lÄLLtÄÄL
156
> ! '
uv
I.'
i.
hcit der Welt gegen die Geistlichen gewöhnlich vorgebracht werden, undwürdigte dieselben ganz nach Gebühr. Nach diesem musterhaften Beamten,dem wir recht viele geistesverwandte StandeSgenosscn wünschen möchten,bestieg Hr. Fabricant C. A. von Brentano aus Augsburg die Bühne.Ein phantastereicher, enthusiastischer Redner, wie er ist, wußte er durchseinen feurigen Vorlrag über die Hauptpuncte deS PiusvereineS auch dieZuhörer, welche von den zwei früheren Rednern in ruhiger Klarheit vor-ncmlich belehrt worden waren, zu entflammen. Seine Toaste aufPiuS IX. und Mar H. fanden vollen Anklang und donnernden Widerhall.Stürmischer Beifall lohnte die fast übermäßige Anstrengung seiner Rede-kraft. Mit etwas weniger Feuer, aber mit gleichem Ernste und gleicherEindringlichkeit sprach der hochw. Hr. Pfarrer I. Rathgeber von May.hingen über denselben Gegenstand, wie sein Vorgänger, aber in ganzeigenthümlicher, vervollständigender Weise. Auf diesen tüchtigen Rednerfolgte noch Hr. Dr. P. Wlltmann. Bürger von Augsburg , mit einemVertrag über die drei Säße des Sprüchleins:
„Jst'S wie es ist, sey'S, wie cS sey! —
Besser ist'S nicht: —
Gott steh' uns bei!"
Diese benutzte er, um zu zeigen, daß der PiuSvcrein die BewegungdeS Jahres 1848 keineswegs schlechthin verdamme, vielmehr, so weit siegut, d. h. so weit sie Schlechtes weggefegt und so weil sie Entfesselung dervorher gebundenen guten Kräfte, Rechte und Freiheiten mit sich gebrachtund noch bringen könne, dankbar und freudig anerkenne; ob er gleich nichtverkenne, daß diese Bewegung ihren sündfluthlichen Charakter nur aus derhöllischen Quelle der bösen Leidenschaften und schweren Verschuldungen inden hohen und niedern Kreisen geschöpft, und daß sie nur durch den himm-lischen Einfluß deS Urquells alles Guten zum Guten habe gewendet wer-den können. Wenn aber der PiuSverein mit der Bewegung, so weit siegut, in dem Grade zufrieden sey, daß er getrosten Muthes ausrufen könne:„Sey'S wie eS sey" —: so müsse er dennoch einsehen und gestehen:„Besser ist'S nicht." DaS komme daher, daß die Bauleute bis jetztso ziemlich ohne Gott gebaut und demgemäß wenig Besseres zu Standegebracht hätten, als Narrenthürme und Kartenhäuser, deren Einsturz jam-mervoll und lächerlich zugleich. ES sey also im höchsten Grade nothwen-dig, daS: „Gott steh' unS bei" — einmal recht ernstlich zu nehmen;und zwar müsse daS von Seiten deS Volkes geschehen, nachdem seineWeisen und Großen so vielfältig als Thoren sich erwiesen. Aber diesesgroße Wort: „Gott steh' uns bei" — fordere, daß auch das Volkzu Gott und seiner Kirche stehe mit all seinem Sinnen und Trach-ten; denn nur den Lebendigen stehe Gott bei, nicht den regungslosen Klötzen.DaS Volk müsse einmal bauen: mit Gott, aber auch mit ent-schiedener Thatkraft, mit Einmüthigkeit, mit Ausdauer, vonInnen heraus, von der Familie, der Gemeinde aus, müsse alleseine Rechte und Freiheiten mit Gewissenhaftigkeit undheiliger Eifersucht gebrauchen, eine rüstige Bruderschaft von „freienMaurern" bilden, wie sie in aller Zeit sich gebildet, wenn eS galt, einenjener bewunderungswürdigen Dome zu erbauen. Dann werde, wenn auch,langsam, so doch allmälig ein neues, herrliches, dauerhaftes Gebäude sich.erheben: mit dem unvergleichlich schönen, alle Gutgewillten einladenden,ja gleichsam bezaubernden, lebendigen Dome der Kirche — der Tempel deSwahren VolkSstaateS, der Tempel der wahren Wohlfahrt deS Volkes.Diese Gedanken führte der Redner in einfacher, volkSthümlicher Art aus,den Ernst mit Heiterem mischend, und die Gemüther des Landvolks mitgemüthlichen Worten anregend. Um in diesen den feierlichen Eindruck, densämmtliche Reden hervorbrachten, gleichsam zu concentnren, schloß derselbemit den in der Gögginger Versammlung vorgetragenen Versen. Der lauteBeifall und die wiederholten Lebehochrufe, welche von Seiten des Volkesnach dem Schlüsse der letzten Rede erfolgten, bewiesen deutlich, daß sämmt-liche Redner die Herzen deS Volkes getroffen und mit dem Gefühle derBefriedigung erfüllt hatten. Die schöne Haltung, welche dasselbe währendder ganzen Versammlung gezeigt, verdiente aber auch die vollste Anerken-nung von Seiten der Leiter der Versammlung und von Seite der Redner,wie sie einer derselben mit einem freudigen Hoch auf den guten Geist, dieTreue und Ausdauer des katholischen Landvolkes auSsprach. Nachdemdieses Hoch mit andern donnernd erwidert war, verlief sich daö Volk ingrößter Ruhe. AIS wir AugSburger nach kurzem Verweilen in der reich-haltigen Mayhinger Bibliothek und im Kreise unsrer Freunde am Abendenach Wallcrstein, den andern Morgen in die Heimath zurückfuhren, brach-ten wir nicht nur eine sehr angenehme Erinnerung mit, sondern die neu-belebte Ueberzeugung, daß, wo immer die Geistlichen einmüthig dsr Mah-
nung PiuS IX. an den Klerus von Neapel folgen wollen: „Seyd dieFührer des Volkes" — nicht nur der PiuSverein begründet, sondernsein großer Zweck — die Verwirklichung des Reiches Gottes und eben-damit die Wohlfahrt deS Volkes — unter Gottes gnädigem Beistand mitMacht gefördert werden könne. Aber „Virilius unitis" — muß der Wahl-spruch seyn!
Volksversammlung in Deußmauer.
4 AuS dem Nordgau, 23. Sept. Dort um Deußmauer schwebtheute ein rosiger Schimmer, schön, wie ihn noch selten ein Tag gesehenhaben wird. Der starre Winter der Knechtschaft mit seinem kalten Schauer! scheint Vorüber und eine heitere Sonne lächelt aus unbewölkiem Himmel! und sendet ihre wärmenden Strahlen nieder, und von tausend und tausend! Kehlen ergießt sich ein Lied, ein Jubel, als sey der Tod der Freiheit vom! Leben verschlungen, als feierte die Freiheit, diese edle Tochter ihren Aus-erstehungsmorgen. Sie werden wissen, daß verwichenen Sonntag der Zweig-verein für constitutionelle Monarchie und religiöse Freiheit in Deußmauereine Volksversammlung hielt. Von nah und fern drängten sich alle Gut-gesinnten herbei. Die Zweigvereine von ParSberg und Hohenburg kamenauf festlich geschmückten Wagen. Pfarrer Graf von Günching, dieser füralles Gute und Edle hochbegeisterte Mann, stellte seine Schuljugend, welchedurch den melodischen Strom ihrer Jubellöne das Ohr ergötzte. Endlicherschienen die Festredner, die wie im Triumphzuge zur Tribüne begleitetwurden.
Der VereinSvorstand uud praktische Arzt in Velburg Hr. Dr. Ringeröffnete die Versammlung, indem er in kurzen aber herzlichen Worten dieZuhörer bewillkommte und Sr. Majestät ein dreimaliges, donnerndes Hochbrächte. Nun bestieg Tischlermeister Kohl Haupt von RegenSburg dieTribüne. In festen, ernsten und entschiedenen Worten sagte er, wie wenigdes Guten unS der Umschwung der Dinge gebracht hat, des Schlimmenaber sehr Vieles. Er ermunterte zur Ruhe und Ordnung, denn nur aufdiesem Wege könne daS angestrebte Ziel erreicht werden. Niederreißen seywohl leichter als Aufbauen. Hr. v. Sauer, Redacteur des Volksblattes,sprach im gemüthlichen, volksthümlichen Tone über die verschiedenen Ver-eine, und gab die Merkmale an, wodurch sich die guten von den schlechtenunterscheiden. Eberhard, der letzte Redner, setzte der Sache die Kroneauf. WaS soll ich sagen von diesem Wächter in JSrael, diesem gewal-tigen Eiferer für die gute Sache! Mir war es, als hörte ich vom Redner-stuhle eine Posaune, welche wie ein gewaltigerAonner die Herzen erschüt-tert. Doch wie wäre eS möglich den ganzen Kranz der Vorzüge diesesRedners zu schildern! Zuerst sprach er von Politik. Mit hinreißender Be-redsamkeit zeigte er, wie es eine Schmach für Deutschland , und insbeson-dere für Bayern sey, die Republik auf dem Leichenfelve von Millionen zubauen; zeigte wie ein größeres Volk nur von einem Könige regiert werdenkönne, der mit eisernem Scepter das Laster niederhalte, dem alles mit sichreißenden Strome der Leidenschaften einen mächtigen Damm entgegensetze;wie unser Volk noch zu edel sey, als daß eS sich zum Taglöhnervolke stem-peln lasse, wie Frankreich, durch Einführung der Republik; wie Bayern seinen Ruhm darein setze, von einer majestätischen Majestät regiert zu wer-den. Sodann warf er sich auf das religiöse Gebiet, sprach besonders vonKirchenfreiheit, als der Retterin aus dem gähnenden Abgrunde deS Ver-derbens, als dem kostbarsten Gute, welches unser edler König Mar unS -gewiß nicht vorenthalten werde. Auch er schloß mit einem donnernden Hochauf unsern geliebten LandeSvater Mar. Herr Pfarrer Graf sprach nochseinen Dank auS für die große Theilnahme an diesem Feste und fordertedie versammelte Menge auf, die Worte wohl im Herzen zu bewahren.Und so endete das Ganze mit einem nochmaligen Hoch auf König Marund unsern heiligen Vater PiuS.
So wäre denn Alles ruhig verlaufen. Aber daS Schreibervolk voneinem benachbarten Landgerichte war auch zugegen, freilich nur wie Phari-säer, nicht um die Wahrheit zu hören und zu prüfen, sondern nur umetwas zu einer Anklage zu finden. Wer hat dir gerathen, in unser Eigen-thum zu gehen? Warum jenes Toben und Wüthen, jenes Schimpfen undLästern? Die Wahrheit könnet ihr nicht hören, darum wollt ihr euer»Geifer ausspritzen. Doch Dank dem Herrn, daß die gute Sache nicht zuSchanden wurde. Brüder haltet zusammen! ES thut noth! Brüder haltetzusammen! Seht wie sie einig sind, sie die Wenigen, wenn eS gilt, unSzu verderben.
Verantwortlicher Redacteur: L. Schönchen.
Verlags-Inhaber: F. C. Kremer.