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Neuntee Jahrgang
X? SS
AV. September L84A.
Hermann von Lehnin.
(Schluß.)
Friedrich Wilhelm! . 1713 — 1740.
76. Der sein Nachfolger ist, geht nicht auf den Wegen deS Vaters.
77. Ihr Brüder betet nur, schont nicht ihr Mütter die Thränen!
78. Bei diesem trügt der Name, er ist nicht Vorbedeutung friedlicher Re-gierung.
79. Es ist nichts Gutes mehr! Zieht fort ihr alten Bewohner. —
80. Er liegt erblasset hier, von außen und innen zerschlagen.
Auf den Wegen deS verschwenderischen Vaterö ging nicht derhöchst geizige Sohn. Er war der größte Schätzesammler und derärgste Wülhrich, unter dem, wie Voltaire sagt, die Türkei ein wahrerFreistaat gegen das damalige Preußen war. Seine größte Leidenschaftwaren große Soldaten, die er überall werben und rauben ließ, wo-durch er vielen Müttern Thränen auspreßte. Seine Freude warenSoldaten, und daher sandte er allen Müttern, die in seinem LandeKnaben gebaren, ein rothe- Halstuch zu, zum Zeichen, daß die Jun-gen all^Soldaten werden''müßten. So hieß er Friedrich und warkein Friedereich. Viele Menschen, die In seinen Staaten wegen diesesRecrutenraubeS nicht mehr bleiben konnten, zogen nach Holland ,Schlesien rc. Er starb an der Wassersucht, und sah auf seinem Parade-bette so entstellt und zerschlagen aus, daß alle vor Entsetzen davonliefen. Er starb 1740, also 17 Jahre nach dem ersten Drucke dieserProphezeiung.
Friedrich II. 1740 - 1786.
81. Bald knirscht der Jüngling, während die hohe Gebärerin seufzt.
Der Sobn desselben, Friedrich der Große , mit einem tüchtigen Heere
von 80,000 Mann und einer vom geizigen Vater gefüllten Schatz-kammer, knirschte vor KriegSlust, und fiel in Schlesien ein, währendMaria Theresia , die Kaiserin, im Wochenbette lag und über dieseNachricht seufzte.
82. Doch wer kann den erregten Staat wieder zur Ruhe bringen?
Dieser einmal begonnene Krieg dauerte viele Jahre. Der erste schlesische
Krieg 1740 — 42. Der zweite 1744 — 45 und der siebenjährigeKrieg 1756 - 63.
83. Er ergreift die Fahne, doch beklagen wird er hartes Mißgeschick.
Der alte Fritz ergriff zwar die KriegeSfahne, aber oft wurde er im ^harten Mißgeschick geschlagen, und verlor die Schlachten bei Kollin,KunerSdorf, Hochkirch, DreSden .
84. klantil)U8 Kino austris, vitam vult oreäoro cluustris.
Während der Südwind von hierab weht, will er sein Leben dem Klosteranvertrauen.
Hierüber hat das Leben deS alten Fritz selbst Aufschluß gegeben. AISer von den Oesterreichern sehr bedrängt und von ungarischen Husareneinst hart verfolgt wurde, flüchtete er in ein Cisterzienser-Kloster, ließsich vom Abte in Mönchökleidung stecken, ging mit inS Chor, undwurde von den ihn suchenden Oesterreichern nicht gefunden. Unter !den X»8tri8 ist also nicht der Südwind zu verstehen, sondern dieOesterreicher . Wer konnte an solche AuSlegung denken? Und doch ,stehen diese Worte 1723 schon gedruckt! So hat sich hierdurch dieHerrmann'sche Weissagung als unzweifelhaft ächt gezeigt.
Friedrich Wilhelm II.
85. Ou> soguitur, provos imitatur p688imu8 avc>8.
Sein Nachfolger ahmt, als der schlechteste, die schlechten Ahnen nach-
86. Xon rokur menti, non >»ii8nnt mimina gonli.
Er hat keine Geisteskraft, daS Volk ist ohne Gott .
Dieser Fürst war in der .That der schlechteste von allen Hohenzollern ,so wie schon Friedrich der Große , sein Oheim, vorausgesagt hatte.In Liederlichkeit, Leichtgläubigkeit, Maitressenwirthschaft, in der ab-scheulichsten Härte im RecrunrungSwesen floß sein ganzes Leben hin.Vom Hofe auS verbreitete sich die Sittenlosigkeit durch alle Stände,und Berlin war schon damals im höchsten Grade verdorben. DurchWollust ward seine „Geisteskraft" ganz geschwächt; der Unglaubenahm in Folge der Sittenlosigkeit so überhakid, daß Wöllner, derMinister deS KönigS, 1788, da viele protestantische Geistliche geschwo-ren hatten, an einem Tage zu predigen, daß di?Goltheit Jesu Ehristiein leeres Hirngespenst sey, ein sehr strenges Edict dagegen erlasse»mußte. So trug die gepriesene Reformation schon jetzt ihre Früchte:daS Volk wurde seines Glaubens an „Gott " beraubt.
87. Luju8 opoin petit, eontrr>riu8 liie 8i'ki 8tetit.
Wer dessen Hilfe sucht, der steht sich selber als Feind.
Oesterreich suchte Preußens Hilfe gegen Frankreich nach. Preußen ge-
! währte sie, zog mit einer Armee nach Frankreich, ließ aber die Oester-reicher ganz im Stich, so daß diese, als die Preußerk sich zurückzogen,die ganze französische Armee auf den Hals bekamen, und schwer ge-schlagen wurden. So hatten die Oesterreicher durch seine Hilfe nurUnglück, und hatten am sogenannten Freunve „einen Feind." Nichtbesser ging es StanitlauS von Polen , der sich auch auf die preußi-sche, fest versprochene Hilfe verließ, die nicht kam, wodurch er seineKrone verlor. Eben so wollte Friedrich Wilhelm II. dem unglücklichenLudwig XVI. zu Hilfe eilen, und brachte durch seinen unüberlegte»Kriegszug und seine stolzen Manifeste die Franzosen so in Wuth, daßsie den armen Ludwig tödteten. Wer also Hilfe bei ihm suchte, derthat sich selber Feindschaft an.
88. Lt perlt in unclw, clum mweet 8umma prokunelw.
Und er kommt im Wasser um, während er Hohes mit Niederm mischt.
Nachdem so sein ganzes Leben ein Gemisch von Hohem und Niederm,starb er, von Ausschweifungen geschwächt, an der Brustwassersucht,und kam so in Wasser um. Ueriro in unäw heißt: an der Wasser-sucht sterben.
89. Xatv8 llorelnt, lproc! non 8pera88ot, kolwlnt;
Der Sohn wird blühen; waS er nicht gehofft, wird er besitzen.
Friedrich Wilhelm III., Sohn deS Vorigen, verlor in Folge der unglück-lichen Schlacht bei Jena seine meisten Länder, und Preußen wardein ganz kleiner Staat. Wer hätte damals geglaubt, daß die Worteunsers Propheten in Erfüllung gingen? Und dennoch erlangte Preu-ßen, nach Napoleons Sturz, waS eS nie gehofft hatte, da FriedrichWilhelm Theile von Sachsen , ja sogar vom altfranzösischen Reicheerhielt. Und hatte er vorher nur über sechs Millionen Unterthanengeherrscht, so gebot er jetzt über 13 Millionen.
90. 8eti popnIu8 1ri8t>8 llekit temporiku8 i8ti8.
Aber daS traurige Volk wird in jenen Zeiten weinen;
91. Nam 8ort>8 mirao vicientur lala voniro.
Denn eines wunderbaren LooseS Schicksale scheinen zu kommen.
Der französische Krieg brachte viele Thränen des (über solches Unglücktrauernden) Volkes hervor; nicht minder seine, durch sokratische Lehr-methode der Bayonette eingeführte gewaltsame Union der Lutherischenund Reformirten. Endlich preßten die Angriffe, die er auf die katho-