Ausgabe 
9 (23.9.1849) 38
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dem verderbten Diener ist der Graf Schwarzenberg zu verstehen, derdie Geißel Brandenburgs genannt, einige Monate nach Georg Wil-helms Tode starb (3. März 1641).

Friedrich Wilhelm !. 1640 1688.

72. Darauf kommen, die sich von drei Burgen nennen.

Jetzt folgt Friedrich Wilhelm!., der große Kurfürst genannt. Er erhieltim westfälischen Frieden Magdeburg, und fügte so das dritte Burgzu seinem Titel: Burggraf von Nürnberg, Markgraf von Branden-burg und Herzog von Magdeburg.

73. Stehe, unter dem großen Fürsten wachsen die Gränzen deS Landes.

Während seiner langen Regierung erlangte er Preußen ganz, dann

Halberstadt, Kamin und Minden . Er erhielt den Namender großeKurfürst." So hat also der Prophet wieder Recht. Und auch darin,daß die Tapferkeit dieses Fürsten seinem Volke Ruhe verschaffte, denner schlug die Schweden bei Fehrbellin . Daher heißt es:

74. DeS Volkes Sicherheit beruht auf deS Regenten Tapferkeit.

Friedrich III., der erste König von Preußen. 1688 1713.

75. Aber nichts nützet dieß, wenn die Klugheit kehlt.

Nichts nützte die Tapferkeit deS großen Kurfürsten: denn sein Sohn,!von Eitelkeit und Prunksucht verleitet, erklärte sich selbst zum erstensKönige von Preußen , setzte sich die Krone auf und stiftete den schwär-!zen Adlerorden. Er unternahm etwas, was er besser gelassen hätte;!denn seine Unterthanen mußten die Zeche bezahlen, und Steuern überSteuern aufbringen. Für den ersten König von Preußen hat BruderHermann nur einen Vers.

(Schluß folgt.)

Die Freiheit der Kirche in Preußen .

Während die Katholiken für die Freiheit der Kirche, für die Unab-hängigkeit derselben vom eisernen Arme weltlicher Omnipotenz und die Ent-vormundung vom Beamtenthum schon Jahre lang vergeblich ihre Stimmenerhoben, endlich ihren gerechten und nothwendigen Forderungen, durch dieZeitumstände befürwortet, theilweise entsprochen worden ist, erheben sich dieProtestanten und protestiren gegen die Freiheit der Kirche, gegen die Tren-nung derselben vom Staate. Es läßt sich nichts dagegen sagen, denn beideForderungen sind in der Geschichte und der Natur einer jeden Konfessionbegründet. Der Protestantismus verdankt dem Staate seine Entstehung,seine Entwickelung, sein Gedeihen; der Katholicismus hingegen, älter alsunsere moderne und morsche StaatSform, leitet seine Entstehung, seineGegenwart und seine Zukunft auS höheren und unversiegbareren Quellenher. Während dieser von der weltlichen Macht geknechtet, in seinen natür-lichsten Rechten bedrückt, sogar in der Ausübung seiner Pflichten gehindertwurde, wurde jenem zum eigenen Vortheile, der aus dem Nachtheile derandern Religionsgesellschaft erwuchs, unter die Arme gegriffen. Dem star-ken, kräftigen Manne wurde die Nahrung benommen, und dem aus un-natürlicher Doppelehe entstandenen Kinde von der Staatsamme dargereicht.So bildeten die Ueberbleibsel katholischer Dogmen den geistigen Schatz dcöProtestantismus, wozu ihm der Staat aus der Beraubung des katholischen KirchenschatzeS noch ein materielles Vermögen hinzuschuf. Würde der Prote-!stantiSmuS nun von der wohlthätigen Amme und Pflegerin verlassen, dann^entstände allerdings die Frage, wovon er leben könnte, nachdem geistigessowohl als materielles Vermögen aufgezehrt wäre. Die Furcht der Prote-stanten vor der Freiheit der Kirche erscheint daher gerechtfertigt, aber nichtminder das ernste Wort der Katholiken für die Freiheit und Unabhängig^keit derselben von der weltlichen Staatsgewalt. Der Protestantismus ist!seiner Natur nach der irdischen Gewalt zugewiesen, und gleich den Epheu-!ranken bedarf er einer materiellen Stütze, woran er sich lehnen kann, umnicht auf der Erde sich herumschlingend von den Vorübergehenden zertretenzu werden. Der Katholicismus hingegen lebt von innen heraus, er bedarfkeine weltliche Stütze, die ihm vielmehr höchst schädlich ist; denn daSLebensprincip deS Katholicismus ist der Geist, derselbe unwandelbare Geist,in dem er gegründet wurde, 18 Jahrhunderte durchlebt hat, und bis zumEnde der Tage fortleben wird. WaS daher diesem nothwendig ist, istjenem in demselben Verhältnisse nachtheilig und umgekehrt. Im Concreten,ist hier katholischcrseitS wohl zu berücksichtigen, daß unsere Staatsgewaltselbst dem Protestantismus angehört, und daher Freiheit der Kirche für dieKatholiken der Anfang eines bessern Gedeihens, für die Protestanten der!nothwendige Anfang der Auslösung; für Beide aber, besonders aber fürdie letzte, eine Lebensfrage ist. Was nun den Protestationen Protestant!-!

scherseitS, so wie den Forderungen katholischcrseitS für eine Rechnung getra-gen werten wird, muß sich bald entscheiden. DaS zögernde Verhalten derRegierung in Ausführung der betreffenden VerfassungSbestimmungen scheintdafür zu sprechen, Laß man höhern OrtS jene vorzüglich berücksichtigt.Andererseits könnte man Belege anführen, daß die Regierung die kirchlicheFreiheit, welche die Verfassung »allen Religionsgesellschaften gewährleistet,in Bezug auf die katholische Kirche nicht verkümmern wird. Dafürsprechen zwei Verfügungen, welche daS CultuSministerium unlängst erlassenhat. Die eine bezieht sich auf die früher viel angefochtene Befugniß derRegierung, solche katholische Pfarrstellen, deren Patron deö PräsentationS -rechts für seine Person verlustig gegangen ist, zn ersetzen. DaS Ministe-rium erklärt, daß diese Besetzung fortan durch die geistlichen Oberen erfol-gen könne. Durch elne zweite Verfügung ordnet der Minister an, daß dieEinsammlung freiwilliger Beträge zur Bestreitung der kirchlichen Gcmein-debedürfnisse innerhalb einzelner katholischer Gemeinden künftig ohne Erlaub-niß der weltlichen Behörden solle stattfinden dürfen. Allerdings schwacheBelege; aber wir vertrauen der Gerechtigkeit der Regierung, daß sie ihrgegebenes Wort nicht breche, Laß ihre Versprechungen, daß der geschrie-bene Buchstabe Wahrheit werde. Fühlen sich einige Protestanten so schwach,daß sie glauben, ohne den weltlichen Arm, der sie wie ein unmündigesKind am Gängelbande führt, nicht förteristiren zu können, dann verdienensie auch nicht den Namen einer ReligionSgcsellschaft, und sind nicht werth,daß sie eristiren; diejenigen Protestanten aber, die zu ihrem BekenntnisseVertrauen hegen, oder nur daran glauben, werden auch Muth genughaben, ohne den Arm der weltlichen Gewalt frei inS Leben zu treten undmit den Katholiken Freiheit fordern, Freiheit und Unabhängigkeit vonder Bevormundung weltlicher und verweltlichter Behörden. Jedenfalls wer-den die Katholiken von ihren gerechten Forderungen nicht abstehen, stetsvon Neuem mit Würde und Ergebung rufen: Gebt unS die Freiheit, damitihr selbst frei werdet; und sollte e'in Staat macchiave llistisch undjosephinisch genug seyn können, heut zu Tage, nachdem die Jugendin den Clubs, auf den Märkten, in den Gefängnissen den gänzlichenBankerutt beweist, den er durch seine Erziehung gemacht hat, nachdemdie allgemeine Entsittlichung, namentlich in Berlin , und die elende mora-lische Verkommenheit, die Unfähigkeit LeS Staates, die Functionen derKirche auszuüben, oder zu regeln, auf die schlagendste Weise an den Taggelegt hat; ja sollte ein Staat nach so traurigen Erfahrungen heut zuTage eine ungerechte Hand an daS Heiligthum der Religion legen, dannmag er zum Voraus sich einen Grabstein bereiten, und hören, wie seineeigenen Maaßregeln ihm daS Miserere singen.

Versammlung der PiuSverelne in Rottenburg.

Rottenburg , 23. August. Der Einladung des hiesigen PiuS-vercineS zu einer Generalversammlung der verbrüderten Vereine in Würt«lcmberg wurde gestern durch die Ankunft zahlreicher Abgeordneten entspro-chen. Dieselben begaben sich mit mehreren andern Männern, welche An-theil an der Sache nahmen, in geordnetem Zuge vom Seminarssaale auSin die Domkirche, wo unter Anwesenheit deS hvchwürdigsten Bischofs undDomcapitelS bei großer Betheiligung deS Volkes ein feierliches Hochamtgehalten wurde. Nach dem Gottesdienste eröffnete Herr RegenS Dr. Mastals Vorsitzender die Versammlung im Nathhauösaale; Mitglieder deS PiuS-vereinS wie andere Zuhörer von hier und der Umgegend hatten sich ein-gefundcn; Frauen nahmen von einem Nebenzimmer auS Antheil. HerrMast, der die Verhandlungen mit sehr viel Umsicht leitete, erinnerte dieAnwesenden in anziehender Rede an die Zwecke der katholischen Vereineund an die Veranlassung zur begonnenen Zusammenkunft; in letzter Hin-sicht machte er auf den ausgesprochenen Wunsch der zweiten Generalver-sammlung der katholischen Vereine Deutschlands aufmerksam. AIS Zweckestellte er den Statuten gemäß auf: Unterstützung der kirchlichen Obern inErringung der religiösen Freiheit; Wahrung der Stiftungen und Schul-fondS mit gehöriger Einwirkung auf daS Schul- und ErziehungSwescn;Betheiligung an der Armenpflege und Allem, was zur Hebung der socialenUcbelstände beiträgt; Förderung der christlichen Bildung. Den Sinn hiesürvon Neuem anzuregen, sich über Einzelnes zu verständigen und zu einigen,daS sey Aufgabe der Versammlung. Den öffentlichen Ansprachen solltenspecielle Berathungen im Seininargebäude folgen.

Die Redner, welche sofort auftraten (Stadtpsarrer Vogt aus Lud-wigSburg, O.J.R. Holzinger auS Ellwangen , Musterlehrer Weinmann auSEbingen, Professor Allgayer auS Ehingen , ein Landmann, Fischer auSBühlerzell , Pfarrer Reiching auS GroßeiSlingen) wußten jeder in seinerWeise daS Publicum zu fesseln. Noch manche, welche sprechen wollten,standen mit Rücksicht auf die Zeit davon ab.