eine traurige Pest ins Vaterland einführen,
48. Ein Weib, von dem Gifte einer neuen Schlange contract gemacht.
49. Und dieses Gift wirb dauern bis zum eilften Stamme.
Joachims Gemahlin, Elisabeth, eine Prinzessin von Dänemark , trat zur
lutherischen Lehre über, und führte diese, die Hermann „eine traurigePest" nennt, in Brandenburg ein. Nun schildert Frater Hermannin den bittersten Ausdrücken die traurige Kirchenspaltung und ihrenoch traurigern Folgen; die bis in das eilsle Glied des hohenzollern -schen Hauses dauern sollen.
Joachim II., der erste lutherisch gewordene Fürst.
50. Jetzt tritt der hervor, der dich, o Lehnin! übermäßig hasset.
51. Er theilt wie ein Messer, gottlos ist er, Hurer und Ehebrecher;
52. Er verwüstet die Kirche, die Güter der Kirche verkauft er.
53. Geh nur mein Volk! Du hast keinen Beschützer mehr,
54. Bis die Stunde kommen wird, wo die Herstellung ge-schieht.
Joachim II. trat bald, gegen sein dem sterbenden Vater gegebenes Ver-sprechen, zur lutherischen Lehre über, hauptsächlich beredet von seinerMutter. Er führte einen ehebrecherischen Wandel, indem er sich einganzes Serail von Frauenzimmern hielt, und besonders mit einerWittwe Ridow im verbotenen Umgänge lebte. Man hatte damalsden beschönigenden Namen Galanterie noch nicht, und nannte solcheSünde plattmärkisch Hurerei und Ehebruch. Joachim zog nicht bloßLehnin ein, woraus er die Mönche mit nur 20 — 30 Gulden Gna-dcngehalt forttrieb, sondern auch zahllose andere Klöster und dieBiSlhümer Brandenburg, Havclberg und Lebus. Die Katholikenblieben nun in der Mark ganz ohne Beschützer, und waren und sindden Plackereien und Unterdrückungen ausgesetzt, bis die Zeit derWiederherstellung dcS deutschen Reiches und der katholischen Kirche kommt, die vielleicht sehr nahe ist.
Johannes Georg.
55. Der Sohn dieses sinnlosen Thoren billigt die Einrichtungen seinesVaters,
56. Ganz ungescheidt wird er doch den Ruf eines Frommen haben.
57. Er ist nicht strenge genug, und deßhalb heißt er der beste Herr.
Joachims Sohn, Johann Georg, verfolgte die Bahn seines Vaters.
Wie ein Ungescheibter verbrannte er das Bild des Papstes, duldetekeine Reformirten im Lande, und hieß deßhalb „fromm." Er nahmdie weibersüchtigen katholischen Mönche und Pfaffen mit großer Güteaus und hieß deßwegen der „beste Herr."
58. Diesem wird das Loos: einen aus seinem Geschlechte zu sehen, derihm nicht gleich ist.
59. Im Trauerjahre läßt er sein Leben an einem.ehrbaren Orte.
Johannes Georg sah noch seinen Enkel Johann SigiSmund, der seinemGroßvater nicht gleich blieb, sondern von der lutherischen zur calvlni-schen Lehre übertrat. Er starb im Pestjahre 1598 in dem prachtvollenSchlosse Köln, nachdem er seinem Sohne dritter Ehe, Christian, dieNeumark vermacht.
60. Der in der Stadt Geborne begehrt Herrscher zu werden deS Volkes.
Der Sohn des Vorigen, Joachim Friedrich, verdrängte seinen Stief-bruder Christian aus der Neumark und wurde so Regent der ganzenbrandenburgischen Lande.
61. In Hoffnung deS Uebrigen hegt er hier furchtsam seinen nachgewach-senen Erben.
Da die brandenburgischen Länder immer durch Theilung zersplittert unddie Macht des HauseS Hohenzollern dadurch sehr geschwächt wurde,führte er das Recht der Erstgeburt in den brandenburgischen Landenein, so daß der Erstgeborne Kurfürst werden, alles besitzen und diejüngeren Prinzen mit Geld abgefunden werden sollten. So sorgte er,in der Hoffnung, die Vereinigung der übrigen Landestheile mit derMark herbeizuführen, furchtsam für seinen Sprößling.
62. WaS er dunkel fürchtet, das wird sicher doch geschehen.
Joachim fürchtete sehr, daß sein Sohn seine Religion verändern würde,und nöthigte ihn deßhalb, eine Erklärung zu unterschreiben, nie vonder Lehre Luthers abzugehen. Doch geschah dieß dennoch, da JohannSigiSmuS zum Calvinismus übertrat. Auch fürchtete er die voraus-zusehende Erb chaft der clevischen Länder, Eleve, Jülich und Bergmit andern Erbberechtigten theilen zu müssen, waS auch geschah, dader Pfalzgraf von Neuburg-Zweibrücken, Jülich und Berg, undJohann SigiSmund Eleve und die Mark erhielt.
63. Bald wird, mit Zulassung GotteS, die Gestalt der Dinge eine neue;
64. Er strotzet von tausend Mängeln, dessen Dauer kurz ist.
65. Vieles verwirrt er durch ein Edict, noch mehr durch einen Schlag;
66. WaS jedoch durch seine Befehle noch schlimmer wird,
67. DaS kann durch das Schicksal fürwahr zum Bessern gelenkt werden.
Durch Johann SigiSmund änderten sich die Dinge in Brandenburg sehr.
Um in seinem clevischen ErbschastSstreite seine reformirten Unterthanenan sich zu ziehen und sich die reformirten Holländer zu Freunden zumachen, wurde er selbst 1613 reformirt. Dieß ist die „Aenderung."Er hatte viele „Mängel;" er war jähzornig, ausschweifend und demTrunke ergeben. Um die Unzufriedenheit über seinen Ucbcrtritt zumCalvinismus zu beschwichtigen, erließ er ein sehr strenges „Edict,"worin den Predigern alle Schmähung gegen andere Konfessionen ver-boten wurde. Da es aber ein Haupttert aller lutherischen Predigtenist, auf andere zu schimpfen, wie die ReformationSpredigtcn bezeugen,so entstand eine große Aufregung und endlich ein Aufstand im Lande,besonders in Berlin, der nur mit Mühe unterdrückt wurde. DaSwar das „Edict." Den „Schlag" aber gab er im Jähzorne zuDüsseldorf dem jungen Pfalzgrafen von Neuburg, der Ansprüche aufdie clevischen Länder machte, wodurch jede friedliche Vereinigungzwischen beiden Fürsten unmöglich wurde. Je mehr „Befehle" ererließ, um so größer wurde die Aufregung, bis endlich gegen Endeseines Lebens durch Beilegung aller innern und äußern Streitigkeitenalles zum Bessern gelenkt ward. Auf Johann SigiSmund folgte
68. Der Sohn wird Markgraf nach dem Vater werden. (Dieß geschah.)
69. Durch seine Klugheit läßt er keinen ungerächt leben.
Georg Wilhelm war wohlbewandert in der Klugheit, die die preußischenPfiffe, ober die Kniftologie (Kniffemacherei) erfand. Er nahm sicheinen katholischen Minister, von Schwarzenberg, um eS nicht mit demKaiser zu verderben, und sandte diesem 800 Mann zu Hilfe. Zugleicher Zeit eilte er dem Könige von Schweden entgegen und stellteauch diesem einige tausend Mann Hilststruppcn zu Gebote. Als dieSchweden geschlagen wurden, hielt er wieder zum Kaiser. So allebetrügend, rächte er sich an jedem.
70. Da er zu viel Vertrauen hegt, zerreißt der Wolf die beklagenswerteHeerde,
71. ES folgt der verderbte Diener bald dem Schicksale seines Herrn.
Da der Kurfürst, als Protestant, zu den Schweden zu viel Vertrauenhegte, und sie in sein Land aufnahm, verwüsteten diese dasselbe, gleichWölfen, auf'S Schrecklichste, und machten eS zu einer Einöde. Unter