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9 (30.9.1849) 39
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lische Kirche machte, die Gefangensetzung der Erzbischöfe, und dieZwangSgesetze über die gemischten Ehen, wonach die Kinder einerkatholischen Mutter lmherisch werten mußten, viele Thränen treuerKatholiken und trauriger Mütter auS. Die Unionsgeschichte, die Be-drückung der Geistlichkeit, die ungerechten, auf Vermehrung des Pro-testantismus berechneten Ehegesetze, und die sich daraus entwickelndenFolgen waren gewißwunderbare Schicksale": diese sonderbaren Er-eiguifse waren für den frommen Propheten, der so etwas nie gesehen,gar wunderbar; darum sagt er ganz ängstlicheines wunderbarenLooses Schicksale scheinen zu kommen."

92. IHt priuoeps no8cil, guock nova potontia crosoit.

Und der Fürst weiß nicht, daß eine neue Macht wächst.

Durch die Union hatte sich der König die Herzen seiner protestantischenUnterthanen entfremdet und die neue Macht der Gleichgiltig-keit in Religionssachen, und deS Mißtrauens gegen dieRegierung, die gegen die Gewissen Gewalt brauchte, hervorgerufen.ES stand bei Protestanten der Wunsch auf, daß ihre Kirche unab-hängig von, Staate seyn möchte. Durch die Gefangensetzung deSErzbischofeS von Köln, und jenes von Posen, durch die ungerechtenEhegesetze hat der König die etwas lau gewordenen Katholiken erweckt,und eS entstand bei ihnen die neue Macht deS Eifers für dieReligion, und der Abneigung gegen Preußen, die nur diekatholische Lehre deS Gehorsams gegen die Obrigkeit in offene FlammeauSzubrechen verhindert. Dann schuf er durch Begünstigung der gott -läugnenden Hegel^schen StaatSphilosophie den Unglauben, und seinefeindlichste Macht, das gottlose Schreibervolk, Liter atenproleta-riat. Durch die maaßlose Gewerbefreiheii und unbeschränkte HeirathS-Erlaubniß, wodurch die Menschen sich wie Sand vermehrten, bildetesich die arme, zahlreiche, hungernde Arbeiterclasse, das Proleta-riat, welches eine neue, nie gekannte Macht i»n Staate ward.Eden so schuf er durch die allzugroße Ausdehnung und Machtvollkom-menheit deö Beamtenwesens die neue Macht der Bureaukratie,die daS Land mehr regierte, als der König, und wegen vielfacherFörmlichkeiten, Grobheit und Hochnäsigkeit (mit Ausnahme der weni-gen braven Beamten, die jeder kennt) den Haß des Volkes auf denKönig wälzte, den man für alles verantwortlich machen wollte. Soentstand die Macht der Demokratie und Revolution.Diese furchtbarenneuen Mächte" wuchsen heran, ohne daß der KönigeS wußte; er war, gleich allen Fürsten, wie Holzhäuser oben schonsagte, mit Blindheit geschlagen, so daß er die kommenden Uebel nichtsah, und sich zum Kampfe nicht rüstete. Gott hat ihn noch zur rech-ten Zeit hinweggcnommen, und er erblickte die traurigen Früchte sei-ner Regierungsmaaßregeln nicht mehr. Aber er hat seinem braven,edlen Sohne eine Saat hinterlassen, deren traurige Ernte dieser jetztsehen muß.

Friedrich Wilhelm IV.

93. Hinlem SLöjilra goiil, gui ullinnis stominatis mit.

Endlich führt den Scepter, der der Letzte seines Stammes seyn wird.

Unser König ist von Joachim III. , der zur lutherischen Lehre übertrat,der Ute in der Reihe der lutherischen Fürsten . Der 1. war JohannGeorg, 2. Joachim Friedrich, 3. Johann SigiSmund , '4. GeorgWilhelm, 5. Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst, 6. Friedrich I. ,7. Friedrich Wilhelm I., 8. Friedrich II. , 9. Friedrich Wilhelm II.,10. Friedrich Wilhelm Illl., 11. Friedrich Wilhelm IV. Mithin stimmtNerS 49Der Eilfle soll der Letzte seyn" mit VerS 93Endlichführt den Scepter, der der Letzte seines Stammes seyn wird. Dader König keine Erben erhielt, machte dieser Umstand früher schondiese Weissagung sehr wahrscheinlich. Manche meinen, diese Worteseyen darauf zu beziehen, daß der König katholisch und Kaiser vonDeutschland würde. Ob daS eine ober daS andere stattfindet, ob eSauf längere Zeit, wcnn'ö geschieht, Bestand hat, wird die Folgeausweisen.

94. Israol iickanäum 8oelu8 rnnlot, morto piauckum.

JSracl wagt eine That, die mit dem Tode gesühnt werden muß.

Hier ist von einem scheußlichen, todcSwürrigcn Verbrechen die Rede.Viele haben diesen VerS auf den Mordversuch deS BürgermeistersTschcch bezogen, den man zum Juden machen wollte. Andere bezie-hen ihn auf die Ermordung eines Pater Thomas in Smyrna durchdie Juden; waS hat aber Pater Thomas in Smyrna mit Preußenzu thun? Andere behaupten, die That Berlins im vorigen März seygemeint. Wieder andere legen gar andere Worte in den Text, undlesen stattl8raol," i8 rex, tiefer König, und wollen ihn eine scheuß-

liche That begehen lassen. Bei dem milden und frommen Sinne un-seres KönigS ist an so etwas gar nicht zu denken. Andere wollenunter JSracl das Volk im Allgemeinen verstehen; dafür hatte Hermannaber ganz andere Worte. Noch andere beziehen diesen VerS aufPius IX. und die Schandthaten des Römervolkeö. Aber was hatPius mit Preußen zu thun! So bleibt nichts übrig, als eine nähereErklärung von der Zukunft zu erwarten. Wörtlich übersetzt hieße derVerS: DaS Judenvolk wagt eine entsetzliche That, die mit dem Todegesühnt werden muß. Wollte man Israel nicht wörtlich nehmen, soließe sich der Satz also umschreiben: DaS von Gott abgefallene Volkwagt eine entsetzliche That.

95. Lt pa8tor gregem recipit, Eormania regem.

Und der Hirt erhält die Heerde wieder und Deutschland einen König.

Dieser Vers weist ganz deutlich darauf hin, daß Deutschland wiederganz zu einer Kirche zurückkehrend, einig unter einem Hirten, einigunter einem Könige seyn wird. Somit stimmt denn auch diese Pro-phezeiung mit der von Holzhäuser über den erleuchteten Papst, undden starken Monarchen überein, die von Gott ausersehcn sind, daseinige römische Reich und die Herrlichkeit der Kirche zu begründen.

96. Die Mark, ihrer alten Leiden vergessend,

97. Nährt ihre Kinder, nicht mehr freut sich der Fremdling;

98. Die alten Gemäuer von Lehnin und Chorin erheben sich wieder,

99. Und nach alter Sitte glänzt die Geistlichkeit in hohen Ehren.

100. Kein grimmiger Wolf die edle Heerde mehr bedränget.

So hätten wir denn durch die geschichtlichen Thatsachen die Wahrheitdieser Prophezeiung aufs Unläugbarste nachgewiesen. Mögen nunauch noch die letzten Verse zum Heile Deutschlands und der Religionin Erfüllung gehen. Unsere protestantischen Brüder müssen dieses,wenn sie auch nur einen Funken von Vaterlandsliebe haben, mit unSwünschen. Die mütterliche Kirche, die katholische, und der gemein-schaftliche Vater, das deutsche Reich, haben schon lange sehnsuchtsvollihre Arme nach denen ausgestreckt, die einst Mutter und Vater ver-ließen, und sich im kalten Norden ein eig'neS Haus bau'ten. Gottlenke ihre Herzen und ihre Schritte in seiner großen Barmherzigkeitrecht bald, damit wieder ein Hirt und eine Heerde sey.

Blumen au- dem Schriftgarten de- heiligen Bernardus.

(Fortsetzung.)

6. Andenken an Gott .

Gleichwie kein Augenblick ist, in dem der Mensch der Güte undBarmherzigkeit Gottes sich nicht bedient oder dieselbe genießt: so soll auchkein Augenblick seyn, in dem er ihn nicht in seinem Gedächtniß gegenwärtighabe. Wo du dich immer befindest, wirf deine Gedanken auf Gott , oderdenke in deiner Seele an etwas Heilsames. Zu dieser Betrachtung ist einjeder Platz geeignet.

7. Anhänglichkeit.

Wenn ein reicher Mann einem armen Weibe sagen würde:Gehehinein zu meinem Gastmahle; lasse aber daS Kind, daS du trägst, her-außen, weil eS weint und unö lästig wird," wird sie eS thun? Wird sienicht lieber Hunger leiden, als allein mit dem Reichen speisen, währenddaS theure Pfand ausgeschlossen wäre? So wollte auch MoseS nicht ein-geführt werden in die Freude seines Herrn wenn sein Volk ausgeschlossenbliebe, dem er mit Mutterzärtlichkeit anhing, obwohl eS unruhig und un-dankbar dafür war. Die eigene Pein hielt er für erträglicher, als dieLoStrennung von seinem Volke.

8. Ankunft Christi.

Damit du dem Herrn bei seiner Ankunft entgegen kommest, brauchstdu, o Mensch, keine Meere zu durchschiffen, keine Wolken zu durchdringen,keine Alpen zu übersteigen. Nicht einen langen Weg brauchst du zu machen,sondern nur bis zu dir selbst ihm entgegen zu gehen; denn sein Wort ist!auf deiner Zunge und in deinem Herzen. Komme ihm nur entgegen inReumuth des Herzens, im Bekenntniß des Mundes, damit du wenigstensaus der Mistgrube deines Sündenelendes kommest; denn wäre unwür-dig für den Urheber der Reinigkeit, dort einzugehen.

^ Der Arzt kommt zu den Kranken, der Erlöser zu den Verkauften,der Weg zu den Irrenden, daö Leben zu den Todten.